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Transkript:

Forschungs- und Publikationsprojekt 2014 2017 Keramik aus Langnau Zur Geschichte der bedeutendsten Landhafnerei im Kanton Bern Andreas Heege und Andreas Kistler Zu Dokumentationszwecken: Langnauer Keramik in Privatsammlungen gesucht! Vertraulichkeit zugesichert! Bitte melden Sie sich: roth-heege@bluewin.ch

Zur Geschichte der Langnauer Keramik In Langnau wurde seit dem frühen 17. Jahrhundert Keramik produziert. Aber erst mit dem Auftreten der über mehrere Generationen tätigen Hafnerfamilie Herrmann (erster archivalischer Nachweis 1674) entstand ein Zentrum für die Herstellung hochqualitätvoller, hervorragend gestalteter und herausragend mit Sprüchen und Bildern verzierter Keramiken. Es handelt sich zwischen ca. 1670 und 1850 um die kunsthandwerklich bedeutendste und wirtschaftlich erfolgreichste Irdenware-Landhafnerei im Bernbiet und neben Winterthur wohl auch der Deutschschweiz. Auch ausserhalb der Schweiz findet sich im deutschsprachigen Raum in dieser Zeit keine vergleichbar qualitätvolle Produktion. Es ist kein Zufall, dass für eine gewisse Zeitspanne ein Mitglied der Familie Herrmann auch Direktor der Frischingschen Fayencemanufaktur in Bern war. Auf diesem Wege gelangten zahlreiche Gefässformen und Dekorelemente des bernischen Rokoko in die Produktion von Langnau und in die Haushalte bernischer Stadtburger und der bäuerlichen Oberschicht des Emmentals. Das erhaltene Glasur-Rezeptbuch von Daniel Herrmann ist eine handwerksgeschichtlich herausragende Quelle. Grundlage des Erfolges war der wirtschaftliche Aufschwung in den ländlichen Regionen des Kantons Bern, der eine stolze, selbstbewusste, gebildete und religiös motivierte ländliche Mittel- und Oberschicht hervorbrachte. Zu deren Selbstverständnis passten die Langnauer Produkte mit ihren Sprüchen und ihren Bildern aus dem Alltag der Bauern, Handwerker, Soldaten und Standespersonen des Emmentals hervorragend. Die Dekore und die Bilder auf dem Langnauer Geschirr stehen in Ihrer Lebendigkeit und ihrem Realitätsgehalt gleichbedeutend neben den Dekoren auf zeitgleichem Mobiliar oder an Hausfassaden. Sie wirken wie eine vorweggenommene Illustration der Romane von Jeremias Gotthelf. Zum Erfolg dürfte auch beigetragen haben, dass Langnau der wichtigste und älteste Marktort des Emmentals war und hier zeitgleich der international bekannte «Schärer» Michael Schüppach praktizierte und seine medizinischen Leistungen einem internationalen Publikum anbot. Trotzdem die herausragende Bedeutung der Keramik aus Langnau den Museumsgründern in der Schweiz, Deutschland und England bereits im späten 19. Jahrhundert bekannt war es gibt kaum ein bedeutendes kunstgewerbliches Museum Europas, das keine Langnauer- Keramik in seinen Beständen hat, steht eine umfassende Aufarbeitung bis heute aus. Die schweizweite Bedeutung und der kunsthandwerklich-volkskundliche Stellenwert der Langnauer Produktion droht zunehmend in Vergessenheit zu geraten, zumal grosse Sammlungen nicht mehr ausgestellt sind (Historisches Museum Bern, Schweizerisches Nationalmuseum Zürich, Museum der Kulturen Basel, Schule für Gestaltung Bern). Einen Eindruck von der Schönheit und Qualität des Langnauer Geschirrs erhält man heute nur noch im Musée Ariana in Genf, im Kornhaus in Wiedlisbach und im Regionalmuseum in Langnau. Jedoch ist auch der dortige Sammlungsbestand, der grösste überhaupt, nie wissenschaftlich erforscht bzw. kulturhistorisch aufbereitet worden. Ein fundierter Überblick über die in zahlreichen europäischen und schweizerischen Museen und Privatsammlungen vorhandene Langnauer Keramik ca. 2000 Stücke (siehe Liste der Museumsbestände im Anhang) wird erst durch eine umfassende Sichtung bzw. Dokumentation und darauf beruhende wissenschaftliche Forschungsarbeit möglich. Hiermit könnte in Zeiten der zunehmenden Globalisierung ein phantastisches, lokal verwurzeltes, kulturhistorisches Erbe für die bernischen Museen und ihre Ausstellungen sowie die Bereiche Kultur, Brauchtum, Werbung und das Selbstwertgefühl bzw. die Identifikation der Menschen der Region, des Kantons Bern und der Deutschschweiz nutzbar gemacht werden.

Die Kernfragen lauten: Was sagen uns die Langnauer Keramiken und ihr kunstvoller Dekor über das Leben im Emmental und die Welt der Bauern, Handwerker und Hafner? Was sagen sie uns über die Region und die Epoche und welche Lebensentwürfe oder -erfahrungen vermitteln sie uns? Das Musée Ariana, Genf, plant für 2017 eine Sonderausstellung in der die Ergebnisse der Untersuchung auf der Basis des Genfer Materials auch französischsprachig präsentiert werden sollen. Für die volkskundliche, archäologische und kunsthistorische Kulturgeschichtsforschung und die Erforschung der materiellen Kultur der Schweiz liefern die zahlreichen datierten Langnauer Keramiken ein bislang nicht erschlossenes chronologisch engmaschiges Netz für die Analyse handwerklicher, typologischer, stilistischer und sozialer Entwicklungen. Die geplante zeichnerische Dokumentation der vorkommenden Haupt-Gefässtypen liefert die Basis für die Vergleichbarkeit von archäologischen Bodenfunden und volkskundlichen Museumsobjekten sowie die Unterscheidbarkeit der verschiedenen Töpfereiregionen der Schweiz. Zielsetzung und Fragestellungen Ziel des Projektes ist die Erforschung der handwerklich betriebenen Irdenwareproduktion der Hafnerwerkstätten Langnaus. Diese erfolgt mit Hilfe der lokalen und regionalen Archivforschung sowie der weitgehenden Erfassung musealer und privater Sammlungen. Es wird eine Darstellung der Geschichte und Entwicklung des Hafnereigewerbes unter Berücksichtigung der sozialen, ökonomischen, technologischen, regionalen, kulturhistorischen und kunsthandwerklichen Hintergründe angestrebt. Acht Themenschwerpunkte des Projektes und der abschliessenden, reich bebilderten und populärwissenschaftlichen Veröffentlichung seien hervorgehoben: 1. Die Genealogien der Hafnerfamilien, ihre Grundstücke und Werkstätten, ihre Rohstoffe, Werkzeuge und Lebensverhältnisse (ca. 1670 bis 1850 mit einem Ausblick bis in das 21. Jahrhundert). Mit einem Beitrag von Wolf Matthes, Keramikfachschule Höhr-Grenzhausen, zum Rezept- und Glasurenbuch von Daniel Herrmann. 2. Die regionale Hafnereitradition im Kanton Bern im späten 17. Jh. als Grundlage der Hafnereien in Langnau. 3. Definition von «Langnauer Keramik» und ihre stilistische Entwicklung zwischen ca. 1670 und 1850 (Ende der «klassischen» Produktion). 4. Kachelöfen aus Langnauer Produktion ca. 1700 1850. 5. Die Motive der Langnauer Keramik und ihre kulturhistorischen bzw. religiösen Hintergründe und die Frage nach den grafischen Vorlagen. 6. Die Sprüche auf Langnauer Keramik und ihre religiösen bzw. kulturgeschichtlichen Hintergründe. 7. Das Absatzgebiet und die Käuferschaft. Ausblick: Langnauer Keramik und der Töpfer Jakob Stucki

Beispiele Langnauer Keramik