IRJGV Seminartag Dummy- Einsteiger 29.03.2015 Claudia Weigl claudia.weigl.privat@googlemail.com 0151-173 63 749
INHALTSVERZEICHNIS Fragen, die ich mir stellen sollte, bevor ich mit dem Training beginne... 2 Was ist Dummy-Arbeit?... 2 Aufbau des Apportierens... 4 Möglichkeit 1: Fördern des natürlichen Verhaltens... 4 Möglichkeit 2: Aufbau über den Futterbeutel... 5 Möglichkeit 3: Aufbau über Clicker & freies Shapen... 7 Suche & Suchenkommando... 8 Einweisen... 8 Übersicht der Kommandos... 9 Trainingsaufbau... 10 Übungsideen für Zuhause... 10 Tipps... 11 1
FRAGEN, DIE ICH MIR STELLEN SOLLTE, BEVOR ICH MIT DEM TRAINING BEGINNE - Was möchte ich erreichen? Was soll der Hund apportieren? Wie sieht das Apportieren vor meinem inneren Auge aus? Ist es eher Freizeitspaß ( Bällchen-Werfen für Fortgeschrittene ) oder möchte ich mit meinem Hund konzentriert zusammen arbeiten, stehen Such- und Denkspiele im Vordergrund? - Welche Motivation hat mein Hund? Spiel, Tausch gegen Futter, hohe Eigenmotivation zu Apportieren Wichtig: Was auch immer dem Hund wichtig ist, er bekommt es dadurch, dass er mit seinem Menschen zusammen arbeitet. WAS IST DUMMY-ARBEIT? Unterschiedliche Apportier-Gegenstände: 2
Die Grundidee besteht darin, junge Jagdhunde an die jagdliche Arbeit zu gewöhnen. Da waidgerechtes Arbeiten nur mit fertig ausgebildeten Hunden möglich ist, ersetzen die Dummys (englisch für Attrappe) zunächst das zu apportierende Wild. Bei der Dummy-Arbeit erwartet man schnelles, sauberes Apportieren aus unterschiedlichsten Entfernungen und das auf allen nur denkbaren Geländearten. Grundsätzlich soll der Hund hier absolut steady sein, d.h. er sollte still, ohne bellen und fiepen neben seinem Führer sitzen und warten, bis er zur Arbeit geschickt wird. Bei der klassischen Dummy-Arbeit unterscheidet man folgende Arbeiten: Markieren Der Hund kann die Flugbahn eines oder mehrerer geworfener Dummys beobachten. Er soll sich die Fallstelle(n) merken, d.h. markieren. Der Hund muss dabei die Entfernung einschätzen können und in der Lage sein, sich diese Fallstelle auch über einen längeren Zeitraum zu merken. Im Idealfall sollte der Hund nach dem Kommando (z.b. Apport ) auf direktem Wege zum Dummy rennen, dieses aufnehmen und dann auf dem kürzesten Weg zum Hundeführer bringen. Suchen In einem bestimmten Bereich soll der Hund selbstständig mit einer konzentrierten Suche ein oder mehrere Dummys finden. Einweisen Der Hundeführer lenkt seinen Hund mit Hilfe von Stimme, Pfiffen und Handzeichen. Der Hund soll ein Dummy holen, das er nicht gesehen hat, ein sogenanntes Blind. Der Hund sollte bei dieser Arbeit gut lenkbar, d.h. einweisbar sein und mit seinem Hundeführer zusammenarbeiten. 3
Wichtig: Mit dem Dummy wird weder jemals mit dem Hund fangen gespielt, noch werden Zerrspiele veranstaltet. Der Hund darf nie das Gefühl haben, die Beute vor dem Menschen in Sicherheit bringen zu müssen. Dummys liegen nie zur freien Verfügung herum, sondern werden nur ab und an vom Menschen hervor geholt. Auch wird das Dummy zu Anfang auf keinen Fall geworfen. Der Bringtrieb zum Menschen hin soll gefördert werden, nicht der Hetztrieb weg vom Menschen. Das bedeutet auch: Wir laufen NIE einem Hund mit Dummy im Maul hinterher! AUFBAU DES APPORTIERENS MÖGLICHKEIT 1: FÖRDERN DES NATÜRLICHEN VERHALTENS Der Hund trägt grundsätzlich gerne etwas / nimmt gerne etwas ins Maul! Grundsätzlich loben, wenn der Hund etwas trägt Den Gegenstand nicht direkt wegnehmen! Im Austausch den Hund loben od. Futter anbieten Für den Hund muss es immer positiv sein, sich mit der Beute dem Menschen zu nähern. Was tun, wenn der Hund nur wenig Interesse am Dummy selbst hat? - Anderes Spielzeug wegpacken, alle Spiele werden NUR mit dem Dummy gemacht - Auch das Dummy liegt nie frei herum! - Das Dummy interessant machen: Mehrmals am Tag selbst damit spielen - Ggf. den Aufbau über den Futterbeutel wählen (siehe nächster Punkt): 4
MÖGLICHKEIT 2: AUFBAU ÜBER DEN FUTTERBEUTEL Der Hund ist über Futter zu motivieren! Die Motivation für den Hund ist bei diesem Aufbau nicht das Spiel mit dem Dummy, sondern es geht um die Verknüpfung: Dummy in den Händen des Menschen = Futter. Aufbau wird über eine Verhaltenskette von hinten gemacht: Der Ablauf des Apportierens wird in Einzelschritte aufgeteilt und dem Hund mit dem letzten beginnend beigebracht (Abgeben Halten Aufnehmen) Grundsätzlich: Futterbeutel wird zur Leckerchen-Tasche : Futter gibt es nur noch aus dem Futterbeutel, sowohl zu Hause, als auch unterwegs! Schrittweiser Aufbau: 1. Mensch hält den Futterbeutel in der Hand und gibt dem Hund ein Futterstück aus dem Beutel 2. Mensch hält Hund den geschlossenen Futterbeutel hin. Nimmt der Hund ihn und hält ihn nur einen kurzen Moment fest, folgt sofort eine Belohnung AUS dem Futterbeutel 3. Einführen von Signalwörtern für die einzelnen Handlungen, z.b. Nimm s oder Apport für das Aufnehmen in den Fang, Aus für das Ausgeben Wenn der Hund das Dummy bereits sicher aus der Hand nimmt und wieder in die Hand abgibt: 4. Futterbeutel wird zwischen sich und den Hund vor die eigenen Füße auf den Boden gelegt: Das Kommando zum Aufnehmen des Dummys gibt man bei den ersten Versuchen genau zu dem Zeitpunkt, in dem der Futterbeutel den Boden berührt. 5. Die Zeitspanne vom Ablegen des Futterbeutels bis zur Freigabe wird kontinuierlich verlängert. 5
6. Die Entfernung von Futterbeutel zu Hund wird kontinuierlich vergrößert, der Hund sitzt einem noch gegenüber (Hund ggf. durch Leine sichern oder Beuteerfolg verhindern) Wenn das sicher klappt: 7. Der Hund sitzt neben einem, man geht einige Schritte, legt den Futterbeutel ab und geht zurück zum Hund. Der Beutel wird durch das Kommando freigegeben 8. Wenn auch das klappt, kann der Futterbeutel irgendwann geworfen werden 9. Im nächsten Schritt kann vom Futterbeutel auf einen richtigen Dummy gewechselt werden Welche Probleme können auftreten? - Der Hund nimmt den Futterbeutel nicht ins Maul. Interessant machen über ein Beute-Spiel oder Aufbau über den Klicker (siehe nächster Punkt) - Der Hund möchte den Futterbeutel nicht hergeben od. läuft damit weg. Der Hund wird über eine (Schlepp-)Leine gesichert. Man nähert sich ihm und verhindert über die Leine das Flüchten des Hundes. Der Futterbeutel wird geöffnet und der Hund bekommt ein Leckerchen. Lerneffekt: Mit meinem Menschen komme ich schneller ans Ziel! - Der Hund spuckt den Futterbeutel sehr schnell aus Das Halten kann hier separat aufgebaut werden: Die Zeitspanne muss hier zu Beginn bewusst kurz gewählt werden und langsam gesteigert werden. Unterstützend kann mit dem Clicker gearbeitet werden 6
MÖGLICHKEIT 3: AUFBAU ÜBER CLICKER & FREIES SHAPEN Das Dummy stellt zunächst keine Beute oder ein Spielzeug, sondern einen neutralen Gegenstand dar. Schrittweiser Aufbau: 1. Dummy auf den Boden legen, Startkommando für Clicker-Aktion (z.b. Mach was ) geben 2. Jedes Interesse des Hundes mit Click und Futter bestätigen, z.b. Blick in die Richtung des Dummys, Annähern, Anstupsen 3. Bestätigung jeglicher Maulaktivität (Öffnen des Mauls, Aufnehmen in den Fang ) 4. Bestätigen des Aufnehmens und kurzen Haltens (Zeitspanne muss hier kontinuierlich gesteigert werden) Aufbau des Ausgebens in die Hand 5. Hund sitzt neben oder vor einem und das Dummy angeboten (in Maulhöhe gehalten). 6. Nach Aus -Kommando wird bestätigt. 7. Fortlaufend üben und bestätigen, wenn der Hund das Dummy in die Hand gibt 8. Ausspucken wird mit Schade kommentiert 7
SUCHE & SUCHENKOMMANDO Mit dem Suchenkommando sagen wir dem Hund, dass er im richtigen Gebiet ist und jetzt bitte die Nase nach unten nehmen soll, um nach dem Dummy zu suchen. Aufbau ist z.b. über Futtersuche möglich. Für die Arbeit auf Entfernung ist es sinnvoll, einen Suchen-Pfiff (tü tüüü tü tüüü tü tüüü) einzuführen. Wichtig: Gerade zu Beginn die Windrichtung beachten, so dass der Hund schnell Wind und damit Witterung bekommt und schnell zum Erfolg kommt! EINWEISEN Das ist die hohe Kunst der Dummy-Ausbildung. Kurz und knapp kann man sagen, dass der Führer weiß, wo das Dummy oder das Stück Wild liegt, der Hund aber nicht und nur durch die Zusammenarbeit beider, kann das Stück "nach Hause" gebracht werden. 8
Um dem Hund auf Entfernung zu sagen, wohin er laufen soll, benötigen wir folgende Kommandos: - Voranschicken (Kommando voran ): Der Hund soll so lange in gerader Linie vom Hundeführer weglaufen, bis er ein anderes Kommando bekommt - Abstoppen / Stopp-Sitz-Pfiff: Hund soll unmittelbar abstoppen, sich umdrehen und hinsetzen und auf weitere Anweisungen warten - Rechts- und Links-Schicken (Kommando rüber oder out ): Hund soll in 90 Winkel nach links oder rechts laufen - Zurück-Schicken (Kommando back ): Der Hund soll sich um 180 drehen und in gerader Linie laufen Im ersten Schritt wollen wir das voran über ein sichtbar ausgelegtes Dummy aufbauen: - Das Dummy auslegen (der Hund sieht dabei entweder zu oder wird mit zur Ablegestelle geführt) - Zum Hund gehen (oder den Hund mitnehmen), einweisen (siehe Bild) und zum Dummy schicken Zu Beginn kann man Wege oder markante Gelände-Details (Busch etc.) als Hilfe nutzen, das sollte jedoch später wieder abgebaut werden. ÜBERSICHT DER KOMMANDOS Aktion des Hundes Verbales Kommando Pfeif-Kommando Herankommen Hier Kurzer Doppelpfiff Sich setzen Sitz Langer Einzelpfiff Bei Fuß laufen Fuß Sich hinlegen Platz Ggf. Triller Aufhebungskommando Ok oder Lauf Etwas aufnehmen und Apport tragen Gerade voranlaufen Voran Etwas suchen Such verloren oder Such Pfeif-Kombination Etwas aus dem Fang ausgeben Aus 9
TRAININGSAUFBAU Wichtig: Beim Trainieren sollte man den Fokus gezielt auf eine Sache legen, z.b. - Korrektes Bringen - Korrektes Tragen - Korrektes Abgeben - Steadiness - Einweisbarkeit Erst wenn die einzelnen Bereiche gut funktionieren, kann man anfangen über Verhaltensketten mehrere Dinge abzufragen. Generell sollte das Training nach folgendem Prinzip erfolgen: 1) Lernen 2) Üben 3) Festigen Dummy-Training findet draußen statt! Wind, Wetter und Gelände müssen beim Gestalten der Aufgaben berücksichtigt werden! Planung der Trainings: - Was möchte ich heute trainieren? - In welche Teilziele zerlege ich meine heutige Aufgabe? - Was genau möchte ich in welcher Reihenfolge trainieren? - Welches Ziel möchte ich heute mit dieser Übung erreichen? ÜBUNGSIDEEN FÜR ZUHAUSE Übungsideen (bitte dem jeweiligen Ausbildungsstand des Hundes anpassen und Ablenkung beachten): - Dummy auslegen und selbst holen - Dummy auslegen, einige Schritte zur Seite gehen, Hund zu sich rufen und von dort schicken - Doppelmarkierung: Zwei (oder später mehrere) Dummys auslegen und gezielt zu einem schicken, dabei den Winkel zwischen den Dummys möglichst groß wählen (der zuletzt geworfene/ausgelegte ist einfacher) - Dummys auslegen und darüber Fuß gehen 10
- Belohnungsapport: Hund ins Sitz bringen und sich von ihm entfernen, Dummy zwischen sich und den Hund werfen, nach Freigabe darf der Hund das Dummy holen und zu einem bringen - Dreieck : Hund sitzt frontal vor einem. Links und rechts neben den Hund sowie hinter den Hund werden Dummys gelegt/geworfen. Der Hund bringt jeweils das angezeigte Dummy - Kleine Suche: Auslegen eines Dummys z.b. in höherem Bewuchs, Hund mit Suchenpfiff losschicken - Große Suche: Den Hund am Rand des Suchengebietes absetzen und ihn beobachten lassen, wie ich mehrere Dummys auslege; zurück zum Hund gehen; mit Handzeichen (flache Handfläche zeigt auf den Boden) und Kommando Such verloren in das Gebiet schicken. Das gebrachte Dummy abnehmen und den Hund erneut schicken - TIPPS - Pfeife immer griffbereit haben - Auf die Hände achten! Ggf. in die Tasche stecken - Hund beim zurück kommen nie schimpfen oder abstoppen - Ein Helfer hilft - Ein Geräusch ( Brrrrr ) beim Werfen sorgt für Aufmerksamkeit beim Hund (Ersatz für den Schuss) - Dummys nach Abgabe vom Hund direkt weg packen (z.b. Dummy-Weste oder Tasche) - Mit einem positiven Erlebnis aufhören! 11