MARGARETHENKIRCHE GEHRDEN

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Transkript:

MARGARETHENKIRCHE GEHRDEN EIN RUNDGANG

In der Stadtmitte auf einer kleinen Anhöhe gelegen, ist die Margarethenkirche das älteste Gebäude der Stadt. Nach einer alten Nachricht ist ihre Vorgängerin in der Zeit, in der erstmals viele Kirchen auch auf dem flachen Land entstanden, im Jahr 1098 (oder vielleicht 1089) vom damaligen Mindener Bischof gebaut worden, sicher in Fachwerk. In den umliegenden Dörfern gibt es bis heute Kapellen in dieser traditionellen Fachwerkbauweise (Lemmie, Northen, Redderse). Das Bauen in Stein drang nur ganz allmählich aus den Zentren in das Land vor. Erst um 1250, im Übergang von der Romanik zur Gotik, wurde eine Steinkirche errichtet. Sicher war sie das erste steinerne Gebäude in Gehrden, ein stattlicher Bau, dessen Ausmaß der Turm verrät! Er ist damit ein besonderer Zeuge unserer Geschichte. Denn wir können uns nur schwer vorstellen, wie klein und vereinzelt die Orte inmitten der übermächtigen Waldwildnis lagen und was es für die Menschen bedeutete, ein solches Bauwerk in ihrer Mitte zu haben. Es war ein eindrückliches Zeichen dafür, wie Kultur das Leben zu durchdringen begann. Bei einem verheerenden Brand in der Stadt im Gefolge einer Fehde zwischen welfischen Herzögen und den Hansestädten 1467 wurde auch die Kirche zerstört. Der Turm blieb erhalten. Eine neue Kirche in gotischem Stil mit vier Kreuzgewölben wurde angebaut, von denen eins den rechteckigen Chorraum bildete. Im Inneren entstand so der Eindruck eines harmonischen, geschlossenen Raumes, der den Blick des Eintretenden nach vorne in den Altarraum zieht. Rund um die Kirche liegt der alte Kirchhof. Einige Grabsteine sind noch erhalten. Bis 1850 wurden hier alle Toten beigesetzt. Es war der Wunsch, seine Toten so nah wie möglich am Heiligen zu bestatten. Priester bekamen ihren Platz im Altarraum, Adlige in der Kirche. Der Turm ist ein Wehrturm. Die Schießscharten verraten es. Die Turmhöhe beträgt 32,80 m. Zu sehen sind neben der Tür im Haupteingang die Löcher, in die Balken eingeführt wurden, um die Tür zu verrammeln. Die Wände sind 1 m dick, der Sockel aus Bruchsteinen 1,20 m hoch. So bot der

Kirchraum der Bevölkerung Schutz auch bei feindlichen Überfällen. Dem ursprünglich schlichten Walmdach des Turms wurde nach 1467 ein Treppengiebel aufgesetzt, ein Symbol aufstrebenden Bürgerturms (siehe das Rathaus in Hannover). Er ist zum Wahrzeichen der Stadt geworden. Die Stadt trägt ihn in ihrem Wappen. Im Jahr 1679 wurde das Turmdach mit einem Dachreiter bekrönt. Im Turm hängen drei Läuteglocken (f, ges, as), darunter eine der ältesten in Niedersachsen von 1355. Diese Glocke hat zweimal einen Riss bekommen. Sie wurde im Jahr 2000 wieder repariert. Durch schonendes Geläut und das Aufhängen im traditionellen Holzjoch wird sie hoffentlich noch lange Zeit klingen. In dem Bogenfeld über dem Eingangsportal, dem sogenannten Tympanon, ist die Gestalt des segnenden Christus auf dem Thron Gottes mit einem Buch in der Linken dargestellt. Diese Konzentration auf den segnenden Christus, ohne weitere Gestalten um ihn herum, ist ein relativ seltenes Motiv. Es hat seinen Ursprung im 12. Jahrhundert, einer Aufbruchszeit, und zeigt eine wachgewordene Erwartung, dass alles Bemühen um Leben und Kultur gesegnet sein kann. Links und rechts neben der Eingangstür finden sich Schleifrillen in Säulen und Mauerwerk. Sie haben die Phantasie der Menschen angeregt. Es seien da die Krallen des Teufels zu sehen, der einer Seele erfolglos nachgejagt sei, die sich in die Kirche retten konnte. Vielleicht haben die Bürger

dort ihre Spieße scharfgemacht, wenn sie sich zu einem Kampf versammelten. Eine gesicherte Deutung gibt es bisher nicht. Beim Betreten der Kirche fallen uns schon im Turmraum eine Reihe von Grabsteinen aus der Renaissancezeit auf. Im Blick durch das Kirchenschiff nach vorn erkennen wir in den Bögen Farbbänder, die nach alten Resten zuletzt 1999 restauriert wurden. Die Schmuckmotive im Kreuzpunkt der Rippen sind 1909 eingebracht. Eindrucksvoll ist die älteste Bemalung in den Ornamenten der Bögen vor dem Altarraum. Im Schlussstein der Rippe über dem Altar ist ein Gesicht zu erkennen. Es könnte dahinter eine mittelalterliche Christus-Symbolik stehen: Er ist es, der die beiden Seiten eint und so den Abschluss des Baus ermöglicht. Altar und Taufstein gehören wohl zur Ausstattung der ersten Steinkirche. Der Altar enthielt einst eine Reliquie. Der Taufstein aus Sandstein zeigt spätromanische Ornamente. Er ist als ein 66 cm breites Becken gestaltet, in das die Täuflinge eingetaucht wurden. 1959 erhielt er einen Aufsatz und eine Schale aus Messing. So können wir ihn auch heute noch für unsere Taufen nutzen.

Das Seitenschiff wurde bei der Renovierung von 1909 nach Plänen des Kirchenbaumeisters C. W. Haase angebaut. Seit 1969 hat dort auch die Orgel ihren Platz gefunden. Der Altarraum mit Kirchenfenster, Kanzel und Lesepult wurde 1999 neu gestaltet nach dem Entwurf des afrikanischen Künstlers El Loko, eines Beuys-Schülers, (siehe dazu den Sonderprospekt). Seitdem hängt das Kruzifix des Meisters Blome von 1653 über der Sakristeitür. Die Sakristei gehört zur gotischen Kirche und war ursprünglich für den Altar des zweiten Priesters geschaffen. Wenn man sich vom Altar aus zurückwendet, hat man einen guten Überblick über die Fenster. Ihre ursprüngliche Größe zeigt das kleine an der Nordseite des Altarraums. Die Kirche wurde als zu dunkel empfunden. So hat man in der Barockzeit die Fenster vergrößert. Wir können dies barocke Fenstermaß noch im Turmraum erkennen. Die Fenster auf der Nordseite wie natürlich auch die im Seitenschiff stammen in ihrer Größe von 1909 (Renovierung / Anbau). An der Nordseite ist die ornamentale Gestaltung aus dieser Zeit erhalten geblieben. Alle Südfenster wurden im Zuge der Renovierung von 1968 von Gerhard Hausmann gestaltet. Im Altarraum sehen wir Wolken- und Feuersäule, Zeichen des Geleits Gottes bei der Wüstenwanderung des Volkes Israel. Die Fenster im Südschiff haben Schmuckelemente mit dem Symbol des Lebensbaums, das Rundfenster über dem Südeingang zeigt eine Lutherrose und das im Turmraum Taufmotive. Auch ein Werk Hausmanns ist die Lutherrose in einem 1968 freigelegten runden Fenster über dem Haupteingang. Die Rosenmotive weisen die Kirche als lutherisch aus. Die Kirche trägt den Namen der Märtyrerin Margarethe, die als eine der 14 Nothelferinnen im Mittelalter populär war. Sie war eine standhafte 15-Jährige. Von ihrer Amme christlich erzogen, weigerte sie sich, den heidnischen Stadthalter Olibrius zu heiraten. Sie wurde mit Kämmen und brennenden Fackeln gefoltert und 307 in Antiochien enthauptet.

ANGEKOMMEN Fremd und vertraut ist mir dein Haus. Diese Ruhe hier bin ich kaum noch gewohnt, sie tut gut und kann doch Angst machen. Nur du und ich - das ist schon lange her. Du hörst auf mein Herz, meine unsagbaren Worte. Du siehst mein Leben wie es ist: Gelungenes mischt sich mit Missratenem. Öffne mich für deine heilsame Stille, dein lebenschaffendes Wort. Wenn Sie diese Kirche verlassen, hoffen wir, dass Sie gestärkt zurück gehen in Ihren Alltag. Gottes Friede sei mit Ihnen, sein Segen begleite Sie, wohin Sie jetzt auch gehen. Impressum: Hrsg. und V.i.S.d.P.: Vorsitzender im Kirchenvorstand der ev.-lutherischen Margarethengemeinde in Gehrden Kirchstr. 4, 30989 Gehrden Text: P.i.R. Helmut Strecker Fotos: P. Hartmut Werner, Pn. Verena Selck, Sabine Haug Nachdruck nur mit Genehmigung der Margarethengemeinde