Der dritte Bildungsweg



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Transkript:

Der dritte Bildungsweg Dr. Michaela Kuhnhenne Abschlußworkshop Hochschulzugang für Berufstätige Exemplarisch analysiert am Beispiel der Ruhr-Universität Bochum 14. Juli 2011 www.boeckler.de

Überblick Zielsetzungen der Erweiterung des Hochschulzugangs Hochschulzugang für Berufstätige Zugangswege und Veränderungen Nutzung des Studiums ohne Abitur Ergebnisse erster Studien nach den Neuregelungen Problemlagen 2

Zielsetzungen der Neuregelung des Hochschulzugangs für beruflich Qualifizierte Vereinheitlichung und mehr Transparenz in den länderspezifisch sehr unterschiedlichen Regelungen zum Hochschulgang für Personen ohne Abitur/FH- Reife Soziale Durchlässigkeit erhöhen Durchlässigkeit des Bildungssystems erhöhen Fachkräftemangel entgegenwirken 3

Zulassung von Studierenden ohne Abitur/FH-Reife vor 2009 Vielzahl länder- und hochschulspezifischer Regelungen Zugang möglich über (je nach Land): Zulassungsprüfung (teils an Voraussetzungen gebunden), Probestudium, Meister/in oder Fachschulabschluss (je nach Land als allgemeine, fachgebundene oder Fachhochschulreife eingestuft) In NRW Zulassung von Meister/innen, Fachschulabsolvent/innen zu FH-Studium An RUB und anderen Hochschulen seit 2005 über Zugangsprüfung (über Fakultäten geregelt), Voraussetzungen für die Zugangsprüfung: Mindestalter 22 Jahre, abgeschlossene Berufsausbildung, mind. 3 jährige Berufs- /Erziehungs-/Pflegetätigkeit 4

Studienberechtigung Quelle: Nickel 2009, 49 (nach Angaben des statistischen Bundesamtes) Art der Studienberechtigung in % Gymnasium, Fachgymnasium, Gesamtschule (Berufs-)Fachschule, Fachakademie 1995 2000 2004 2005 2006 77,1 81,6 77,1 76,9 77,4 3,3 3,2 4,9 5,4 5,3 Fachoberschule 11,9 9,4 11,5 11,2 10,5 Zweiter Bildungsweg 3,8 2,6 3,1 3,3 3,3 Dritter Bildungsweg 0,5 0,7 1,1 1,0 1,0 5

Studienanfänger/innen WS 2006/07 nach Art der Studienzugangsberechtigung an Unis und FHs 6 Autorengruppe Bildungsberichterstattung 2008. Abb. H4-5, S. 176

Studienvoraussetzungen KMK Beschluss März 2009: Zulassungen werden nach einjährigem erfolgreichen Studium bei Weiterstudium in einem anderen Bundesland im gleichen oder affinen Studiengang von allen Bundesländern anerkannt Fortbildungsabschlüsse wie Meister/in, Techniker/in werden dem Abitur gleichgesetzt Mind. Zweijährige Berufsausbildung und mind. 3jährige einschlägige Berufserfahrung und Eignungsfeststellungsverfahren = fachgebundene Hochschulreife Weitergehende Regelungen der Länder möglich 7

Hochschulzugang für Berufstätige Zugangswege und Veränderungen Zulassung NRW Meister und vergleichbar Qualifizierte haben ohne jede vorherige Prüfung den direkten Zugang zu allen Studiengängen an sämtlichen Universitäten und Fachhochschulen in Nordrhein-Westfalen. Wer eine mindestens zweijährige Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und mindestens drei Jahre im erlernten Beruf gearbeitet hat, erhält Zugang zu Studiengängen, die der fachlichen Ausbildung und Berufspraxis entsprechen - direkt und ohne Zugangsprüfung. Mit einer abgeschlossenen, mindestens zweijährigen Ausbildung und drei Jahren Berufspraxis können Studieninteressierte auch Fächer studieren, die nicht ihrem bisherigen Berufsweg entsprechen. Das gilt auch, wenn nach der Ausbildung minderjährige Kinder erzogen oder ein Angehöriger gepflegt wurde. Diese Zeit wird als Berufspraxis anerkannt. Der Weg zum Studium führt dann über ein Probestudium oder eine Zugangsprüfung an der jeweiligen Hochschule. Für zulassungsbeschränkte Studiengänge gelten Sonderregelungen. (Quelle: Wissenschaftsministerium NRW http://www.wissenschaft.nrw.de/hochschulen_und_forschung/hochschulrecht/vero rdnung_ueber_den_hochschulzugang/index.php) 8

Profil der Studierenden des Dritten Bildungswegs vgl. Freitag 2009, 14 f. Angaben aus HIS Studienanfängerbefragung In NRW 2007/08 1,09% aller Studierenden über dritten Bildungsweg, bundesweit 1,11% 2009 bei knapp 5.400 beruflich qualifizierte StudienanfängerInnen = 1,27 % (Angabe des Statistischen Bundesamtes) 87 % älter als 25 Jahre bei Studienaufnahme (Vergleich StudienanfängerInnen insgesamt 10,56 %) Größter Anteil der beruflich qualifizierten Studierenden im WS 07/08 aus Gruppe der kaufmännischen Ausbildungen (32 %), Mechaniker/Elektriker/innen u.ä. (22,6 %), Chemielaborant/innen u.ä. 8,4 %, Gesundheitsberufe und MTA, (6,1 5), Erzieher/innen (5,6 %) Studienfach überwiegend in engem Zusammenhang mit Ausbildungsberuf Studium überwiegend an Fachhochschulen, Fernuniversität, privaten Hochschulen Fortführung der Berufstätigkeit während des Studiums 9

Studien zum Dritten Bildungsweg (Böckler) Hochschulzugang für Berufstätige - Exemplarisch analysiert am Beispiel der Ruhr-Universität Bochum, Gemeinsame Arbeitsstelle RUB/IGM (Wannöffel, Buchholz, Jochheim) Bestandsaufnahme und Rahmenbedingungen zum Erfolg von Technikern im Hochschulstudium, Hochschule für Oekonomie & Management, Essen, (Klumpp) Zweiter und Dritter Bildungsweg in die Hochschule - Forschungsstand und Forschungsbedarf, Freitag, Bielefeld Der 3. Bildungsweg für Studierende der Europäischen Akademie der Arbeit, Kooperationsstelle Hochschule und Gewerkschaften, Frankfurt-Rhein-Main (Hoormann, Kern, Schlemmermeyer) 10

Ergebnisse erster Studien Die Neuregelung des Hochschulzugangs für Beruflich Qualifizierte verbessert die Studienchancen dieser Gruppe nicht grundlegend, erleichtert jedoch den Zugang. Fachhochschulen sehen in den beruflich Qualifizierten langfristig eine attraktive Zielgruppe, halten sich jedoch angesichts des derzeitigen Studierendenbergs mit offensiver Werbung um beruflich Qualifizierte und besonderen Angeboten zurück. Universitäten reagieren sehr zurückhaltend. Potenzielle Studierende haben kaum Informations- und Beratungsmöglichkeiten Die wissenschaftliche Weiterbildung an Fachhochschulen richtet ihr Angebot verstärkt an den Bedarfen beruflich Qualifizierter aus neue Zielgruppe. 11

Problemlagen Informations- und Beratungsmangel Zulassungsbeschränkte Studiengänge Hürden vor und in den Zulassungsprüfungen (Beispiel Bayern, Nachweis von Englischkenntnissen, Prüfungen entsprechend der Abituraufgaben, vgl. Schelten 2011) Studienfinanzierung bei Vollzeitstudium erhöhter finanzieller Bedarf aufgrund anderer Lebenssituation als junge Studierende Fehlende Studienangebote für berufsbegleitende und TZ- Studium 12

Aktivitäten zur Förderung des Dritten Bildungswegs Offene Hochschule Niedersachsen Ankom (Anrechnung beruflich erworbener Kompetenzen auf Hochschulstudiengänge) Aufstiegsstipendium Geplantes Modellprojekt Studienförderung Böckler- Stiftung und des Landes NRW (Wissenschaftsministerium, Arbeitsministerium) 13