SCHOKOLADE WIRTSCHAFT



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Transkript:

BAEDEKER WISSEN ALPHORN Tönendes Nationalsymbol SCHOKOLADE Weltberühmte Qualität WIRTSCHAFT Geld, Banken, große Unternehmen MODERNE ARCHITEKTUR Von Le Corbusier zu Zumthor CHWEIZ

8 INHALT Inhaltsverzeichnis HINTERGRUND 14 Vom Rütlischwur zur Willensnation 16 Fakten 17 Natur und Umwelt 27 Bevölkerung Staat Verwaltung 30 Infografik: Die Schweiz auf einen Blick 34 Infografik: Politische Strukturen 39 Wirtschaft 40 Willkommen im Alltag! 44 Infografik: Geld, Banken, große Unternehmen 48 Geschichte 56 Special: Immerwährende Neutralität? 60 Kunst und Kultur 61 Kunstgeschichte 73 Schweizer Bauernhäuser 74 Infografik: Schweizer Moderne 77 Traditionen 80 Berühmte Persönlichkeiten ERLEBEN & GENIESSEN 92 Essen und Trinken 93 Im Land von Rösti und Capuns 96 Typische Gerichte 102 Special: Schweizer Käse 104 Feiertage Feste Events 105 Tradition und große Kultur 106 Special: Ein Gefühl von Woodstock 108 Mit Kindern unterwegs 109 Abenteuer in den Bergen 112 Shopping 113 Schweiz zum Mitnehmen 114 Special; Starke Marken 116 Übernachten 117 Ein Bett für jeden Geschmack 122 Special: Dem Himmel so nah 124 Unterwegs mit Bahn & Bus 125 Die schönsten Panoramastrecken 128 Urlaub aktiv 129 Sportarena Schweiz 134 Special: Schweizer Kulturwege Um 1770 erhielt das Hotel Krone in Trogen (Appenzellerland) seine wunderbare Rokoko-Fassade.

Seit 1892 dampft die Zahnradbahn aufs Brienzer Rothorn. TOUREN 139 In der Schweiz unterwegs 139 Übersicht 140 Tour 1: Vom Appenzellerland zum Gotthard 141 Tour 2: Durch die Zentralschweiz ins Rhonetal 144 Tour 3: Durch das Mittelland zum Genfer See 146 Infografik: Wege über die Alpen 148 Tour 4: Der Schweizer Jura REISEZIELE VON A BIS Z 152 Aarau 155 Aigle 158 Altdorf 160 Andermatt 167 Appenzellerland 175 Arosa 177 Ascona 181 Baden 185 Bad Ragaz und Bündner Herrschaft 190 Basel 200 Special: Basler Pfeiffer und Walliser Tschäggätä 215 Bellinzona 218 Bergell Val Bregaglia 222 Bern 238 Berner Oberland 240 Berninastraße Preiskategorien Restaurants: Preise für ein Hauptgericht A A A A über 50 CHF A A A 30 60 CHF A A 20 50 CHF A 15 40 CHF Hotels: Preise für ein Doppelzimmer mit Bad und Frühstück A A A A über 400 CHF A A A 250 400 CHF A A 175 250 CHF A bis 175 CHF Telefonnummern gekennzeichnet: *0900

10 INHALT Inhaltsverzeichnis Prächtige»Alpabfahrt«im Simmental 244 Biel & Bielersee 252 Bodensee 260 Brienz & Brienzersee 263 Brig 268 Special: Übers nicht mehr ewige Eis 270 Chur 275 Crans-Montana 277 Davos 282 Delémont 287 Disentis & Blenio-Tal 291 Einsiedeln 294 Engadin 301 Engelberg 303 Entlebuch & Emmental 309 Flims-Laax-Falera 311 Fribourg Freiburg 318 Frutigland 323 Genf Genève 324 Infografik: Willkommen Welt! 345 Genfersee 352 Glarnerland 358 Goms 362 Graubünden 365 Gruyère Greyerzerland 368 Gstaad & Saanenland 371 Ilanz 375 Interlaken 380 Jungfrau-Region 388 Special: Zum höchstgelegenen Bahnhof Europas 390 Jura 391 Klosters 394 La Chaux-de-Fonds 398 Lago Maggiore 402 Lausanne 410 Lenzerheide-Valbella 412 Leukerbad 415 Liechtenstein (Fürstentum) 420 Locarno 430 Special: Reiche arme Täler 432 Lötschental 434 Luganersee 439 Lugano 445 Luzern 457 Martigny 463 Meiringen & Haslital 466 Montreux 470 Murten 474 Neuchâtel Neuenburg 482 Infografik: Alpenklang 484 Oberhalbstein & Albula 488 Olten 490 Pontresina 492 Rhein 510 Saas-Tal 513 Saint-Maurice 517 San Bernardino 520 Sankt Gallen 524 3 D: Stiftskirche St. Gallen 528 Sankt Gotthard 533 Sankt Moritz 537 Sarnen & Sarnenland 541 Schaffhausen 546 3 D: Das Jahrtausendloch 548 Schwyz 551 Scuol Schuls 554 Sierre Siders 559 Simmental

Centovalli-Bahn bei Intragna im Tessin 562 3 D: Simmentaler Bauernhäuser 565 Simplon 568 Sion Sitten 576 Solothurn 582 Stein am Rhein 584 Tessin 586 Thun & Thunersee 593 Thurgau 596 Toggenburg 601 Vevey 605 Vierwaldstättersee 614 Infografik: Schweizer (und) Schokolade 616 Walensee 620 Wallis & Rhone-Tal 623 Winterthur 630 Yverdon-les-Bains 638 Infografik: Das Dach Europas 638 Zermatt 644 Zernez 648 Special: Malende Mönche 650 Zofingen 652 Zug 658 Zürich 678 Zürichsee PRAKTISCHE INFORMATIONEN 686 Anreise Reiseplanung 688 Auskunft 689 Elektrizität 689 Etikette 690 Geld 691 Gesundheit 692 Literaturempfehlungen 693 Notrufe 694 Post & Telekommunikation 695 Preise & Vergünstigungen 695 Reisezeit 696 Verkehr 703 Zeit 704 Register 715 Verzeichnis der Karten und Grafiken 716 Bildnachweis 717 atmosfair 718 Impressum 719 Verlagsgeschichte 722 Kuriose Schweiz

Natur und Umwelt HINTERGRUND 17 Natur und Umwelt Das Hauptkapital des Ferienlandes Schweiz ist seine atemberaubende Hochgebirgslandschaft. Doch auch die sanften Höhe des Juras und das weite Mittelland sind überaus reizvoll, nicht zuletzt durch ihre idyllischen Seen. Die Schweiz gliedert sich in drei Hauptgebiete: rund 60 % entfallen auf den Alpenraum im Südosten, 30 % auf das vorgelagerte Mittelland und ca. 10 % auf den Jura im Nordwesten. Rund 77 % der Fläche sind dicht besiedeltes Kulturland, 23 % wenig produktives Land im Gebirge, in dem nur ein Fünftel der Eidgenossen lebt, das jedoch als international begehrtes Urlaubsziel einen überragenden Imageund Wirtschaftfaktor darstellt. Kernraum ist das Mittelland, in dem auch die größten Städte Genf, Lausanne, Bern und Zürich liegen. Der einzige Kanton südlich des Alpenhauptkamms ist das Tessin. Großräume ALPEN Wo heute die Schweiz liegt, breitete sich einst das Tethysmeer aus. Als die Afrikanische Platte sich gegen Ende des Erdmittelalters nordwärts bewegte, wurden in drei Phasen die Alpen aufgefaltet. Dabei wurden alte Gesteine wie Granit sowie jüngere Gesteine wie Sedimente in vielfältigster Form unter Druck gesetzt, zusammengeschoben, emporgehoben, übereinandergeschoben, zerbrochen und umgestaltet; gleichzeitig wurde die Oberfläche durch Verwitterung und Abtragung verändert (später taten die Eiszeiten das Ihre). Dementsprechend bieten die Alpen geologisch wie morphologisch ein höchst buntes Bild. Reste der alten Penninischen Decken sind noch u. a. am Stanserhorn und den Mythen erhalten. Der markante Säntis und der Pilatus sind aus Kalkstein aufgebaut, in Graubünden und im Wallis trifft man auf Gneismassen und Schiefer, Flysch (gespr. fliesch) ein weiches, rasch verwitterndes Sediment gestein bildet die sanften Hügel- und Berglandschaften am Alpennordrand. Entstehung der Alpen Die Längstäler von Rhone und Vorderrhein sowie die Quertäler von Reuss und Ticino gliedern das Gebirge in eine nordöstliche Gruppe (Alpstein/Toggenburg, Glarner, Schwyzer und östliche Urner Alpen), in die Nordwestalpen (westliche Urner, Unterwaldner, Berner, Freiburger, Waadtländer Alpen) und die Südalpen (Walliser, Gliederung Das politische Herz der Eidgenossenschaft: Bundeshaus in Bern

18 HINTERGRUND Natur und Umwelt Tessiner, Bündner Alpen). Die mittlere Höhe der Schweizer Alpen liegt bei 1700 m ü. d. M., etwa 100 Gipfel sind um die 4000 m hoch. Das Matterhorn (4478 m) ist der bekannteste Gipfel des Landes, die Dufour-Spitze im Monte-Rosa-Massiv der höchste (4634 m); der tiefste Punkt der Schweiz ist der Lago Maggiore (193 m). Höhenstufen Schon um 1770 vermerkte der Züricher Gelehrte J. J. Scheuchzer bewundernd die Tatsache, dass man in der Schweiz in wenigen Stunden das Vegetationsspektrum vom Mittelmeerraum bis zur Arktis und die Jahreszeiten vom Winter bis zum Sommer erleben kann. Auf der Alpennordseite unterscheidet man fünf Höhenstufen: die Hügelstufe bis zur Rebengrenze (600 m ü. d. M.), zu der auch die großen Alpentäler und die höher gelegenen Bereiche des Mittellandes zählen, mit Obst-, Gemüse-, Wein- und Getreideanbau die Bergstufe bis zur Laubwaldgrenze (1200 m) mit Laubmischwald und Weidewirtschaft die Untere Alpenstufe bis zur Baumgrenze (1800 m), gekennzeichnet durch Nadelwald, der in Legföhren übergeht die Obere Alpenstufe bis zur Schneegrenze (bis 2500 m) mit Sommerweiden, Einzelbäumen, Legföhren und einer besonders reichhaltigen Blumenflora, und

Die Kühmaad im Lötschental ist ein typisches Beispiel für die Obere Alpenstufe mit Legföhren, Fichten und freistehenden Lärchen. die Schneestufe (über 2500 m) mit Schutt- und Geröllhalden, Schneefeldern und Gletschern. Je nach Sonnen exposition können die Grenzen der Stufen stark variieren. Auf der Alpensüdseite liegen sie ca. 300 m höher als auf der Nordseite. Besonders artenreich und überaus prächtig ist die, die unter schwierigen Klimaverhältnissen gedeiht. In der kurzen Vegetationsperiode in 2000 m Höhe bis zweieinhalb Monate, in 3000 m nur 5, 6 Wochen kann intensive Sonne über 40 C erwärmen, nachts kann auch im Sommer Frost auftreten; das Biotop kann wüstenartig sein, aber auch sumpfig-nass. Zu den typischen Arten zählen vor allem Alpenrose, Enziane, Alpenveilchen, Primeln, Türkenbund, Troll blumen, Alpenmohn, Eisenhut und Edelweiß. Von über 3000 blüten- und farn artigen Pflanzen der Schweiz sind 160 ganz oder teilweise geschützt; die betreffenden Vorschriften sind kantonal unterschiedlich. Einige typische Vertreter der alpinen Tierwelt: In den höheren Bergregionen sind mit etwas Glück putzige Murmeltiere zu sehen, die bei Gefahr mit gellendem Pfiff verschwinden. Als kühne Flieger zeigen sich die kleinen schwarzen Alpendohlen. Selten sind Stein adler und Bartgeier zu entdecken. Meist nur mit dem Fernglas kann man Gemsen und Steinböcke beobachten, die elegant an senkrechten Felswänden (und Staumauern) herumkraxeln und selbst in höchsten Lagen anzutreffen sind. Immer wieder wandern von Italien oder vom Balkan her Wölfe und Bären in die Schweizer Alpen ein. Ebenso ist es gelungen, den Luchs in abgelegenen Bergregionen wieder heimisch werden zu lassen. Weitere Informationen unter www.bafu.admin.ch und www.cps-skew.ch. Flora und Fauna

20 HINTERGRUND Natur und Umwelt Die Entstehung des Mittellandes MITTELLAND Eng mit der Entstehung der Alpen ist die Entwicklung des Schweizer Mittellands verbunden. Aus dem noch jungen Gebirge wurde Erosionsmaterial geschwemmt, die Molasse (von lat. molere, mahlen), die sich im Molassemeer ablagerte. Das Erosionsmaterial wurde im Lauf der Zeit zusammengebacken, wobei die für das Mittelland typischen Gesteine entstanden. Die letzte Phase der Alpenfaltung griff auch auf die Molasse über; alpine Decken wurden auf diese geschoben, einzelne Schollen der Molasse

Schloss Waldegg bei Solothurn: Hier steigt der Jura angehoben. Wohl das imposanteste Zeugnis dafür ist die Rigi, die wie eine Mega-Sprungschanze ins Mittelland hinausragt. Sein heutiges Bild und seine Fruchtbarkeit verdankt das Mittelland den Eiszeiten. End- und Seitenmoränen prägen die Landschaft ebenso wie runde bis längliche Hügel aus Lockermaterial (Drumlins), die oft mit Wald bestanden sind. Etliche Seen stauen sich an Moränen oder sind mit Wasser gefüllte Gletscherzungenbecken. In Gebieten des Mittellands, die während des Pleistozäns nicht von Eis und Schnee bedeckt waren, so im Tössbergland und im Napfgebiet, konnten sich Flusslandschaften mit tiefen Kerbtälern, Spornen und Hochflächen entwickeln. Landschaftsbild JURA Auch der Schweizer Jura ist zum Teil ein Ergebnis der alpinen Gebirgsbildung, deren Effekte bis zum nördlichen und westlichen Rand des Molassebeckens reichten. Zwischen dem Schwarzwald bzw. der Vogesen im Norden und dem französischen Zentralmassiv im Südwesten wurden die Ablagerungen des Jurameers, das im Erdmittelalter weite Teile Europas bedeckt hatte, angehoben, gekippt und von der Faltung erfasst. Ganz im Norden nördlich des Doubs, entlang des Hochrheins und im Kanton Schaffhausen blieben die Kalkschichten in ihrer horizontalen Lagerung, wurden aber z. T. angehoben oder durch Brüche versetzt. Typisch sind die Hochflächen des Tafeljuras und die steilwandigen Täler, die häufig als Verkehrsadern fungieren. Anders die Situation weiter südwestlich: Von Genf bis zum Kanton Zürich zieht sich der Kettenjura, dessen Schichten regelmäßig gefaltet sind und eine Landschaft steinerner Wellentäler Entstehung des Juras