Was man mit Verben machen kann Konjugation Christian Gambel Einführung Grammatikalische Begriffe im Unterricht Im Deutschunterricht werden oft grammatikalische Begriffe verwendet. Da es sehr viele gibt, kommt man schnell durcheinander und ist verwirrt. Viele Menschen interessiert Grammatik auch einfach nicht, sie wollen aber trotzdem die Sprache lernen. Deshalb ist es wichtig, dass man die wichtigsten Begriffe lernt, da sie es einfacher machen, die Struktur der Sprache zu verstehen. Am Anfang ist es vielleicht nervig, aber mit ein bisschen Übung wird es leichter. Beim Erlernen dieser Begriffe ist wohl meistens das größte Problem, dass es so viele sind. Wenn man einen Vormittag oder Abend lang ständig diese Wörter hört, versteht man irgendwann gar nichts mehr und man verliert die Lust, sie zu lernen. Deshalb ist es wichtig, sie im Kopf in Kategorien zu ordnen. Beginnen wir mit dem Verb: Das Verb Das Verb finden wir in jeder Vokabelliste normalerweise im Infinitiv, also in der Grundform. Das ist das einfache Verb, mit dem wir noch nichts gemacht haben. Z. B.: laufen, lernen, essen, schlafen etc. sich kämmen, sich benehmen, sich rasieren etc. Jetzt können wir mit diesem Verb einiges machen, je nachdem, was wir sagen möchten. Das bedeutet, wir konjugieren es. Dabei können wir das Verb in
verschiedenen Kategorien verändern. Wichtig ist, dass man versteht, dass die Kategorien nebeneinander existieren. Es ist ganz einfach: Die Person Wir können die Person eines Verbes verändern. Zum Beispiel können wir bei dem Verb sprechen sagen: ich spreche, du sprichst, er/sie/es spricht Singular 1. Person 2. Person 3. Person wir sprechen, ihr sprecht, sie sprechen Plural 1. Person 2. Person 3. Person Die Zeitformen (Tempus) Außerdem können wir das Verb in verschiedenen Zeitformen (Tempus) verwenden. Diese Zeitformen haben oft einen lateinischen und einen deutschen Namen und die Lehrer benutzen beide Namen, manchmal den einen, manchmal den anderen. Das kann für den Schüler sehr konfus sein. Deshalb machen wir uns klar: das Präsens = die Gegenwart das Präteritum = die 1. Vergangenheit das Perfekt = die 2. Vergangenheit das Plusquamperfekt = die 3. Vergangenheit das Futur I = die Zukunft das Futur II = die abgeschlossene Zukunft
Indikativ oder Konjunktiv // (Modus) Wir können das Verb jetzt aber auch noch im Modus verändern. Das bedeutet, wir benutzen Konjunktiv II (Konjunktiv I ist uns im Moment egal) oder Indikativ, je nachdem, was wir sagen möchten: Wenn ich Lust habe, gehe ich einkaufen. Hier stehen die Verbformen habe und gehe im Indikativ, weil wir irgendwann in der Zukunft einkaufen gehen werden, vielleicht morgen oder in zwei Stunden. Wenn ich Lust hätte, ginge ich einkaufen. (Alternative: Wenn ich Lust hätte, würde ich einkaufen gehen) Hier verwenden wir Konjunktiv II, weil wir sagen möchten, dass wir höchstwahrscheinlich nicht gehen werden. Denn wir haben keine Lust. Wir machen uns also klar, dass wir den Indikativ verwenden, wenn wir über reale Dinge sprechen. Z. B.: Wenn ich Urlaub habe, gehe ich jeden Tag ins Freibad. Hier verwenden wir Indikativ, weil wir wissen, dass wir bald Urlaub haben und dann definitiv jeden Tag ins Freibad gehen wollen. Den Konjunktiv benutzen wir, wenn wir über irreale Dinge sprechen, also Wünsche, Bitten und Bedingungen (Konditionen), z. B.: Wenn ich Urlaub hätte, würde ich jeden Tag ins Freibad gehen. Hier verwenden wir den Konjunktiv, weil wir gerne Urlaub haben möchten, aber bei 30 in der Arbeit sitzen müssen!
Aktiv oder Passiv Als letztes können wir das Verb nun auch noch im Aktiv oder im Passiv verwenden, je nachdem, was wir betonen möchten. Möchten wir betonen, WER eine Aktion macht, können wir das Aktiv benutzen. Wenn wir betonen möchten, WAS passiert, können wir das Passiv verwenden. Aktiv: Der Polizist Peter Müller fasste den Verbrecher. Wir verwenden Aktiv, weil wir betonen wollen, dass Peter Müller ein toller Polizist ist. Passiv: Der Verbrecher wurde gefasst. Wir benutzen Passiv (werden + Partizip II), weil wir betonen möchten, dass der Verbrecher gefasst wurde, egal von wem. In der Alltagssprache ist es oft nicht so wichtig, ob wir Aktiv oder Passiv benutzen. Es gibt jedoch Situationen, in denen das eine oder andere besser passt. Zusammenfassung Denken wir noch einmal darüber nach, was wir gerade gelesen haben: Wir nehmen uns irgendein Verb aus der Vokabelliste, z. B. gehen. Wir können jetzt folgende Dinge verändern, wie wir möchten: Person Zeitform, wie z. B. Präsens, Perfekt (Tempus) Indikativ oder Konjunktiv (Modus) Aktiv oder Passiv
Beispiele Ich gehe zum Kurs. Person: Zeitform: 1. Person Singular Präsens/Gegenwart Indikativ oder Konjunktiv: Aktiv oder Passiv: Indikativ Aktiv Letztes Wochenende wurde der Verbrecher in Nürnberg gesehen. Person: Zeitform: 3. Person Singular Präteritum/1.Vergangenheit Indikativ oder Konjunktiv: Indikativ Aktiv oder Passiv: Passiv (Wenn wir mehr Zeit hätten,) würden wir öfter in den Urlaub fahren. Natürlich könnten wir hier Haupt- und Nebensatz analysieren, aber wir sehen uns nur den Hauptsatz an: Wir würden öfter in den Urlaub fahren. Person: Zeitform: Indikativ oder Konjunktiv: Aktiv oder Passiv: 1. Person Plural Präsens/Gegenwart Konjunktiv Aktiv
Hinweis 1: Das Wort würden steht hier nicht wegen Passiv, sondern wegen Konjunktiv (würden fahren)! Hinweis 2: Im Konjunktiv werden nur zwei Zeitformen unterschieden, nämlich Präsens/Gegenwart und Präteritum/Vergangenheit! Ende Falls du noch Fragen hast oder einen Fehler gefunden hast, schreibe mir doch bitte unter Kontakt! Viel Spaß beim Weiterlernen! Christian Gambel