18 Miniklassik THEMA Tempo, Tempo Noch einmal bitte aber diesmal langsam Das Thema des Cancan von Offenbach wird in verschiedenen Tempi auf Instrumenten gespielt und mit Saint-Saëns Schildkröten aus dem Karneval der Tiere verglichen Frigga Schnelle
Klasse 2-4 19 Wie sehr sich der Charakter eines Musikstücks durch unterschiedliche Tempi verändern kann, zeigen die beiden Stücke von Jacques Offenbach und Camille Saint-Saëns. Obwohl dem Cancan und dem Orchesterstück Die Schildkröten die gleiche Melodie zugrunde liegt, entsteht der Eindruck, als gäbe es keine Gemeinsamkeiten. Diese werden erst wieder hörbar, wenn die SchülerInnen die einfache Melodie des Themas in verschiedenen Tempi nachspielen. In etwa drei Musikstunden lernen die Kinder die beiden Musikstücke kennen und beschreiben mit Adjektiven die unterschiedlichen Eigenschaften. Beim Singen und Nachspielen der Melodie mit unterschiedlichen Tempi werden die beiden Musikstücke wieder vereint. Die Musik hören Fast wie einen stummen Impuls empfinden es die SchülerInnen, wenn die Lehrkraft zu Beginn der Stunde das Arbeitsblatt mit den Adjektiven verteilt 3 und nach einmaligem Vorlesen mit dem Abspielen der Hörbeispiele beginnt. 20-21 Beide Musikbeispiele sind zwar kurz, aber doch lang genug, die passenden Adjektive in Ruhe zu umkreisen. Im anschlie - ßenden Gespräch werden die Ergebnisse vorgestellt und erklärt. Fast immer ist die Wirkung der Musikstücke bei den Zuhörenden ähnlich, sodass es selten zu Abweichungen beim Einkreisen kommt. Manchmal sind Kinder dabei, die eins oder beide Musikstücke kennen und Informationen liefern können. Wenn nicht, kann die Lehrkraft kurz über die Komponisten und Stücke erzählen oder die SchülerInnen lesen die kurzen Infotexte. 1 2 Fast allen Kindern fällt auf, dass beiden Stücken die gleiche Melodie zugrunde liegt. Diese einfache Melodie wird ganz langsam von allen auf Na-na oder mit dem unter den Noten notierten Text gesungen. 5 Spaß macht es den Kindern auch, das Lied mehrere Male zu singen und bei jedem neuen Durchgang etwas schneller zu werden. Eine von der Lehrkraft oder einem Kind gespielte Trommel gibt dabei den Rhythmus an. Die Musik spielen Das hier abgedruckte Arrangement eignet sich zur Umsetzung mit einer ganzen Klasse. 4 Es ist einfach und bietet Differenzierungsmöglichkeiten. Nach dem Prinzip vom Einfachen zum Schweren wird bei der Einübung zuerst mit dem Rhythmuspart begonnen. Die einzelnen Rhythmen werden zuerst auf Körperinstrumenten eingeübt und dann auf Rhythmusinstrumente übertragen. Dabei sind Doppelbesetzungen oder die Hinzunahme weiterer Perkus - sionsinstrumente möglich. Die beiden notierten Begleitstimmen sind so einfach, dass auch ungeübte SpielerInnen sie bewältigen können. Zum Einüben der Stimmen ist das langsame Tempo, das Saint-Saëns vorsieht, ideal. Mit dem sehr langsamen Tempo wird angefangen, dann wird in jedem Durchgang schneller gespielt. Die Bassstimme besteht nur aus den Tönen C und G, die als halbe Noten auf alle lang klingenden Instrumente übertragen werden können (Metallofone, Bass). Für die zweite Begleitstimme, die in Viertelnoten notiert ist, eignen sich alle Melodieinstrumente, die kurze Töne spielen können, wie z. B. Xylofone, Klavier, Boomwhackers (da nur zwei Töne benötigt werden). Die Melodie kann auf jedem Melodieinstrument gespielt werden. Besonders Schü - lerinnen, die bereits über Notenkenntnisse verfügen und ein Instrument spielen, dürften keinerlei Probleme dabei haben. Ansonsten übernimmt die Lehrkraft die Melodiestimme oder lässt einen kleinen Kinderchor die Melodie mitsingen. Hörbeispiele 20-21 auf der CD: 20 Cancan (Jacques Offenbach) 21 Die Schildkröten, aus: Karneval der Tiere (Camille Saint-Saëns) Arbeitsblätter (1)-(2) Informationen zu den Komponisten (3) Übung: Wie klingt die Musik? (4) Noten: Schildkrötenmusik (5) Das Lied zum Cancan
20 Miniklassik 1 Jacques Offenbach und der Cancan Jakob Offenbach wurde am 20. Juni 1819 als Sohn des jüdischen Kantors Isaac Eberst geboren. Der Vater änderte den Namen der Familie aufgrund ihrer Abstammung aus Offenbach am Main in Offenbach um. Der kleine Jakob erhielt schon sehr früh Cello- und Violinunterricht bei seinem Vater. Mit 14 Jahren schickte ihn sein Vater nach Paris zum Musikstudium. Dort änderte er seinen jüdischen Namen Jakob in Jacques. Als Dirigent am Theater komponierte er viele Bühnenmusiken. 1858 wurde er in ganz Europa durch seine Operette Orpheus in der Unterwelt bekannt. Aus dieser Operette stammt der Galop Infernal, der heute als Cancan zu den bekanntesten Musikstücken Offenbachs zählt. Am 5. Oktober 1880 starb Jacques Offenbach in Paris. Der Cancan ist ein sehr schneller und wilder Tanz, der um das Jahr 1830 in Paris entstand und sehr bekannt wurde. Es ist nicht ganz klar, ob das Wort Cancan vom französischen Wort für Ente (canard) abstammt oder von Tumult (caquehan). Der Cancan wurde von Tänzerinnen dargeboten, die ihre Beine so hoch warfen, dass ihnen die Zuschauer unter den Rock sehen konnten. Auch Spagatsprünge gehörten zu diesem turbulenten Tanz. Jacques Offenbach war so sehr von diesem Tanz fasziniert, dass er ihn als Galop Infernal den Höllischen Galopp in seine Operette Orpheus in der Unterwelt einbaute. Jacques Offenbach 2 Camille Saint-Saëns und die Schildkröten Der französische Komponist Camille Saint-Saëns lebte von 1835 bis 1921. Er galt als Wunderkind, weil er schon mit sechs Jahren Piano spielen konnte und kleine Klavierstücke und Lieder komponierte. Bereits mit 16 Jahren studierte er an der Pariser Universität. Er schrieb insgesamt zehn Opern und unzählige Orchester- und Kammermusiken. Besonders populär wurden die Oper Samson et Dalila und das Orchesterstück Karneval der Tiere. Zu den zwölf musikalischen Miniaturen aus dem Karneval der Tiere gehören auch Die Schildkröten. Dieses Stück ist eine Veralberung des bekannten Cancan von Jacques Offenbach. Der Cancan war schon sehr berühmt, als Saint-Saëns die Melodie verwendete und sie im Zeitlupentempo auf dem Klavier spielte. In der Orchesterfassung wird die Melodie von tiefen Streichern gespielt. Der wilde Cancan wurde von Saint- Saëns um das Dreifache verlangsamt. Der ehemals schnellste Tanz der Welt wirkt dadurch müde und schleppend wie die Bewegungen der Schildkröten. Jetzt konnten auch Schildkröten, die einen dicken Panzer mit sich herum tragen und deshalb nur langsam und schleppend vorankommen, Cancan tanzen. Aus der ehemals rasanten Musik wurde gähnende Langeweile. Camille Saint-Saëns
21 HB 20-21 3 Wie klingt die Musik? Welche Wörter passen zur Musik? Kreise sie mit zwei Farben ein! Kreise mit rot ein, welche Wörter zum ersten Musikstück passen. Kreise mit blau ein, welche Wörter zum zweiten Musikstück passen. schnell schleppend fröhlich drohend einschläfernd frech Laut heiter hastig leise wütend langsam bedächtig hektisch plump ängstlich traurig ruhig wild lebhaft aufgeregt feierlich Kreise die Bilder rot oder blau ein, zu denen die Wörter oben passen.
22 Miniklassik 4 Schildkrötenmusik Musik: Jacques Offenbach Spielsatz: Friedrich Neumann c d f e d g g a e f d d f e d c c h a g f e d c g c g c g c d f e d g g a e f d d f e d c g d e c c g c g c C Rhythmusbegleitung
23 5 Das Lied zum Cancan Musik: Jacques Offenbach Text: Frigga Schnelle