Aromatherapie, Anspruch und Wirklichkeit Dietrich Wabner, Prof.Dr.Dr., Hon.IFA, Präsident der Natural Oils Research Association, NORA International, München Der esoterische Anspruch der Aromatherapie zielt auf die Wirkung der Düfte in einer "alternativen, ganzheitlichen Heilweise". Vorallem die sich daraus häufig ergebende Frontstellung zur "Schul-Medizin" macht es unseren Ärztinnen und Ärzten schwer zu akzeptieren, dass die Therapie mit etherischen Ölen als integraler Bestandteil der Phytotherapie zu den Wurzeln der klassischen westlichen Medizin zählt. Sie wurde über der Entwicklung der naturwissenschaftlich-technischen modernen Medizin einfach vergessen. Aromatherapie ist in der Tat nicht nur Therapie mit Düften. Sie findet statt auf drei Pfaden: intern, percutan und nasal. Im Gegensatz zu England stellt sie in Deutschland konsequenterweise keine eigenständige Heilkunst dar. Zur Therapie berechtigt sind hier nur Ärztinnen/Ärzte sowie Heilpraktikerinnen/Heilpraktiker. Anwendung findet immer unter Aufsicht eines dieser Heilkundigen statt. Ein wenig spielen auch Kosmetik, Physiotherapie, Massage und Geburtshilfe mit, allerdings immer ein wenig am Rande des offiziell Erlaubten. Die Öffentlichkeit hat darüber hinaus und zusätzlich zur üblichen medizinischen Therapie mit grossem Interesse die alte, lange vergessene Hausmedizin wiederentdeckt (z.b. 1
die aromatische Haus-Apotheke). Dass man/frau mit Hilfe der Öle eine gewaltige Steigerung des Lebensgefühls und der Lebensqualität erreichen kann, ist eines der eingelösten Versprechen der Aromatherapie. Hiermit kann auch die Anregung der körpereigenen Selbstheilungs-Kräfte einhergehen, ganz im Sinne einer vorbeugenden Medizin und der Stärkung des Immun-Systems. Kliniken vorallem in England haben die starke und wohltuende Hilfe etherischer Öle (z.b. Lavendel, Rose, Sandelholz) zur Begleitung unheilbarer Kranker und Sterbender entdeckt. Etherische Öle zu therapeutischen Zwecken sind Produkte aus natürlichen Pflanzen-Materialien wie Blüten, Blätter, Früchte, Schalen, Rinden, Hölzer und Wurzeln. Als Einzelsubstanzen und oft auch als Mischungen zeigen sie eine grosse Reihe von wohltuenden, hilfreichen Wirkungen. Greifen wir aus der Vielzahl der Öle zwei besonders wichtige heraus: Rosenöl und Lavendel. Beide mischen sich im Duft besonders gut miteinander und mit fast allen anderen Ölen. Aber auch schon alleine sind sie vollständige Natur-Parfüms, wundervoll auf der Haut, einschmeichelnd im Duft und extrem stark in ihren Heilwirkungen. Über die Rose und ihre Besonderheiten werden wir in einem folgenden Beitrag diskutieren. Hier soll nur erwähnt werden, dass in den östlichen Ländern von der Medizin erkannt wurde, dass die Einnahme von wenigen Milligramm Rosen- 2
Destillat bei Galle-, Leber- und Herz-Problemen entscheidende Hilfe bieten kann. Bei Ärger, Stress und vielen anderen Sorgen wird die ausgleichende und aufbauende Kraft des Rosen- Öls deutlich. Nicht umsonst ist Rosen-Öl in 92% aller femininen Parfüm-Mischungen enthalten. Noch aufregender hört sich die Lavendel-Story an. Die moderne Aromatherapie wurde 1936 von René Gattefossé, Paris wiederent-deckt, als er eine gefährliche Verbrennung an seiner linken Hand erfolgreich mit Lavendelöl behandelte. Die Heilung geschah über-raschend schnell. Narbenbildung unterblieb vollständig. Englische Kliniken haben die bedeutende therapeutische Qualität von Lavendel erkannt und setzen dieses Öl in folgenden Bereichen ein: Chirurgen beträufeln vernähte Operationswunden mit dem Öl und erreichen so eine wesentlich schnellere Heilung. Hierbei gilt eine Daumenregel, die für die meisten etherischen Öle und Mischungen gültig ist: Die Anwendung muss öfter erfolgen (im Fall von Wunden immer dann, wenn die Haut abgetrocknet ist). Der so gefährliche Hospitalismus (Infektion durch hauseigene, resistente Bakterien) wird durch das starke Desinfektionsmittel Lavendel in der Klimaanlage bekämpft. Der Einsatz von Schlafmitteln konnte wesentlich reduziert werden durch das Versprühen von Lavendel in den Krankenzimmern. 3
Gerhard Buchbauer, Wien hat gezeigt, dass etherische Öle die Haut sehr schnell durchdringen können und so in den Blutkreislauf gelangen. Eine 1%-ige Lavendellösung in Jojoba (entspricht den meisten Körper-und Massageölen in der Konzentration) war innerhalb von 20 Minuten vollständig ins Blut übergegangen. Bei alldem sollten die weiteren Wirkungen von Lavendelöl nicht vergessen werden: beruhigend, antidepressiv, schmerzstillend, krampflösend, desodorierend, menstruationsfördernd, herzwirksam und Blutdruck-senkend. Das Erfolgspotential der Aromatherapie sieht folgendermaßen aus: - Infektionen 95 %, Psyche, Nerven, Hormo-ne 75 %, äußerliche Entzündungen, Aller-gien 50 %, Stoffwechselerkrankungen 25 %. Im Folgenden werden einige oft angewendete etherische Öle für die fünf körperlichen Systeme vorgestellt. Digestives System: Pfefferminze, Mandarine, Ingwer, Rosmarin (verbenon), schwarzer Pfeffer, deutsche Kamille, Lavendel, Teebaum etc. Zirkulatorisches System: Ingwer, Majoran, schwarzer Pfeffer, Zitrone, Zypresse, Lavendel, Kamille römisch, Wacholderbeere, Ylang-Ylang, Rosmarin (verbenon) 4
Respiratorisches System: Eukalyptus (citriodora, globulus, dives), Sandelholz, Benzoe, Teebaum, Rosmarin, Zitrone, etc. Muskulares, skelettales System: Lavendel, Bergamotte, Rosmarin (verbenon), Majoran, schwarzer Pfeffer, Wacholderbeere, deutsche Kamille, Wintergrün etc. Immunsystem: Eukalyptus (globulus, radiata, dives), Lavendel, Rosmarin, Teebaum, Benzoe, Zitrone, etc. Für die Schnupfen- und Grippe-Zeit hat sich folgendes Rezept bewährt: zu gleichen Teilen Öl vom Teebaum, Thymian (rot), Pfefferminze und Lavendel. Nach Jean Pütz geben Sie 1-3 Tropfen davon auf ein Quadrat (3x3 cm oder größer) Papiertaschentuch, zerknüllen es und stecken es in die Nase. Diese Inhalation ist vor allem über Nacht extrem hilfreich. Weitere Rezepte sind im Buch von Ingrid Dierssen zu finden und bei Wabner-Beier und Wabner (2012 und 1013). Ingrid Dierssen, Düfte helfen heilen, Hallwag Verlag Bern, 1997. 5
Prof. Wabner hält zum Thema "Etherische Öle in Therapie, Kosmetik und Parfümerie" eine 2- stündige Vorlesung an der TU München. Außerdem bietet er eine Reihe von Seminaren an. Nähere Auskünfte unter FAX: 089/890 55 525, e-mail: prof.wabner@nora-international.de. 6