Der Islam Basiswissen

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DER ISLAM stammt aus der Wortwurzel s-l-m und bedeutet: Frieden die Lebensweise, durch die man Frieden erlangen kann Ergebung in Gottes Ordnung Dieses Ergeben muss freiwillig und im vollen Bewusstsein geschehen. Das Wort Islam hat weiters die Bedeutung Frieden machen, und zwar auf vier Ebenen: Frieden mit den Menschen mit der Natur mit sich selbst mit Gott Verwandte Wörter aus dem Wortstamm s-l-m sind : Muslim : der sich Gott ergebende, der Frieden machende Salam, der islamische Gruss: As-Salamu alaikum = der Friede Gottes sei mit dir. Geantwortet wird : Wa alaikum as-salam= und auch mit dir sei der Friede Gottes Muslim zu sein ist nicht selbstverständlich, sondern bedarf einer freiwilligen und bewußten Entscheidung. Alle Menschen werden als Muslime (gottgläubige) geboren und entscheiden sich als Volljährige, ob sie dabei bleiben, oder nicht. Deshalb betrachtet man alle Kinder als Muslime und Kinder sind frei von jeder Sünde und religiöser Verpflichtung. Die Verpflichtung beginnt mit der Pubertät, unterschiedlich je nach biologischer Entwicklung. Das Rituelle im Islam basiert vor allem auf fünf Fundamenten (die sogenannten fünf Säulen des Islam) 1. Das Bekennen des Glaubens (Shahada): Jeder, der die Worte der Shahada mit aufrichtiger Absicht spricht, darf sich als Muslim betrachten:»ich bezeuge, dass es keine Gottheit außer Allah gibt. Ich bezeuge, dass Muhammad Allahs Gesandter ist.«2. Das tägliche Beten (Salah): Das rituelle Gebet, das fünf mal täglich zu bestimmten Zeiten mit einem festen Bewegungsablauf bestehend aus aufrechtem Stehen, verbeugen und niederwerfen verrichtet wird, währenddessen man Texte aus dem Koran auswendig auf arabisch leise rezitiert. Wichtige Elemente beim Gebet sind die unbedingt einzuhaltende Sauberkeit des Körpers, zu dem vor jedem Gebet eine rituelle Gebetswaschung vollzogen wird, die Sauberkeit der Kleidung und des Gebetsplatzes, weswegen man meistens einen eigenen Gebetsteppich benützt (das aber jede Art von sauberer Unterlage, wie ein Stück Papier oder ein Tuch sein kann). Die rituelle Reinheit wird durch eine Waschung (wudhu) vor dem Gebet hergestellt. Nach Geschlechtsverkehr, Samenerguss, Menstruation oder Wochenbett (40 Tage nach der

Entbindung) muss zur Herstellung der rituellen Reinheit ein Duschbad (ghusl) genommen werden. Weitere Voraussetzungen des Gebetes sind, die Gebete zur richtigen Zeit zu beten, dass sind abhängig vom Sonnenstand wechselnde Zeiträume 1. vor Sonnenaufgang 2. zur Mittagszeit 3. am späten Nachmittag 4. nach Sonnenuntergang 5. in der Nacht (im Sommer ca. 22 Uhr, im Winter ca. 17 Uhr) Das Freitagsgebet, dass Männer verpflichtend in der Moschee verrichten müssen, und Frauen zu Hause oder in der Moschee, hat einen Stellenwert ähnlich wie der Gottesdienst am Sabbat für Juden und am Sonntag für Christen. 3. Die Abgabe für Arme und Bedürftige (Zakat): Zakat ist eine genau festgelegte, regelmäßig zu entrichtende Steuer, welche der Staat, die Gemeinschaft oder der Einzelne für soziale Zwecke verwendet 4. Das Fasten (Sawm): Die Gläubigen sollen während des ganzen Monats Ramadan fasten und zwar von der Morgendämmerung bis zum Untergang der Sonne. Fasten heißt nicht nur, dass auf Essen, Trinken, Rauchen und Geschlechtsverkehr verzichtet wird, sondern auch, dass alle negativen Verhaltensweisen vermieden werden sollten. Der Fastenmonat ist besonders geprägt von einem intensiven religiösen Leben und von einer engen Gemeinschaft und Verbundenheit unter den Gläubigen. 5. Die Pilgerfahrt (Hadsch): Ritueller und spiritueller Gottesdienst und das Erlebnis globaler, religiöser Gemeinschaft und die Möglichkeit zur intensiven Konzentration auf die Mitte des Glaubens machen die Pilgerfahrt nach Mekka zu einer zentralen Erfahrung, die nur durch mangelnde Gesundheit, fehlende Sicherheit oder unzureichende Finanzen unerfüllt bleiben darf. Glaubensgrundsätze Im Islam gibt es sechs Glaubensartikel, den Glauben an: den einzigen Gott (arab. Allah) seine Engel alle seine Offenbarungen (heilige Bücher: Thora des Moses, Psalter des David, die Evangelien Jesus, der Koran) seine Gesandten, die Propheten Gottes: darunter Adam, Abraham, Moses, Jesus und zuletzt Mohammed (insgesamt spricht der Koran von 24.000 Propheten, von denen nur wenige namentlich bekannt sind) den Tag des Jüngsten Gerichts und das Leben nach dem Tod: Der Mensch wird eines Tages für seine Taten zur Verantwortung gezogen die göttliche Vorsehung.

Gottesvorstellung im Islam Der Islam ist eine ausgeprägt monotheistische Religion. Die christliche Vorstellung der Dreifaltigkeit wird ausdrücklich als polytheistisch abgelehnt, ebenso jede Personifizierung oder gar bildliche Darstellung Gottes. Er ist nicht Körper und nicht Geist, weder räumlich noch zeitlich, weder sichtbar noch in Abbildungen erfassbar. Jedoch ist er überall präsent. Gott wird durch seine 99 schönsten Namen beschrieben (der Lebensspendende, der Gerechte, der Gütige, der Barmherzige, der Verzeihende, der Liebende, der Gesundheitsspendende, der Großzügige, der Edle, der König der Welten, u.v.m.) die nur ihm alleine zustehen. Die Menschen können über Gott nur wissen, was er ihnen selbst in seiner Gnade offenbart hat. Gottes Beziehung zu Seinen Geschöpfen ist vor allem von zwei Haupteigenschaften bestimmt: der Barmherzigkeit, zu der Er sich als der Allmächtige Gott nach dem Koran selbst verpflichtet hat: "Verschrieben hat Er Sich die Barmherzigkeit" (6:12) und der daraus resultierenden Gerechtigkeit. Die gesamte Schöpfung - also der Mensch und die ihn umgebende Welt - gilt als Zeichen Gottes und ist deswegen zu ehren und sorgsam damit umzugehen. Der islamischen Theologie zufolge, wirkt in allem, was in der Natur passiert, die Inspiration Gottes. Tiere und Pflanzen, Atome und Sonnensysteme - alles richtet sich nach dem Willen Gottes und lebt somit den Islam. Auf diese Weise hat Gott im ganzen Kosmos ein ökologisches Gleichgewicht geschaffen, in das alle Geschöpfe integriert sind. Das freiwillige Ausgerichtetsein auf Gott manifestiert sich im Glauben und Handeln. In diesem Sinne umfasst der Islam keineswegs nur rituelle Handlungen Gott gegenüber, sondern das gesamte menschliche Leben. Die islamische Mensch-Gott-Beziehung ist bestimmt von Reue und Vergebung wie auch von Hoffnung und Vertrauen auf die Güte und Barmherzigkeit Gottes. Einzigkeit Gottes: Gott ist absolut einzig, deshalb wird die christliche Dreifaltigkeitslehre abgelehnt und erst recht die christliche Vorstellung von der Gottessohnschaft Christi. (Gott ist weder Mann noch Frau) Absolute Transzendenz und deshalb nächste Nähe Gottes: Gott wird im Islam in vollkommener Transzendenz gezeigt. Gott wird deshalb auch nicht als personifiziert aufgefaßt. Um die Transzendenz Gottes nicht zu relativieren und zu nivellieren, gibt es keine Sakramente, keine Kultbilder, keine Kirchenmusik. Gerade wegen seiner Transzendenz ist Gott völlig nahe (immanent): er ist dem Menschen näher als seine Halsschlagader. Gott der Schöpfer: Gott hat Himmel und Erde geschaffen. Der Mensch ist nicht Herr über die Schöpfung, sie ist ihm nur geliehen. Man kann Gott aus der wunderbaren Schöpfung erkennen. Gott der Richter: Gott ist der gerechte Richter des Jüngsten Tages. Gott der barmherzige Erbarmer: Fast jede Sure des Koran beginnt mit: "Im Namen Gottes, des barmherzigen Erbarmers". Das Erbarmen ist notwendig, da Gott ein gerechter Richter ist: jeder fromme Muslim weiß, daß er oft Gottes Anforderungen 4

nicht entspricht und deshalb auf Gottes Erbarmen angewiesen ist. Voraussetzung, daß Gott gegenüber dem Menschen Erbarmen zeigt, ist aufrichtige Reue auf Seiten des Menschen. Der Koran Ist das heilige Buch des Islam und bedeutet wörtlich "das oft Gelesene" oder "Rezitation". Der Koran gilt als das authentische Wort Gottes, das dem Propheten Muhammad in arabischer Sprache Wort für Wort erstmalig in der "Nacht der Vollmacht Gottes" im Monat Ramadan, dem neunten Monat des Mondjahres, durch den Engel Gabriel offenbart wurde. Der Koran erhebt ausdrücklich den Anspruch, das Wort Gottes zu sein und ist nicht mit Aussprüchen oder Grundsätzen des Propheten vermischt. Der Koran gilt deshalb auch für grundsätzlich unübersetzbar, weil man der Bedeutungsvielfalt und Sinnestiefe des Originaltextes in keiner anderen Form oder Sprache gerecht werden kann.. Der Muslim erlebt Gott deshalb in der Koranrezitation.. Ein besonders hohes Verdienst ist es, den Koran auswendig zu lernen, hunderttausende von Muslimen lernen es von Kindheit an und werden Hafiz genannt. Dazu dienen die Koranschulen. Im volkstümlichen Glauben werden Koranverse als Amulette gegen Bösen Blick, Krankheit und sonstige Übel verwendet, was vom Schriftislam aber abgelehnt wird, da der Sinn und Klang des Wortes heilig ist, da von Gott ausgesprochen, und nicht das Papier oder sonstiges, auf dem es geschrieben ist. Der Koran setzt sich aus 114 Suren (Kapiteln, Abschnitten) zusammen, die jeweils in Verse oder Ayat (Zeichen) unterteilt sind. Der Koran ist nicht auf einmal, sondern ab 610 n. Chr. innerhalb von 23 Jahren offenbart worden. Dies geschah oft situationsadäquat, d. h. entsprechend den jeweiligen Notwendigkeiten und Offenbarungsanlässen. Der Koran wendet sich an die gesamte Menschheit, und seine Botschaft ist im Namen Gottes für alle Zeiten maßgeblich (und auch vor Veränderungen geschützt). Kernaussagen des Koran Es gibt einen einzigen Gott Dieser ist ein Einziger unfassbarer Gott. Es gibt und gab keine Inkarnation Gottes in einen Menschen; auch Jesus war nur ein Gesandter. Dieser Gott ist für alle Menschen gleichermaßen da. (Es gibt kein auserwähltes Volk.) Es gibt ein Leben nach dem Tod. Sinn der menschlichen Existenz ist die Erkenntnis und das Lob Gottes. Wer sich Gott ganz hingibt, ist Muslim so wie schon Abraham, Moses und Jesus. Jeder ist nur für sich selbst verantwortlich. (Es gibt keine Erbsünde.) Das Verhalten des Menschen entscheidet über sein Schicksal im Jenseits. Muhammad hatte als Prophet die Aufgabe, diese Wahrheiten in Erinnerung zu rufen. Muhammad ist der letzte, das Siegel, der Propheten. (30:40) 5

Was ist die Scharia? Fiqh bzw. Scharia sind Bezeichnungen für das islamische Rechtssystem. Ursprünglich meint der arabische Begriff»Scharia«den Pfad in der Wüste, der zur Wasserquelle führt. Die Scharia (arabisch etwa: breiter Weg, Weg zur Quelle) beschreibt das richtige Verhalten des Menschen in Bezug auf Gott sowie in Bezug auf andere Menschen und die Schöpfung allgemein. Dazu heißt es im Koran:»Einem jeden Volk gaben wir eine Schir a (Gesetz, Religion, Scharia) und einen deutlichen Weg. Wenn es Allah nur gewollt hätte, so hätte er euch allen nur einen Glauben gegeben. So aber will er euch in dem prüfen, was euch zuteil geworden ist. So wetteifert in den guten Dingen! Ihr werdet alle zu Allah heimkehren und darin wird er euch kundtun, worüber ihr uneinig wart.«(sure 5,48) Auf der Grundlage von Koran entwickelten islamische Gelehrte schon früh ein originäres Rechtssystem. Für neu auftauchende Fragen, auf die man im Koran keine explizite Antwort finden konnte, traten für die islamischen Gelehrten zwei weitere Quellen hinzu. So akzeptieren Rechtsgelehrte folgende Quellen zur Gesetzgebung: Koran Sunna (schriftliche Überlieferung der vorbildlichen Lebensweise des Propheten Muhammad, alles was er gesagt, getan oder stillschweigend geduldet hat) Konsens der islamischen Umma bzw. Gelehrten über ein Thema und der Analogieschluss Häufig wird auf den islamischen Grundsatz hingewiesen:»in der Vielfalt liegt die Gnade«. In einzelnen Fragen sind unterschiedliche Antworten möglich. Daraus ergibt sich eine dynamische Auslegung der gottgewollten Ordnung. Dadurch wird die Anpassung islamischen Rechts an sich verändernde oder ganz neue Gegebenheiten gewährleistet. In diesem Zusammenhang spielen auch rationale Argumentationen eine wichtige Rolle. Das religiöse Gesetz gilt nur für Muslime. Nichtmuslime sind dadurch nur insofern betroffen, als sie den Muslim an der Ausübung religiöser Gebote nicht hindern dürfen. Unterschiedliche Anwendung der Scharia in den verschiedenen Staaten In islamisch geprägten Staaten gibt es sehr unterschiedliche Modelle im Hinblick auf die Scharia. Während Saudi Arabien den Koran zur Verfassung seiner Monarchie erklärt hat, ist die Türkei ein säkularer Staat, dessen Verfassung keinen Bezug auf das islamische Recht nimmt. Dementsprechend unterschiedlich sind auch die Regelungen für ethisches Verhalten in islamisch geprägten Staaten. In Tunesien beschränkt sich die Umsetzung nur auf das Zivilrecht, in Saudi-Arabien und Sudan hingegen kommt sie vollständig zur Geltung. In der Türkei wird die Scharia in der Rechtsprechung überhaupt nicht praktiziert. Allerdings sieht die soziale Realität in Teilen der Gesellschaft anders aus. So existiert z. B. die offiziell nicht anerkannte islamische Ehe trotz gesetzlichen Verbotes (auch Imam-Ehe genannt, keine 6

staatliche Trauung, vergleichbar mit kirchlicher Trauung). Hier gibt es eine Grauzone. In manchen Staaten gibt es neben einer auf der Scharia basierten Rechtsprechung für Muslime auch eine säkulare Rechtsprechung für Nichtmuslime (z. B. in Nigeria). Besonders drakonische Strafen (Amputation, Steinigung), die oft international kritisiert werden, finden in relativ wenigen islamischen Ländern Anwendung (Saudi-Arabien, Sudan, Iran) und werden auch innerhalb des Islams teilweise kritisiert, weil dabei meist die in der Scharia vorgeschriebenen strengen Schutzbedingungen für Angeklagte außer Acht gelassen werden, so zum Beispiel die Pflicht, mindestens vier erwachsene Muslime als Zeugen vorzuführen, welche die Tat selbst mit eigenen Augen gesehen haben (wie z.b bei Ehebruch von Mann und Frau). Muslime in Europa kommen aus verschiedenen islamisch geprägten Ländern. Für sie alle gelten die Glaubensartikel und ethischen Regeln entsprechend den fünf Säulen des Islam. Bei Einzelfragen gibt es jedoch Unterschiede, die auch in Europa fortbestehen. Durch die zunehmende Zusammenarbeit der Muslime entwickeln sich Verhaltensweisen, die von den meisten Muslimen geteilt werden. So gibt es zum Beispiel eine intensive Diskussion über die Menschenrechte, die im Sinne des Islam und mit ihm vereinbar sind. Daher lehnen sie Praktiken ab, die in manchen Herkunftsländern Geltung haben und gegen Menschenrechte wie die Religionsfreiheit, die körperliche Unversehrtheit oder die Gleichberechtigung von Mann und Frau verstoßen.»ehrenmorde«oder»zwangsheiraten«, die in manchen (nicht nur islamischen) Ländern praktiziert werden, sind mit dem Islam nicht vereinbar und werden verurteilt. Strömungen innerhalb des Islam Weltweit bekennen sich derzeit etwa 1,2 Milliarden Menschen zum Islam. Wie es im Christentum theologische und weltanschauliche Differenzen zwischen Katholiken, Orthodoxen und Protestanten gibt, so teilt sich die islamische Welt in sunnitische und schiitische Muslime. Aber auch innerhalb dieser beiden großen Gruppen existieren verschiedene Unterteilungen. Rund 90 Prozent gehören der sunnitischen Richtung der Religion an, etwa 9 Prozent zur schiitischen. Im 8. und 9. Jahrhundert entstanden vier sunnitische Rechtsschulen (Madhahib) mit abweichenden Auffassungen. Sie unterscheiden sich durch oft geringfügig unterschiedliche Interpretationen des islamischen Rechts, nicht jedoch in den wesentlichen Punkten des islamischen Glaubens, und anerkennen sich gegenseitig als rechtgläubig: Malekiten Diese konservative Schule gründete Imam Abu Abdallah Malik ibn Anas (716-795) aus Medina, sie vertritt eine mechanische Reinheit der Tradition gemäß altmedinensischem Brauchtum. Die malekitische Rechtsschule ist vor allem in Nord- und Westafrika, im Sudan und am Persischen Golf verbreitet. Hanafiten Der persische Imam Abu Hanifa (um 697-767) rief diese liberal-rationale Schule ins Leben. Sie basiert vorwiegend auf den Prinzipien der Vernunft und Logik. Verbreitung vor allem in der Türkei, im Nahen Osten, Zentralasien, Pakistan und in Bengalen. 7

Schafiiten Von Imam Mohammed ibn Idris as-schafi'i (767-820) begründet, einem Schüler Maliks. Sie urteilen vor allem nach der Übereinstimmung der Gelehrten (Idschma) und stehen in Opposition zu den Hanafiten. Die Schafiiten finden sich zum Beipiel in Ägypten, Syrien, dem Libanon, Irak und in Indonesien. Hanbaliten Imam Ahmed ibn Hanbal (gest. 855) aus Bagdad schuf eine strenge Lehre, die sich strikt an den Auslegungen des Koran orientiert. Sie wird fast ausschließlich nur in Saudi- Arabien angewandt. Ursprung der Spaltung der Muslime war eine Auseinandersetzung um die Nachfolge des Propheten Mohammed nach dessen Tod im Jahre 632. Die Anhänger von Mohammeds Schwiegersohn Ali konnten sich nicht durchsetzen und spalteten sich nach zahlreichen Auseinandersetzungen im Jahre 661 von der Mehrheit ab. Der Begriff Schiiten leitet sich von Schiat Ali ( die Partei Alis ) ab. Schiiten: nur Alî, der Vetter und Schwiegersohn Muhammads und spätere vierte Kalif, ist rechtmäßiger erster Nachfolger Muhammads. Leiter der Gemeinde ist der Imâm. Ein Imâm muß ein Nachkomme Alîs sein. Wegen unterschiedlicher Ansichten über die Gestalt des Imâm spalteten sich die Schiiten wieder in weitere Gruppen: o o o o "Extreme" Schiiten: Gott wohnt direkt in den Imâmen. Kleine Gruppe, z.b. in Syrien. Ismailiten: Der schon vor seinem Vater "verstorbene" Sohn des 6. Imâms, Ismail ist der rechtmäßige 7. Imâm. Er lebt in der Verborgenheit weiter und wird eines Tages als Mahdi auf die Welt zurückkehren. Der Mahdi ist frei von Sünde und Irrtum und wird eine gerechte Gesellschaft errichten. Heute verbreitet in: Jemen, Iran, Indien, Syrien, Afrika. Zwölferschiiten:(Imamiten) verehren die zwölf Imame seit Ali. Zu ihren Glaubensprinzipien gehört auch die Hoffnung auf die Rückkehr des entrückten zwölften Imams er soll dereinst als Messias (Mahdi) am Ende der Tage auf die Welt zurückkehren, um für seine Gemeinde ein gerechtes Diesseits zu errichten. Die Zwölferschia bildet die zahlenmäsig größte schiitische Gemeinde und dominert im Iran, Irak, Aserbaidschan sowie die Gemeinden in Afghanistan, Pakistan und Libanon. Der 12. Imâm, Muhammad ibn Hasan al- Mahdi (Mitte 9. Jhdt.) lebt in der Verborgenheit weiter und wird als Mahdi (s. oben) zurückkehren. Während seiner Abwesenheit sollen qualifizierte Theologen die Leitung der Gemeinde übernehmen. Vor allem in Iran verbreitet (Ayatollah Khomeini!). Fünferschiiten (Zaiditen) akzeptieren nur fünf Imame, der letzte war Zaid ibn Ali (gest. 739), ein Enkel Alis. Lehre und Rechtsauffassung ähneln dem dem sunnitischen Islam. Ihr Verbreitungsgebiet beschränkt sich auf den Jemen. o Siebnerschiiten (Ismaeliten) sind ausgesprochen orthodox. Sie verehren den siebenten Imam, Ismail, als letzten Führer und Mahdi. Viele Elemente der Gnosis fanden Eingang in ihren esoterisch anmutenden Glauben, der heute 8

Anhänger in Zentralasien, Jemen, Ostafrika und dem westlichen Indien hat. Ihre geistliche Führung ist die Famile des Agha Khan. o Zaiditen: lehnen die Vererbung der Imâm-Würde und den Mahdi-Glauben ab. Die Wahhabiten sind Anhänger einer strengen Richtung des sunnitischen Islam. Als Begründer gilt Scheich Muhammad ibn Abd al-wahhab, der im18. Jahrhundert in dem heutigen Saudi-Arabien lebte. Wahhabiten wenden sich gegen jeden fremden Kultureinfluss. In konservativer Auslegung dürfen Frauen kein Auto steuern. Wahhabiten sehen sich als die einzig wahren Muslime. Sie lehnen sämtliche anderen Richtungen des Islam, besonders den Sufismus und die Schia, ab. Geschätzte 20 Prozent der Türken sind weder Schiiten noch Sunniten, sondern Aleviten. Religionswissenschaftlich können die Aleviten als eigenständige, unter anderem vom schiitischen Islam und vom Schamanismus beeinflusste Religion gewertet werden. Sie lehnen die Befolgung der fünf Pflichten des Islam ab. Statt des Fastens im Ramadan begehen sie zehn oder zwölf Fasttage im Monat Muharram. Manche der Aleviten erklären sich als zum Islam zugehörig und manche als eigenständige Religionsbesitzer. Geschlechterrollen im Islam Frauen und Männer, alle Muslime sind Geschwister. Keiner steht außer der Frömmigkeit, über dem anderen 9

Sure 9, Vers71 "Sie sind euch ein Gewand, und ihr seid ihnen ein Gewand (sich gegenseitig unentbehrlich)." Sure 2/187 Derjenige, dem ein Mädchen geboren wurde und der sie nicht lebendig begraben hat, sie nicht verachtet und seine Söhne nicht bevorzugt, der wird durch den Segen, den sie ihm bringt, in den Garten der Ewigkeit kommen. Hadith des Propheten Muhammad(Friede sei mit ihm) Die Gleichwertigkeit von Mann und Frau ist ein wesentliches Prinzip des Islam. Der Quran verankert die absolute Gleichheit von Frau und Mann in ihrer Stellung vor Allah und in ihrer Würde als Menschen und spricht Frau und Mann immer in der gleichen Art an: als Kinder Adams, als Menschen, als Muslime, als Mumin. Mann und Frau sind biologisch unterschiedlich und ergänzen sich gegenseitig, der Islam geht vom Konzept einer partnerschafltichen Aufgabenteilung innerhalb der Gesellschaft Einige Rechte, die der Islam den Frauen gebracht hat: Frau wurde vom Ding zur Rechtsperson Recht auf Eigentum (beinhaltet alle finanziellen Rechte) Erbrecht 1 Recht auf Bildung (ist quranische Pflicht für Mann und Frau) Recht auf freie Partnerwahl (Gestaltung des Ehevertrages) Recht auf Scheidung Recht auf gesellschaftliche/politische Mitsprache (Wahlrecht) Recht auf Versorgung Islamische Bekleidung...und sprich zu den gläubigen Frauen, dass sie ihre Reize nicht zur Schau tragen sollen... und dass sie ihre Tücher/Kopfbedeckungen über ihren Halsausschnitt schlagen sollen... sagt Allah im Quran 24/31. In Europa gelten Schleier und Kopftuch vielfach (und auch sehr pauschalisierend) als Zeichen der Unterdrückung der Frau, staatlicherseits gibt es allerdings keine einheitliche Auffassung Frankreich untersagt beide an Schulen und auf Ämtern, Großbritannien hingegen bietet sogar 1,,Den Männern steht ein Teil von der Hinterlassenschaft ihrer Eltern und Verwandten zu, und ebenfalls den Frauen steht ein Teil von der Hinterlassenschaft ihrer Eltern und Verwandten zu. Sei es wenig oder viel. Das gilt als vorgeschriebener Anteil. Sure 4, Vers 7 10

Polizeiuniformen mit Kopftuch für muslimische Beamtinnen an. Oft genug entscheiden sich auch gläubige Mädchen und Frauen ganz bewusst für die islamische Bekleidung, um ein persönliches Bekenntnis ihres Glaubens abzulegen. Ganz ohne Druck und Zwang. Und mag auch das öffentliche Leben zwischen Tanger und Jakarta, Istanbul und Daressalam als Männerdomäne erscheinen, in den eigenen vier Wänden haben zumeist die energischeren Mütter und Ehefrauen das letzte Wort. Wer von Europa aus die angebliche und partiell sicherlich vorhandene Zurücksetzung der muslimischen Frauen beklagt, sollte sich vor Augen führen, dass selbst im westlichen Kulturkreis von einer tatsächlichen Gleichstellung von Mann und Frau noch immer nicht die Rede sein kann. Es gibt weder gleichen Lohn für gleiche Arbeit, noch immer sind Frauen nicht angemessen in den oberen Etagen von Politik und Wirtschaft vertreten. Wir sollten auch nicht vergessen, dass unsere Frauen erst ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts studieren durften (in islamischen Ländern gab es bereits im 7. Jahrhundert gelehrte Frauen, die an Universitäten unterrichteten) und erst Ende des Jahres 1918 bekamen z.b. die deutschen Frauen das Wahlrecht zugesprochen, die Schweizerinnen gar noch viel später. Allen Widerständen zum Trotz werden auch die muslimischen Frauen ihren Weg finden. Nicht der Islam stellt sich ihnen dabei in den Weg, sondern der sehr weltlich-eigennützige Dünkel der Männerwelt. Was sagt der Islam zu frauenfeindlichen Praktiken in islamischen Ländern? FGM (Beschneidung der Frau) Es stammt aus vorislamischer Zeit. Sie war bereits im antiken Ägypten bekannt und ist vor allem in Afrika verbreitet sowohl bei muslimischen als auch christlichen oder animistischen Völkern. In grossen Teilen der islamischen Welt ist sie nicht bekannt,wie zb. in der Türkei, Syrien, Iran, Irak, Bosnien, Afghanistan, Pakistan, Indonesien, Saudi-Arabien.. Zwangsheirat Ist ein Phänomen, dass vor allem im Osten der Türkei, in Afghanistan, Pakistan vorkommt. Auch Roma und Sinti und Inder praktizieren die Heirat gegen den Willen eines der Partner, 11

meistens ist es die Frau, es kommt aber auch vor, dass der Mann gezwungen wird. Diese Praxis widerspricht völlig den islamischen Regeln über die Ehe. Beide Partner müssen freiwillig diese für beide vertraglich gestaltbare Form des gesellschaftlichen Zusammenlebens von Mann und Frau eingehen, ansonsten ist die Ehe nicht gültig und kann anulliert werden (kam zu Zeiten des Propheten vor). Zwangsheirat ist in Österreich gesetzlich verboten und wird strafrechtlich geahndet. Zur Anzeige gebracht werden, kann es von jedem. Ehrenmord Kommt vor allem im Osten, in dem von kurdischer Bevölkerung dominierten Teil der Türkei vor. Statistiken schätzen, dass jährlich ca. 60 Frauen Opfer dieser Morde sind. Im Islam ist Mord aus welchem Motiv auch immer strengstens verboten und eine der größten Sünden. Doch für die Befürworter dieser Morde ist ihre Tradition vorrangig auch vor der Religion selbst. In der Türkei laufen seit einigen Jahren vermehrt Fraueninitiativen und auch parlamentarische Komissionen und Arbeitsgruppen zur Verhinderung dieser Verbrechen. Nach einer Recherche von mir bei der österreichischen Kriminalpolizei / Mordkommission in kleinem Ausmaß, wurde vom Leiter der Abteilung gesagt, dass es in Österreich vor ca. 20 Jahren einen derartigen Mordfall gab. Im Vergleich mit der fast ständigen Präsenz in den Medien ist das erstaunlich gering. Zahlen und Daten Prozentzahlen = Anteil der Muslime an der Gesamtbevölkerungszahl des betr. Landes. 1. Indonesien: 163 Mio., 87% 2. Pakistan: 115 Mio.; 97%; Staatsreligion 3. Bangladesch: 98 Mio., 87%; Staatsreligion 4. Indien: 97 Mio., 11% 5. Iran: 59 Mio., 99%; Staatsreligion 6. Türkei: 59 Mio., 99% 7. Ägypten: 50 Mio., 90%; Staatsreligion 8. Nigeria: 46 Mio., 45% 12

9. Algerien: 26 Mio., 99%; Staatsreligion 10. Marokko: 26 Mio., 99%; Staatsreligion 11. Afghanistan: 22 Mio., 99% 12. Äthiopien: 22 Mio., 45% 13. China VR: 20 Mio., 0,2% 14. Usbekistan: 20 Mio., 98% 15. Sudan: 20 Mio., 77%; Staatsreligion 16. Irak: 18 Mio., 96%; Staatsreligion 17. Saudi Arabien: 16 Mio., 98%; Staatsreligion Für die zentralasiatischen Nachfolgestaaten der Sowjetunion liegen zum Teil keine verläßlichen Zahlen vor. D.h. die Länder mit der in absoluten Zahlen größten muslimischen Bevölkerung liegen alle In Südostasien und Südasien, eine Tatsache, die oft auch von Islamkundigen übersehen wird. Regionale Verteilung 1. Asien: 637 Mio. 2. Afrika: 278 Mio. 3. Ehemalige Sowjetunion: 39 Mio. 4. Europa: 13 Mio. 5. Nordamerika: 3 Mio. 6. Lateinamerika: 1 Mio. Weltweit: knapp 1,3 Milliarden. Weitere Staaten, in denen der Islam Staatsreligion ist Brunei Jemen Katar Kuwait Libyen Malaysia Malediven Mauretanien Oman Somalia 13

Tunesien Nach sprachlichen und kulturellen Zusammengehörigkeiten kann man "fünf Farben des Islam" unterscheiden: 1. arabischer Islam: Nordafrika, Vorderer Orient 2. türkischer Islam: Türkei, Zentralasien, China 3. irano-indischer Islam: Iran, Afghanistan, Pakistan, Bangladesch, Indien 4. malaiischer Islam: Indonesien, Malaysia, Philippinen 5. schwarzer Islam: Schwarzafrika, USA 14