Marxistische Grundbegriffe. Ware

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Transkript:

Marxistische Grundbegriffe Ware

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Ware und Gesellschaftsform Seite 5 Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine ungeheure Warensammlung, die einzelne Ware als seine Elementarform. Unsere Untersuchung beginnt daher mit der Analyse der Ware. K. Marx, Kapital I, MEW 23, 49. Aber die Anwesenheit von Waren zeigt noch nicht, ob eine Gesellschaft kapitalistisch ist. Auch in den vorhergehenden Gesellschaften gab es Waren. Für den Kapitalismus ist die Ware jedoch prägend. Die Warenproduktion tauchte zum ersten Mal vor etwa zehn- bis zwölftausend Jahren im mittleren Osten im Zusammenhang mit der ersten grundlegenden Arbeitsteilung zwischen Handwerkern und Bauern auf, d.h. nach dem Entstehen der ersten Städte. Die wirtschaftliche Verfassung, in der die Produktion zum Zwecke des Tausches durch Produzenten, die ihre Produktionsbedingungen noch selbst bestimmen, nennt man einfache Warenproduktion. Obwohl es viele Formen von einfacher Warenproduktion gab, besonders in der Antike und in der asiatischen Produktionsweise, erfuhr sie ihre bedeutendste Ausbreitung zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert in Nord- und Mittelitalien sowie im Norden und Süden der Niederlande (und in geringerem Umfang in England, Frankreich und im Westen Deutschlands). Dies war ein Ergebnis des Rückgangs der Leibeigenschaft in diesen Gebieten und der Tatsache, daß die Warenbesitzer, die miteinander Geschäfte trieben, im allgemeinen Freie und mehr oder weniger rechtlich gleichgestellt waren. Ernest Mandel, Einführung in den Marxismus, 42f Ware und Produkt Wenn wir uns die Wirtschaft näher betrachten, wie sie sich unter der Herrschaft des Kapitalismus entwickelt hat, so werden wir vor allem sehen, daß in derselben Waren erzeugt werden. Nun, was ist denn dabei bemerkenswert? wird jemand fragen. Das Bemerkenswerte besteht hier darin, daß die Ware nicht einfach ein beliebiges Produkt ist, sondern ein Produkt, welches für den Markt erzeugt wird. Ein Produkt ist keine Ware, solange es für den eigenen Bedarf erzeugt wird. Wenn der Bauer Korn anbaut, die Ernte einbringt, dann drischt, das Korn vermahlt und für sich Brot bäckt, so ist dieses Brot noch keine Ware: es ist einfach Brot. Zur Ware wird es nur dann werden, wenn es gekauft und verkauft werden wird, d.h. für den Käufer, für den Markt erzeugt werden wird: wer es kaufen wird, dem wird es gehören. In der kapitalistischen Gesellschaftsordnung werden alle Produkte für den Markt erzeugt, sie werden alle zu Waren. Jede Fabrik, jedes Werk oder jede Werkstätte erzeugen gewöhnlich nur irgendein bestimmtes Produkt, und jeder wird leicht begreifen, daß hier die Ware nicht für den eigenen Bedarf erzeugt wird. Wenn der Besitzer einer Leichenbestattungs-Unternehmung eine Werkstatt zur Erzeugung von Särgen betreibt, so ist es klar, daß er diese Särge nicht für sich und ihre Familie erzeugt, sondern für den Markt. Wenn der Fabrikant Ricinusöl erzeugt, so ist es wiederum klar, daß, wenn er auch jeden Tag an Verdauungsstörung leiden würde, er auch kaum den geringsten Teil jenes Quantum an Ricinusöl verbraucht, welches seine Fabrik erzeugt. Ganz genau so steht es unter dem Kapitalismus auch mit allen anderen beliebigen Produkten. In einer Knopffabrik werden Knöpfe erzeugt, aber diese Millionen von Knöpfen werden nicht darum fabriziert, damit sie an die Weste des Knopffabrikanten angenäht werden, sondern zum Verkauf. Alles, was in der kapitalistischen Gesellschaft erzeugt wird, wird für den Markt erzeugt; dorthin kommen auch Handschuhe und gekochte Wurst, Bücher und Schuhpasta, Maschinen und Schnaps, Brot, Stiefel und Gewehre, kurz, alles was erzeugt wird. N. Bucharin u. E. Preobraschensky, Das ABC des Kommunismus, I. Kapitel, 6

Seite 6 Die zwei Elemente der Ware: Gebrauchswert und Wert Die Ware ist zunächst ein äußerer Gegenstand, ein Ding, das durch seine Eigenschaften menschliche Bedürfnisse irgendeiner Art befriedigt. Die Natur dieser Bedürfnisse, ob sie z. B. dem Magen oder der Phantasie entspringen, ändert nichts an der Sache. K. Marx, Kapital I, MEW 23, 49 Die Nützlichkeit eines Dings macht es zum Gebrauchswert.... Der Gebrauchswert verwirklicht sich nur im Gebrauch oder der Konsumtion. Gebrauchswerte bilden den stofflichen Inhalt des Reichtums, welches immer seine gesellschaftliche Form sei. In der von uns zu betrachtenden Gesellschaftsform bilden sie zugleich die stofflichen Träger des Tauschwerts. K. Marx, Kapital I, MEW 23, 50 Der Tauschwert erscheint zunächst als das quantitative Verhältnis, die Proportion, worin sich Gebrauchswerte einer Art gegen Gebrauchswerte anderer Art austauschen, ein Verhältnis, das beständig mit Zeit und Ort wechselt. Der Tauschwert scheint daher etwas Zufälliges und rein Relatives,... Betrachten wir die Sache näher. K. Marx, Kapital I, MEW 23, 50f. Als Gebrauchswerte sind die Waren vor allem verschiedener Qualität, als Tauschwerte können sie nur verschiedener Quantität sein,... Sieht man nun vom Gebrauchswert der Warenkörper ab, so bleibt ihnen nur noch eine Eigenschaft, die von Arbeitsprodukten.... Diese Dinge stellen nur noch dar, dass in ihrer Produktion menschliche Arbeitskraft verausgabt... ist. Als Kristalle dieser ihnen gemeinschaftlichen gesellschaftlichen Substanz sind sie Werte Warenwerte. K. Marx, Kapital I, MEW 23, 52 Das Gemeinsame, was sich im Austauschverhältnis oder Tauschwert der Ware darstellt, ist also ihr Wert. K. Marx, Kapital I, MEW 23, 53. Ein Ding kann Gebrauchswert sein, ohne Wert zu sein. K. Marx, Kapital I, MEW 23, 55. Dies ist der Fall, weil es keine Arbeit enthält wie Luft, wildwachsendes Holz etc. Endlich kann kein Ding Wert sein, ohne Gebrauchsgegenstand zu sein. Ist es nutzlos, so ist auch die in ihm enthaltene Arbeit nutzlos... und bildet daher keinen Wert. K. Marx, Kapital I, MEW 23, 55 Ein Gebrauchswert oder Gut hat also nur einen Wert, weil abstrakt menschliche Arbeit in ihm vergegenständlicht... ist. Wie nun die Größe seines Werts messen? Durch die Menge der in ihm enthaltenen wertbildenden Substanz der Arbeit. Die Quantität der Arbeit selbst misst sich an ihrer Zeitdauer,... K. Marx, Kapital I, MEW 23, 53 Es könnte scheinen, dass... je fauler oder ungeschickter ein Mann, desto wertvoller seine Ware, weil er desto mehr Zeit zu ihrer Verfertigung braucht. Die Arbeit jedoch, welche die Substanz der Werte bildet, ist gleiche menschliche Arbeit,... Die gesamte Arbeitskraft der Gesellschaft... gilt hier als eine und dieselbe menschliche Arbeitskraft, obgleich sie aus zahllosen individuellen Arbeitskräften besteht. Jede dieser individuellen Arbeitskräfte ist dieselbe menschliche Arbeitskraft wie die andere, soweit sie den Charakter einer gesellschaftlichen Durchschnitts-Arbeitskraft besitzt und als solche gesellschaftliche Durchschnitts-Arbeitskraft wirkt, also in der Produktion einer Ware auch nur die im Durchschnitt notwendige oder gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit braucht. K. Marx, Kapital I, MEW 23, 53 Es ist also nur... die zur Herstellung eines Gebrauchswerts gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit, welche seine Wertgröße bestimmt.... Waren, worin gleich große Arbeitsmengen enthalten sind oder die in derselben Arbeitszeit hergestellt werden können, haben daher dieselbe Wertgröße. K. Marx, Kapital I, MEW 23, 54

Seite 7 Die Wertgröße einer Ware bliebe daher konstant, wäre die zu ihrer Produktion benötigte Arbeitszeit konstant. Letztere wechselt aber mit jedem Wechsel in der Produktivkraft der Arbeit. K. Marx, Kapital I, MEW 23, 54 Allgemein: Je größer die Produktivkraft der Arbeit, desto kleiner die zur Herstellung eines Artikels benötigte Arbeitszeit, desto kleiner die in ihm kristallisierte Arbeitsmasse, desto kleiner sein Wert. K. Marx, Kapital I, MEW 23, 55 Alle Waren tauschen sich gegeneinander aus nach ihrem Wert, das heißt nach der in ihnen enthaltenen gesellschaftlich notwendigen Arbeit. Spielt das Geld die Rolle des Vermittlers, so ändert das an dieser Grundlage des Austausches der Waren nichts: Das Geld ist selbst nur der nackte Ausdruck der gesellschaftlichen Arbeit, und die Menge des Werts, die in jeder Ware steckt, wird ausgedrückt durch die Menge Geld, für die die Ware verkauft wird. Auf Grund dieses Wertgesetzes herrscht zwischen den Waren auf dem Markt vollkommene Gleichheit. Rosa Luxemburg, Einführung in die Nationalökonomie, Gesammelte Werke 5, 731 Sonderformen der Ware - Immaterielle (geistig-künstlerische) Warenproduktion A. Smith macht einen Fehler..., indem er die Vergegenständlichung der Arbeit etwas zu grob auffasst als Arbeit, die sich in einem handgreiflichen Gegenstand fixiert. Dies ist aber Nebensache bei ihm, Unbeholfenheit des Ausdrucks. K. Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, 729 Bei der nicht materiellen Produktion, selbst wenn sie rein für den Austausch betrieben wird, also Waren produziert, ist zweierlei möglich: 1. sie resultiert in Waren, Gebrauchswerten, die eine von den Produzenten und Konsumenten verschiedene selbständige Gestalt besitzen, also in einem Intervall zwischen Produktion und Konsumtion bestehen können,... wie bei Büchern, Gemälden, kurz, allen Kunstprodukten, die von der Kunstleistung des ausübenden Künstlers verschieden sind. Hier ist kapitalistische Produktion nur in sehr beschränktem Maße anwendbar, soweit z.b. ein Schriftsteller zu einem gemeinschaftlichen Werk Enzyklopädie z.b. eine Masse anderer als Handlanger ausbeutet. Es bleibt hier meistens bei der Übergangsform zur kapitalistischen Produktion, dass die verschiedenen wissenschaftlichen oder künstlerischen Produzenten, Handwerker oder Professionelle, für ein gemeinschaftliches Kaufmannskapital der Buchhändler arbeiten, ein Verhältnis, das mit der eigentlichen kapitalistischen Produktionsweise nichts zu tun hat und selbst formell noch nicht unter sie fällt. Dass in diesen Übergangsformen die Ausbeutung der Arbeit gerade am größten ist, ändert nichts an der Sache. K. Marx, Theorien über den Mehrwert I, MEW 26.1, 385f. - Dienstleistungen als Ware 2. Die Produktion ist nicht trennbar von dem Akt des Produzierens wie bei allen dienstleistenden Künstlern, Rednern, Schauspielern, Lehrern, Ärzten, Pfaffen etc. Auch hier findet kapitalistische Produktionsweise nur in geringem Umfang statt und kann der Natur der Sache nach nur in einigen Branchen stattfinden. Z.B. bei Unterrichtsanstalten können die Lehrer bloße Lohnarbeiter für den Unternehmer der Unterrichtsanstalt sein, wie derartige Unterrichtsfabriken zahlreich in England existieren. Obgleich sie den Schülern gegenüber keine produktiven Arbeiter sind, sind sie es ihrem Unternehmer gegenüber. Er tauscht sein Kapital gegen ihre Arbeitsvermögen und bereichert sich durch diesen Prozess. Ebenso bei Unternehmungen von Theatern, Vergnügungsanstalten usw.

Seite 8 Dem Publikum verhält sich hier der Schauspieler gegenüber als Künstler, aber seinem Unternehmer gegenüber ist er produktiver Arbeiter. Alle diese Erscheinungen der kapitalistischen Produktion auf diesem Gebiet sind so unbedeutend, verglichen mit dem Ganzen der Produktion, dass sie gänzlich unberücksichtigt bleiben können. K. Marx, Theorien über den Mehrwert I, MEW 26.1, 385f.