Kristel Richard harasnational.ch Posten 1: Gesundheitscheck Checkliste Monitoring der Gesundheit des Pferdes Institut suisse de médecine équine Avenches Les Longs-Prés 1 1580 Avenches info@ismequine.ch 058 482 63 00 Equiday 2016
Checkliste - Monitoring der Gesundheit des Pferdes - 058 482 63 00 info.avenches@ismequine.ch Allgemeinbefinden Pferdehalter - Kontrolle Allgemeinzustand Nährzustand Verhalten Pferdehalter - Management tägliche Kontrolle: - Allgemeinzustand / Verhalten Monatliche Kontrolle: - Nährzustand (Gewicht; Body Condition Score) - Überprüfung Futterration Pferdehalter - Beobachtung von Abweichungen Tierarzt - Basisuntersuchungen reduzierter Allgemeinzustand vermehrtes Liegen Herzfrequenz Gewichtsverlust, -zunahme Atemfrequenz vermehrt gestresstes / unruhiges Pferd Rektaltemperatur Tierarzt - weiterführende Untersuchungen je nach Resultat der klinischen Allgemeinuntersuchung (siehe Organsyseme) bei reduziertem Allgemeinzustand: rektale Körpertemperatur (adultes Pferd normal: 37.3-38.2 C) Spezielles Äusseres Haarkleid Schleimhaut Lymphknoten - Kontrolle Haarkleid etc. mattes Haarkleid, Haarausfall, verzögerter Haarwechsel, langes Fell, Juckreiz, Krusten, gerötete oder blasse Schleimhäute, geschwollene, druckdolente Lymphknoten etc je nach Resultat der klinischen Allgemeinuntersuchung (siehe Organsyseme) Herz-, Kreislaufsystem Gefässe Leistung - Kontrolle Gefässe (insbesondere Halsvenen) etc. gestaute Gefässe Leistungsabfall Auskultation des Herzens (Herzgeräusche, Arrhythmien) Elektrokardiographie Echokardiographie Untersuchung während und nach Arbeitsproben Blutdruckmessungen Laboruntersuchungen Respirationsapparat Atmung Leistung Nasenausfluss Husten - Kontrolle Nasenausfluss - Kontrolle Lymphknoten Bei Veränderungen: rektale Körpertemperatur (adultes Pferd normal: 37.3-38.2 C) Husten Nasenausfluss Atemgeräusche angestrengte Atmung Leistungsabfall Auskultation der Lunge Endoskopie in Ruhe Belastungsprobe (ev. inklusiv Endoskopie) Sekretgewinnung (TBS / BAL) Arterielle Blutgasanalyse Röntgen / Ultraschall Verdauuungsapparat Fressverhalten Kotbeschaffenheit Kotmenge Nährzustand Rittigkeit Zähne: Check und evtl. Therapie 1-2x / Jahr bei Tierarzt Parasitologie: Weidehygiene / Kotkontrolle in Labor und allfällige Therapie (Details: siehe Merkblatt "Entwurmung") Kaustörung, Schluckbeschwerden, Mauluntersuchung mit Maulgatter verlangsamte Futteraufnahme, Kolik, Durchfall, Abmagerung, Parasiten im Kot etc Rektaluntersuchung Gastroskopie Abdomenultraschall Untersuchung der Bauchhöhlenflüssigkeit Biopsien Absorptionstests Röntgen Computertomographie CT
Harnapparat Harnabsatz Trinkmenge Farbe des Harns tägliche Kontrolle der Tränke häufiger Harnabsatz, Schmerzen bei Harnabsatz, vermehrtes Trinken, roter / schwarz-brauner Urin Blutuntersuchung Harnuntersuchung Ultraschall (Niere, Harnblase) Cystoskopie Geschlechtsapparat Verhalten / Äussere Genitalien - Kontrolle äussere Genitalien / Verhalten Stute: Vaginalausfluss, Hengstverhalten Hengst: asymmetrische Hoden, Penisvorfall Rektale Untersuchung Ultraschall Gebärmutter/Ovarien Vaginoskopie Hormonbestimmungen Nervensystem Gang Verhalten - Kontrolle Gang / Verhalten stolpern, Sturz, steifer Gang, Drangwandern, Kopfschiefhaltung, Bewusstseinsstörungen, sonstig verändertes Verhalten, etc Klinische neurologische Untersuchung Röntgen EMG Liquoruntersuchung Magnetresonanztomographie MRT Augen Symmetrie Schwellung Schmerz - Kontrolle Augen tränendes Auge, geschwollenes Auge, trübes / gerötetes Auge, Lidverletzungen Untersuchung mit Augenlampe unter Sedation Entnahme von Probematerial (Bakteriologie/Virologie/Zytologie) Untersuchung mit Spaltlampe Ultraschall Bewegungsapparat Gangregelmässigkeit Hufsymmetrie Schwellungen / Wärme / Pulsation an Gliedmassen tägliche Kontrolle: - Palpation der Gliedmassen - Hufe auskratzen - Gangbeurteilung (Weide/ Reiten/ Fahren etc.) - wöchentliche Kontrolle Trab geradeaus und auf Zirkel Lahmheit, vermehrtes Entlasten Schwellung / Wärme / Pulsation Verletzung Gangunregelmässigkeit > 3 Tage: Tierarzt konsultieren Lahmheitsuntersuchung inkl. Beugeproben / ev. Leitungsanästhesien / ev. Gelenksanästhesien / ev. Anpassung Beschlag zusammen mit Hufschmied Röntgenuntersuchung Ultraschalluntersuchung Szintigraphie Computertomographie CT Magnetresonanztomographie MRT Muskulatur Symmetrische Bemuskelung Gangregelmässigkeit Regelmässige Bewegung Unrittigkeit, steifer Gang, Muskel- Atrophie, Schwellung Allgemeinuntersuchung, Lahmheitsuntersuchung Laboranalysen Arbeitsproben mit Bestimmung Muskelwerte Muskelbiopsie Rücken Sensibilität und Beweglichkeit Bemuskelung Kontrolle bei Pflege und in Bewegung Regelmässige Sattelkontrolle Zahnkontrolle (s.oben) Korrektes Bewegen des Pferdes Druckempfindlichkeit, Schwellung Rittigkeits- und Bewegungsstörung Leistungsabfall Verhaltensveränderungen Klinische Rückenuntersuchung, ev. Belastungsprobe Lahmheitsuntersuchung inkl. Beugeproben Sattelkontrolle Röntgenuntersuchung Ultraschalluntersuchung Szintigraphie Komplementärmedizinische Untersuchung (Osteopathie/ Chiropraxis/ Akkupunktur)
Tiere Agroscope Transfer n o 82 Entwurmen Juni 2015 6 Autoren Päivi Nussbaumer Sandra Kunfermann 5 1 2 4 3 So viel wie nötig entwurmen, aber so wenig wie möglich! Jahrelang wurden Pferde weltweit zu häufig und leider auch falsch entwurmt. Deswegen sind wir heute mit einer Resistenz der Würmer gegenüber Entwurmungsmitteln konfrontiert. Die noch wirksamen Entwurmungsmittel müssen aus diesem Grund weise eingesetzt werden. Das Weidemanagement, dessen Effizienz zur Reduktion der Wurmbürde bei 90% liegt, spielt in diesem Rahmen eine zentrale Rolle. ISME Institut suisse de médecine équine Schweiz. Institut für Pferdemedizin Instituto svizzero di medicina equina Swiss Institute of Equine Medicine
Entwurmen 1 2 3 4 5 Die Eier gelangen mit dem Kot ins Freie. In Abhängigkeit von Temperatur, Druck und Luftfeuchtigkeit schlüpfen die Larven; unter idealen Bedingungen (25 C, 80% Luftfeuchtigkeit) bereits nach 24h. Entwickelte Larven können in der Aussenwelt (Weiden etc.) Wochen bis Monate überleben und auch überwintern. Larven sind sehr feuchtigkeitsliebend, verlassen die Kotballen und wandern bevorzugt dem feuchten Gras entlang in die Höhe. Das Pferd nimmt Larven beim Grasen, oral wieder auf. 6 Nach der Paarung legen die weiblichen Würmer ihre Eier im Blind- und Dickdarm ab. Die kleinen Strongyliden werden heutzutage als die bedeutendsten, aber auch problematischsten Endoparasiten für das Pferd angesehen, da sie sehr weit verbreitet sind und umfangreiche Resistenzen gegen die verfügbaren Medikamente entwickelt haben. Umso wichtiger ist es, die Parasitenbekämpfung nicht nur auf die Wurmkuren zu beschränken, sondern ein gutes Stall-Weide-Kotuntersuchungs-Management zu verfolgen: Devise: So viel wie nötig entwurmen, aber so wenig wie möglich! Bekämpfung von Strongyliden und anderen Parasiten: Weidehygiene sehr effizient! Kot einsammeln mind. 1x/Woche Überbesatz vermeiden Wechselbeweidung mit Wiederkäuern Nach der Behandlung muss das Pferd mindestens drei Tage auf derselben Weide bleiben, während diesen Tagen wird intensiv Kot eingesammelt. Entwurmungsschema Pferd < 4 Jahre: Routinemässige Quartalsbehandlung Wirksamkeit beachten, Intervall abhängig von Wirkungsdauer des Präparates, nicht unterdosieren, alle Pferde gleichzeitig entwurmen, Präparate wechseln Trächtige Stuten: Nicht in den ersten 4 Trächtigkeitsmonaten entwurmen Entwurmung 2-4 Wochen vor der Geburt Danach gleichzeitig mit dem Fohlen Fohlen und Jährlinge: speziell empfindlich; Behandlung nur mit tierärztlicher Beratung Gesundes Pferd > 4 Jahre: Selektive Behandlung Ù Kotuntersuchung Ù nicht entwurmen Ù gezielt entwurmen 1. Jahr: Kotuntersuchung im Mai, Juli, September und Dezember Darauffolgende Jahre: Kotuntersuchung 2-3x/Jahr (Mai und August) Breitspektrum Entwurmung aller Pferde im Winter nach dem ersten Bodenfrost. Ab 4. Weideperiode nach Entwurmung: => Resistenzprüfung, Eizahlreduktionstest, weil die Entwurmung nur adulte Würmer und nicht Larvenstadien erfasst 2 Agroscope Transfer n o 82 Juni 2015
Entwurmen Bei der Kotuntersuchung können insbesondere Strongyliden, aber nicht alle Parasiten, erfasst werden; Insbesondere erwähnenswert sind auch: Bandwürmer Werden bei der Kotuntersuchung Bandwurmeier im Kot gefunden, wird zu einer Behandlung geraten. Werden keine Eier gefunden, bedeutet das allerdings nicht, dass Ihr Pferd keine Bandwürmer hat. Man behandelt gegen Bandwürmer, wenn Sie Bandwurmpakete (Segmente) im Kot feststellen oder wenn das Ergebnis der Kotuntersuchung darauf hinweist. Es wird aber auch bei negativem Resultat für alle Pferde empfohlen, im November/Dezember nach dem ersten Nachtfrost diese Behandlung durchzuführen. Magendasseln Die Anwesenheit von Magendasseln kann nicht durch eine Kotuntersuchung nachgewiesen werden. Die beste Vorbeugung gegen Magendasselbefall besteht in einem regelmässigen Entfernen der gelblichen Eier vom Pferdefell. Da zum Ende der Weideperiode aber ohnehin eine Entwurmung aller Pferde erforderlich ist, kann man hier die Dassel-Behandlung integrieren. Pfriemenschwänze Falls sich Ihr Pferd regelmässig am Schweif scheuert und kratzt, raten wir zu einem Tierarztbesuch. Die Eier sind nur sehr selten im Kot nachweisbar, sie sind vor allem auf der Haut um den Anus herum sichtbar. Lungenwürmer Bei Pferden ist Lungenwurmbefall selten und tritt meist nur dann auf, wenn sie gemeinsam mit Eseln, die als Erregerreservoir gelten, gehalten werden. Beim Esel verläuft ein Befall meist symptomlos. Langanhaltender trockener Husten ist oftmals der einzige Hinweis auf einen Befall bei einem Pferd. Für den Nachweis von Lungenwürmern im Kot wird ein spezielles Verfahren angewendet (Trichterverfahren nach Baermann). Weiter können die Lungenwürmer auch im Ausstrich von Trachealschleim nachgewiesen werden. Ein allfälliger Kontakt mit einem Esel sollte also im Rahmen des Untersuchungsantrags gemeldet werden. Würmer im Darm befinden! Aus der Lunge werden die Larven über die Luftröhre abgehustet und geschluckt. Bei ihrer Rückkehr in den Dünndarm findet die letzte Häutung vor dem ausgewachsenen Wurmstadium statt. Wenn sich viele ausgewachsene Würmer im Darm befinden, kann es zu einer Verstopfung des Dünndarms führen. Zu diesem Zeitpunkt findet man dann eine große Zahl von Eiern im Kot. Leberegel Bei Weidegemeinschaft mit Wiederkäuern (vor allem Schafe und Lamas) können Leberegel übertragen werden. Bedingung für die Entwicklung des Leberegels sind feuchte Weiden oder stehende oder fliessende Gewässer. Der Nachweis erfolgt mittels eines speziellen Verfahrens. Spulwürmer Bei massiver Infektion können vor allem bei Fohlen und Jährlingen Husten, Fieber, mangelnder Appetit, Wachstumsverzögerung, Durchfall und Kolik auftreten. Wenn bei einem Pferd der Verdacht einer Lungenentzündung als Folge von Spulwurminfektionen vermutet wird, findet man keine Eier im Kot, da sich noch keine ausgewachsenen Agroscope Transfer n o 82 Juni 2015 3
Entwurmen Weitere Informationen zur selektive Entwurmung und Adressen für den Versand von Kotproben: Institut suisse de médecine équine ISME Les Longs Prés 1580 Avenches Tel.: 058 482 63 00 www.ismequine.ch Institut für Parasitologie der Universität Zürich Institut für Parasitologie Diagnostikzentrum Universität Zürich Winterthurerstrasse 266a 8057 Zürich Tel.: 044 635 8509 www.paras.uzh.ch Ù Diagnostikzentrum Ù Veterinärmedizinische Parasitologie Institut für Parasitologie der Universität Bern Universität Bern Institut für Parasitologie Vetsuisse-Fakultät Postfach 3350 3001 Berne Tel.: 031 631 24 75 www.ipa.vetsuisse.unibe.ch Ù Dienstleistungen Veterinärmedizinische Klinik in der Region mit entsprechendem Angebot Impressum Herausgeber Auskünfte Redaktion Layout Fotos Druck Agroscope Schweizer Nationalgestüt SNG Les Longs-Prés, 1580 Avenches, Schweiz www.harasnational.ch Weitere Informationen finden Sie unter www.harasnational.ch Päivi Nussbaumer, Institut suisse de médecine équine ISME und Sandra Kunfermann, Beratungsstelle Pferd, Nationalgestüt Avenches Natacha Vioget, 1585 Cotterd Agroscope, SNG Glasson Imprimeurs Editeurs SA, 1630 Bulle Copyright Agroscope 2015 Nachdruck bei Quellenangabe und Zustellung eines Belegexemplars an die Herausgeberin gestattet. ISSN 2296-7222 (Print) ISSN 2296-7230 (Online) 4 Agroscope Transfer n o 82 Juni 2015