Verschieden gleich anders? Einstellungen zu Bildung und Beruf im interkulturellen Kontext Anne Meuer-Willuweit Karina Schneider-Wiejowski Anders messen. Diversity Monitoring für Hochschulen Berlin, 28. + 29.11.2011
Forschungsprojekt: Rollenverständnis von Frauen und Männern mit Zuwanderungsgeschichte vor dem Hintergrund intergenerativer und interkultureller Einflüsse Auftraggeber: MGFFI + BMFSFJ Durchführungszeitraum: 09/2008 09/2009 Veröffentlichung: 12/2010
Forschungsfragen (Auszug) Welche Rollenverständnisse herrschen bei den untersuchten Zielgruppen vor? Wovon sind diese abhängig? Welchen Einfluss haben Erziehung, Vorbilder, Werte und Normen der Herkunftskultur? Inwieweit lassen sich junge Menschen von ihren Eltern beeinflussen? Welche Rolle spielt Bildung?
Design der Studie Konzentration auf die Zuwanderungsgruppen mit türkischer und osteuropäisch/russischer Herkunft (Spätaussiedler) qualitative Studie Durchführung von Interviews in Mutter- Tochter- bzw. Vater-Sohn-Tandems jüngere Generation bis 30 Jahre alt ältere Generation quer durch alle Bildungsschichten, jüngere Generation überwiegend höhere Schulabschlüsse
Schulbildung Schulabschluss der jüngeren Generation (n=80) Allgemeine Hochschulreife (Abitur) - 35 Fachhochschulreife (Fachabitur) - 11 Fachoberschulreife (mittlere Reife) - 14 Hauptschulabschluss - 4 Berufsschulabschluss - 3 noch Schüler/in - 9 kein Abschluss - 3 keine Angaben - 1 35 11 14 4 3 9 3 1 0% 25% 50% 75% 100%
Zentrale Ergebnisse (1) Es gibt mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen Je höher das Bildungsniveau des Elternhauses, desto liberaler i. d. R. die Erziehung Bildung hat einen extrem hohen Stellenwert sowohl formale als auch informelle Bildung Berufstätigkeit und Identifikation mit der Arbeit gelten als selbstverständlich
Zentrale Ergebnisse (2) Eltern haben stärkste Vorbildfunktion, danach Lehrer/innen, Großeltern, Trainer, vereinzelt Vorgesetzte Bildung und Beruf gelten als Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben und zur strukturellen Integration Berufliche Integration in den Arbeitsmarkt wird mit realistischer Skepsis betrachtet Anspruch von Frauen auf eigene berufliche Unabhängigkeit
Beispiel Olga L., 31 Jahre Studium der Pädagogik in Russland Stipendium für Studienaufenthalt in Deutschland Studium der Pädagogik in Bielefeld Promotion in Pädagogik in Bielefeld Lehraufträge an der Uni, kleine Projekte in ihrem Forschungsfeld bei freien Trägern, Leben am Existenzminimum Habilitation in Bielefeld, jedoch keine Chance im Wissenschaftsbetrieb Rückkehr nach Russland
Beispiel Mehmet T., 31 Jahre Fachhochschulreife nach Abgang nach der 12. Klasse Ausbildung als Industriekaufmann BWL-Studium begonnen nicht abgeschlossen durch fehlende Sprachkompetenz, insbesondere in Bezug auf das wissenschaftliche Schreiben derzeit: Arbeit als Facharbeiter in einer Firma eines türkischen Verwandten
Beispiel Elena O., 41 Jahre Soziologie-Studium an der Universität Moskau, Abschluss sehr gut Leiterin der Magisterabteilung der Uni Moskau und Dozentin Postgrad.-Studium als Stipendiatin in Deutschland Wiss. Mitarbeiterin als Stipendiatin der Max- Planck-Gesellschaft Promotionsstudium (noch nicht abgeschlossen) Diverse Projekte im Migrationsbereich: immer befristet, fast immer schlecht bezahlt
Handlungsempfehlungen integrative Studiengänge Bereitstellung von E- Learning-Materialien Videoaufzeichnungen der universitären Lehrveranstaltungen
Integrative Studiengänge Modellprojekt in Bielefeld: Masterstudium Germanistik/DaF Studierendenschaft: ca. 50% InländerInnen und 50% ausländische Studierende studentische Patenschaften: Verhindern von Isolierung von Nicht- MuttersprachlerInnen, Integration, Netzwerke
Unterstützende Lehrmaterialien E-Learning- und E-Assessment-Materialien ermöglichen automatische Korrekturen, sodass Lehrende weitaus mehr Übungsmaterial zur Verfügung stellen können Austausch über Foren möglich (Entwicklung von Schreibkompetenz) Self-Assessments zur eigenen Leistungskontrolle Probeklausuren
Videoaufzeichnungen von Lehrveranstaltungen können in vielen Fällen hilfreich sein, Unverstandenes noch einmal aufzuarbeiten. Beispiel Universität Osnabrück: http://www.youtube.com/watch?v=-3-6kkybtki http://www.youtube.com/watch?v=xqc- 0PFka8M