Osteoporose (Knochenschwund)

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Transkript:

Diethard M. Usinger Osteoporose (Knochenschwund) Ein Ratgeber für Betroffene, Angehörige und medizinisches Fachpersonal

Der Autor Wissenschaftliche Mitarbeit Prof. Dr. med. Diethard M. Usinger ist Facharzt für Orthopädie und Facharzt für Allgemeinmedizin. Im Weiteren wurden von ihm Zusatzqualifikationen in Sportmedizin, Physikalischer Therapie, Chirotherapie und Naturheilverfahren erworben. Als Osteologe DVO beschäftigt er sich seit Jahren mit der Osteoporose und hält Vorträge zu diesem Thema vor medizinischem Fachpublikum und Patienten. Er ist Chefarzt der Abt. Orthopädie der Hohenfeld-Kliniken Bad Camberg und lehrt an der Europa Fachhochschule Fresenius in Idstein Anatomie, Orthopädie, Rheumatologie und Sportmedizin. Dr. Christiane Sperl ist Diplom-Ernährungswissenschaftlerin und unterstützt Ärzte und Patienten in der Ernährungsberatung zur Vorbeugung und zur Therapie der Osteoporose. Ein Schwerpunkt ihrer Tätigkeit war die Beratung zur medikamentösen Therapie bei Osteoporose. Corinna Winter ist Sportwissenschaftlerin (MA) und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Funktionsbereich Bewegungsanalytik der Allgemeinen Orthopädischen Universitätsklinik Münster. Als Osteoporose-Kursleiterin und Sporttherapeutin berät und leitet sie auch Patienten in der richtigen körperlichen Belastung und zum wirkungsvollen Training zur Vorbeugung und zur Therapie bei Osteoporose an.

Diethard M. Usinger Osteoporose (Knochenschwund) Ein Ratgeber für Betroffene, Angehörige und medizinisches Fachpersonal Wissenschaftliche Mitarbeit Christiane Sperl Corinna Winter Das Gesundheitsforum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Die Informationen in diesem Ratgeber sind von dem Verfasser und dem Verlag sorgfältig erwogen und geprüft, dennoch kann eine Garantie nicht übernommen werden. Eine Haftung des Verfassers bzw. des Verlages und seiner Beauftragten für Personen-, Sachund Vermögensschäden ist ausgeschlossen. Besuchen Sie uns im Internet: www.schulz-kirchner.de 1. Auflage 2007 ISBN 978-3-8248-0512-9 Alle Rechte vorbehalten Schulz-Kirchner Verlag GmbH, Idstein 2007 Lektorat: Doris Zimmermann Umschlagentwurf und Layout: Rebecca Forst Umschlagfotos: photocase.com, Archiv Schulz-Kirchner Verlag Druck und Bindung: wd print + medien GmbH & Co. KG, Wetzlar Printed in Germany

Inhaltsverzeichnis Vorwort des Herausgebers 7 Das Krankheitsbild Osteoporose 9 Definition der Osteoporose 9 Der Knochen als stoffwechselaktives System 13 Ursachen für einen Knochenschwund 15 Regulation des Knochenumbaus 15 Häufigkeit der Osteoporose in Deutschland 16 Risikofaktoren der Osteoporose 17 Nicht beeinflussbare Risikofaktoren 17 Beeinflussbare Risikofaktoren 18 Diagnosestellung Osteoporose 21 Fragenkatalog zur Diagnostik 21 Diagnosekriterien 22 Einteilung der Osteoporose 23 Knochendichtemessung / DEXA-Verfahren 23 Durchführung der DEXA-Messung 25 Messung der Lendenwirbelsäule 26 Messung der Hüftregion 27 Computertomografie 28 Weitere Verfahren zur Knochendichtemessung 29 Gründe zur Durchführung der Diagnostik 29 Rechtfertigung zur Basisdiagnostik 30 Laboruntersuchungen 31 Therapie der Osteoporose 32 Schmerzlinderung / Schmerztherapie 32 Medikamentöse Osteoporose-Therapie 33 Kalzium und Vitamin D 33 Spezifische Osteoporose-Therapie 35 Bisphosphonate 35 Hormonersatztherapie / Östrogene-Gestagene 39 Pflanzliche Östrogene 40 Selektive Östrogen Rezeptor Modulatoren (SERMS) 40 Teriparatid (Parathormon) 41 Parathyroidhormon 43 Strontiumranelat 43 Ausblick in die weitere Entwicklung der Therapie 44 Behandlungszielgruppe 45 Empfehlungen für eine spezifische medikamentöse Behandlung 48 Medikamentenübersicht 49

Nichtmedikamentöse Verfahren zur Behandlung osteoporotisch bedingter Knochenbrüche 51 Prinzipien der operativen Versorgung 52 Vorbeugung gegen Osteoporose 53 Ernährung 53 Kalzium 53 Magnesium 57 Vitamine 57 Änderung der Lebensweise 58 Osteoporose und körperliche Aktivität 60 Empfohlene körperliche Belastungen 61 Anmerkung des Autors 62 Literatur und Adressen zum Themenkreis Osteoporose 63 Glossar 64

Vorwort des Herausgebers Die Ratgeber für Angehörige, Betroffene und Fachleute vermitteln kurz und prägnant grundlegende Kenntnisse (auf wissenschaftlicher Basis) und Hilfestellungen zu ausgewählten Themen aus den Bereichen der Gesundheit, der Medizin und der Therapieberufe (Sprachtherapie, Ergotherapie, Physiotherapie). Die Autorinnen und Autoren der Reihe sind ausgewiesene Fachleute mit langjähriger Erfahrung in Therapie, Beratung und Lehre. Die Osteoporose als Stoffwechselerkrankung des Knochensystems betrifft in Deutschland nach Schätzungen der Fachgesellschaften acht Millionen Menschen, aber nur zirka ein Viertel der Betroffenen wird adäquat diagnostiziert und behandelt. So gesehen ist fachkundige Information von Betroffenen, Angehörigen und auch medizinischem Fachpersonal äußerst wichtig. Als Herausgeber freue ich mich besonders, dass mein Kollege im Fachbereich Gesundheit an der Europa Fachhochschule Fresenius, Prof. Dr. Diethard Usinger, seine langjährige Erfahrung in Diagnostik und Behandlung der Osteoporose sowie in Beratung von Betroffenen und Angehörigen zu Papier gebracht hat. Ich wünsche dem Ratgeber eine weite Verbreitung, und ich hoffe, dass wir vielleicht einen kleinen Beitrag zur besseren Versorgung Betroffener leisten können. Prof. Dr. Jürgen Tesak Dekan Fachbereich Gesundheit Europa Fachhochschule Fresenius Idstein 7

Definition der Osteoporose Das Krankheitsbild Osteoporose Als Osteoporose wird eine Stoffwechselkrankheit des Knochensystems bezeichnet, die durch eine verminderte Knochenfestigkeit zu einem erhöhten Knochenbruchrisiko führt. Im deutschen Sprachgebrauch wird die Osteoporose mit dem Begriff Knochenschwund übersetzt. Das gesamte Skelettsystem ist bei dieser Krankheit betroffen, die Knochenmasse ist verringert und die Mikroarchitektur des Knochens ist verschlechtert. Als Folgen treten bereits bei Bagatellverletzungen oder ohne ersichtliche Ursache Brüche von Wirbelkörpern, Oberschenkelhalsknochen, Rippen oder anderer Knochen auf. Abb. 1: Änderung der Körpergröße und Körperhaltung durch Wirbelkörperbrüche In diesem Ratgeber ist der Schwerpunkt auf die zwei häufigsten Formen der Osteoporose gelegt: Osteoporose der Frau in und nach den Wechseljahren (postmenopausale Osteoporose) Osteoporose des Mannes ab dem 60. Lebensjahr Weitere Formen der Osteoporose: als Folge medikamentöser Therapien (siehe Seite 20) als Folge anderer Krankheiten (siehe Seite 21) als Folge von Operationen (z. B. Transplantationsosteoporose) Osteoporose bei Kindern 9

Die bisherige Definition der Krankheit geht von einer Änderung der Knochenmasse und der Knochenarchitektur als Ursache aus. Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse weisen darauf hin, dass Veränderungen des Gewebes zwischen den Knochenzellen (sog. Knochenmatrix) eine Ursache der Verschlechterung der Mikroarchitektur darstellen. Häufig wird bei älteren Menschen der Oberschenkelhalsbruch durch die Osteoporose verursacht. Er entsteht durch den seitlichen Sturz auf den großen Rollhügel des Oberschenkels (siehe Abb. 4 auf Seite 11). Als Witwenbuckel der älteren Frau wird die vermehrte Krümmung der Wirbelsäule nach vorne bezeichnet. Die verstärkte Krümmung der Wirbelsäule wird durch mehrere Wirbelkörperbrüche mit einer verstärkten Höhenminderung der Wirbelkörpervorderkante bedingt. Die Wirbelkörper sintern an der Vorderkante zusammen. Typische Zeichen der Osteoporose: Die Osteoporose verursacht jährlich: 2,4 Millionen Wirbelkörperbrüche in Europa 60.000-80.000 Oberschenkelhalsbrüche in Deutschland Abb. 2: Veränderungen des Körpers durch Osteoporose 10

Abb. 3: Osteoporose an der Wirbelsäule Zusammenbruch der Wirbelkörper Typische Knochenbrüche, die durch eine Osteoporose verursacht werden, sind: Oberschenkelhalsbruch Wirbelkörperbruch der Brustwirbelsäule oder am Übergang der Brust- zur Lendenwirbelsäule Bruch des handgelenknahen Unterarms Bruch des Oberarmknochens in der Nähe des Schultergelenks Rippenbruch Beckenbruch / Sitzbeinknochenbruch Eine Frau hat ab dem 50. Lebensjahr folgende Knochenbruchrisiken: Wirbelkörperbruch 32 % Oberschenkelhalsbruch 15 % Unterarmbruch 12 % Abb. 4: Oberschenkelhalsbruch rechts / Aufsicht von vorne 11

Abb. 5: Modell der Knochenbrüche an der Brustwirbelsäule Bis vor 15 Jahren wurde die Osteoporose als schicksalhafte Krankheit der älteren Frau betrachtet. Heutige Erkenntnisse zeigen, dass Menschen jeglichen Alters betroffen sein können. An Osteoporose erkranken in Deutschland: Jede dritte Frau ab dem 60. Lebensjahr Jeder fünfte Mann über dem 50. Lebensjahr Nach Schätzungen der Fachgesellschaften sind in Deutschland acht Millionen Menschen von der Osteoporose betroffen, von denen nur 25 % adäquat diagnostiziert und korrekt behandelt werden. Ein osteoporosebedingter Oberschenkelhalsbruch hat eine hohe Einbuße an Lebensqualität zur Folge und es ergeben sich einschneidende Behinderungen: 18 % benötigen am Ende des ersten Jahres weiterhin professionelle Pflege 17 % versterben innerhalb des ersten Jahres Osteoporose kann heute mithilfe einer klaren Risikoanalyse bereits frühzeitig erkannt und sehr gut behandelt werden. 12