1. Zu wenig Milch falscher Alarm? Milchfördernde Massnahmen Wenn die Brüste weich und nicht mehr so gross wie im Wochenbett sind, wenn das Kind sehr kurz oder lange gestillt werden will, wenn es oft weint, unruhig ist oder in der Nacht nicht durchschläft, zweifeln Mütter oft an ihrer Fähigkeit, genügend Milch für ihr Kind zu bilden. Hier wird oft falscher Alarm geschlagen! Es ist normal, dass die Brüste nach einigen Wochen zwischen den Stillmahlzeiten nicht mehr gespannt sind. Die Länge der Stillmahlzeit hängt vom Temperament des Kindes und von der Fliessgeschwindigkeit der Muttermilch ab und kann 5-45 Min. dauern. Das Weinen kann viele andere Ursachen haben. Wann das Kind in der Nacht durchschläft, ist sehr individuell. Oft benötigen die Kinder in der Nacht die Körpernähe und die Gewissheit, dass die Mutter / der Vater anwesend ist. Folgende Kriterien zeigen, dass das Kind genügend ernährt wird - Das Baby wird runder und nimmt wöchentlich mindestens 120 g zu - Es hat 5-6 nasse Windeln pro Tag - In den ersten sechs Wochen hat das Baby mindestens einmal pro Tag Stuhlgang - Es ist lebhaft und wach - Während dem Stillen sind regelmässige Schluckgeräusche hörbar - Nach dem Stillen ist die Brust weicher Ist die Milchmenge jedoch ungenügend oder hat sich reduziert, können folgende Massnahmen helfen. 2. Erste Massnahmen bei stillenden Müttern Stress reduzieren, Ruhepausen einschalten und Essgewohnheit überprüfen Stresshormone können das Milchspendehormon blockieren. Der Milchspendereflex findet dann nicht oder nur in abgeschwächter Form statt. Geschieht dies über einen längeren Zeitraum, signalisiert die fehlende Entleerung dem Körper, dass die Milchbildung reduziert werden soll. So kann Stress und Ärger zum Milchmangel führen. Oft finden die Mütter keine Zeit, regelmässig und ausgewogen zu essen. Die Natur sorgt für den Nachwuchs, deshalb nehmen die Milchdrüsen vom mütterlichen Körper alles, was sie zur Bildung einer Milch von guter Qualität brauchen. Eine ungenügende und nicht ausgewogene Ernährung führt zur erhöhten Belastung des mütterlichen Körpers und stellt somit ein weiterer Stressfaktor dar. Häufiges Anlegen Die Menge der Muttermilch ist abhängig vom Bedarf des Kindes, d.h. je öfter das Kind an der Brust trinkt, desto mehr Milch bildet sie. Die Nachfrage regelt das Angebot, d.h. häufiges Anlegen (bis 12 mal in 24 Stunden) steigert die Milchmenge. Ein Hinauszögern der Stillmahlzeiten, fixe Stillzeiten und unnötiges Verabreichen eines Nuggis kann die Milchbildung reduzieren.
Wechselstillen Das mehrmalige Wechseln von einer Brust zur anderen löst mehrere Milchspendereflexe aus. Das bedeutet, das Kind erhält mehr kalorienreiche Hintermilch. Die verstärkte Stimulation wirkt sich positiv auf die Milchbildung aus. Wenn das Kind beim Saugen langsamer wird und seltener schluckt, wird auf die andere Seite gewechselt. Das kann nach 10 Minuten oder bereits nach 3 Minuten sein. Das Kind trinkt pro Mahlzeit mindestens zweimal an jeder Brust. Diese Methode ist besonders in den ersten Tagen nach der Geburt und bei den Wachstumsschüben (im Alter von ca. 10 Tagen, 3 und 6 Wochen, 3 und 6 Monaten) sehr wirksam. Nach ca. 2-3 Tagen hat sich Milchmenge dem Bedarf des Kindes angepasst. Ausgedehnter Körperkontakt Ein ausgedehnter Körperkontakt (besser noch Hautkontakt) z.b. durch Tragen, gemeinsames Schlafen, nach dem Baden auf den unbekleideten Oberköper legen, fördert die Milchbildung. Die Mutter und das Kind haben Zeit sich zu spüren und zu geniessen. Sie ruhen gemeinsam aus und die Stillhormone werden vermehrt gebildet. Brustmassage während dem Stillen Durch die Massage der Brust während dem Stillen wird die Brust besser entleert. Das Kind erhält dadurch eine grössere Menge Milch. Die Brust erhält den Anreiz mehr Milch zu bilden und die Gefahr eines Milchstaus wird reduziert. Die Brustmassage darf zu keinem Zeitpunkt schmerzhaft sein. Nächtliches Stillen Durch die Stimulation der Brustwarze und des Warzenhofs wird ein Hormonschub ausgelöst, welcher die Milch fliessen und neu bilden lässt. In der Nacht ist die Antwort auf eine Stimulation häufig besser. Das heisst, der Hormonschub ist verstärkt. Gerade bei wenig Milch kann sich ein nächtliches Stillen lohnen. Zusätzliches Pumpen Schwache, müde oder kranke Kinder saugen manchmal nicht stark genug und erhalten wenig Milch. Hier kann ein zusätzliches Abpumpen der Muttermilch hilfreich sein. 3. Erste Massnahmen bei Müttern, die ihre Milch abpumpen Mit wenigen Ausnahmen ist ein 3-4 stündliches Abpumpen erforderlich, um die Milchbildung aufrecht zu erhalten. Nachts kann eine maximale Pumppause von 6 Stunden gemacht werden. Das Kapitel Stress reduzieren, Ruhepausen einschalten und Essgewohnheit überprüfen und das Kapitel Ausgedehnter Körperkontakt sind auch bei Müttern, die ihre Milch abpumpen, wichtige Massnahmen zur Steigerung der Milchmenge. Intervallpumpen Das mehrmalige Wechseln von einer Brust zur anderen löst den Milchspendereflex aus. Die Brust wird besser entleert und die Milchbildung dadurch angeregt (siehe Kapitel Wechselstillen ). Doppelpumpen Das gleichzeitige Pumpen beider Brüste steigert die Milchmenge und reduziert die Abpumpzeit.
Doppel-, Einzelpumpen mit Massage Das Doppelpumpen hat den Nachteil, dass während dem Pumpen die Brüste nicht massiert werden können. Um eine optimale Entleerung zu erreichen kann deshalb nach dem ca. 10- minütigen Doppelpumpen noch je ca. 3-5 Minuten jede Brust einzeln abgepumpt und gleichzeitig massiert werden (siehe Kapitel Brustmassage während dem Stillen ). Doppelpumpen mit Intervallpumpen Das Intervallpumpen kann auch doppelseitig durchgeführt werden. Zwischen den mehrmaligen Wechseln (nach 7, 5 und 3 Min.) wird die Brust massiert. Dadurch wird die kalorienreiche Milch aus den tiefer liegenden Brustdrüsen mobilisiert. 4. Massnahmen auf pflanzlicher Basis Tees / Aufgüsse / Getränke - Lindenblütentee ist ein ideales Getränk während der Stillzeit - Stilltees Heilpflanzen können die Milchbildung unterstützen. Die Wirkstoffe gelangen über den Magen- Darm-Trakt in den Blutkreislauf. Ein schonend verarbeitetes und natürliches Produkt ist empfehlenswert. Die Wirkung des Tees hängt von seiner Zubereitung ab. Halten Sie sich an die Angaben des Herstellers. - Beutelprodukte von Sidroga, Weleda, usw. 3 x täglich eine Tasse vor dem Stillen - Speziell gemischte Stilltees aus der Apotheke / Drogerie oder aus der Literatur - Bockshornkleesamentee 3-4 Tassen pro Tag einnehmen, die Wirkung tritt nach 2-3 Tagen ein - Barley water Dieses Getränk ist zur Stärkung des gesamten Körpers auf der ganzen Welt verbreitet. Es verlängert die Stillzeit und gilt als Heilmittel bei Erschöpfung, Erkältungs- und Fieberkrankheiten. Es lässt sich problemlos 2-3 Tage im Kühlschrank aufbewahren. - Malzbier / Alkoholfreies Bier: Dem Hopfen, der Hefe sowie den Polysachariden der Gerste wird eine milchsteigernde Wirkung nachgesagt. Extrakte - Bockshornkleesamen Getrocknetes Extrakt in Kapselform 3 x täglich 3 Stück einnehmen, kann auf 12 15 Kapseln pro Tag gesteigert werden. Wirkung ist nach 2-3 Tagen spürbar. Vorsicht bei Allergieneigung oder Diabetes - Geissrauten: 15-20 Tropfen pro Tag kurz im Mund behalten 5. Milchfördernde Lebensmittel Jede Kultur, jedes Land hat seine eigenen Lebensmittel, denen eine milchbildungsfördernde Wirkung zugesprochen werden. So sind es in den südamerikanischen Staaten Maisgerichte, in Italien die Kastanie, in Nordamerika die Erdnuss, in Asien Fischsuppe und Hühnerbrühe und bei uns sind es Getreidemischungen. Alle Lebensmittel sind sehr energiereich und haben viele Nährstoffe.
Milchbildungskugeln (siehe Spezielles Blatt mit Zubereitung) Bierhefe Bierhefe kann in Flockenform gekauft und in ein Müsli, Joghurt oder Salat gegeben werden. 6. Stillöl zur Massage Um die Milchbildung zu steigern, kann anschliessend an das Stillen / Pumpen ein Stillöl sanft einmassiert werden. Die Brustwarze und der Brustwarzenhof bleiben dabei ölfrei, damit das Kind beim Trinken diese Substanzen nicht einnehmen kann. Halten Sie sich an die Angaben des Herstellers. 7. Homöopathische Mittel Homöopathische Mittel können die Milchbildung steigern. Für eine fachkompetente, konstitutionelle homöopathische Behandlung ist der ausgebildete Homöopath zu kontaktieren. Folgende Mittel können jedoch allgemein wirken: - Alfaalfa D6 (Quelle: Homöopathie im Wochenbett, Dr. med. Eleonore Landauf, Facharbeit 2002, Wien) - Silactentropfen 8. Traditionelle chinesische Medizin Ernährungsempfehlungen - ausreichende Flüssigkeitszufuhr - Kraftbrühe mit Huhn, Pute, Karpfen oder Eiern - Getreide, Tofu, Nüsse - vollwertige Nahrungsmittel mit süssem Geschmack - Qi-Mangel: Reis, Huhn, Thymian, getrockneter Ingwer, Walnuss - Le-Qi-Stauung: Safran, Jasmintee, Essig, Weizenbier, Dinkel, Grünkern, Sellerie Diverse Rezepte - Fenchel, Anis und Kümmel zu gleichen Teilen mischen, davon 1 TL zermörsern und mit 0,5 l Wasser 15 Minuten köcheln lassen, abseihen und über den Tag verteilt trinken. - 100 g Gerste in 1,5 l Wasser über Nacht einweichen, dann 1-2 Stunden kochen. Gerste abseihen und Gerstenwasser mit Zimt, Salz, Zitronensaft, Kakao, süssen. Fruchtsaft und Honig abschmecken. Über den Tag verteilt trinken. (Wirkt auch vorbeugend gegen Brustentzündungen) - bei Qi-Mangel: 15 g Kürbiskerne zu einem Brei zerdrücken, mit heissem Wasser übergiessen oder mit braunem Zucker abschmecken. 2 x pro Tag auf nüchternen Magen über 5-7 Tage einnehmen, vor dem Herunterschlucken gut kauen. - Kraftbrühe: Ein ganzes Huhn in eine Pfanne mit Wasser geben und mindestens 4 Stunden auf leichtem Feuer köcheln lassen. 1-2 pro Tag ein Suppenteller voll davon essen Akupunktur Wenden Sie sich an einen ausgebildeten Facharzt
9. Fachkompetente Hilfe holen Kann die Milchmenge innert 2 Tagen nicht gesteigert werden, ist es sinnvoll eine Fachperson (vorzugsweise eine ausgebildete Stillberaterin IBCLC) zu kontaktieren. Denn oft liegt die Ursache einer geringen Milchbildung auch am falschen Saugen des Kindes oder es kann die Brust nicht korrekt fassen. Die dadurch bedingte ungenügende Entleerung der Brust, hat einen automatischen Milchrückgang zur Folge. Das Trinken an der Brust ist ein komplexer Vorgang. Das Zusammenspiel von Saugen - Schlucken Atmen erfordert die volle Konzentration. Ein Überprüfen der Stillmahlzeit durch eine Fachperson kann deshalb sinnvoll sein.