Karl Marx (1818-1883) I. Historischer Materialismus als Hintergrund der ökonomischen Theorie II. Kritik an der klassischen Ökonomie III. Elemente der ökonomischen Theorie Marx 1. Entfremdung der Arbeit, Warenproduktion 2. Werttheorie: Ausbeutung der Arbeit, Mehrwert 3. - > Zurück zu Ricardo: Seine Weiterentwicklung der Arbeitswertlehre aus den Ansätzen von Adam Smith. Probleme der Arbeitswertlehre 4. Transformation von Werten in Produktionspreise 5. Reproduktionsgleichgewicht und Krisen, Bewegungsgesetze im Kapitalismus IV. Marx als klassischer Ökonom I. Historischer Materialismus als Hintergrund der ökonomischen Theorie Produktionsweise ist die materielle Basis gesellschaftlichen Lebens Produktivkräfte: Arbeitskräfte, technisches und Organisations-Wissen; Entwicklungsstand der Produktivkräfte bestimmt Grad der Verfügungsmacht über die Natur Produktionsmittel sind alle materiellen Grundlagen der Produktion: Boden, Bodenschätze, Werkzeuge, Maschinen Produktionsverhältnisse: bestimmte Art der Kombination der Produktivkräfte mit den Produktionsmitteln -> gesellschaftliche Institutionen und Mechanismen, die diese festlegen Damit festgelegt: Machtverteilung in der Gesellschaft: herrschende Klasse verfügt über Produktionsmittel. Ideologischer Überbau: ideologische und kulturelle Bewusstseinsformen, d.h. Kunst, Wissenschaft, Religion, Sitten, Recht; geprägt durch herrschende Klasse "Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt." (Einleitung zur Kritik der politischen Ökonomie, 1859, 13) Entwicklung der Produktivkräfte ist treibende Kraft der historischen Entwicklung. Einer bestimmten Entwicklung der Produktivkräfte entsprechen bestimmte Produktionsverhältnisse und damit die Herrschaftsform. Weiterentwicklung der Produktivkräfte durch menschliche Arbeit / Erfindungsgeist > Produktivkräfte treten in Widerspruch zu Produktionsverhältnissen: Produktionsverhältnisse, die anfangs förderlich waren für die Entwicklung der Produktivkräfte werden zu deren Fesseln > Epoche sozialer Revolution: Neuverteilung der Verfügungsmacht über Produktionsmittel, gesellschaftliche Umwälzungen. 1
Vor diesem Hintergrund beschreibt Marx Entwicklungsstufen: - urgemeinschaftliche Produktionsweise - "Sklavenhaltergesellschaft" - feudale Produktionsweise - Kapitalismus Privateigentum an Produktionsmitteln. Arbeitskraft wird zur Ware, die die Proletarier als ihren einzigen Besitz verkaufen. Das Proletariat ist die Negation einer Klasse, da es allen sonstigen Kennzeichen der Klassen verlustig gegangen ist: keine Traditionen, keine Kultur, kein Eigentum etc. Deshalb: international verbindet die Proletarier ihr gemeinsames Schicksal. - kommunistische Gesellschaft Sozialisierung der Produktionsmittel hebt Klassengegensätze auf. Im Endzustand des Kommunismus herrscht Freiheit, Gerechtigkeit und Humanität - die "eigentliche Menschheitsgeschichte" kann beginnen. Ökonomische Theorie ist vor diesem Hintergrund keine allgemeingültige Theorie sondern historisch bedingt. II. Kritik an der klassischen Ökonomie - Wesen von Profit und Kapital nicht erklärt. - klassiche Ökonomen waren nicht in der Lage zwischen der technischen und der gesellschaftlichen Dimension des Kapitalismus zu unterscheiden. Kapital im Sinne von Produktionsmitteln wurde immer in der Produktion eingesetzt, der Kapitalismus unterscheidet sich von früheren Epochen jedoch durch spezifische Produktionsverhältnisse. Diese sind Gegenstand der Ökonomie als Wissenschaft. - Existenz von Ausbeutung nicht anerkannt. Bei den Klassikern: zentrale Bedeutung von Tausch, in dem Subjekte per Definition als Gleiche auftreten, gleiches gegen gleiches getauscht wird. III. Elemente der ökonomischen Theorie Marx 1. Entfremdung der Arbeit, Warenproduktion Arbeit als Äusserung des Menschseins: Mensch vergegenständlicht sich selbst in seinen Produkten, tritt damit seinen Produkten gegenüber. Diese Entfremdung vom eigenen Produkt wird erst durch den sinnvollen Gebrauch bzw. den Genuss der Ware wieder aufgehoben. Durch die Arbeitsteilung wird der Prozess der Entfremdung fortgeführt: technische Arbeitsteilung führt zu immer stärkerer Spezialisierung der Arbeitskräfte. Überlagert durch gesellschaftliche Arbeitsteilung zwischen Arbeitskräften und Produktionsmittelbesitzern, die sich das Produkt aneignen. Produkte als Gebrauchs- und Genussmittel werden dadurch zu Waren. 2
An der Ware interessiert (den Kapitalisten) nur noch der Tausch- oder Geldwert, der auf dem Markt realisiert werden kann. Im Kapitalismus: Zwischenmenschliche Beziehungen werden zu Beziehungen zwischen Waren. Jeder wird nur noch als Warenbesitzer eingeschätzt. Da Proletarier nur über die Ware Arbeitskraft verfügen, müssen sie diese auf dem Arbeitsmarkt anbieten: Äusserster Grad der Verdinglichung zwischenmenschlicher Beziehungen: Warenfetischismus. 2. Werttheorie: Ausbeutung der Arbeit, Mehrwert doppelter Charakter der Waren : - Ware ist Tauschobjekt: Tausch verdinglichter Arbeit (in den Produktionsmitteln enthaltene Arbeit) und neu hinzugefügter = "lebendiger" Arbeit. Im Arbeitswert ist die "Qualität" der Arbeit zu berücksichtigen: hochqualifizierte Arbeit ist ein Mehrfaches einfacher Arbeit wert; geschaffener Wert richtet sich nicht nach tatsächlicher Arbeitszeit sondern nach gesellschaftlich notwendiger Arbeitszeit (s.u.) unter Berücksichtigung der Qualität der Arbeit. - Ware hat Gebrauchswert: befriedigt Bedürfnisse der Menschen, damit entscheidend: Nutzen. Wert einer Ware wird erst im Tausch festgelegt. Arbeit als abstrakte Arbeit schafft einen im Tausch realisierbaren Wert. Gebrauchs- und Tauschwert: Die Nützlichkeit eines Dings macht es zum Gebrauchswert... Der Gebrauchswert verwirklicht sich nur im Gebrauch oder der Konsumtion. Gebrauchswerte bilden den stofflichen Inhalt des Reichtums, welches immer seine gesellschaftliche Form sei. In der von uns zu betrachtenden Gesellschaftsform bilden sie zugleich die stofflichen Träger des Tauschwerts. Der Tauschwert erscheint zunächst als das quantitative Verhältnis, die Proportion, worin sich Gebrauchswerte einer Art gegen Gebrauchswerte anderer Art austauschen, ein Verhältnis, das beständig mit Zeit und Ort wechselt.... Als Gebrauchswerte sind die Waren vor allem verschiedner Qualität, als Tauschwerte können sie nur verschiedner Quantität sein, enthalten also kein Atom Gebrauchswert. Sieht man nun vom Gebrauchswert ab, so bleibt ihnen nur noch eine Eigenschaft, die von Arbeitsprodukten. Jedoch ist uns auch das Arbeitsprodukt bereits in der Hand verwandelt.... Mit dem nützlichen Charakter der Arbeitsprodukte verschwindet der nützliche Charakter der in ihnen dargestellten Arbeiten, es verschwinden also auch die verschiednen konkreten Formen dieser Arbeiten, sie unterscheiden sich nicht länger, sondern sind allezusamt reduziert auf gleiche menschliche Arbeit, abstrakt menschliche Arbeit. Karl Marx (1867) Das Kapital, Band I, 50 ff. 3
Gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit: Gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit ist Arbeitszeit, erheischt, um irgendeinen Gebrauchswert mit den vorhandenen gesellschaftlich-normalen Produktionsbedingungen und dem gesellschaftlichen Durchschnittsgrad von Geschick und Intensität der Arbeit darzustellen. Karl Marx (1867) Das Kapital, Band I, 54 Waren: Gebrauchsgegenstände werden überhaupt nur Waren, weil sie Produkte voneinander unabhängig betriebener Privatarbeiten sind. Der Komplex dieser Privatarbeiten bildet die gesellschaftliche Gesamtarbeit. Da die Produzenten erst in gesellschaftlichen Kontakt treten durch den Austausch ihrer Arbeitsprodukte, erscheinen auch die spezifisch gesellschaftlichen Charaktere ihrer Privatarbeiten erst innerhalb dieses Austausches. Oder die Privatarbeiten betätigen sich in der Tat erst als Glieder der gesellschaftlichen Gesamtarbeit durch die Beziehungen, worin der Austausch die Arbeitsprodukte und vermittelst derselben die Produzenten versetzt. Den letzteren erscheinen daher die gesellschaftlichen Beziehungen ihrer Privatarbeiten als das was sie sind, d.h. nicht als unmittelbar gesellschaftliche Verhältnisse der Personen in ihren Arbeiten selbst, sondern vielmehr als sachliche Verhältnisse der Personen und gesellschaftliche Verhältnisse der Sachen. Karl Marx (1867) Das Kapital, Band I, 87 Arbeit und Ausbeutung Arbeitskraft als Ware ist ebenfalls durch den doppelten Charakter der Waren gekennzeichnet: Tauschwert entspricht Lohn, Kapitalist erwirbt damit den Gebrauchswert = Arbeitsprodukt (Produktion des Arbeiters). Der Arbeiter erhält einen festen Lohnsatz, der gerade die physische Reproduktion der Arbeitskraft individuell und des Proletariats als Klasse sicherstellt. Zur Reproduktion ist eine bestimmte Menge an Konsumgütern notwendig. Das ist der Tauschwert der Arbeitskraft. Lohn = Wert der Arbeitskraft. Der Kapitalist erhält den Gebrauchswert der Arbeitskraft. Arbeit wird durch den Tausch zu Produktionsmittel, dessen Gebrauch und Produktionsergebnis dem Kapitalisten gehört. Damit: Grundlage für Ausbeutung geschaffen Beispiel: Gegenwert des Warenkorbes, der die Existenz sicherstellt = Lohn, kann innerhalb von 5 Stunden produziert werden: Das ist die Arbeit, die notwendig ist zur Reproduktion, "Zeit, die die Arbeiter für sich selbst arbeiten." Arbeiter verkauft jedoch nicht diese Arbeitsstunden, sondern seine Arbeitskraft, arbeitet mehr als 5 Stunden, z.b. 10 Stunden -> Überschuss über den Wert der Arbeitskraft = Mehrwert, "Zeit, die Arbeiter für Kapitalisten arbeiten." 4
Ausbeutungsrate: Mehrarbeit / zur Reproduktion notwendige Arbeit Im Beispiel: 100 % Ausbeutung; wenn keine Ausbeutung vorliegt, arbeiten die Arbeiter den ganzen Tag für sich. variables Kapital: Arbeit: fügt dem Produkt mehr Wert hinzu, als den Wert der Arbeitskraft, Arbeit allein wertschaffend (Adam Smith) konstantes Kapital: (=konstanter Wert) alle anderen Produktionsgüter. Ihr Wert geht in das Endprodukt ein, ohne jedoch zusätzlich dazu etwas hinzuzufügen. Also Vorprodukte, Abschreibungen zusammenfassend: Wert einer Ware setzt sich zusammen aus: s Mehrwert = Mehrarbeit neu geschaffener v Summe der Löhne = notwendige Arbeit Wert c verbrauchtes Material, Abschreibungen Mehrwertrate: s/v (Grad der Ausbeutung) Profitrate: s/(c+v) < Mehrwertrate organische Zusammensetzung des Kapitals: c/v 3. - > Zurück zu Ricardo: Seine Weiterentwicklung der Arbeitswertlehre aus den Ansätzen von Adam Smith. Probleme der Arbeitswertlehre The value of a commodity, or the quantity of any other commodity for which it will exchange, depends on the relative quantity of labour which is necessary for its production. (Ricardo (1817) Principles of Economics, 11)... my proposition that with few exceptions the quantity of labour employed on commodities determines the rate at which they will exchange for each other... is not rigidly true, but I say that it is the nearest approximation to truth, as a rule for measuring the relative value, of any I have ever heard. (Ricardo, Letters 1819 - July 1821, 279) 5
Probleme der Arbeitswertlehre These der Arbeitswertlehre: relativer Güterpreis p A /p B entspricht dem Verhältnis der in der Produktion der Güter A und B eingesetzten Arbeit Probleme entstehen durch die Berücksichtigung der Verzinsung des Kapitals, das in der Form von Vorschüssen für Lohnzahlungen im Produktionsprozess gebunden ist. (Bei Ricardo: kein fixes bzw. konstantes Kapital) Geldpreis des Gutes A p A = w L 1A (1+r) + w L 2A (1+r) 2 +... + w L NA (1+r) N p A (Geld) Preis des Gutes A L 1A Arbeitsmenge in der direkten Produktion von A L 2A... L NA Arbeitsmenge in der direkten Produktion der Geräte und Vorprodukte die in die Herstellung von A eingehen r Profitrate w (Geld) Lohnsatz entsprechend: Geldpreis des Gutes B p B = w L 1B (1+r) + w L 2B (1+r) 2 +... + w L MB (1+r) M Nur wenn das Verhältnis L ia / L ib für jede einzelne Periode gleich ist, d.h. - wenn M=N die gesamte Dauer der Produktion für beide Güter gleich ist - wenn die Arbeitseinsätze auf jeder vorgelagerten Produktionsstufe (also bei der Herstellung der Inputs und Geräte) der beiden Güter im gleichen Verhältnis zueinander stehen, dann verhalten sich die Preise beider Güter wie der gesamte Arbeitswert, der in die Güter einging (Summe Arbeitseinsatz in der Produktion von Gut A / Summe Arbeitseinsatz in der Produktion von Gut B). (Zurück zu Marx:) 6
4. Zur Transformation von Werten in Produktionspreise 3 Schritte im Prozess der Bestimmung der Preise: 1. Mit der Ausbeutungsrate werden Werte berechnet und der gesamte Mehrwert, der in der Wirtschaft erzielt wird 2. Annahme: Gesamter Mehrwert = Summe der Profite. Gegeben der Wert des Kapitalstocks, kann damit die durchschnittliche Profitrate berechnet werden. 3. Ausgleich der Profitraten über die Sektoren. Sektoren (1) c + v (2) s = v (3) c + v + s Wert (4) Profite I 95 + 5 5 105 22 122 II 85 + 15 15 115 22 122 III 80 + 20 20 120 22 122 IV 70 + 30 30 130 22 122 V 60 + 40 40 140 22 122 Summe 500 110 610 110 610 (5) c + v + Profite Produktionspreise (1) eingesetztes Kapital: c konstates Kapital, v variables Kapital d.h. Arbeit (2) Die hier angenommene Mehrwertrate von 100 % macht das Zahlenbeispiel einfach. Der Wert an sich hat aber weder theoretische Bedeutung noch praktische Relevanz (4) Die durchschnittliche Profitrate ergibt sich aus der gleichmässigen Verteilung des gesamten Mehrwertes auf das gesamte eingesetzte Kapital (Spalte 1) Ausgleich der Profitraten: Werden die Waren... zu ihren Werten verkauft, so entstehen... sehr verschiedene Profitraten in den verschiedenen Produktionssphären, je nach der verschiedenen organischen Zusammensetzung der darin angelegten Kapitalmassen. Das Kapital entzieht sich aber einer Sphäre mit niedriger Profitrate, und wirft sich auf die andere, die höheren Profit abwirft. Durch diese beständige Aus- und Einwanderung, mit einem Wort durch seine Verteilung zwischen den verschiedenen Sphären, je nachdem dort die Profitrate sinkt, hier steigt, bewirkt es solches Verhältnis der Zufuhr zur Nachfrage, dass der Durchschnittsprofit in den verschiedenen Produktionssphären derselbe wird und daher die Werte sich in Produktionspreise verwandeln. Diese Ausgleichung gelingt dem Kapital mehr oder minder, je höher die kapitalistische Entwicklung in einer gegebenen nationalen Gesellschaft ist. Karl Marx (1894) Das Kapital, Band III, 222 7
5. Reproduktionsgleichgewicht und Krisen Einfache Reproduktion (d.h. stationäre Wirtschaft, Profite B fliessen in den Konsum) Produktionsgüterindustrie: Pr A = c A + v A + B A Konsumgüterindustrie: Pr B = c B + v B + B B Im makroökonomischen Gleichgewicht muss gelten: Pr A = c A + c B Pr B = v A + v B + B A + B B daraus folgt: v A + B A = c B Erweiterte Reproduktion (d.h. wachsende Wirtschaft) Pr A = c A + v A + B A ' * ( B c B v B r = Konsum der Kapitalisten Pr B = c B + v B + B B ' * ( B c B v B r = Konsum der Kapitalisten Bewegungsgesetze im Kapitalismus 1. Tendenz wachsender Kapitalzusammensetzung: Zunehmende Mechanisierung der Produktion wird vorgenommen, um den Wirkungen des Klassenkampfes entgegenzutreten (organisierte Arbeit); damit sinkt aber der Anteil "ausbeutbaren" variablen Kapitals am Gesamtkapital bei wachsender organischer Zusammensetzung des Kapitals c/v. Profitrate ist zunehmende Funktion der Ausbeutungsrate, aber abnehmende Funktion der organischen Zusammensetzung des Kapitals c/v > die Tendenz zunehmender Mechanisierung überwiegt Steigerung der Ausbeutungsrate: fallende Profitrate. 2. Verelendungstheorie: * Vergrösserung des absoluten Mehrwertes (kennzeichnend für Frühkapitalismus, Ausbeutung der Arbeiter bis an die physische Grenze): - durch Intensivierung der Arbeit (ohne t.f.), z.b. schneller arbeiten - durch absolute Verlängerung der Mehrarbeit gegenüber der notwendigen Arbeit 8
* Vergrösserung des relativen Mehrwertes durch technischen Fortschritt, Anstieg s durch Steigerung der Arbeitsproduktivität. Marx erwartet relative Verelendung, d.h. Verstärkung der Polarisierung zwischen Arbeit und Kapital, aber keine absolute Verelendung des Proletariats Gleichzeitig: techn. Entwicklung führt zu Freisetzung von Arbeitskräften: industrielle Reservearmee. Proletariat wächst schneller als Arbeitsnachfrage (hohe Bev. wachstumsraten, Proletarisierung von Kleinproduzenten durch Kapitalkonzentration) 3. Verschärfung der Krisen: Zur Überwindung einer Krise sind technische Neuerungen (Produktivitätssteigerung) notwendig, die immer schwieriger durchzuführen sind. Kombination von techn. Fortschritt und Klassenkampf führt zu stärkeren Outputschwankungen. 4. Konzentration und Zentralisierung des Kapitals: zunehmende Akkumulation und zunehmende organische Zusammensetzung des Kapitals führt zu grösseren Unternehmen (die dann wiederum über einen hohen Anteil des gesellschaftlichen Mehrwertes verfügen, weitere Akkumulation). Unterschiede in den Profitraten während einer Krise erlaubt die Übernahme von Konkurrenten. diese Entwicklungen führen dazu, dass das kapitalistische System die Bedingungen für sein Ende schafft: Das Ende des Kapitalismus: Diese Expropriation vollzieht sich durch das Spiel der immanenten Gesetze der kapitalistischen Produktion selbst, durch die Zentralisation der Kapitale. Je ein Kapitalist schlägt viele tot. Hand in Hand mit dieser Zentralisation oder der Expropriation vieler Kapitalisten durch wenige entwickelt sich die kooperative Form des Arbeitsprozesses auf stets wachsender Stufenleiter, die bewusste technische Anwendung der Wissenschaft, die planmässige Ausbeutung der Erde, die Verwandlung der Arbeitsmittel in nur gemeinsam verwendbare Arbeitsmittel, die Ökonomisierung aller Produktionsmittel durch ihren Gebrauch als Produktionsmittel kombinierter gesellschaftlicher Arbeit, die Verschlingung aller Völker in das Netz des Weltmarkts, und damit der internationale Charakter des kapitalistischen Regimes. Mit der beständig abnehmenden Zahl der Kapitalmagnaten, welche alle Vorteile dieses Umwandlungsprozesses usurpieren und monopolisieren, wächst die Masse des Elends, des Drucks, der Knechtschaft, der Entartung, der Ausbeutung, aber auch der Empörung der stets anschwellenden und durch den Mechanismus des kapitalistischen Produktionsprozesses selbst geschulten, vereinten und organisierten Arbeiterklasse. Das Kapitalmonopol wird zur Fessel der Produktionsweise, die mit und unter ihm aufgeblüht ist. Die Zentralisation der Produktionsmittel und die Vergesellschaftung der Arbeit erreichen einen Punkt, wo sie unverträglich werden mit ihrer kapitalistischen Hülle. Sie wird gesprengt. Die Stunde des kapitalistischen Privateigentums schlägt. Die Expropriateurs werden expropriiert. Karl Marx (1867) Das Kapital Band I, 790-91 Sozialismus: Kontrolle der Produktionsmittel durch die Arbeiter, Ende der Ausbeutung und Entfremdung, Entlohnung entsprechend den Fähigkeiten und Beitrag zur Produktion. = erste Phase des Kommunismus Zweite Phase des Kommunismus: Jeder nach seinen Bedürfnissen. 9