Stadtpfarrkirche St. Laurentius Im Zentrum der Stadt Neustadt an der Donau, am Schnittpunkt zweier Hauptverkehrsstraßen, gegenüber dem gotischen Rathaus, steht die im späten 15. Jahrhundert errichtete spätgotische Hallenkirche St. Laurentius. An der gleichen Stelle stand vorher eine bereits im ausgehenden 13. Jahrhundert erbaute Vorgängerkirche, deren Errichtung mit der Stadtgründung im Jahre 1270 zusammenhängen dürfte. Abb. 1: St. Laurentius, Südansicht Bis zu den Zerstörungen von 1945 blieb die Architektur der mächtigen Hallenkirche mit ihrem quadratischen Chor-turm vollständig erhalten. Ein Netzgewölbe überspannte den Chor und Abb. 2: Grundriss der spätgotischen Hallenkirche bis zur Zerstörung 1945 das Langhaus zu sieben Jochen, die beiden Seitenschiffe schlossen im Osten mit Schrägen. Die Innenausstattung erfuhr im Laufe der Jahrhunderte einen dem jeweiligen Zeitgeschmack angepassten Wechsel. So wurden in der Barockzeit umfassende Veränderungen vorgenommen:
1723 erhielt der Turm ein neues Obergeschoß, 1741 wurden neue Kirchenstühle angeschafft, 1743 folgte die Errichtung neuer Seitenaltäre, 1773 erhielt der Turm eine barocke Kuppel. Abb. 3: St. Laurentius mit Barockturm, Bild aus dem Jahre 1885 Den Abschluss der dieser Umgestaltung bildete der neue Hauptaltar, dessen Altarblatt das Martyrium des hl. Laurentius zeigte. Fünf Altäre gab es zu diesem Zeitpunkt in der Pfarrkirche, den Hochaltar St. Laurentius, den Marienaltar, den Katharinen-Altar, den Josephs-Altar und einen Sebastian- Altar. Mit den Umgestaltungsarbeiten wurden örtliche Handwerker wie der Maurermeister Lorenz Zeller, der Schreiner Baltesar Schnidtmann und der Fassmaler Christian Fröhlich beauftragt. Der Friedhof der Stadt, bis 1802 um die Kirche gelegen, wurde an die Nikolaus- Kapelle außerhalb der Stadt verlegt, bis 1817 war noch ein Gebeinhaus auf der Abb. 4: Hochaltar von 1779 Südseite der Kirche vorhanden. Mitte des 19. Jahrhunderts kam es zu einer Rückbesinnung des spätgotischen Ursprungs und es entstand unter dem Pfarrer Joh. Nep. Poitsch in den Jahren 1854 1867 die neugoti-
sche Austattung mit Hochaltar im Chorraum und zwei Seitenaltären. Eine weitere Innenrenovierung folgte 1899/1900, die nächste Gesamtrenovierung 1929, bei welcher ältere Wandund Deckengemälde entdeckt wurden, die aber aus Geldmangel nicht konserviert wurden. Abb. 5: Der wiederaufgebaute Turm nach den Kriegseinwirkungen, Ansichtskarte aus den 50er Jahren Im April 1945 wurden Kirchturm und Kirchenausstattung durch Beschuss und Tiefflieger derartig beschädigt, dass es im Oktober 1945 zum Einsturz des Turmes sowie zur Zerstörung des Chorgewölbes und weiterer Ausstattung kam. Unter Verzicht einer Rekonstruktion der alten Architektur wurde das Langhaus im zerstörten östlichen Bereich um ein Joch verlängert und der neue Chorturm somit weiter östlich wieder aufgebaut. Die Grundsteinlegung zum Wiederaufbau erfolgte 1948. Die 1997 unter Stadtpfarrer Msgr. Johannes Hoffmann begonnenen Erneuerungsarbeiten fanden 2011 ihren Abschluss. Die Außenarbeiten wurden über das Ing. Büro H. Siegmüller, Regensburg, abgewickelt. Für die Innenerneuerung war Dipl. Ing.- Arch. FH Peter Fischer, Neustadt, verantwortlich. Die künstlerische Leitung und Ausgestaltung des Gotteshauses lag in den Händen von Prof. Franz Bernhard Weißhaar aus München- Landsberg.
Abb. 6: Das lichte und helle Langhaus mit den Säulengängen Abb. 7: St. Laurentius-Figur Abb. 8: Großes Chor-Glasfenster mit Dreifaltikeitsdarstellung
Abb. 9 u. 10: Wappenschild und Konsolbüste Das Gotteshaus wirkt nach Abruch der Empore weit und hell. Die lange spätgotische Halle ist durch Rundsäulen in drei Schiffe geteilt und wird von einem Sternrippengewölbe überspannt. Die Gewölberippen ruhen auf Konsolbüsten oder Wappenschildern, welche wahrscheinlich mit Stiftern des örtlichen Adels und wohlhabenden Bürgerfamilien in Zusammenhang gebracht werden können. Die Gewölbeschluss-Steine sind in Schildform ausgebildet und tragen seit einer der Erneuerungen des 20. Jh. christliche Symbole. Abb. 11: Gewölbeschlussstein mit christlichem Symbol Im Vorchorjoch erhebt sich nach den Stufen der neue Zelebrationsaltar aus einem Block aus Marchinger- Drosselfels- Kalkstein; der Ambo besteht aus dem gleichen Material. Beides sind Entwürfe Prof. Weißhaars. Abb. 12: Zelebrationsaltar aus Marchinger Drosselfels- Kalkstein
Abb. 13: Marienaltar mit den geschlossenen Flügeln Auf der Nordseite des Langhauses befindet sich der Marienaltar. Die spätgotischen Altarflügel flankieren eine stehende Marienfigur mit dem Kind aus dem 15. Jahrhundert. Die Flügelinnenseiten zeigen die Enthauptung Johannes des Täufers und Johannes Ev. mit dem Giftbecher. Auf den Außenseiten ist die Verkündigung an Maria zu sehen. Diese Flügelbilder sind kostbare Malereien und kommen ebenfalls aus dem 15. Jahrhundert. Ein weiterer Seitenaltar steht im südlichen Langhaus und ist dem heiligen Wolfgang geweiht. Die Altarfigur des Heiligen wird von den Figuren der vier abendländischen Kirchenväter Ambrosius, Augustinus, Hieronymus und Gregor dem Großen begleitet. Die vier Kirchenheiligen ruhen auf Stangen und können bei Prozessionen mitgetragen werden. Alle Figuren stammen vom neugotischen Hochaltar 1854/67. Abb. 14: Altar des hl. Wolfgang
Im Zentrum des Kirchenschiffes, der Schnittachse, fand der Taufstein seinen neuen Platz. Am nördlichen Pfeiler die Figur des Kirchenpatrons St. Laurentius, welche einst im Zentrum des neugotischen Hochaltares von 1854/67 stand. Aus abgegangenen Altären stammen die weiteren Figuren: an der Westwand nördlich Papst Sixtus (neugotisch), südlich die hl. Cäcilia (spätgotisch); an der Südwand der hl. Sebastian (spätgotisch). Vor der Westwand erhebt sich anstelle der alten Orgelempore die neue Orgel, 2008 von Orgelbau Kögler, St. Florian, errichtet, mit 31 Registern (zwei Manualwerke, ein Pedalwerk). Die Prospektgestaltung entstand in Zusammenarbeit mit Prof. Weißhaar. Abb. 15: Die neue Orgel mit 31 Registern, zwei Manulwerken und einem Pedalwerk An den Kirchenwänden befinden sich zahlreiche Epitaphien aus den vergangenen 500 Jahren. Das interessanteste Grabmal stammt aus dem Jahre 1593 und zeigt ein Reliefbild des Freiherrn von Stinglheim zu Karpfenstein in Rüstung und Ahnenprobe. Abb. 16: Epitaph des Freiherrn Ludwig von Stinglheim zu Karpenstein, gestorben 1593
1) Zelebrationsaltar 2) Glasbild Gnadenstuhl mit hl. Maria und Laurentius 3) Mensa des Hochaltars der Wiederaufbauzeit 4) Segens-Wunsch-Fenster Urbem tuam 5) Laurentius-Fenster 6) Marienaltar 7) Grundstein Wiederaufbau 8) Wolfgangsaltar und Kirchenväterstangen 9) Kreuzweg 10) Taufstein 11) Figur des hl. Laurentius 12) Olearium Öltabernakel 13) Orgel 14) Epitaph Freiherr L. v. Stinglheim zu Karpfenstein 15) Epitaph eines Bürgers oder Beamten 16) Epitaph der Margarete Brettenbeck v. Wolfstein Abb. 17: Heutiger Grundriss mit den wichtigsten Ausstattungsmerkmalen Eine ausführlichere Beschreibung der Stadtpfarrkirche St. Laurentius ist im Schnell + Steiner- Kunstführer enthalten. Dieser liegt in der Kirche auf oder kann im kath. Pfarramt erworben werden. Neustadt, 02. 04.2012 Eduard Albrecht, Heimatpfleger der Stadt Neustadt a.d.d. Diese Kirchenbeschreibung ist ein Auszug aus dem Schnell + Steiner-Kunstführer, Stadtpfarrkirche St. Laurentius, Neustadt a.d.donau, Heide Weißhaar-Kiem, 2011 Weiterführende Literatur: Bildnachweis: Kunstdenkmäler von Bayern, Bezirksamt Kelheim Denkmäler in Bayern, Landkreis Kelheim 350 Jahre Pfarrei St. Laurentius Neustadt a.d.donau, Anton Metzger 1, 6-16 Eduard Albrecht 2 Kunstdenkmäler Bayern, Kelheim, S. 238 3 Bild in Besitz der Stadt Neustadt 4 350 Jahre St. Laurentius, S. 25 5 Postkarte aus den 50er Jahren