BlowerDoor im Großformat

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Transkript:

Zur Am Beurteilung Objekt BlowerDoor im Großformat Bei Messungen in Industriegebäuden kommt es auf den richtigen Zeitpunkt und die entsprechende Vorbereitung an Wer sich heutzutage dazu entscheidet, einen Neubau zu erstellen, kommt kaum um ein Differenzdruckmessverfahren umgangssprachlich BlowerDoor Test herum. Dies gilt auch für Büro- oder Industriegebäude, die von dem Messenden besonderes Know-how erfordern. Immer dickere Dämmstärken für energieeffizientes Bauen fordern ein hohes Maß an Luftdichtheit und damit auch die entsprechende Qualität für die Luftdichtheit der Außenbauteile. Auch in der Energiebilanz (EnEV-Nachweis) spielt die Überprüfung und der damit verbundene Nachweis der Luftdichtheit eine wichtige Rolle, um den Primärenergiebedarf zu senken und die Gebäudestandards zu erhöhen. Bei Gebäuden mit Lüftungsanlage gehört der BlowerDoor Test zum Standard. Ursprung Das Jahr 1973 ist für die Luftdichtheit von Gebäuden ein entscheidendes Jahr; es ist das Jahr der Energiekrise. Gebäude, die bis zu diesem Zeitpunkt erstellt wurden, weisen in der Regel nach den heutigen Kriterien einen schlechten Standard der Wärmedämmung sowie der Luftdichtheit auf. Bis in die 70er-Jahre bestanden keine Anforderungen an die Luftdichtheit der Gebäudehülle. Zugige und unbehagliche Wohnbedingungen mit den damit verbundenen Beheizungsproblemen an windigen Tagen waren durchaus normal, wesentliche Leckagen traten an Fenstern und Außentüren auf. Nach der Energiekriese wurden Transmissions- und Lüftungswärmeverluste minimiert. Neben der Abdichtung von Fenstern wurden Dächer und Wände besser wärmegedämmt, was allerdings zur Erhöhung der Luftfeuchtigkeit um 10 15 % führte; dies brachten erste Untersuchungen in der Schweiz zum Vorschein. (1) Datenaufnahme bei Großgebäuden Die Wärmeschutzverordnung (WSVO 84) vom 24.02.1982 löste die WSVO von 1977 ab und gab Anforderungen an den Wärmeschutz vor. Für Fenster und Türen wurde lediglich der Fugendurchlasskoeffizient festgelegt und in die Anforderungen aufgenommen. Weitere Vorgaben für die Luftdichtheit galten nur für sonstige Fugen, die dauerhaft und luftundurchlässig sein mussten. Bis in die Mitte der 90er-Jahre gab es in Deutschland keine Anforderungen in Normungen an die Luftdichtheit. In der am 01.01.1995 in Kraft getretenen WSVO 1995 wurde explizit der Einbau einer luftundurchlässigen Schicht über die gesamte Gebäudehülle gefordert. Zur Verwendung standen verschalte, gestoßene, überlappende oder plattenartige Bauteile oder Bauteilschichten. Die so genannte BlowerDoor, so wie sie heutzutage zum Einsatz kommt, wurde erstmals in 1977 eingesetzt, allerdings noch unter dem Begriff Blower Window. Ake Blomsterberg exportierte die Idee in die USA zu Forschungszwecken. Die ersten in 1979 durchgeführten Messungen ergaben, dass versteckte Leckagen einen weitaus größeren Anteil an Lüftungswärmeverlusten haben, als Fenster, Türen oder Durchdringungen für Installationen. In Deutschland wurden die ersten Differenzdruckmessungen im Jahr 1986 / 1987 im Rahmen eines Niedrigenergiehaus-Projekts der RWE durchgeführt. 1 Zeitpunkt Der richtige Zeitpunkt und das damit verbundene Ergebnis für den BlowerDoor Test sollten bereits in der frühen Planungsphase diskutiert werden, egal für welches Bauvorhaben. Woher stammen die Anforderungen? Welche Grenzwerte müssen eingehalten werden? Gibt es verschärfte Anforderungen vom Bauherrn, PHPP oder Heizlastberechnung? All das sollte berücksichtigt werden, wenn ein BlowerDoor Test geplant wird. 1 Zur Geschichte des BlowerDoor Tests: Fachverband Luftdichtheit im Bauwesen e. V. (Hrsg.): Gebäude- Luftdichtheit, Band 1, 2. Aufl. 2012 Bild: Ch. Rösemeier der bauschaden Dezember 2014 / Januar 2015 41

ZurAm Beurteilung Objekt (Bild: Ch. Rösemeier Vorbegehung / Qualitätssicherung (2) Rettender Zeitpunkt während der Bauphase Zu jedem Gebäude gehört ein Luftdichtheitskonzept, in dem die luftdichte Ebene mit den entsprechenden Bauteilen eingezeichnet wird. Zugrunde legen sollte man sich die Grundrisse und Schnitte, um den Verlauf der luftdichten Ebene einzuzeichnen, am besten mit einem roten Stift, der den Verlauf der luftdichten Ebene darstellt. Sind Grenzwerte (auch verschärfte) angesetzt, kann man die maximale Leckagefläche bereits in der Planungsphase berechnen. Wie groß diese Fläche sein darf, ist in der Regel im Luftdichtheitskonzept enthalten. Die Fläche bezieht sich nicht auf eine große Leckage, sondern auf die Flächen, die im gesamten Gebäude verteilt sein dürfen. Beispiel: Ein Bürogebäude mit einem Nettovolumen von V = 10.000 m³ und einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung hat nach der EnEV 2014 einen Grenzwert von n50 = 1,5 h-1 einzuhalten. Mit dem BlowerDoor System muss ein Volumenstrom von V50 = 15.000 m³ bereitgestellt werden (V50 = V x n50). Die Leckagefläche wird Volumenstrom geteilt durch zwei berechnet, also darf die maximale Leckagefläche im Gebäude 7.500 cm² bzw. 0,75 m² nicht überschreiten. Danach können die Komponenten mit den Luftdichtheitsanforderungen ausgewählt werden. 42 Die erste BlowerDoor Messung im Bauablauf sollte zur Qualitätssicherung durchgeführt werden. Dies sollte geschehen, sobald die luftdichte Ebene fertiggestellt ist und die Dachflächen mit Konterlatten gesichert sind, um diese nicht wieder abzureißen. Bei großen Gebäuden kann man zonenweise, brandabschnittsweise oder auch in Einzelräumen nach Fertigstellung der luftdichten Ebene eine Vormessung durchführen, um Systemfehler aufzudecken, die sich im weiteren Bauablauf nicht weiter einschleichen dürfen. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass interne Wände und abgehängte Decken in der Regel nicht luftdicht sind. Versorgungleitungen für EDV, Wasser, Lüftung, Strom und Heizung verbinden meist die Bereiche miteinander und lassen Fehlströmungen zu. Der eigentliche DIN-gerechte BlowerDoor Test zur Abnahmemessung kommt erst nach kompletter Fertigstellung des Gebäudes zur Ausführung und gilt als zerstörungsfreie Prüfung. Fehlerquellen lassen sich zwar auch zu diesem Zeitpunkt lokalisieren, sind aber meist ohne Rückbau nicht mehr zu beseitigen. Daher empfiehlt sich immer eine qualitätssichernde Vormessung. Bei einem Einfamilienhaus, aber auch bis zur Größe eines Mehrfamilienhauses kann sehr einfach eine Qualitätssicherung bzw. eine Einpunktmessung bei 50 Pascal durchgeführt werden. Idealerweise kann eine solche Messung zur Überprüfung der eigentlichen Luftdichtheitsschicht durchgeführt werden, bevor Gipskartonplatten an die Außenbauteile angebracht wurden, die Steigeleitungen mit Abkastungen versehen sind und bevor der Estrich eingebracht wurde. Dazu wird das BlowerDoor Messsystem in eine Außentür oder in ein Fensterelement gebaut und ein Unterdruck erzeugt. Die Leckagen können nun mit der Hand oder einem Thermoanemometer geortet, und sollten vor Ort mit entsprechenden Mitteln markiert oder mit Fotos dokumentiert werden, um diese an die entsprechenden Gewerke zu verteilen. Nicht sichtbare Undichtheiten lassen sich auch mit einem Nebelgerät oder bei entsprechenden Temperaturdifferenzen mit einer Infrarot-Wärmebildkamera darstellen. Im weiteren Bauablauf können diese undichten Stellen nun abgedichtet werden. Bei besonderen Anforderungen (Luftwechselrate kleiner 0,1 h-1 bzw. q50 klei ner 0,6 m³ / m²h) an große Gebäude können auch temporäre Wände aus OSB-Platten o. Ä. an einzelnen Außenbauteilen aufgebaut werden, um Fassaden oder Dachabschnitte qualitativ zu beurteilen. Messnorm DIN EN 13829 Differenzdruck Messreihe Als Messnorm für das Differenzdruckmessverfahren / den BlowerDoor Test wurde bis ins Jahr 2000 mit der ISO 9972 Bestimmung der Luftdurchlässigkeit von Gebäude Differenzdruckverfahren gearbeitet; diese wurde danach durch die DIN EN 13829 Bestimmung der Luftdurchlässigkeit in Gebäuden ersetzt. In der Messnorm ist der gesamte Messablauf mit den Anforderungen an die Messung aufgeführt. Wichtig für die Messreihe sind folgende Details: der bauschaden Dezember 2014 / Januar 2015

Die Abstände der Messpunkte sind nicht größer als 10 Pascal-Schritte voneinander entfernt. Der kleinste Druckpunkt beträgt 10 Pascal oder 5 x den Betrag der natürlichen Druckdifferenz. Ein Gebäudedruck von mindestens 50 Pascal muss erreicht werden, bei großen Gebäuden ab 4.000 m³ Nettovolumen mindestens 25 Pascal Gebäudedruck. Es müssen mindestens 5 Messpunkte je Messreihe in ungefähr gleichen Abständen eingerichtet sein. Es sollten zwei Messreihen durchgeführt werden, eine bei Unter- und eine bei Überdruck. Es ist jedoch auch zulässig, nur eine Messreihe auszuwerten. Um höchste Genauigkeit der Messergebnisse und auch Information über die Leckagen im Gebäude zu bekommen, sollten immer die Über- und Unterdruckmessung durchgeführt werden. Messnorm DIN EN 13829 natürliche Druckdifferenz Jeweils vor und nach der Messreihe wird über einen Zeitraum von 30 Sekunden der natürliche Druck aufgenommen, um die Störfaktoren durch Thermik und Wind aufzunehmen. Dazu wird das Messsystem geschlossen und das Druckmessgerät so angeschlossen, dass der Druck zwischen innen und außen gemessen werden kann. Liegt die natürliche Druckdifferenz zwischen innen und außen in diesem Zeitraum im Mittelwert über 5 Pascal, wird die Messung nicht durchgeführt. Liegt der natürliche Druck erst nach der Messreihe über diesem Bereich, ist diese als ungültig zu erklären und muss erneut durchgeführt werden. Fehlerquellen bei der Auswertung Bei der Datenaufnahme mit dem Messsystem können in der Regel die Volumenströme und Druckdifferenzen, die aufgenommen werden, nicht geändert werden. Sollten bei einer solchen Messung zu hohe Windgeschwindigkeiten herrschen, ist es unwahrscheinlich, ein plausibles Messergebnis zu bekommen, da sich die Druckstufen nicht einpendeln lassen und sich somit auch kein exakter Volumenstrom am Messsystem anzeigen lässt. Der größte Fehler kann in der Regel nur durch eine falsche oder nicht normgerechte Volumenberechnung hervorgerufen werden. Wenn bei einem Einfamilienhaus das Ve (Volumen extern) mit dem Faktor 0,76 aus der EnEV Anlage 1 2.4 berechnet wird, können hier Abweichungen bis zu 15 % vom Nettovolumen vorkommen. Bei großen Gebäuden, z. B. bei einer Logistik- oder Produktionshalle mit 10.000 m² und 12,5 m Höhe, kann mit dem Faktor von 0,8 aus der EnEV Anlage 1 2.4 ein falsches Volumen mit 20.000 24.000 m³ auftreten. Das entspricht einem Fehler im Volumen von rund 20 %. Die Temperaturen werden mit einem 1 Kelvin genauen Thermometer aufgenommen, um den Luftvolumenstrom der Dichte anzupassen. Schwierigkeiten in der eigentlichen Messung treten meist bei sehr dichten Gebäuden auf, wie z. B. Kühlhäusern oder Hallen mit einer Oxyreduktions-Anlage zur Sauerstoffreduzierung, wo Luftwechselraten 0,04 h-1 erreicht werden müssen. Die Messungen sind meist nur durch recht erfahrene Messteams durchzuführen, da diese in der Regel wissen, wie solche Gebäude bei unterschiedlichen Witterungsbedingungen reagieren und was gerade im Messablauf passiert. Meist werden nur kleinste Volumenströme benötigt, um diese Gebäude zu prüfen. Zeitlich wird für eine einzelne Messreihe bis zu einer Stunde benötigt, da sich die einzelnen Druckstufen nur sehr langsam einpendeln. Werden die Volumenströme bei den Druckdifferenzen zu schnell aufgenommen, werden hier falsche Volumenströme gemessen. Im gewerblichen Wohnungsbau müssen alle Fenster mit Fenstergriffen versehen sein, um diese schnell zu verschließen. Bild: Ch. Rösemeier ZurAm Beurteilung Objekt (3) Messeinheit für Büro- und Industriegebäude Prüft man die Fenster nur stichprobenartig, statt alle Griffe einzeln anzufassen, kann es passieren, dass kein Druck aufgebaut wird bzw. vereinzelt wieder abbricht. Bei jeder Druckstufe, die höher angefahren wird, kann es dann passieren, dass sich einzeln verkeilte Fenster dann erst öffnen und das Messteam das entsprechende Element im Gebäude erst suchen muss. Hier empfiehlt es sich, solche Messungen zu zweit durchzuführen, um den Kollegen von außen um das Gebäude zu lotsen. Dieser kann dem Inneren dann per Funk angeben, welches Element offen steht. Lüftungsanlagen sollten durch die Haustechniker zugefahren und / oder abgedichtet werden. Ein Lüftungsauslass auf einem Schrägdach oder einem Giebel in mehreren Metern Höhe kann nicht eben schnell abgedichtet werden, jedoch lässt sich dies durch den Haustechniker anhand der Mess-, Steuerungs- und Regeltechnik eines Gebäudes schnell umsetzen. Industriegebäude Zu den großen Gebäuden zählen neben Schwimmbädern, Schulen und Seniorenheimen auch Produktions- und Gewerbehallen sowie Logistikzentren, die mittels Blowe- Minneapolis BlowerDoor Das marktführende MessSystem für Luftdichtheit. Universeller Einsatz: Neubau und Sanierung von Wohn- und Gewerbegebäuden. NEU: Alle BlowerDoor MessSysteme optional mit WiFi! der bauschaden Dezember 2014 / Januar 2015 www.blowerdoor.de Besuchen Sie uns: Halle B2, Stand 232 43

ZurAm Beurteilung Objekt Door Tests geprüft werden. Das Vorgehen ist hier komplett unterschiedlich zum Einfamilienhaus, für das nur ein BlowerDoor Messsystem benötigt wird und in der Regel nur die Lüftungsanlage sowie der Kamin im Wohnzimmer abgedichtet werden. Für das größere Volumen werden hier Vortermine sowie eine weitaus höhere Anzahl von Messsystemen benötigt; meist können solche Gebäude nur in der Nacht oder am Wochenende gemessen werden, da hier die Bewegung auf den Baustellen nicht so intensiv ist, wie im normalen Baustellenbetrieb. Sollte in einem nicht überschaubaren Hallenbereich ein Tor oder eine Tür geöffnet werden, ist der Druck schnell weg, und der Test wird unterbrochen, bis die Öffnung gefunden ist. Sind Lüftungsanlagen, Entrauchungsventilatoren und / oder atmosphärische Dunkelstrahler eingebaut, sollte hier mit eingeplant werden, dass diese für eine normgerechte Messung für den EnEV-Nachweis nach Verfahren B vor der Messung verschlossen werden müssen, was, je nach Ausstattung des Gebäudes, bis zu mehreren Tagen an Zeit in Anspruch nehmen kann. (5) BlowerDoor Messung in einer Logistikhalle tern Grundfläche z. B. im Dach Dämmung eingespart werden, wenn ein BlowerDoor Test durchgeführt wird. Der reduzierte Luftwechsel n0 wird von 0,7 h-1 auf n0 = 0,6 h-1 abgemindert. Typische Leckagestellen in Industriegebäuden sind die Schnelllauftore und Ladebrücken, die es mit Lippendichtungen und auch entsprechenden Grenzwerten der Fugendurchlässigkeit gibt. Auch Übergänge zwischen Kassettenwänden und Stahlbetonelementen sind oft Probleme, die sich in der Praxis zeigen, was allerdings je nach Häufigkeit und Anzahl nicht dazu führt, dass das Gebäude den Test nicht besteht, da ein großes Gebäude verhältnismäßig mehr Leckagen aufweisen darf. Der Vorteil der Messung an einem solchen Gebäude liegt meines Erachtens klar auf der Hand: Die EnEV honoriert die Durchführung der BlowerDoor Messung. Bei dem Referenzgebäudeverfahren kann verhältnismäßig auf mehreren tausend Quadratme- 44 Bilder: Ch. Rösemeier Bei dem Vortermin können durch das Mess team der Messablauf sowie die vorbereitende Gebäudepräparation besprochen werden. Wichtig zu klären ist auch, wo eine solch hohe Anzahl an Messgeräten eingebaut werden kann. Für die Auslegung der Messgeräte sollte der q50 aus der DIN 4108-7 und EnEV herbeigeführt werden. (4) Berechnung der Gebäudehülle zur Auslegung der Leistung der Messeinheit Legt man z. B. ein Logistikzentrum mit den typischen Abmessungen 200 m x 100 m x 12,5 m (L, B, H) zugrunde, erhält man eine Gebäudehüllfläche (Ae) von 47.500 m². Der benötigte Volumenstrom, um dieses Gebäude bei 50 Pascal zu prüfen, wird berechnet: V50 = AE x q50 142.500 m³/h = 47.500 m² x 3 m³/m²h Bei einem Gebläsevolumenstrom (bei Minneapolis BlowerDoor) von 7.200 m³/h werden hier nun 19,79 = 20 Geräte benötigt (142.500 m³/h / 7.200 m³/h = 19,79). Die Praxis zeigt allerdings, dass q50e von 2 m³/m²h und besser bei entsprechender Planung und Baubegleitung erreicht werden können um eine normgerechte Messung durchzuführen, darf aber auf keinen Fall auf die Anzahl der Geräte verzichtet werden, da sonst bei zu großen Leckagen der Gebäudedruck nicht aufgebaut werden kann. Grenzwerte der Luftdichtheit: EnEV & DIN 4108 Die Grenzwerte für die Luftdichtheit sind in der aktuellen EnEV sowie der DIN 4108-7 zu finden. Die Grenzwerte der Luftwechselrate n50 aus der EnEV betragen für Gebäude ohne Lüftungsanlage 3,0 h-1, für Gebäude mit raumlufttechnischer Anlage 1,5 h-1. Weiter ist seit der Novellierung der EnEV der q50 verankert. Der hüllflächenbezogene Leckagestrom bei 50 Pascal beträgt bei Gebäuden ohne Lüftungsanlage 4,5 m³/m²h, für Gebäude mit raumlufttechnischer Anlage 2,5 m³/m²h. Die Grenzwerte der DIN 4108-7:2011-03 für Gebäude, bei denen keine Anforderungen nach der EnEV gestellt sind, betragen der bauschaden Dezember 2014 / Januar 2015

Zur Am Beurteilung Objekt EnEV bei Gebäuden > 1.500 m³ Nettovolumen q 50 q 50 ohne Lüftungsanlage 3,0 h -1 4,5 m³/(m²h) mit Lüftungsanlage 1,5 h -1 2,5 m³/(m²h) Quelle: EnEV DIN 4108-7:2011-03 q 50 ohne Lüftungsanlage 3,0 h -1 3,0 m³/(m²h) mit Lüftungsanlage 1,5 h -1 1,0 m³/(m²h) Quelle: DIN 4180-7 DGNB Grenzwert Referenzwert Zielwert ohne Lüftungsanlage 3,0 h -1 1,5 h -1 1,0 h 1 mit Lüftungsanlage 1,5 h -1 1,0 h -1 0,8 h 1 Bei Gebäude mit einem Innenvolumen < 1.500 m³ gilt zusätzlich: Luftwechsel q 50 3,0 m³/(m²h) 2,5 m³/(m²h) 2,0 m³/(m²h) Quelle: DGNB Quelle: PHI PHI Darmstadt q 50 0,6 h -1 keine Anforderung (6) Übersicht der Grenzwerte an die Luftdichtheit Tabelle: Ch. Rösemeier Der Messablauf bzw. die Messung ist für jedes Verfahren identisch. Die Verfahren unterscheiden vielmehr die Gebäudevorbereitung für den entsprechenden Messzweck. Das Verfahren A beschreibt einen Gebäudezustand, in dem die Klima- und Heizungsanlage sowie die raumlufttechnische Anlage im Betrieb sind, sozusagen im Nutzungszustand. Beim Verfahren B wird die Qualität der Gebäudehülle überprüft. Alle lüftungstechnischen Maßnahmen werden geschlossen oder abgedichtet mit entsprechenden Mitteln (Ballblasen, Folie und / oder Klebeband). Bezugsgrößen Die Bezugsgrößen werden benötigt, um die Kennwerte zu berechnen. Für den ( = Luftwechselrate bei 50 Pascal) wird das Nettovolumen benötigt: = V 50 / V Die Grundfläche eines jeden Raums wird mit der lichten Raumhöhe multipliziert. Die Summe aller Räume im zu untersuchenden Gebäude ergibt das Nettoraumvolumen. 1,5 h -1 für freie Lüftung mit besonderer Gebäudepräparation, 3,0 h -1 für freie Lüftung ohne Abklebungen. Für Gebäude mit ventilatorgestützter Lüftung und abgedichteten Außenluftdurchlässen gilt 1,0 h -1. Weitere Anforderungen an die Luftdichtheit findet man in der DIN EN 4108-2 Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden, unter 7) Anforderungen an die Luftdichtheit von Außenbauteilen. Der Fugendurchlasskoeffizient von Bauteilanschlussfugen muss kleiner als 0,1 m³/mh (da Pa² / ³) sein. EnEV 2014 vs. BlowerDoor Test Mit der Novellierung der EnEV 2014 wurden weitere wichtige Punkte festgelegt: Bei Gebäuden ab 1.500 m³ Nettovolumen wird der q 50 mit ausgewertet. Das Verfahren B (Überprüfung der Gebäudehülle) ist anzuwenden. Der q 50 für Gebäude mit und ohne Lüftungsanlage wurde festgelegt: ohne 4,5 m³/m²h, mit 2,5 m³/m²h. Verfahren A / B (7) Auswertung der Luftwechselrate - sowie q 50 Luftdurchlässigkeit bei 50 Pascal Für den q 50 (hüllflächenbezogener Leckagestrom bei 50 Pascal) wird die Gebäudehüllfläche berechnet: q 50 = V 50 /A e Bild: Ch. Rösemeier Bei Fenstern und Türen muss der Fugendurchlasskoeffizient a 2,0 m³/mh (da Pa² / ³) sein, da eine Funktionsfuge vorliegt. Die Anforderungen an die Luftwechselrate vom Passivhausinstitut in Darmstadt betragen kleiner 0,6 h -1. Vielleicht sollte man an erster Stelle sagen, was das Verfahren A und B nicht ist. Aus vielen Ausschreibungen und Praxisverfahren wird dieser Fehler gerne weitergegeben. Verfahren A ist nicht die Abnahmemessung, und Verfahren B ist nicht die baubegleitende Messung. Der q 50 wird bei Gebäuden ab 1.500 m³ Nettoraumvolumen ausgewertet, um die Qualität der Gebäudehülle zu bewerten. Der q 50 ist ein international genormter Wert, mit dem sich auch die Gebäudehüllen unterschiedlicher Größen und Kubaturen vergleichen lassen. der bauschaden Dezember 2014 / Januar 2015 45

Zur Am Beurteilung Objekt Leckageortung Die Leckageortung ist bei jedem BlowerDoor Test durchzuführen, auch wenn die Grenzwerte eingehalten werden, siehe DIN EN 13829, Punkt 5.3.1: Ungefähr bei der höchsten für die Messung vorgesehenen Druckdifferenz ist die gesamte Gebäudehülle auf große Leckagen und fehlerhafte provisorische Abdichtungen zu untersuchen. Wenn solche Leckagen gefunden werden, sind diese zu protokollieren. 2 Für die Leckageortung stehen verschiedene Methoden zu Verfügung. Die einfachste Ortung kann mit der bloßen Hand vorgenommen werden; zusätzlich kann man die Untersuchung mit einem Thermoanemometer erweitern. Hat man genügend Temperaturdifferenz, können undichte Stellen mit einer Infrarot- Wärmebildkamera untersucht werden. Voraussetzung: Es besteht eine genügende Temperaturdifferenz zwischen innen und außen. Die Temperaturdifferenz sollte mindestens 12 Kelvin betragen, um undichte Stellen mittels der Infrarottechnik bildlich darzustellen. Kalte Luft wird durch das BlowerDoor Messsystem durch das Mauerwerk nach innen gesaugt und kühlt die Oberflächen auf der Innenseite aus. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, undichte Stellen bzw. den Leckageweg mit (8) Leckageortung mittels Thermoanemometer Bilder: Ch. Rösemeier einem Nebelgenerator sichtbar zu machen. Mit einem dichten Nebel können Luftwege dargestellt werden. Nicht immer ist die undichte Stelle auf der Innenwand auch identisch mit der Außenwand. Bei einem Lufteintritt an einer Gipskartonwand kann die Luft mehrere Meter Leckageweg hinter sich haben. Zur Person Christian Rösemeier Jahrgang 81, Geschäftsführer energiebüro q50, staatlich geprüfter Heizungs-, Lüftungs- & Klimatechniker & Gebäudeenergieberater, zertifizierter Luftdichtheitsprüfer nach ISO 20807 & FLiB, zertifizierter Thermograf Level II. Darüber hinaus ist er Referent für Luftdichtheit im E.U.Z. Springe. 2 DIN EN 13829:2001-02 Wärmetechnisches Verhalten von Gebäuden Bestimmung der Luftdurchlässigkeit von Gebäuden Differenzdruckverfahren (9) Lufteintritte bzw. so genannte Kaltluftseen werden mittels Wärmebildkamera sichtbar gemacht. Kontakt: E-Mail: roesemeier@ebq50.de Messekalender Januar / Februar 2015 Datum, Ort Veranstaltung Information 19. 24.01.2015 in München BAU 2015 Auf der BAU 2015 werden wieder rund 2.000 Aussteller aus aller Welt Architektur, Materialien und Systeme präsentieren. Dabei geben die drei Leitthemen Intelligent Urbanization, Energie- und Ressourceneffizienz sowie Mensch und Gebäude den Takt für Präsentationen, Lösungen der Aussteller und mehrere Sonderschauen vor. (Infos unter: www.bau-muenchen.com) 18. 19.02.2015 in Nürnberg 27.02. 01.03.2015 in Freiburg (Breisgau) FeuerTRUTZ 2015 Gebäude.Energie. Technik Um den baulichen, anlagentechnischen und organisatorischen Brandschutz drehen sich am 18. und 19. Februar die Gespräche auf der FeuerTRUTZ in Nürnberg. Für Fachbesucher gibt es ein vielfältiges Rahmenprogramm. (Infos unter: www.feuertrutz-messe.de) Im Mittelpunkt der Gebäude.Energie.Technik 2015 stehen die Energieeffizienz, Erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit. Ab 2015 wird das Ausstellungsspektrum um die Themen Bad-/Sanitärmodernisierung, Küchen / Hausgeräte und Innenausbau erweitert. (Infos unter: www.getec-freiburg.de) Der Veranstaltungskalender erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. 46 der bauschaden Dezember 2014 / Januar 2015