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Transkript:

Passivhaus- Objektdokumentation Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung in Leitershofen Verantwortlicher Planer Architektin Dipl.-Ing. (FH) Monika Voss www.monikavoss-architektur.de Die starke Hanglage begünstigte die Konzeption im Erd- und Obergeschoss die Wohnung einer jungen Familie mit 4 Personen unterzubringen und im Untergeschoss eine Einliegerwohnung mit barrierefreiem Zugang zum Garten. Teile des Untergeschosses bieten zusätzlich Platz für die Haustechnik und anderen Nutzräumen. Das Gebäude ist im Ortskern von Leitershofen (nähe Augsburg) errichtet und im Herbst 2013 bezogen worden. Weitere Informationen unter www.passivhausprojekte.de - Projekt-ID: 4632 Besonderheiten: Vorbereitung des Gebäudes zur Nachrüstung einer Photovoltaikanlage U-Wert Außenwand 0,094 W/(m²K) PHPP Jahres- U-Wert Bodenplatte 0,105 W/(m²K) Heizwärmebedarf 15 kwh/(m²a) U-Wert Dach U-Wert Fenster 0,094 W/(m²K) 0,79 W/(m²K) PHPP Primärenergie 66 kwh/(m²a) Wärmerückgewinnung 89 % Drucktest n 50 0,51 h -1 Dezember 2015 - Seite 1

1 Kurzbeschreibung Im Herbst 2011 wurde das Büro VOSS_Architektur mit der Planung und Berechnung des Wohnhauses in passivhausbauweise beauftragt. Seitens der Bauherrschaft stand von Beginn an fest ein Passivhaus in Massivbauweise zu errichten. Das zu bebauende Grundstück weist eine starke Hangneigung von West nach Ost auf wodurch das Erd- und das Untergeschoss zum größten Teil ebenerdig erschlossen werden konnte und dadurch der Wunsch einer eigenständigen, unabhängig funktionierenden Einliegerwohnung realisiert werden konnte. Diese wurde barrierefrei hergestellt um für den Einzug der Großeltern gerüstet zu sein. Somit wird das Untergeschoss fast vollständig zur Wohnnutzung herangezogen, nur die Haustechnik mit Waschküche und Lagerraum befinden sich ebenfalls in der beheizten Hülle. Weitere Nutzräume wie z.b. der Skikeller sind im unbeheizten zweigeschossigen Nebengebäude vorgesehen, was zu einer Volumenreduzierung des beheizten Raumkonzeptes führte und sich damit auf die Baukosten günstig auswirkte. Im Erd- und Obergeschoss befindet sich die Wohnung der jungen Familie. Dezember 2015 - Seite 2

2 Fotos der Außen- und Innenansichten Südseite OG: Ess- und Wohnraum mit Dachterrasse und Stahlsteg UG: Ess- und Wohnraum mit Terrasse Dezember 2015 - Seite 3

Ostseite OG: Wohnung der Familie mit den Schlafräumen EG: Wohnung der Familie mit Küche und Essraum mit angegliederter Dachterrasse UG: Eingang zur Einliegerwohnung als Nische ausgebildet (im Wohnraum ist ein Kaminofen eingebaut wodurch der außenliegende Kamin erforderlich ist) Dezember 2015 - Seite 4

Nord / West Ecke EG: Eingangsnische der Hauptwohnung Nord / Ost Ecke EG: Küchenfenster mit Blick auf die Pferdekoppel Dezember 2015 - Seite 5

Nordseite Auf der Nordseite des Wohnhauses ist außerhalb der thermischen Hülle das unbeheizte Nebengebäude angebaut Dezember 2015 - Seite 6

EG / Treppenhaus mit Blick in den Wohn-, Koch-, und Essbereich EG / Küche OG / Bad Dezember 2015 - Seite 7

3 Schnittzeichnung Querschnitt durch das Passivhaus in Leitershofen Der Gebäudeschnitt erfolgt in Nord Ostrichtung. Gut erkennbar ist die ringsum geschlossene thermische Hülle mit jeweils guter Wärmedämmung, diese ist im Schnitt gelb dargestellt. Auch die luftdichte Ebene ist umlaufend geschlossen und im Schnitt rot dargestellt. Das Untergeschoss liegt innerhalb der thermische Hülle, das Nebengebäude im Norden des Wohnhauses ist nicht in die wärmegedämmte Hülle integriert und beinhaltet verschiedene Nutzräume. Im Erdgeschoss befinden sich die großzügig verglasten Wohn- und Aufenthaltsräume auf der Südseite und das Treppenhaus auf der Nordseite. Die tragenden Bauteile des Gebäudes bestehen aus Stahlbeton bzw. Ziegelmauerwerk mit einer außenliegenden Wärmedämmung. Der Dachstuhl wurde in Holzbauweise errichtet und mit Holzfasern ausgeflockt. Dezember 2015 - Seite 8

4 Grundrisse Passivhaus Untergeschoss Auf der Ostseite des Gebäudes ist der Zugang für die Einliegerwohnung angeordnet. Die Wohnung ist für einen 2-Personenhaushalt vorgesehen und barrierefrei errichtet. Die Wohnräume sind im Süden angeordnet mit einem direkten Zugang zur Terrasse mit Garten. Der Technikraum, die Waschküche und der Lagerraum liegen ebenfalls in der Wärmegedämmten Hülle. Weitere Nutzräume werden über eine Außentüre auf der Nordseite erreicht die nicht beheizt sind. Dezember 2015 - Seite 9

Erdgeschoss Auf der Westseite des Gebäudes ist der Zugang für die Hauptwohnung angeordnet. Die Wohnung ist für einen junge Familie mit 2 Kinderzimmern vorgesehen. Im Erdgeschoss befindet sich noch ein Büro- und Arbeitsraum, die Küche mit Speis, ein Gäste-WC und der großzügige Eingangsbereich mit zentralem Treppenhaus. Dezember 2015 - Seite 10

Obergeschoss Das Obergeschoss ist über die zentrale Treppe auf der Nordseite zu erreichen. Hier sind die Schlafräume mit Ankleide und großzügigem Bad untergebracht. Um Blick- und Lichtbeziehungen zwischen den Geschossen zu erhalten wurde im Bad eine Verglasung zum Treppenhaus eingeplant. Auch das Treppenhaus ist durch ein großzügiges Dachflächenfenster sehr heller und zentraler Bereich für die Bewohner. Großzügige bodentiefe Fenstertüren auf der Ost- und Westseite gewährleisten eine gute Lichtdurchflutung der Aufenthaltsräume wodurch auf größere Öffnungen im Dachbereich verzichtet werden konnte. Dezember 2015 - Seite 11

5 Konstruktionsdetails der Passivhaushülle und Passivhaustechnik 5.1 Konstruktion inkl. Dämmung der Bodenplatte mit Anschlusspunkten zu Außen- und Innenwänden Bodenplatte Die tragende Bodenplatte wurde ohne Fundamente und Frostschürzen ausgebildet um eine durchgehende Wärmedämmung realisieren zu können. Dadurch konnten Wärmebrücken umgangen werden. Boden- platte 015 mm Bodenfliesen 040 mm Zementestrich 035 mm Trittschalldämmung, WLG 040 050 mm Wärmedämmung, WLG 028 010 mm Abdichtungsbahn 250 mm Stahlbetonbodenplatte 240 mm Perimeterdämmung, WLG 037 U-Wert 0,105 W/(m²K) Dezember 2015 - Seite 12

5.2 Konstruktion inkl. Dämmung der Außenwände Außenwand Die massiven Außenwände wurden in Stahlbeton bzw. in Ziegelmauerwerk errichtet. Diese wurden im erdberührenden Bereich mit einer extrudierten Wärmedämmung bekleidet bzw. an angrenzende Außenluft mit einem Wärmedämmverbundsystem. Außenwand 015 mm Innenputz 240 mm Ziegelmauerwerk, WLG 140 280 mm Polystyrol, WLG 032 015 mm Außenputz U-Wert 0,094 W/(m²K) Dezember 2015 - Seite 13

5.3 Konstruktion und Dämmung des Daches (Satteldach) Statteldach Um Wärmebrücken zu minimieren und den Holzanteil der Dachkonstruktion so gering als möglich zu halben kamen Holzstegträger mit einer Höhe von 360 mm zum Einsatz. Satteldach 013 mm Gipskartonplatte 060 mm Lattung / Mineralfaserdämmung, WLG 035 015 mm OSB-Platte 360 mm Stegträger / Holzfaser Einglasdämmung, WLG 040 035 mm Holzfaserunterdeckplatte, WLG 050 U-Wert 0,094 W/(m²K) Dezember 2015 - Seite 14

5.4 Konstruktion und Dämmung des Daches (Flachdach) Flachdach Damit ein Ausgang vom Wohnbereich auf die Holzterrasse ohne Stufe realisieren zu können war es erforderlich einen dünnen Flachdachaufbau herzustellen. Dies war nur durch den Einsatz einer Vakuumdämmung in Kombination mit einer Gefälledämmung möglich. Flachdach 160 mm Stahlbetondecke 010 mm Bitumenabdichtung 030 mm Vacuumdämmung, WLG 007 015 mm PIR Dämmung WLG 030 003 mm Gummigranulatmatte 050 mm (im Mittel) Gefälledämmung WLG 028 010 mm Bitumenabdichtung U-Wert 0,144 W/(m²K) Dezember 2015 - Seite 15

5.5 Fensterschnitte inkl. Einbauzeichnung Fenster Dreifach-Wärmeschutzglas mit Edelgasfüllung. Kunststofffensterrahmen mit Aluschale. Rahmenverbreiterungen unten mit Purenit. Ug-Wert Südseite = 0,5 W/(m²K) Ug-Wert Ost / West / Nord - Seite = 0,6 W/(m²K) Uf-Wert = 0,85 W/(m²K) g-wert des Glases = 61% Uw-Wert 0,79 W/(m²K) Dezember 2015 - Seite 16

6 Beschreibung der luftdichten Hülle und Dokumentation des Drucktestergebnisses Für das Passivhaus wurde ein Luftdichtheitskonzept über die gesamte Gebäudehülle entwickelt. Im Schnitt ist die Luftdichte Ebene mit einer roten Linie markiert. Dach: Bei Satteldach bildet durch die Holzkonstruktion die OSB-Platte die luftdichte Ebene. Die Stöße wurden verklebt und der luftdichte Anschluss an die verputzten Außenwände hergestellt. Außenwände: Bei den Außenwänden stellt der Innenputz die luftdichte Ebene dar. Bei Installationen im Bereich der Außenwand wurde mit einem Glattstrich vorab die Ziegelfugen geschlossen, ebenso bei Vorwandinstallationen. Fenster: Die Fensterrahmen wurden umlaufend mit einem Dichtflies luftdicht an die geglättete Ziegelleibung der Fensteröffnungen angeschlossen. Zusätzlich wurde bei den Innenputzarbeiten APU-Leisten beim Fensteranschluss verwendet. Bodenplatte: Der Innenputz wurde bis auf den Rohbeton herunter gezogen um die Luftdichtheit zwischen Beton und aufgehendem Mauerwerk sicher zu stellen. Durchbrüche: Bei den Elektroarbeiten wurden in den Außenwänden luftdicht Dosen verwendet. Andere Rohrleitungen wurden luftdicht ausgemörtelt bzw. luftdicht verklebt. Der erste Drucktest wurde nach Fertigstellung der luftdichten Hülle zur Leckagenortung durchgeführt. An den Dachflächenfenstern und den Verklebungen verschiedener Fenstertüren musste nachgebessert werden. Nach Baufertigstellung wurde am 22.11.2013 der Drucktest mit folgendem Ergebnis durchgeführt: Messung 50 Pa-Drucktestluftwechsel n 50 h -1 Gesamtes Gebäude mit Einliegerwohnung 0,51 Dezember 2015 - Seite 17

7 Lüftungsplanung 7.1 Lüftungsplanung Kanalnetz Um die Lüftungswärmeverluste zu minimieren wurden zwei Zu- und Abluftanlagen mit einer hocheffizienten Wärmerückgewinnung eingebaut. Die beiden Lüftungsanlagen sind im Technikraum des Untergeschosses installiert und je einer Wohneinheit zugeordnet. Die Zu- und Fortluft wird jeweils über einen Lichtschacht bzw. Standrohre auf der Westfassade angesaugt bzw. ausgeblasen. Die Zuund Abluft in den Räumen werden über entsprechende Düsen an den Decken gewährleistet. Hierbei wird aus den Nebenräumen wie Bäder, Speis und Küche die Luft abgesaugt und in den Wohn- und Aufenthaltsräumen eingeblasen. Die Flure und das Treppenhaus sind hierbei die Überströmbereiche. Legende: Gelb = Abluft Magenta = Zuluft Untergeschoss (Einliegerwohnung und Nutzräume) 1,07 0,51 0,51 WD Ø 125 + 2522.15 von OKRF 0,84 DD Ø 130 1,21 DD Ø 130 0,05 1 DD 1000/100 0,01 0,1 2,45 1,2 DD Ø 110 WD Ø 125 + 2522.15 von OKRF 0,78 1,12 DD 200/1000 DD Ø 110 0,2 0,31 0,49 Futterrohr Mitte = + 2350 von OKRF 300/520 1,2 DD Ø 130 Futterrohr Mitte = + 2350 von OKRF 300/520 Futterrohr Mitte = + 2350 von OKRF 300/520 Futterrohr Mitte = + 2350 von OKRF 300/520 0,31 0,5 0,5 0,5 1,2 1,28 DD Ø 130 DD Ø 130 0,56 0,6 1,52 Dezember 2015 - Seite 18

Erdgeschoss (Hauptwohnung) 0,6 DD Ø 110 1,59 0,3 1,48 DD Ø 130 DD Ø 130 DD Ø 110 1,31 3,68 0,49 1,5 1,09 DD Ø 110 0,75 DD 200/1000 1,71 1 0,8 0,8 0,8 1 DD Ø 150 DD Ø 130 DD Ø 130 DD Ø 130 0,8 0,8 Einfügepunkt Referenzen Lüftung Obergeschoss (Hauptwohnung) 0,8 0,8 WS 210/100/4200 UK = 0 von OKRF WS 210/100/4200 UK = 0 von OKRF WS 210/100/4200 UK = 0 von OKRF WS 210/100/3400 WS 210/100/4200 UK = 0 von OKRF 0,5 0,5 DD 200/1000 UK = 0 von OKRF 1 1 Dezember 2015 - Seite 19

7.2 Lüftungsplanung Zentralgeräte Hauptwohnung im EG und OG: Lüftungsgerät: Paul Novus 300 F Wärmebereitstellungsgrad: 93% Auslegungsvolumenstrom: 190 m3/h Elektroeffizienz: 0,24 Wh/m3 Einliegerwohnung im UG: Lüftungsgeräte: Zehnder ComfoAir 200 Wärmebereitstellungsgrad: 92% Auslegungsvolumenstrom: 100 m3/h Elektroeffizienz: 0,42 Wh/m3 Pro Wohneinheit ist eine separate Lüftungsanlage eingebaut Dezember 2015 - Seite 20

8 Wärmeversorgung Den geringen Wärmebedarf und den gesamten Warmwasserbedarf des Gebäudes wird durch eine Luft- Luft- Wärmepumpe gedeckt. Diese ist im Technikraum des Untergeschosses untergebracht und versorgt alle Wohneinheiten. Wärmepumpe: Weishaupt WWP L 7 AERS Jahresarbeitszahl: 2,70 Die Wärmeverteilung erfolgt in den Bädern über eine Fußbodenheizung und in den restlichen Wohnräumen über die im Putzaufbau integrierten Wandheizung. Durch diese Flächenheizsysteme sind niedrige Vorlauftemperaturen möglich. Die Luft-Luft-Wärmepumpe ist auf dem Flachdach der Garage installiert Dezember 2015 - Seite 21

9 PHPP-Berechnungen PHPP Dokument des Passivhauses in Leitershofen Dezember 2015 - Seite 22

10 Baukosten Die Kosten für die Kostengruppe 300 + 400 betrug ca. brutto 1.900,00 /qm WF+NF Kostengruppe 500 erfolgte in Eigenleistung 11 Baujahr Das Gebäude wurde vom Herbst 2012 bis Sommer 2013 erstellt. 12 Projektbeteiligte Architektur LPH 1-5 und Energetische Projektierung VOSS_Architektur, Dipl. Ing. (FH) Architektin Monika Voss Stadtjägerstr. 10, 86152 Augsburg, www.monikavoss-architektur.de Bauleitung LPH 6-8 Dipl.-Ing. (FH) Herbert Seizinger Fachplanung Lüftung und Luftdichtigkeitstest AIROPTIMA, Markus Meyer Bavariaring 14, 87600 Kaufbeuren, www.airoptima.de Tragwerksplanung Ing.-Büro Geiger und Gretzinger Bergstraße 23, 86199 Augsburg, www.geiger-gretzinger.de 13 Erfahrungen Die Bewohner des Passivhauses fühlen sich im Gebäude sehr wohl. Die Energiekosten für Heizung und Warmwasserbereitung sind sehr niedrig. Detaillierte Kennzahlen liegen jedoch nicht vor. 14 Veröffentlichungen Teilnahme bei den Passivhaustagen 2015 www.passivhausprojekte.de Dezember 2015 - Seite 23