Über das Training mit Tieren



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Transkript:

Über das Training mit Tieren Über mich Schon als kleines Kind war ich ein grosser Tierfan. Zum Glück hatte ich Eltern, die mich in der Haltung von Tieren unterstützten und durfte ich in einer Umgebung aufwachsen, in der ich viele verschiedene Tierarten halten konnte. Schon als Jugendliche interessierte mich der pädagogische Umgang mit Tieren und Menschen. Ich gab Reitunterricht für Kinder, pflegte und fütterte mit ihnen Tiere und machte erste kleine Aufführungen vor Publikum. Als Erwachsene absolvierte ich dann die Ausbildung für Heilpädagogisches Reiten und gab regelmässig Stunden. Mit dem Training von Zirkuslektionen begann ich im Alter von etwa 20 Jahren mit meinem Freibergerwallach. Ich besuchte damals einen 3-tägigen Kurs, in dem man die klassischen Zirkuslektionen wie Kompliment, Knien und Liegen lernen konnte. Die Pferde wurden dort mit Longen gefesselt und mit mehr oder weniger Gewalt in diese Positionen gezwungen. Dann wurden sie belohnt, um ihnen zu zeigen, dass es nicht so schlimm sei, wie sie sich zuerst gefühlt hatten. Ich hatte Glück, dass mein Pferd gute Nerven hatte, und sich schnell davon überzeugen liess, dass es sich für die Leckerchen lohnte. Erst etwa 15 Jahre später befasste ich mich wieder mit Zirkuslektionen. Mein Mann und ich hatten uns entschlossen, als Jahresthema für unsere Gemeinschaft Pferde zu wählen und wollten am Sommerfest eine Vorführung mit unseren Bewohnern machen. Bei Franco Gorgi lernte ich, dass man eine Longe auch sanft benutzen konnte. Nachdem alle meine Pferde Kompliment, Knien, Liegen und Sitzen beherrschten, wollte ich ihnen noch andere Lektionen beibringen. Dazu nahm ich bei Franco Gorgi und Niklaus Muntwyler, zwei Lehrern für Zirkuslektionen und Freiheitsdressur Unterricht und liess mich von anderen Pferdefachleuten im Internet inspirieren. Ich nahm kurze Videos vom Training mit meinen Pferden auf und machte zusammen mit meinen Kindern, Bewohnern und Freunden kleine Aufführungen. Als ich 2013 den Entschluss fasste, mir einen Hund fürs Training zu kaufen, lernte ich die Hundetrainerin Livia Peter kennen. Sie führte mich ins Training mit dem Clicker ein. Hier erlebte ich, dass Training auch den Tieren Spass machen konnte und war bald so fasziniert von dieser Methode, dass ich nur noch auf dieser Basis arbeiten wollte. Was mit dem Training meines Hundes begann, weitete sich auf meine Pferde, Hühner, Schweine, Ziegen, Katzen und Tauben aus. Warum mir diese Art von Training so gefällt und wie bei dieser Methode trainiert wird, möchte ich euch im folgenden in einer kurzen Zusammenfassung zeigen. Definition meiner Trainingsmethode In meinem Training wird grundsätzlich mit Belohnung (positiver Bestärkung) gearbeitet. Diese Art von Training wird auch operante Konditionierung oder mehr umgangssprachlich oft auch Clickertraining genannt, weil der Clicker ein wichtiges Werkzeug ist, um dem Tier anzuzeigen, dass es eine Belohnung verdient hat. Ein Verhalten wird bestimmt von seinen Konsequenzen. Das heisst: Ein Verhalten das belohnt wird, (es hat angenehme Konsequenzen) wird wieder gezeigt. Zum Bespiel: Der Hund setzt sich und bekommt ein Leckerchen - Der Hund setzt sich gerne wieder, weil er erwartet, wieder ein Leckerchen zu bekommen. Strafe oder Belohnung Warum ich lieber mit Belohnung als mit Strafe arbeite Training mit Belohnung: - Das Tier wird zu einem aktiven, mitdenkenden Trainingspartner. Es kann im Training mitbestimmen. Das motiviert es und macht ihm Spass.

- Die Tiere zeigen Verhalten ohne dazu geschoben und gezogen werden zu müssen. - Die Tiere haben beim Training keine Angst Fehler zu machen und bestraft zu werden - eine ideale Atmosphäre zum Lernen. - Das Tier lernt selber zu denken und Probleme zu lösen und entwickelt Kreativität und Selbstbewusstsein. - Mit Belohnung können auch sogenannt schwierig zu trainierende Tiere wie es zum Beispiel den Katzen nachgesagt wird, trainiert werden. Diese Tiere sind nämlich nicht schwieriger zu trainieren als andere, aber sie dulden es nicht, dass wir mit Strafe mit ihnen arbeiten. - Vor allem aber macht diese Art von Training für Mensch und Tier eine Menge SPASS! Die Tiere kommen freudig zum Training gerannt, wenn wir sie rufen oder warten zur Trainingszeit ungeduldig am Zaun auf uns. Sie arbeiten konzentriert mit und versuchen es meist gut und immer besser zu machen. Training mit Strafe: Durch Bestrafung können wir das Verhalten eines Tieres ebenfalls beeinflussen. Theoretisch ist es so, dass ein Tier ein Verhalten, für das es bestraft wird, nicht mehr zeigen wird. Aber: - Damit ein Verhalten nie mehr auftritt, müssen wir immer, sofort und heftig strafen. - Die Bestrafung bringt meist die Nebenwirkung Stress mit sich unter der Lernen erschwert wird. - Das Tier bekommt keine Informationen, welches Verhalten erwünscht ist. - Die Strafe kann leicht mit dem falschen Verhalten verknüpft werden. (z.b. Ein Hund schnüffelt neben einer Parkbank und kommt auf Ruf nicht. Wir werfen eine Leine nach ihm. Der Hund lernt: Parkbänke sind gefährlich.) - Meist wird die Strafe auch mindestens teilweise mit der strafenden Personen verknüpft und zerstört so das Vertrauen des Tieres zu seinem Trainer. - Training mit Strafe macht KEINEN SPASS! Im Training mit den Pferden habe ich früher in erster Linie mit negativer Verstärkung (siehe Bild unten) gearbeitet. Z.B. Ich drücke mit dem Schenkel in die Seite des Pferdes. Sobald das Pferd auf die Seite geht, gebe ich nach. Obwohl solche Hilfen, wenn sie von einem erfahrenen Trainer gut eingeübt sind, sehr fein und fast nur noch als Signale angewendet werden können, so bringt sie das Tier doch immer mit einer unangenehmem Erfahrung in Verbindung. Das Tier hat auch gelernt (hat Angst davor), dass der Druck verstärkt wird, wenn es nicht reagiert. Und vergessen wir nicht, dass es viele schlechte Trainer gibt, die dem Tier Signale geben, die es nicht verstehen kann und es dann dafür mit verstärktem Druck, z.b. Peitsche bestrafen! Auch Training mit negativer Verstärkung macht nicht wirklich Spass!

Grundsätzliches zum Training mit Belohnung Geschichtliche Hintergründe: Keller und Marian Breland waren die ersten, die die operante Konditionierung um 1940 auf die Arbeit mit Hunden übertrugen. In den 80er Jahren wurde diese Arbeit durch Karen Pryor weltweit bekannt gemacht. Das Training am Beispiel Der Hund berührt einen Targetstab (Zeigestab mit Köpfchen vorne) mit der Nase Konditionierung auf den Clicker: Wir klicken, füttern ein Leckerchen, klicken und füttern ein Leckerchen,.Dies wird so lange wiederholt, bis der Hund nach dem Klicken das Leckerchen erwartet, indem er z.b. in Richtung des Trainers schaut. Mit dem Clicker haben wir nun ein Werkzeug, mit dem wir dem Hund ganz präzise anzeigen können, für welches Verhalten es eine Belohnung verdient hat. Auf einen Click folgt immer Futter. Operante Konditionierung: Der Hund soll durch ausprobieren herausfinden, mit welchem Verhalten er eine Belohnung verdienen kann. Der Trainer hält dem Hund den Targetstab hin. Aus Neugier berührt ihn der Hund zufällig. Der Trainer klickt im gleichen Moment und gibt dem Hund ein Leckerchen. Der Hund versucht nun diesen Erfolg zu wiederholen. Vielleicht hat er nicht sofort erkannt, dass er den Target mit der Nase berühren soll, sondern bietet nun das Sitz an. Weil darauf keine Belohnung folgt, verwirft er diese Idee und versucht.bis er bewusst oder auch zufällig ein zweites Mal den Target berührt und wieder eine Belohnung erhält. So wird er mit der Zeit immer sicherer, dass dies das gewünschte Verhalten ist, das heisst, er wird das Berühren mit der Nase immer häufiger anbieten und somit auch häufiger belohnt werden. Shaping Bei der Targetübung möchte man, dass der Hund am Schluss präzise das Köpfchen des Stabes berührt. Am Anfang wird der Hund schon belohnt, wenn er den Targetstab irgendwo berührt, oder sogar, wenn er sich nur in seine Richtung bewegt. Erst dann, wenn er den Stab schon sicher berührt, belohnt man nur noch das Berühren in der Nähe des Köpfchens und grenzt dies dann immer mehr ein, bis er nur noch das Köpfchen berührt. Der Hund entwickelt auf diese Weise Kreativität und Findigkeit. Für den Hundeführer ist es eine Herausforderung, sich zu überlegen, für welches Verhalten er den Hund wann belohnen möchte. Er muss sich einen scheibchenweisen Aufbau der Übung überlegen, indem er sich zu jedem Zeitpunkt fragt, worauf der Hund kommen kann, damit dieser weder in einem Stadium stagniert noch frustriert aufgibt, weil er nicht versteht, wie er zur Belohnung kommen kann. Nach diesem Prinzip kann man fast alle Übungen aufbauen. Timing Wenn wir ein bestimmtes Verhalten bestärken wollen, müssen wir blitzschnell sein, denn das Tier wird unseren Click ganz genau auf den Moment beziehen, in dem wir geklickt haben. Der Hund berührt den Targetstab und setzt sich gleich darauf hin. Klicken wir nur um den Bruchteil einer Sekunde zu spät, verstärken wir möglicherweise statt der Berührung des Targets das Sitzen. Festigen durch Üben Wie bei fast allen anderen Trainingsmethoden folgt nun das Üben, bei dem jedes gelungene Verhalten positiv verstärkt wird. Erst wenn der Hund das Verhalten ganz regelmässig zeigt und uns so zu verstehen gibt, dass er verstanden hat, was verlangt wird, kann man einen Schritt weitergehen und ein Hörzeichen (z.b. Touch ) einführen. Variable Verstärkung

Zeigt der Hund nun die Übung nach dem vorausgehenden Hörzeichen sicher, baut man die Verstärkung (Clicker und Belohnung) langsam ab, indem man nicht mehr jedes Mal belohnt. Generalisierung Da die meisten Tiere umgebungsabhängig lernen, muss ein eingeübtes Verhalten unter fremden Bedingungen (anderer Ort, andere Zeit, Ablenkungen) geübt werden. Chaining Ein einzelnes Verhalten kann nun mit anderen Verhalten verknüpft werden. Der Hund setzt sich zuerst und berührt dann mit der Nase den Targetstab. Negative Strafe Statt der positiven Strafe (etwas Unangenehmes wird hinzugefügt), verwenden wir die negative Strafe (etwas Angenehmes wird weggenommen), um dem Tier zu zeigen, dass ein Verhalten unerwünscht ist. Z.B. der Hund berührt den Target mit der Pfote statt mit der Nase - dafür bekommt er kein Leckerchen. Die extremste Form der negativen Strafe ist der Trainingsabbruch. Richtig angewandt verstärkt er beim Tier das Gefühl, dass Training etwas Tolles ist. Training mit Tieren in der pädagogischen Arbeit Seit Jahren ist es mir ein Anliegen die Pflege und Beschäftigung mit Tieren mit meiner pädagogischen Arbeit zu verbinden. Schon als Jugendliche gab ich meine ersten Reitstunden oder lud Nachbarskinder zum Füttern meiner Tiere ein. Auch als ich begann, meinen Tieren Zirkuslektionen beizubringen, überlegte ich mir bald, wie ich diese Arbeit in der Pädagogik nutzen könnte. Ich begann Aufführungen zu planen, in denen meine eigenen Kinder, unsere Bewohner mit Beeinträchtigungen und weitere Kinder und Jugendliche zusammen mit meinen Tieren auftraten. Ich trainierte meine Tiere zuerst selber und zeigte dann anderen, wie sie sich mit diesen verständigen konnten. Je nach Fähigkeiten meiner Schüler konnten sie einfache bis schwierige Lektionen mit mehr oder wenig Hilfe von mir mit den Tieren üben und dann vorzeigen. Diese Aufgaben verlangen viel Einfühlungsvermögen, Geduld, Präzision, Konzentration, Körperbewusstsein und je nach Lektion weitere Fähigkeiten, die wir in der pädagogischen Arbeit gerne fördern möchten. Tiere besitzen für viele Menschen eine besondere Ausstrahlung und Faszination und geben ihnen Motivation und Kraft, die sie für andere Aufgaben nicht aufbringen würden. Sich nach vielen Übungsstunden vor einem staunenden Publikum präsentieren zu können, schafft einen zusätzlichen Anreiz, über sich selber hinauszuwachsen und stärkt das Selbstbewusstsein. Auch für mich selber ist diese Verbindung von Tiertraining und Pädagogik doppelt motivierend, weil das Tiertraining so über ein persönliches Hobby hinauswächst und in meine Arbeit einfliesst und ich erlebe, dass nicht nur die Tiere sondern auch die Menschen von dieser Art von Training profitieren können. Häufige Fragen Ist es nicht Bestechung, wenn ich dem Tier ein Leckerchen gebe für ein Verhalten? Das Leckerchen ist keine Bestechung sondern der Lohn für eine erbrachte Leistung. Oder ist es Bestechung, wenn Sie für Ihre Arbeit im Büro entlöhnt werden? Kann ich das Tier nicht auch mit Worten belohnen? Alles, was vom Tier im Moment, wenn es ein gewünschtes Verhalten zeigt, als Belohnung empfunden wird, kann auch als solche eingesetzt werden (z.b. lobenden Worte, Spiel, Futter, die Erlaubnis frei zu rennen, etc.) Es muss aber vom Tier als Belohnung angesehen werden, nicht vom Trainer! Und nicht jede Art von Belohnung ist immer gleich geeignet. Wenn ich meinen Hund beim Tricktraining zum Beispiel jedes Mal mit frei Laufen belohne, wird mir nicht sehr viel Zeit zum Üben bleiben. Muss ich denn das Leben lang Leckerlis mit mir herumschleppen? Das Tier sollte doch irgendwann lernen, ohne Belohnung zu gehorchen!

Fragen Sie Sich selber. Muss man ihnen ein Leben lang Lohn zahlen für ihre Arbeit oder sind Sie irgendwann bereit ohne Lohn zu arbeiten?! Wie aber erwachsene Menschen nicht für jeden Handgriff sofort entlöhnt werden müssen, so muss auch ein Tier, das eine Lektion verstanden und gut eingeübt hat, nicht mehr jedes einzelne Mal dafür belohnt werden. Kann man auch ohne Clicker trainieren? Der Clicker ist darum ein nützliches Hilfsmittel, weil er dem Tier ganz präzis angeben kann, für welches Verhalten es belohnt wird. Ein Stimmlob ist hier weniger präzis, das Geben von Belohnung ohne ein Mittel der Vorankündigung (Marker) noch ungenauer. Wenn ein Tier eine Übung verstanden hat, ist der Clicker nicht mehr unbedingt nötig. Muss ich mich ganz für die Methode mit Belohnung entscheiden oder kann ich auch ab und zu strafen? Es ist durchaus möglich mit Belohnung und Strafe zu arbeiten. Eine gezielt und nach den oben beschriebenen Regeln angewendete Strafe kann im Training sehr effektiv sein. Wegen den gefährlichen Nebenwirkungen, weil sie häufig angewendet sicherlich einen negativen Einfluss auf die Beziehung zum Tier haben wird und ausserdem den Spass im Training verdirbt, wende ich sie jedoch nur sehr selten an. Wie viel Zeit braucht man, um einem Tier eine Übung beizubringen? Dies ist sehr unterschiedlich und hängt von vielen Faktoren: wie Tierart, individuelle Fähigkeiten des Tieres, Können des Trainers, Umweltbedingungen, Schwierigkeit der Übung, etc. ab. Ich habe schon Übungen in einer Lektion von 5 Minuten einstudiert, während ich für andere 6 Monate lang regelmässig trainiert habe. Dazu noch ein Beispiel: Ich habe das Sitzen aus dem Stand meiner Katze Candy in einer einzigen Sitzung beigebracht, für mein Pony Sissi brauchte ich dazu viele Lektionen über 3 Monate, mit meinem Huhn Tweety habe ich mich bis heute nicht an diese schwierige Aufgabe gewagt. Ich freue mich wenn ihr euch mit mir an meinen Tieren freut und möchte euch ermutigen, mit euren eigenen Tieren zu trainieren! Gerne stehe ich euch dabei mit Rat und Tat zur Verfügung. Lieber Gruss Karin