Sprache und Kommunikation Der vorliegende Originalfilmtext über Chris kann verwendet werden, um an bestimmten Stellen des Films inhaltlich und schriftlich zu arbeiten. Text aus dem Film über Chris 00:11 Ein selbstverschuldeter Unfall wie viele Motorradunfälle. 00:27 Die Weichen neu gestellt. Vor 20 Jahren nahm Chris Lebensweg eine andere Richtung. Damals war er nicht mit dem Zug, sondern mit dem Motorrad unterwegs. 00:38 «Am 23. Juli 1988 wollten wir nach Hause fahren, ich ins Baselbiet, die Kollegen nach Winterthur. Wir fahren über den San Bernardino Richtung Passhöhe. Wo genau es passiert ist, weiss ich nicht mehr. Aber ich weiss noch, dass die Kollegen am Rand angehalten haben und mir gestikulierend etwas mitteilen wollten. Ich habe es nicht verstanden, schaue aber zu ihnen, nicht mehr auf die Strasse, nicht mehr richtig auf den Verkehr. Ich falle hin, weil eine Kurve war oder ich weiss auch nicht mehr genau. Ich liege am Boden und ein Auto kommt mir entgegen und fährt mich an. Von da an weiss ich nichts mehr.»
01:32 1988: Chris steht kurz vor der Matur. Er ist eine Sportskanone. Sein Traum ist es, Sportlehrer zu werden. Kurz vor dem Unfall absolviert er dafür die Aufnahmeprüfung an der Uni. 01:49 Auch 20 Jahre nach Chris folgenschwerem Unfall ist ihm seine erste Erinnerung im Spital noch sehr präsent: 01:56 «Mein Vater war im Zimmer und ich in einem Bett. Ich habe ihn gefragt, Papi, wo bin ich? Ich weiss nicht mehr, wie gut ich damals noch sprechen konnte, aber das ist mir in Erinnerung geblieben, wo ich war. Er sagte, du bist im Spital, du hattest einen Unfall. Er kam zu mir ans Bett und machte mir verständlich, dass ich das Bein verloren habe.» 02:18 Beim Unfall verlor Chris das linke Bein heute trägt er eine Prothese. Ausserdem erlitt er ein schweres Schädel- Hirn- Trauma. 02:26 Heute besucht Chris die Rehaklinik Bellikon, dort verbrachte er insgesamt fünf Monate 02:35 Dr. Tschui behandelte Chris in dieser Zeit.
02:40 Statement Dr. Tschui Herr Egger kam zu uns in die Klinik für die Behandlung seiner Oberschenkelamputation. Damit man seinen Stumpf vorbereiten konnte und er erstmals eine Prothese bekam und auch lernte, damit zu gehen. Das war das eine Schwergewicht, das andere waren die Folgen seines Schädel- Hirntraumas, seiner Hirnverletzung. Dort haben wir gezielt versucht die Defizite die Einschränkungen seiner Hirnfunktionsleistung zu verbessern.» 03:18 In der Gehschule in Bellikon lernen Prothese- Patienten wie Chris wieder zu gehen. Für längere Strecken bevorzugt Chris aber den Rollstuhl. Mit seinem Gehschullehrer von damals, Reinhold Hämmerle, pflegt Chris noch immer Kontakt. Er half Chris damals sehr nicht nur beim Gehen lernen, sondern auch psychologisch und motivierend. 03:47 «Als ich damals erstmals nach Bellikon kam, 1988, da habe ich die Gehschulpatienten gesehen. Ich wusste, das blüht mir auch irgendwann zu versuchen, mich mit einer Prothese anzufreunden. Ich habe damals wirklich nicht daran geglaubt. Dass ich wieder selbständig leben und laufen könnte an ein Fortführen meiner Existenz, daran habe ich noch nicht geglaubt.»
04:15 Chris lernte allmählich mit der Prothese umzugehen. Statt Sportlehrer zu werden, machte er eine Ausbildung als kaufmännischer Angestellter. Obwohl er mobil ist und von seiner Hirnverletzung kaum mehr etwas zu spüren ist, fand er keine Stelle. 04:30 : «Die IV hat mir die KV- Ausbildung finanziert. Ich habe die Ausbildung gut abgeschlossen, aber ich habe einfach keinen Job gefunden. Niemand wollte mich. Manchmal kam ich mir vor wie Abschaum der Gesellschaft. Draussen wirst du auch oft angestarrt, wenn du im Rollstuhl unterwegs bist oder humpelnd durch die Gegend gehst. Es braucht einem ganz, um in dieser brutalen Welt als Behinderter zu bestehen.» 05:05 In den letzten 20 Jahren war Chris auf der Suche. Er suchte nach einem Sinn im Leben, einem Beruf und einer Berufung. 05:15 : «Auf dem Arbeitsmarkt eine adäquate Stelle zu finden, die mich erfüllt. Eine Arbeit oder eine Ausbildung sollte einem doch erfüllen.»
05:35 Kraft in diesen schwierigen Jahren fand Chris im Glauben an Gott und in seiner Familie; also Sohn Raphael aus erster Ehe und Ehefrau Karin. Karin leidet an Multipler Sklerose und ist auch auf den Rollstuhl angewiesen. Sie arbeitet zwei Tage pro Woche am Empfang des Bürgerspitals in Basel. 05:55 Statement Karin «Ich bin keine Karrierefrau. Das hat ihm wahrscheinlich geholfen. Dass ich auch in einem geschützten Arbeitsplatz arbeite und auch nicht wirklich Erfüllung im Beruf habe. Ich kann auch nicht mehr auf dem Beruf arbeiten, den ich ursprünglich gelernt habe. Aber am Anfang war es schwierig für ihn, ich ging weg und er musste zu Hause bleiben. Er wäre auch gerne raus, arbeiten gegangen. Ich denke, mittlerweile hat sich das recht gut eingependelt.» 06:29 Chris hat Freude am Leben, auch dank seiner neuen Aufgabe. Er erteilt Nachhilfeunterricht in einem 20 % Pensum. 06:40 «Die Kommunikation macht mir Freude. Dass ich die Leute 1:1 dort abholen kann, wo sie sind. Ich gebe den Leuten das Gefühl, dass ich sie verstehe und sie denken, ja, der will mir helfen. Es läuft sehr gut mit den Nachhilfeschülern.»
07:01 (im Off) Vor 20 Jahren hat mich das Schicksal gezwungen, andere Wege einzuschlagen. Was immer auch kommen wird, ich gehe vorwärts und gebe nicht auf. Ich freue mich aufs Leben, wie immer es auch aussehen mag.