Parasitismus (Schmarotzertum)

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Transkript:

Parasitismus (Schmarotzertum) Schädigende Wirkung eines Organismus (Parasit) auf einen anderen Organismus (Wirt). Sonderfall Parasitoide (Raubparasiten): obligate Tötung des Wirtes durch den Parasiten. Ektoparasiten: fressen an Haut und Hautbildungen oder saugen an Körpersäften. Endoparasiten: leben im Wirt, in Körperhöhlen (z. B. Verdauungstrakt), im Körpergewebe oder intrazellulär. Häufig mit starker Spezialisierung in Körperbau, Körperform und Entwicklung (hohe Vermehrungsrate, Generationswechsel, Wirtswechsel) Nahrungsparasiten, Sozialparasiten u.a. Etwa ein Drittel aller heimischen Tierarten sind Parasiten oder Parasitoide, Wichtige parasitische Tiergruppen St. Einzeller (Protozoa) Kl. Geißeltierchen (Flagellata) Kl. Wurzelfüßer (Rhizopoda) Kl. Sporentierchen (Sporozoa) St.Plattwürmer (Plathelminthes) Kl. Saugwürmer (Trematodes) Kl. Bandwürmer (Cestodes) St. Rundwürmer (Nemathelminthes) Kl. Fadenwürmer (Nematodes) St. Gliederfüßer (Arthropoda) Kl. Spinnentiere (Arachnida) Ord. Milben (Acari) Kl. Insekten (Insecta) Ord. Hemiptera (Schnabelkerfe) Ord. Tierläuse (Phtiraptera)) UOrd. Federlinge, Haarlinge (Mallophaga) UOrd. Tierläuse i.e.s. (Anoplura) Ord. Zweiflügler (Diptera) Fam. Stechmücken (Culicidae) Fam. Bremsen (Tabanidae) Fam. Lausfliegen (Hippoboscidae) Ord. Flöhe. (Siphonaptera)

St. Einzeller (Protozoa) Kl. Geißeltierchen (Flagellata) Schlafkrankheit (Trypanosmose) Erreger: Trypanosoma brucei Hauptwirt: Säugetiere Überträger/ Zwischenwirt: Tsetse-Fliege (Glossina morsitans) In Afrika ca. 300.000-500.000 Neuerkrankungen bzw. bis 60.000 Todesfälle pro Jahr.

St. Einzeller (Protozoa) Kl. Sporentierchen (Sporozoa) Endoparasitische Einzeller, ohne Bewegungsorganellen, Generationswechsel zwischen geschlechtlichen und ungeschlechtlichen Formen; etwa 4000 Arten. Ord. Gregarinida: Endoparasiten in Körperhöhlen von Evertebraten) Ord. Coccidea: Intrazelluläre Parasiten bei Vögeln und Säugern. Coccidose Erreger: Coccidien (Eimeria sp.) A) Zerfallsteilung (Schizogonie) und Bildung von Merozoiten. B) Befall von Epithelzellen durch Merozoiten (wiederholt möglich). C) Sporocysten gelangen mit dem Kot ins Freie, Weiterentwicklung nur unter Sauerstoffzutritt, danach Neubefall möglich.

St. Einzeller (Protozoa) Kl. Sporentierchen (Sporozoa) Malaria Erreger: Plasmodium sp. Entwicklung von Plasmodium: Im Blut des Menschen gebildete Gamonten, die mehrere Wochen am Leben bleiben können, müssen von der der Mücke Anopheles aufgenommen werden, in deren Darm (1) sie sich zu Mikro- und Makrogameten entwickeln, die zur beweglichen Zygote verschmelzen. Diese durchbohrt die Darmwand,wächst zur Oocyste heran und bildet duch Teilung Sporozoiten (2). Diese werden nach etwa 2 Wochen frei und gelangen v. a. in die Speicheldrüsen von Anopheles. Beim Stechen gelangen die Sporozoiten mit infektiösem Speichel in den Menschen, wo sie ins Lebergewebe eindringen und sich durch Zerfallsteilung vermehren (3). Die hier gebildeten Merozoiten gelangen in die Blutbahn und dringen in Erythrozyten ein, wo sie sich abermals durch Zerfallsteilung vermehren. In Folge können neue Blutzellen befallen oder Gamonten gebildet werden.

St. Plattwürmer (Plathelminthes) Kl. Saugwürmer (Trematodes) Endoparasiten mit Generations.- und Wirtswechsel (Zwischenwirte Wirbellose, Endwirte Wirbeltiere), ca. 6000 bekannte Arten Großer Leberegel (Fasciola hepatica) Endwirt: Planzenfressende Säugetiere, Zwischenwirt: Zwergschlammschnecke (Lymnea truncatula) Der Große Leberegel lebt in den Lebergallengängen von pflanzenfressenden Säugetieren. Die Eier gelangen mit dem Kot ins Freie. Die bewimperte Miracidiumlarve lebt in Gewässern, dringt in eine Süßwasserschnecke ein und wächst zur Sporocyste heran. Diese bildet Redien, welche die Sporocyste verlassen und Cercarien hervorbringen. Diese verlassen die Schnecke. Die wasserlebenden Cercarien kapseln sich beim Austrocknen des Gewässers ein und können vom Endwirt mit der Pflanzennahrung aufgenommen werden.

St.Plattwürmer (Plathelminthes) Kl. Bandwürmer (Cestodes) Abgeflacht bandförmige Endoparasiten im Darmtrakt von Wirbeltieren mit Wirtswechsel. Zwischenwirte sind Wirbellose und Wirbeltiere. Ca. 3000 bekannte Arten. Schweinebandwurm (Taenia solium) Der Schweinebandwurm lebt im Dünndarm fleischfressender Säugetiere. Die Eier gelangen mit dem Kot ins Freie und werden mit der Nahrung vom Zwischenwirt (u. a. Schwein) aufgenommen. Die Larven wandern in die Muskulatur und kapseln sich ein (Finne). Fleisch mit Finnen wird vom Endwirt gefressen.

St.Plattwürmer (Plathelminthes) Kl. Bandwürmer (Cestodes) Hundebandwurm (Echinococcus granulosus) Fuchsbandwurm (Echinococcus multiocularis) Finne

St. Rundwürmer (Nemathelminthes) Kl. Fadenwürmer (Nematodes) Zahlreiche endoparasitische Arten bei Wirbellosen und Wirbeltieren. Humanparasitische Arten sind zum Beispiel: Madenwurm (Enterobius vermicularis), Trichine (Trichinella spiralis, Spulwurm (Ascaris lumbricoides); in den Tropen auch mehrere durch blutsaugende Ektoparasiten übertragene Arten wie z.b. Wuchereria bancrofti (Erreger der Elefantiasis). Spulwurm-Entwicklungszyklus Spulwurm (Ascaris lumbricoides), bis 40 cm

Trichine (Trichinella spiralis) St. Rundwürmer (Nemathelminthes) Kl. Fadenwürmer (Nematodes) Zwischen- und Endwirte sind carnivore und omnivore Säugetiere

Kl. Spinnentiere (Arachnida) Ord. Milben (Acari) Parasitus fucorum Varroa-Milbe (Varroa destructor) Sarcoptes scabei (Räude-Milbe) Demodex folliculorum (Haarbalgmilbe)

Kl. Spinnentiere (Arachnida), Ord. Milben (Acari) Fam Zecken (Ixodidae) Blutsaugende Ektoparasiten an Säugetieren, Vögeln und Reptilien. Lime-Borreliose

Blutsaugende (ektoparasitische) und Krankheiten übertragende Insekten an Menschen Ord. Hemiptera (Schnabelkerfe) Fam. Raubwanzen (Reduviidae) Fam. Bettwanzen (Cimicidae) Ord. Tierläuse (Phtiraptera) UOrd. Tierläuse i.e.s. (Anoplura) Ord. Zweiflügler (Diptera) Fam. Stechmücken (Culicidae) Fam. Bremsen (Tabanidae) Fam. Sandmücken (Phlebotomidae) Fam. Kriebelmücken (Simuliidae) Fam. Gnitzen (Ceratopogonidae) Fam. Zungenfliegen (Glossinidae) Ord. Flöhe. (Siphonaptera)

Ord. Zweiflügler (Diptera) Fam. Lausfliegen (Hippoboscidae) Blutsaugende Ektoparasiten an Säugetieren und Vögeln. Vivipar (verpuppungsreife Larven).

Ord. Tierläuse (Phtiraptera) UOrd. Federlinge, Haarlinge (Mallophaga) Flügellose, hemimetabole Insekten mit beißenden Mundwerkzeugen, Ektoparasiten im Haar- und Federkleid und Säugetieren und Vögeln. UOrd. Tierläuse i.e.s. (Anoplura) Flügellose, hemimetabole Insekten mit stechend-saugenden Mundwerkzeugen, Ektoparasiten von Säugetieren und Vögeln.

Ord. Flöhe. (Siphonaptera) Flügellose, holometabole Insekten mit stechend-saugenden Mundwerkzeugen. Ektoparasiten an warmblütigen Wirbeltieren. Larven leben als Detritusfresser in den Nestern der Wirtstiere.