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Wasserwirtschaftsamt München

Transkript:

1 Wasserwirtschaftsamt Unterlage 2 Vorläufige Sicherung des Überschwemmungsgebiets der Itz, Gewässer 1. Ordnung, auf dem Gebiet der Stadt Rödental und in den Gemeinden Ahorn, Dörfles-Esbach, Untersiemau, Großheirath, Itzgrund, Niederfüllbach Landkreis Coburg ERLÄUTERUNGSBERICHT

2 Wasserwirtschaftsamt Gliederung der Erläuterung 1 Anlass, Zuständigkeit... 3 2 Ziele der Vorläufigen Sicherung... 4 3 Örtliche Verhältnisse und Grundlagen... 4 3.1 Gewässer...4 3.2 Geologische und hydrogeologische Situation...5 3.3 Hydrologische Daten...6 3.4 Natur und Landschaft, Gewässercharakter, Hochwasserschutzanlagen...7 3.5 Sonstige Daten...8 4 Bestimmung der Überschwemmungsgrenzen... 9 5 Rechtsfolgen... 10 6 Sonstiges... 11

3 Wasserwirtschaftsamt 1 Anlass, Zuständigkeit Nach 76 Abs. 2 Wasserhaushaltsgesetz (WHG) sind die Länder verpflichtet, innerhalb der Hochwasserrisikogebiete die Überschwemmungsgebiete für ein HQ 100 bis zum 22. Dezember 2013 und die zur Hochwasserentlastung und -rückhaltung beanspruchten Gebiete ohne Frist festzusetzen bzw. vorläufig zu sichern. Zudem können nach Art. 46 Abs. 3 BayWG sonstige Überschwemmungsgebiete festgesetzt werden. Nach Art. 46 Abs. 1 Satz 1 BayWG sind hierfür die wasserwirtschaftlichen Fachbehörden und die Kreisverwaltungsbehörden zuständig. Nach Art. 46 Abs. 2 Satz 1 BayWG ist als Bemessungshochwasser für das Überschwemmungsgebiet das HQ 100 zu wählen. Die Ausnahmen der Sätze 2 und 3 (Wildbachgefährdungsbereich bzw. Wirkungsbereich einer Stauanlage) greifen hier nicht. Das HQ 100 ist ein Hochwasserereignis, das mit der Wahrscheinlichkeit 1/100 in einem Jahr erreicht oder überschritten wird bzw. das im statistischen Durchschnitt in 100 Jahren einmal erreicht oder überschritten wird. Da es sich um einen statistischen Mittelwert handelt, kann das Ereignis innerhalb von 100 Jahren auch mehrfach bzw. gar nicht auftreten. Die Itz, im vorliegenden Abschnitt ein Gewässer 1. Ordnung, liegt innerhalb des Hochwasserrisikogebiets nach 73 Abs. 1 in Verbindung mit 73 Abs. 5 Satz 2 Nr. 1 WHG und ist daher verpflichtend als Überschwemmungsgebiet bis zum 22. Dezember 2013 festzusetzen bzw. vorläufig zu sichern. Für die Itz, Fl.-km 16,000-40,200 und 49,670-63,200 wurde bislang noch kein amtliches Überschwemmungsgebiet ermittelt oder festgesetzt. Die Übermittlung dieser Unterlagen dient der Vorbereitung einer vorläufigen Sicherung. Da das betrachtete Überschwemmungsgebiet im Bereich des Landkreises Coburg liegt, ist für die Ermittlung des Überschwemmungsgebiets das Wasserwirtschaftsamt und für das durchzuführende Festsetzungs- bzw. Sicherungsverfahren das Landratsamt Coburg sachlich und örtlich zuständig.

4 Wasserwirtschaftsamt 2 Ziele der Vorläufigen Sicherung Die Ermittlung und vorläufige Sicherung von Überschwemmungsgebieten dient dem Erhalt von Rückhalteflächen, der Bildung von Risikobewusstsein und der Gefahrenabwehr. Damit sollen insbesondere: - ein schadloser Hochwasserabfluss sichergestellt, - Gefahren kenntlich gemacht, - freie, unbebaute Flächen als Retentionsraum geschützt und erhalten und - in bebauten und beplanten Gebieten Schäden durch Hochwasser verringert bzw. vermieden werden. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich bei dem Überschwemmungsgebiet nicht um eine behördliche Planung handelt, sondern um die Ermittlung und Darstellung einer von Natur aus bestehenden Hochwassergefahr. 3 Örtliche Verhältnisse und Grundlagen 3.1 Gewässer Die Itz hat eine Gesamtlänge von zirka 80 Kilometern und ein Einzugsgebiet von 1.029 km², wobei ca. 65,1 km Fließlänge und 1.009 km² Einzugsgebiet auf bayerischem Gebiet liegen. Sie entspringt in 673 m ü. NN am Fuße des Bleßberges in Stelzen (Landkreis Hildburghausen) nordöstlich von Eisfeld im Thüringer Wald. Im oberen Itzgrund in Thüringen durchquert der Fluss die Gemeinde Bachfeld und die Stadt Schalkau. An der Landesgrenze zu Bayern befindet sich das Hochwasserrückhaltebecken Froschgrundsee, das von der Itz durchflossen wird. Danach fließt die Itz im Froschgrund zwischen Schönstädt und Oberwohlsbach und passiert die Städte Rödental und Coburg. Es folgt der fruchtbare untere Itzgrund, der bei Hochwasser immer wieder überschwemmt wird. Unterhalb von Rattelsdorf mündet die Itz schließlich zwischen Breitengüßbach und Baunach auf 235 m ü NN in den Main.

5 Wasserwirtschaftsamt Seitengewässer der Itz im Landkreis Coburg: Fernbach, Mündung an der Landesgrenze Bayern/Thüringen Bettelbach, Mündung bei Weißenbrunn vorm Wald Birkertsbach, Mündung in Weißenbrunn vorm Wald Effelder, Mündung in den Froschgrundsee Pöpelbach, Mündung bei Schönstädt Fischbach, Mündung bei Fischbach Fornbachsgraben, Mündung in Mittelberg Weimersgraben, Mündung in Mittelberg Fornbach, Mündung in Unterwohlsbach Röden, Mündung in Waldsachsen Krebsbach, Mündung in Waldsachsen Ketschenbach, Mündung bei Ketschendorf Schleifbach, Mündung bei der Finkenau Füllbach, Mündung bei der Geizen Mühle Siemauer Mühlbach, Mündung bei Scherneck Wohlbach, Mündung unterhalb von Scherneck Ziegelsdorfer Bach, Mündung unterhalb von Erles-Mühle Steingraben, Mündung bei Großheirath Wiesbach, Mündung bei Rossach Püchitzer Bach, Mündung unterhalb von Schleifenhan Rodach zur Itz (Gewässer 2. Ordnung), Mündung unterhalb von Bodelstadt Alster (Gewässer 2. Ordnung), Mündung bei Schenkenau Eggenbach, Mündung bei Lahm 3.2 Geologische und hydrogeologische Situation Geologisch liegt das obere Einzugsgebiet der Itz am Rand der Phycodenschichten über Muschelkalk. Bereits ab Schalkau überlagert eine quartäre Talfüllung den oberen und mittleren Buntsandstein. In der Buntsandsteinscholle sind umfangreichere Grundwasservorkommen (Kluft-/Porengrundwasserleiter) zu erwarten. Die Muschelkalk-Formationen fungieren, außer bei Verkarstung, nur beschränkt bzw. bedingt als Grundwasserleiter. Nach Oberwohlsbach tritt die Itz in die Gips- und Sandkeuperregion ein. Der unregelmäßige Wechsel von Sandstein- und Tonsteinlagen im Sandsteinkeuper sowie im Unteren Keuper ergibt die Ausprägung als bedingter Kluft-/(Poren-)Grundwasserleiter mit meist lokaler Bedeutung. Die Ton- und Mergelgesteine des Gipskeupers wirken als Grundwasserstauer, nur die Steinmergelbänke sind bedingt grundwasserleitend. Verkarsteter und daher wasserführender Grundgips kommt zumindest großflächig nicht vor. Zwischen Großheirath und Gleußen durchquert die Itz immer auf quartärer Talfüllung den schwarzen Jura der nördlichen Frankenalb. Unterhalb von Gleußen ist wieder der Keuper anzutreffen.

6 Wasserwirtschaftsamt 3.3 Hydrologische Daten Das Itztal ist innerhalb des Itz Baunach Hügellandes ein Trockental, mit Niederschlägen unter 600 mm/a. Das Niederschlagsregime im Itz Baunach Hügelland und im Grabfeldgau hat ein ausgeprägtes Sommermaximum im Juli und ein kaum auffallendes Wintermaximum im Dezember. Der Jahresgang des Abflusses zeigt statistisch besonders hohe Werte im Winter bei Tauwetter (mehr als die zweieinhalbfache Menge der Sommerwerte), während im Frühsommer der Wasserstand am niedrigsten ist. Im Durchschnitt tritt die Itz zweimal im Jahr über die Ufer, selten während der Vegetationsperiode. Das Verhältnis des Mittleren Niedrigwasserabflusses (MNQ) mit dem Mittleren Hochwasserabfluss (MHQ) von etwa 1:42 zeigt die große Schwankungsbreite des Abflusses der Itz an. Die Abflussverhältnisse werden durch die Hochwasserrückhaltebecken Froschgrundsee und Goldbergsee mit dem derzeit noch im Bau befindlichen Lauter- Überleiter beeinflusst. Das Einzugsgebiet der Itz an der Itzmündung beträgt 1029 km². Abbildung 1 zeigt das Einzugsgebiet der Itz im Amtsgebiet des WWA. Abb. 1: Bayerisches Einzugsgebiet (schwarz) der Itz (hellblau) mit Nebengewässern (dunkelblau)

7 Wasserwirtschaftsamt Nachfolgende Tabelle zeigt die Abflusswerte für das HQ 100 (Hochwasserlängsschnitt). Grundlage ist ein Gutachten des WWA (in Abstimmung mit dem LfU) aus dem Jahr 2010 basierend auf den Aufzeichnungen der Pegel Schönstädt, Coburg und Schenkenau. Der Einfluss des Hochwasserrückhaltebeckens Goldbergsee auf das Hochwassergeschehen der Itz wurde auf Grundlage eines Niederschlag-Abfluss-Modells des LfU rechnerisch berücksichtigt. Gewässerstelle Fl.-km HQ 100 (m³/s) nach Froschgrundsee 62,900 35 nach Mündung Fischbach 61,400 40 nach Mündung Fornbach 56,300 43 nach Mündung Röden 52,300 70 nach Mündung Lauter 46,400 95 nach Mündung Füllbach 39,900 105 nach Mündung Rodach z. Itz und Alster 20,800 150 nach Mündung Merzbach 18,900 155 nach Mündung Unterer Kreuzbach 9,500 160 Tabelle 1, Hochwasserlängsschnitt der Itz für das HQ 100 3.4 Natur und Landschaft, Gewässercharakter, Hochwasserschutzanlagen Natur und Landschaft Der nördliche Bereich des Itzeinzugsgebiets liegt im Landschaftsraum Südliches Vorland des Thüringer Waldes. Dieser ist charakterisiert durch einen sehr hohen Waldanteil, wobei große zusammenhängende Waldgebiete, die überwiegend aus Nadelholzbeständen bestehen, vorherrschen. Anschließend wird der Naturraum Grabfeldgau am östlichen Rand gestreift. Südlich davon schließt sich der Naturraum Itz-Baunach-Hügelland an. Gewässercharakter Die Itz ist zwischen Schönstädtspeicher und der Stadt von Coburg durchgehend unverbaut und mäandrierend. Mit ihrem feinsandig bis grobsteinigen Bett weist sie gute Äschenbestände auf. Auch die beiden Zuflüsse zum Speichersee, Obere Itz und Effelder, weisen eine naturnahe Gewässerstruktur auf. Die Wertigkeit der oberen Itz wird vor allem durch wertvolle

8 Wasserwirtschaftsamt Gehölzsäume, Auwaldbereiche und Feuchtbrachen bestimmt. Es folgt der fruchtbare untere Itzgrund, der bei Hochwasser trotz Teilregulierungen immer wieder von überschwemmt wird. Wegen dieser regelmäßigen Überschwemmungen findet im Itzgrund primär eine großflächige Grünlandnutzung statt. Hochwasserschutzanlagen Im Oberlauf der Itz wurde als überörtlich wirksame Hochwasserschutzmaßnahme das Hochwasserrückhaltebecken Froschgrundsee errichtet, um die Hochwasserspitze der Itz in den Gemeinden Unterstrom zu reduzieren. Zur weiteren Verbesserung des Hochwasserschutzes wurden zudem örtlich wirksame Hochwasserschutzanlagen in Schönstädt und Oberwohlsbach errichtet. Auch in der Stadt Coburg wurden auf einem Teilstück entsprechende Maßnahmen ergriffen. 3.5 Sonstige Daten Das digitale Geländemodell im Landkreis Coburg basiert auf einer Luftbildbefliegung aus dem Jahr 2000. Von einem Flugzeug aus wurde die Geländeoberfläche mit Spezialkameras aufgenommen. Durch entsprechende photogrammetrische Auswertung der Luftbilder lässt sich das Höhenrelief der Landschaft nahezu zentimetergenau erfassen. Aus diesen Höheninformationen wird im Computer ein realitätsgetreues Abbild des jeweiligen Flussgebiets erzeugt (digitales Geländemodell).Weiterhin werden aus den Luftbildern die Nutzungen (z. B. Grünland, Ackerland, Wald, vorhandene Bauwerke usw.) abgeleitet. Flussprofile, Brückenprofile, Durchlässe und sonstige abflussrelevante Strukturen und Bauwerke, die nicht durch die Luftbildbefliegung erfasst werden, wurden vermessungstechnisch aufgenommen und in das hydraulische Modell integriert. Im Jahr 2010 wurde das Modell bei der Erstellung der Gefahren- und Risikokarten im Zuge der Umsetzung der EU-Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie streckenweise erweitert, indem Laserscandaten der Bayerischen Landesvermessungsverwaltung in das vorhandene Modell integriert wurden.

9 Wasserwirtschaftsamt 4 Bestimmung der Überschwemmungsgrenzen Grundlagen Die ermittelten der Überschwemmungsgrenzen basieren auf einer stationären zweidimensionalen Wasserspiegellagenberechnung (Programm HydroAS 2-D) für das hundertjährliche Hochwasserereignis. Die verwendeten Abflusswerte wurden dem Abflussgutachten des WWA aus dem Jahr 2010 entnommen (s. Kap. 3.3). Die Kalibrierung des Hochwassermodells erfolgte unter Zugrundelegung dokumentierter Hochwasserereignisse (Januar 1987 im nördlichen Abschnitt und Januar 2003 im südlichen Abschnitt). Die Rauheit von Flussschlauch und Vorländern differiert je nach Gewässertyp und Landnutzung. Die Rauheitsbelegung im Modell entspricht standardmäßig den Empfehlungen des Bayerischen Landesamts für Umwelt. Das im Jahr 2004 erstellte Modell wurde, wie oben beschrieben, 2010 erstmals überarbeitet. In einer zweiten Überarbeitung im Jahr 2011 wurden diverse bauliche Maßnahmen (u. a. B999), die seit 2004 im Talraum der Itz errichtet wurden, in das Modell integriert. Methodik Mit Hilfe des hydraulischen Berechnungsmodells werden die Wasserspiegellagen für HQ 100 ermittelt. Durch eine EDV-technisch gestützte Überlagerung des berechneten Wasserspielegelverlaufs mit einem digitalen Geländemodell (s. Kap. 3.5) wird das Überschwemmungsgebiet ermittelt. Räumlicher Umgriff Der Betrachtungsraum erstreckt sich auf den Landkreis Coburg. Er beginnt unterhalb des Hochwasserrückhaltebeckens Froschgrundsee und endet bei Fl.-km 16,000 an der Landkreisgrenze zum Landkreis Bamberg. Nachdem die Itz zwischen Fl.-km 16,000 und 20,690 die Grenze zum Landkreis Haßberge darstellt, ist in diesem Abschnitt nur das linksufrig (östliches Vorland der Itz) dargestellte Überschwemmungsgebiet Gegenstand der vorläufigen Sicherung.

10 Wasserwirtschaftsamt Der Gewässerabschnitt der Itz auf dem Gebiet der Stadt Coburg und ist ebenfalls nicht Gegenstand dieses Verfahrens. An den Seitengewässern sind nur die Flächen dargestellt, die sich bei einem HQ 100 der Itz durch Rückstau in das Seitengewässer ergeben. Es sind an den Seitengewässern also nicht die durch ein HQ 100 des jeweiligen Seitengewässers betroffenen Flächen dargestellt! Pläne Das Überschwemmungsgebiet ist in Detailkarten im Maßstab M = 1 : 2.500 flächig hellblau abgesetzt mit Begrenzungslinie dargestellt. Kartengrundlage der Pläne ist die digitale Flurkarte (DFK, Stand 2011). Alle vom Hochwasser ganz oder teilweise berührten Gebäude werden rosafarben hervorgehoben. Kleinstflächige, inselartig aus dem Überschwemmungsgebiet herausschauende Bereiche (< ca. 20 m 2 ), die hinsichtlich Bebaubarkeit von untergeordneter Bedeutung sind, werden aus Gründen der Lesbarkeit als Überschwemmungsgebiet dargestellt. In den Detailkarten M = 1 : 2.500 werden an den Flusskilometern Wasserstände des HQ 100 in Flussmitte als Höhenkoten dargestellt. Das ermittelte Überschwemmungsgebiet wird im Amtsblatt des Landkreises Coburg im Maßstab M = 1 : 25.000 veröffentlicht. 5 Rechtsfolgen Durch die Berechnung des Überschwemmungsgebiets ist der Flächumgriff für das Bemessungshochwasser HQ 100 bekannt. Es liegt damit ein Überschwemmungsgebiet im Sinn des Art. 46 BayWG i. V. m. 76 WHG vor. Damit ist insbesondere 77 WHG zu beachten: Überschwemmungsgebiete im Sinn des 76 WHG sind in ihrer Funktion als Rückhalteflächen zu erhalten. Soweit überwiegende Gründe des Wohls der Allgemeinheit dem entgegenstehen, sind rechtzeitig die notwendigen Ausgleichsmaßnahmen zu treffen. Darüber hinaus kann auch Art 46 Abs. 6 BayWG zur Anwendung kommen:

11 Wasserwirtschaftsamt Um einen schadlosen Hochwasserabfluss sicherzustellen, kann die Kreisverwaltungsbehörde in einem Überschwemmungsgebiet nach 76 Abs. 1 WHG gegenüber den Eigentümern oder Nutzungsberechtigten der Grundstücke anordnen, Hindernisse zu beseitigen, Eintiefungen aufzufüllen, Maßnahmen zur Verhütung von Auflandungen zu treffen und die Grundstücke so zu bewirtschaften, dass ein Aufstau und eine Bodenabschwemmung möglichst vermieden werden. 6 Sonstiges Die Nebengewässer sind nicht Gegenstand dieses Verfahrens. Die Überschwemmungsgrenzen dieser Gewässer wären für HQ 100 separat zu ermitteln. Sie können lokal größer als die hier in den Mündungsbereichen dargestellten, rückstaubedingten Überschwemmungsflächen sein. Für die Festlegung von Regelungen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen ist die Fachkundige Stelle Wasserwirtschaft zu beteiligen. Wasserwirtschaftsamt, den 18.11.2013 H e m m e r l e i n Ltd. Baudirektor