Geschichte Matthias Heise Hitler - Der Architekt Studienarbeit
Hitler - Der Architekt Hauptseminar Hitler - Eine Biographie im 20. Jh. " Dr. M. Gailus, Technische Universität Berlin, WS 2003/2004 Matthias Heise 7. März 2004 Zusammenfassung Dem interessierten Leser vermittelt dieses Dokument einen kurzen verständlichen Einblick in die architektonische Phantasiewelt des Adolf Hitlers. Angefangen bei den ersten gescheiterten Gehversuchen als Künstler bis hinzu den geplanten gewaltigen Bauwerken Berlins, die das Bild der deutschen Nation nachhaltig verändert hätten, werden die markanten Entwicklungsschritte Hitlers erörtert. Wichtige einzelne Baupläne und Bauwerke werden dagegen nicht bis ins kleinste architektonische Detail besprochen. Hierfür sei das Studium der im Anhang genannten Literatur empfohlen. Besonderes Augenmerk ist dem wechselseitigen Einfluß besonderer Personen und Bauten auf Hitler gewidmet. 1
Vorwort Zum Thema Architektur des Dritten Reiches gibt es viel Literatur, wobei jedoch nur wenige Autoren auf Adolf Hitlers Phantasien hinsichtlich der Architektur selbst eingehen. Vielmehr betrachten sie die gewaltigen Baupläne seines späteren Architekten Albert Speer und versuchen diese zu bewerten oder in bekannte architektonische Baustile einzuordnen. Besonders auffällig ist, daß eine objektive Betrachtung sehr schwer fällt und somit in fast jedem Buch ein gewisser Unterton von Abneigung oder Sympathie mitschwingt. Im September 1969 veröffentlichte der inhaftierte Albert Speer seine Memoiren unter dem Titel Erinnerungen. In Fachkreisen ist dieses Buch heftig umstritten, da Speer in einigen Passagen versucht sein eigenes Leben und Tun zu " rechtfertigen und damit verschiedene Tatsachen nachweislich falsch darstellt. Hinsichtlich seines angeblich geplanten Attentats auf Hitler 1 oder seiner Versuche zur Rettung der Deutschen Industrie 2 mögen Bedenken angebracht sein, doch bietet sein Buch den wohl größten Fundus an Zitaten und Berichten über das architektonische Interesse Adolf Hitlers und seiner vorhandenen Kenntnisse. Eine Verwendung des Buches war somit unumgänglich. Dieser Fakt ist beim Lesen dieses Dokuments zu berücksichtigen. 1 Die Anfänge Auf einer Liste von Architekten, welche es zu internationaler Anerkennung und Ruhm gebracht haben, würde Adolf Hitler mit Gewißheit nicht auftauchen, doch er selbst verstand sich als großen Architekt oder zumindest als jemand, der sehr viel Ahnung vom Fach hat. Dem war jedoch nicht immer so, denn anfangs interessierte er sich vorwiegend für Malerei und blieb dieser Liebe sein ganzes Leben treu. 1 A. Speer, Erinnerungen, S. 437 2 A. Speer, Erinnerungen, Kap. 27 und 29 2
Am 20. April 1889 in Braunau am Inn geboren, besuchte Adolf Hitler anfangs die Grundschule, auf der er mit guten bis sehr guten Leistungen glänzte. Darauf folgend schickten ihn seine Eltern im Jahre 1899 an die Realschule Linz, an der er dagegen kläglich versagte. Auf seinen Zeugnissen jener Tage ist sein Fleiß fast durchgängig mit der Note vier bewertet 3. Lediglich in einigen anderen Bereichen wie dem Zeichnen werden ihm bessere Bewertungen zu teil. Im September 1904 erhielt er nur unter der Bedingung des Abgangs von der Schule das Zeugnis. Hitler selbst plante bereits seit dem Tode des Vaters 1903 die Beendigung seiner Schullaufbahn, jedoch widersprach seine Mutter ihm stets erfolgreich. Nachdem er 1904 die Linzer Schule verlassen mußte, brachte ihn seine Mutter in der Realschule Steyr, ca. 80km südlich von Linz gelegen, unter. Jedoch bescheinigt auch das Zeugnis von 1905 nur unzureichende Ergebnisse, so daß seine Mutter ihm letztendlich den Abgang von der Schule erlaubt. Obwohl die Mutter nun endlich Hitlers Willen nachgab, war er über die eigene Leistung derart enttäuscht, daß Hitler sich, wie er selbst berichtete, betrank und das Zeugnis als Toilettenpapier verwendete und später um ein Duplikat ersuchen mußte 4. Dennoch sah Hitler sein Scheitern als Triumpf über den Vater, der ihn stets in eine Beamtenlaufbahn zwängen wollte, welche ihm nun auf grund mangelnder schulischer Fähigkeiten für immer verschlossen blieb. Er entschied sich sein Leben von nun an der Kunst zu widmen. Dies neue Leben verbrachte er vorerst in Linz und genoß es in vollen Zügen. Er besuchte regelmässig Theater, Museen und Bibliotheken und gab sich sonstigen Müssiggängen hin. Im Mai 1906 fuhr Hitler zum ersten Mal in seinem Leben nach Wien. Hier entdeckte er seinen Hang zur Architektur, denn die Prachtbauten der Wiener Ringstraße sowie die Wiener Opern imponierten ihm über alle Maßen. Seine ersten Eindrücke schrieb er überschwänglich auf einer Postkarte an seinen Jugendfreund August Kubizek 5. Nach seiner Rückkehr verlebte er weitere 1,5 Jahre in Linz ehe sein Künstlertraum soweit gediehen war, daß er 1907 erneut nach Wien fuhr, um 3 J. Fest, Hitler - Eine Biographie, S. 49 4 J. Fest, Hitler - Eine Biographie, S. 52 5 A. Kubizek, S. 147 3