Nur noch dieses eine Level

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Transkript:

Nur noch dieses eine Level Wie begleite ich mein Kind in die Welt der digitalen Medien? Mag. Peter Eberle Institut Suchtprävention Hirschgasse 44, 4020 Linz 0732 / 77 89 36 DW 27 Email: peter.eberle@praevention.at www.praevention.at 21. Jän. 2016 BRG Stift Schlierbach

Inhalte des Vortrags Was machen unsere Kinder im Netz? Was fasziniert sie so daran? Wieviel ist zu viel? Ist mein Kind süchtig? Weitere Problemfelder bei sozialen Netzwerken und Instant Messenger (WhatsApp)? Wie kann ich mein Kind begleiten

Was machen unsere Kinder im Netz?

Aktivitäten Computer & Internet 12-19Jährige - in % der gesamten Internet Nutzungszeit Mädchen 51% 26% 13% 9% Jungen 37% 25% 12% 26% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% Kommunikation Unterhaltung Informationssuche Spiele 100% der Nutzungszeit bei Mädchen: 192 Minuten/Tag von Mo-Fr 100% der Nutzungszeit bei Jungen: 192 Minuten/Tag von Mo-Fr Quelle: JIM 2014 (BRD)

a) Bereich Spiele

Risikofaktoren für Gewaltbereitschaft durch gewalthaltige Medien gewalttätige Umgebung frühes Einstiegsalter (unter 11 12 Jahren) es werden fast nur Gewaltspiele gespielt keine Vereinbarungen zur Medienkonsumdauer Starke Gefühle bei gewalthaltigen Darstellungen Probleme beim Umgang mit unangenehmen Gefühlen

Computerspiele und Spielgenres Spielegenres Sportspiele & Simulationen Action-Adventures Jugendschutz nicht geprüft Spielbar.de: spielbar ab 15J PC-Variante nicht PEGI bewerteti Bupp: ab 8 Jahren Shooterspiele Rollenspiele in virtuellen Welten

Onlinespiele mit Mehrspielermodus Besonders starke Spielerbindung Die Welt des Online Rollenspiels steht nie still. Angst, Gefühl etwas zu verpassen Die Figur wird durch längere Spieldauer immer wertvoller Steigerung der Möglichkeiten und Fähigkeiten Ehrensystem, besondere Ausrüstungsgegenstände die sichtbar getragen werden können Gefühle von Stolz und Anerkennung starke Identifikation mit der virtuellen Figur (dem Avatar) Mit seinem Avatar kann man Dinge zu tun, die man sich sonst (im realen Leben) nicht zutraut = Ich kann Dinge tun... Gruppengefühl Zusammenschluss in Gruppen um mit vereinten Kräften die Aufgaben zu lösen Gefühl von Zusammengehörigkeit

b) Bereich Kommunikation

1. Facebook - das soziale Netzwerk www.facebook.com

2. WhatsApp der Instant Messenger Instant Messaging bedeutet: sofortige Nachrichtenübermittlung Aktuelles Beispiel: WhatsApp Messenger mobile Nachrichtenübermittlungs-Anwendung läuft auf den meisten Smartphones Versenden von Texten Bildern Videos Standort SMS und MMS Gebühren / Beschränkungen werden umgangen. Möglichkeit WhatsApp-Gruppen zu erstellen In vielen Klassen gibt es Klassenchats

3. Instagram Programm ( App ) für das Smartphone zum Foto aufnehmen und der Möglichkeit die Fotos mit anderen zu teilen. Mehr als 300 Millionen NutzerInnen Tool zur Selbstdarstellung / Selbstinszenierung Foto wird aufgenommen, mit Filter bearbeitet, mit Hashtag (Bezeichnung) versehen und online gestellt, in der Hoffnung viele Likes zu bekommen Wettkampf um Likes und Follower standardmäßig auf öffentlich gestellt alle Fotos öffentlich aber auch private Nutzung möglich

Was fasziniert sie so daran?

Die Befriedigung wichtiger menschlicher Grundbedürfnisse Das Bedürfnis nach sozialer Zugehörigkeit und Eingebundensein ich habe Freunde, ich gehöre dazu Soziale Verbundenheit durch gemeinsames Spielen Das Bedürfnis nach Autonomie und Selbstbestimmung ich kann selbst entscheiden, es passiert was ich will Ausprobieren von spannenden Handlungsrollen Das Bedürfnis nach Kompetenz und Anerkennung ich bin fähig, ich kann was, ich kann was erreichen Computerspiele bieten Erfolgserlebnisse Anerkennung in der Gleichaltrigengruppe auch Fluchtmöglichkeit aus einer unangenehmen Welt

Was bieten Kommunikationsanwendungen noch zusätzlich? persönliches Beziehungsmanagement: Intensive Kontaktpflege mit der Gleichaltrigengruppe wichtige Information für Schule und Freizeit Veranstaltungseinladungen, Partyankündigungen Hausaufgaben Möglichkeit zur Selbstdarstellung: Identitäten ausprobieren insbesondere die Profilfotos spielen eine wichtige Rolle Identitätsentwicklung Bewältigung der körperlichen Veränderungen durch Fotos (Likes als Bestätigung, dass eh alles passt )

Das Jugendalter ist auch Aufbruch zu unbekannten Ufern plus-schulung 2009 v1.0 23

Digitale Kommunikation und Entwicklungsaufgaben im Jugendalter Identitätsentwicklung Aktzeptanz der körperlichen Veränderungen

Wieviel ist zu viel? Ist mein Kind süchtig?

Computerspiele nur Leidenschaft oder schon Abhängigkeit? Mögliche Unterscheidung harmonische Leidenschaft oder obsessive Leidenschaft Spielen zur Unterhaltung, lustiger Zeitvertreib kein Zwang Gespielt wird um Probleme zu vergessen, um Mängel auszugleichen Zwanghafter Konsum / Kontrollverlust Harmonie mit anderen Lebensbereichen zentraler Lebensinhalt, der das Leben kontrolliert.

Abhängigkeit von Smartphones? Intensive Nutzung von Smartphones durch Jugendliche (und Erwachsene): typisches Alltagsbild. Online Sucht : Was sagen die Behandlungseinrichtungen? meist in Zusammenhang mit Online Rollenspiele mit Mehrspieler Modus. In jüngster Zeit vereinzelt Abhängigkeit von sozialen Netzwerken und/oder Instant Messenger. Smartphone Abhängigkeit Andauerndes prüfen, ob es neue Nachrichten gibt Alltagsleben stak beeinträchtigt Nutzungsintensität (nicht Dauer) ist problematisch Dies steht häufig im Zusammenhang mit einer stark ausgeprägten Furcht etwas zu verpassen

FoMO Fear of Missing Out Die Angst etwas zu verpassen Bezeichnet die allgegenwärtige Furcht, dass die Anderen etwas Aufregendes erleben, während man nicht dabei ist. daraus resultiert das starke Verlangen durchgehend mit den Anderen verbunden zu sein, um zu wissen was läuft. Risikofaktoren für FoMO - niedriges Alter (je jünger desto mehr FoMO) - Mangelnde Erfüllung von psychischen Grundbedürfnisse: - Erleben von Kompetenz - Erleben von Autonomie - Soziale Verbundenheit Anerkennung - Fehlende Strategien um Umgang mit unangenehmen Gefühlen Quelle: Przybylski, A. et al.; (2013), Motivational, emotional, an behavioral correlates of fear of missing out

Welche Problembereiche gibt es sonst noch?

Cybermobbing = Mobbing mit Hilfe neuer Medien (Handy/Smartphone/PC) (Anonymes) Beschimpfen, Drohen, Verleumden Ausschluss aus Spielgemeinschaften, Gruppen Hass-Gruppen auf WhatsApp (z.b. Silke ist blöd ) Veröffentlichung von peinlichen Fotos/Videos (echt od. bearbeitet) Betroffene brauchen Unterstützung! Klar hinter dem Kind stehen. Situation einschätzen, evtl. Beweise sichern. Mit dem Kind besprechen, was man unternehmen kann/wird. Klassenvorstand, Schulleitung informieren. Beratung einholen: Mobbing- und Gewaltpräventionsstelle: www.kija-ooe.at Schulpsychologie Kinderschutzzentren Rat auf Draht: Notfalltelefon für Kinder und Jugendliche Tel.Nr.: 147

Cybergrooming = Erwachsene erschleichen sich im Internet das Vertrauen von Kindern und Jugendlichen mit dem Ziel der sexuellen Belästigung bzw. des Missbrauchs. Seit 1.1.2012 im 208a unter Strafe gestellt. Das können Eltern tun: Kinder für diese Gefahr sensibilisieren. Cybergrooming-Fragebogen: www.rataufdraht.at vertrauensvolle Ansprechperson auch für unangenehme Erfahrungen sein. Jüngere Kinder nicht alleine surfen lassen. Das können Kinder/Jugendliche tun: bei Online-Bekanntschaften vorsichtig sein. Bekanntschaften aus dem Internet nie ohne Begleitperson treffen. Treffen nur an öffentlichen Orten mit vielen Menschen vereinbaren.

Sexting (bzw. die Folgen) = erotische Photos von sich selber ( Selfies ) werden als Liebesbeweis ausgetauscht. Mögliche Probleme: Fotos werden gleich weiterverbreitet oder später (nach Abbruch der Beziehung) veröffentlicht bzw. erpresserisch verwendet. Gesetzliche Lage: Pornografische Aufnahmen von Unter-18-Jährigen gelten nach dem Gesetz als Kinderpornografie und dürfen daher nicht besessen, weitergeleitet werden ( 207a StGB). Tipps: 1. Am Besten: Keine erotischen Fotos versenden, denn sind die Fotos einmal digital verschickt, hat man keine Kontrolle mehr über deren Verwendung und Verbreitung. auch Anwendungen wie Snapchat bieten keine Sicherheit 2. Möglichkeiten zur Verminderung des Risikos unangenehmer Erfahrungen: erotisch kann auch sein, nicht Alles zu zeigen Gesicht nicht zeigen alte Aufnahmen löschen

Sextorsion = Erpressung nach der Aufnahme von Videos mit sexuellem Inhalt. Kontaktanbahnung durch hübsche jungen Frauen z.b. auf Facebook. Nach einiger Zeit der Vorschlag auf Skype (Bildtelefonie) zu wechseln. Mädchen zeigen sich halbnackt, oder ziehen sich aus. Opfer werden aufgefordert, das (und anderes mehr) ebenfalls zu tun. Das übertragene Video wird gespeichert, mit Veröffentlichung gedroht und Geld erpresst. Verhalten bei Sextorsion: Kontakt sofort abbrechen Nicht bezahlen! Anzeige erstatten beim Vorfinden von diffamierenden Aufnahmen: Löschen veranlassen Evtl. Mail mit folgendem Inhalt senden: "Ich bin der Vater/die Mutter des Burschen, den Sie gerade gefilmt haben. Es ist nach 207a "pornografische Darstellung Minderjähriger" verboten, pornografische Aufnahmen von Personen unter 18 zu machen, zu besitzen und auch zu veröffentlichen. Sollten Sie dies dennoch tun, werde ich Anzeige erstatten."

Pornografie Pornographie ist im Internet weit verbreitet und leicht zugänglich. Sexuelle Neugierde ist Bestandteil einer normalen Entwicklung. Gefahren: Falsche Vorstellungen von Sexualität (sexueller Leistungsdruck, perfekter Körper, Norm der stetigen Verfügbarkeit und extremer Sexualpraktiken) Gesetzesverstöße (Jugendschutzgesetz, Kinderpornographie) Was können Eltern tun? Aufklärung, andere Informationsquellen zur Verfügung stellen Gespräch über Pornografie: Das ist nicht Realität. SchauspielerInnen tun, was der Regisseur sagt, wie bei einem Action Film ist vieles stark übertrieben oder vorgetäuscht. Motiv: Geld verdienen Filtersoftware nur bei jüngeren Kindern zielführend

Wie kann ich mein Kind unterstützen und begleiten?

Interesse zeigen, im Gespräch bleiben Was macht mein Kind am Computer, im Internet? Was sieht/spielt mein Kind? Was interessiert/fasziniert es daran? Was denkt es selbst darüber? Das erfahren Sie eher, wenn Sie Die Interessen des Kindes nicht abwerten. Sich die Spiele/Anwendungen erklären lassen, sich die Lieblingsseiten zeigen lassen. Über Erfahrungen im Netz reden. Offen sprechen statt heimlich kontrollieren.

Die Sprache der Ermutigung Förderung von Selbstwert und Selbstwirksamkeit Worte die sagen: Ich sehe, dass du daran arbeitest und Fortschritte machst : Du wirst immer besser mit den Gleichungen. Du hast hart daran gearbeitet. Worte die sagen: Ich weiß, dass du es kannst : Du bist auf dem richtigen Weg. Es ist schwierig, aber ich glaube du wirst einen Weg finden. Ich vertraue deinem Urteil. Du bist sehr gut mit dem Internet, kannst du mir helfen eine Ferienwohnung für uns zu suchen? Worte die sagen: Ich schätze dich und deine Interessen : Deine Frisur ist immer so schön, du hast wirklich ein Talent deine Haare zu flechten.

Passende Spiele für das Kind auswählen dazu gibt es folgende Unterstützung: PEGI (Europaweites System) http://www.pegi.info/de/

Wie kann ich wissen ob ein Spiel geeignet ist? Die PEGI Kennzeichnung hilft! für alle Altersgruppen geeignet enthält möglicherweise Angst erzeugende Szenen oder Geräusche enthält Gewalt gegen Fantasiewesen, leichte Vulgärsprache möglich Gewalt oder sexuelle Handlungen werden in einer Form gezeigt, die auch im wirklichen Leben zu erwarten wäre ausschließliche Empfehlung für Erwachsene aufgrund grausamer Gewalt o. anderer Gründe (siehe Inhaltssymbole) Schimpfwörter - Spiel verwendet Schimpfwörter Diskriminierung - Spiel zeigt Diskriminierung oder Spielinhalt fördert Diskriminierung Drogen - Spiel bezieht sich auf Drogenkonsum oder zeigt diesen Angst - Spiel bereitet kleinen Kindern Angst oder ist gruselig Glücksspiel - Spiel fordert zum Glücksspiel auf oder gibt Anleitung dazu Sex - Spiel zeigt Nacktheit und/oder sexuelle Handlungen oder spielt auf sexuelle Handlungen an Gewalt - Das Spiel enthält Gewaltdarstellungen oder verherrlicht/verharmlost Gewalt Online- Spiel kann online gespielt werden

Passende Spiele für das Kind auswählen dazu gibt es folgende Unterstützung: PEGI (Europaweites System) http://www.pegi.info/de/ BUPP (Bundesstelle für die Positiv-prädikatisierung von Computer- und Konsolenspielen, Ö) http://bupp.at/ spielbar.de (BRD) http://spielbar.de

Beispiele für Vereinbarungen Regeln für Mediendauer und Mediennutzung von Anfang an gemeinsam vereinbaren. Was (Altersfreigaben) Wann Wie lange Wo (Computer, Fernseher nicht im Kinderzimmer) Die Kinder beim Abschalten, Eingrenzen unterstützen - und dabei den Missmut der Kinder aushalten. Handyfreie Zeiten oder Zonen vereinbaren: Smartphoneparkplatz beim Essen, bei der Hausübung, in der Nacht - digitaler Sonnenuntergang

Gemeinsam Vereinbarungen treffen Vereinbarung von täglichen oder wöchentlichen Medienzeiten: (wenn möglich im Dialog mit dem Kind) Meine Freizeitmelodie z. B. Klaviermodell als Ausgangspunkt für die Diskussion:

Ausreichend andere Erfahrungen ermöglichen und unterstützen Gemeinsame Aktivitäten Bewegung Naturerfahrungen Soziale Alltagserfahrungen ermöglichen Mithilfe im Haushalt Impulse zum selbständigen Nachdenken Langeweile aushalten

Selbstreflexion der Mediennutzung Wir können Kinder nicht erziehen, die machen uns eh alles nach. Karl Valentin

Zusammenfassung Die Neuen Medien werden und sind Teil des Alltags unserer Kinder. Unsere Kinder benötigen Unterstützung und Begleitung beim Erwerb der notwendigen Medienkompetenz. Wir können unsere Kinder unterstützen indem wir: Interesse zeigen Vereinbarungen über die Nutzung treffen Ausreichend andere Erfahrungen ermöglichen als Vertrauensperson zur Verfügung stehen für mögliche Gefahren sensibilisieren und dabei in Beziehung bleiben

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Mag. Peter Eberle peter.eberle@praevention.at 0732 / 77 89 36-27 www.praevention.at 47