Rainer Würth. Wildwechsel. Kriminalroman

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Moment war er auch schon draußen und folgte mit zitternden Muskeln und wachen Augen seiner eigenen Fußspur auf der Suche nach dem Etwas, das vom

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bestimmt. Ich fühle mich so herrlich leicht. Ich weiß nichts über dich, du weißt nichts über mich. Niemand weiß, dass wir zusammen sind.

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uns alle.das können sie doch nicht machen! Die Soldaten draußen werden sie daran hindern!«aber es war nur ein schwacher Protest und klang zudem nicht

auf seinen Oberschenkel klatschen. Die Fliege fällt zu Boden. Millie krabbelt auf allen vieren zu der Fliege hin und nimmt sie in die Hand.

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dünn aus, was mich vermutlich noch kleiner und jünger wirken ließ, als ich sowieso schon war. Ich wusste nicht, ob das gut oder schlecht war.

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immer schlammverkrustet. Schuluniformen und Gartenkleidung, Hemden, die gebügelt werden mussten, Unterwäsche und Taschentücher.

umblickten und nicht viel sagten. Ein unbedachtes Wort oder eine falsche Bewegung konnte einen Schusswechsel auslösen. Tee Ray mimte den starken

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kaum kleiner als Talgor. Und er hatte bei der Jagd auf den Stier dabei sein dürfen. Wann würden sie endlich begreifen, dass er kein Kind mehr war?

antwortete der Mann, der sie untersucht hatte. Auch er sah sehr ernst aus.»ich komme mit«, sagte Daddy und wandte sich dann Pete zu.

der Reihe an, schließe mich ein, ziehe eine Schutzfolie aus dem Spender und breite sie über den Sitz. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass in

aus. Sie hielt kurz inne, um ihr schwarzes Kleid glatt zu streichen. Es schmiegte sich an ihren Körper, ohne zu eng zu sein und all ihre

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dort absetzen würde, wo sie sein sollte. Das Einzige, was sie am Erdboden hielt, war Beaus Hand am Saum des Kleids, an dem sie gerade arbeiteten.

ich nie erleben durfte, wie es ist, normal zu sein. Ich habe nie ein Mädchen zum Tanzen ausgeführt oder auf dem Rücksitz eines Autos, das einem

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besonders vorsichtig sein. Hinzu kam die Tatsache, dass die meisten Männer, die sie traf, nicht daran interessiert waren, sich um das Kind eines

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Transkript:

Rainer Würth Wildwechsel Kriminalroman

Vielleicht gibt es für viele Dinge gar keinen Grund, und sie passieren nur, weil Menschen sie tun. Gerard Donovan Winter in Maine

Prolog Seine Hand zitterte leicht. Vor dem großen Fenster war jetzt alles schwarz. Die Nacht war schnell gekommen. Er hatte sie überhaupt nicht bemerkt. Er war abgelenkt gewesen. Sein Anruf. Die Umrisse der Tannen sahen wie die Klingen von Messern aus. Wie lange hatten sie telefoniert? Eine halbe Stunde? Länger? Er betrachtete das Glas vor sich auf dem Tisch. Die Eiswürfel in der karamellfarbenen Flüssigkeit hatten ihre Form verloren. Waren auseinander gebrochen. Sie sahen wie glitschige Einzeller aus Amöben, Bakterien. Der Rücken. Es war immer der Rücken. Der Stress, die Anspannung, der Zorn. Er trank einen Schluck. Spürte den Alkohol. Auf der Zunge, im Hals, die Speiseröhre hinab, im Magen. Die Worte des Alten hallten in seinem Kopf nach. Wie ein Gebet. Es ist alles gut, dachte er. Es ist alles gut. Der monotone, dunkle Singsang seiner Stimme. Die so ruhig, so klar war, so weich. Seine Stimme hatte ihn schon immer irritiert. Weil sie nicht zu ihm passte. Genau so wenig, wie sein Aussehen zu ihm passte und die Art, wie er sich gab. Sein mildes Lächeln, das väterliche Gehabe. Niemand schien die Kälte in ihm wahr zu nehmen, die Strenge, die Schärfe, seine gnadenlose Entschlossenheit. Eine perfekte Maske. Dieser Vater, der er nicht war. Und trotzdem waren sie alle seine Kinder. Ob sie wollten oder nicht. Henker würde besser zu ihm passen, dachte er. Henker, nicht Vater. Dass die Einschläge näher rückten, hatte er gesagt. Dass er sich vorsehen müsse. Dass sie ihn nicht bis in alle

Ewigkeit decken könnten. Bis in alle Ewigkeit. Wie poetisch. Aber was war eigentlich passiert? Jemand hatte ihn angezeigt. Anonym. Und ein Staatsanwalt hatte die Ermittlungen aufgenommen. Es war nicht das erste Mal. Schweine wühlen nun mal gerne im Dreck, dachte er. Aber das Wühlen, diese Ermittlungen. Was kümmerte es ihn? So schwarz die Nacht, so dunkel. Er überlegte, ob er diesem Staatsanwalt schon einmal irgendwo begegnet war. Sein Name sagte ihm nichts. Gut, man ermittelte gegen ihn. Aber was bedeutete das schon? Was für Konsequenzen hatte das für ihn? Es konnte Monate dauern, vielleicht Jahre, bis man ein Verfahren gegen ihn eröffnen würde. Wenn es überhaupt jemals dazu kam. Das Wühlen im Dreck war ein mühsames Geschäft. Was sollten sie schon finden? Sie hatten nichts gegen ihn in der Hand. Es gab nur Vermutungen, Spekulationen und wirre Anschuldigungen. Aber es gab keine Beweise. Was sollte ihm also passieren? Oder ihnen? Das Wahrscheinlichste war, dass die Geschichte am Ende einfach im Sande verlaufen würde. Punkt. Das war der Stand der Dinge. Wozu also die Panikmache? Seine Nervosität. Der Anruf. Die düsteren Prophezeiungen. Sein fahriges Gerede von den Einschlägen, die näher rückten. Was war los mit dem Alten? So kannte er ihn gar nicht. Vielleicht wurde er langsam einfach zu alt für den Job. Er stand von der Couch auf und streckte sich. Der Schmerz in seinem Rücken dehnte sich kreisförmig aus. Wie Wellen auf einem See, wenn man einen Stein hinein wirft. Der Rasen vor dem großen Fenster sah nass aus, obwohl es nicht geregnet hatte. Reif, Tau. Die Nächte

waren noch kalt. Ganz langsam ließ der Schmerz in seinem Rücken nach. Ein Fuchs trat aus dem Wald. Er betrachtete seinen mageren, hässlichen Körper. Den langen, bauschigen Schweif. Ein ekelhaftes Tier, dachte er. Der Fuchs hielt sich in der Dunkelheit verborgen. Erstarrte für einen Moment zwischen den dunklen Umrissen der Tannen. Dann bewegte er sich langsam auf der ellipsenhaften Linie entlang, den der gelbe Lichtschein des Zimmers auf den Rasen warf. Mehr im Dunkeln, als im Licht. Ein Wagen. Dann die Tür. Ihre Schritte im Haus. Wieder gefror der magere Körper des Tieres auf dem Rasen. Der Fuchs hatte die Geräusche wahr genommen und seine Bewegung am Fenster. Er richtete seine kleinen, feigen Augen auf ihn. Was ging jetzt in seinem hündischen Gehirn vor? dachte er. Nahm er die Schemen im Schein des Lichts wahr? Vermochte er darin eine Gestalt zu erkennen? Einen Menschen. Den Jäger. Du bist früh zurück heute, sagte sie. Er zuckte zusammen. Drehte sich nach ihr um. Er hatte sie nicht kommen gehört. Sie stand in der Tür. Ihr Lippenstift war verschmiert. Er roch die Reste ihres schweren Parfüms. Und er nahm den säuerlichen Geruch darunter wahr. Den kalten Rauch, Schweiß. Wie immer, gab er zurück. Etwas war anders mit ihrem Haar. Aber er kam nicht darauf, was es war. Sie schaute kurz auf die Uhr. Ich muss später noch mal weg, sagte sie. Er nickte und schwieg. Sie hatte kalte, kleine Augen, dachte er. Es waren dieselben Augen wie die des Alten. Raubtieraugen. Sie drehte sie sich um und ging.

Ihre Schritte entfernten sich. Er horchte ihnen nach, bis das große Haus sie Raum für Raum verschluckt hatte. Weit entfernt wurde Badewasser eingelassen. Er schaute wieder nach draußen. Auf den dunklen Rasen. Auf die Tannen. Den Wald dahinter, der nur noch eine schwarze, fleischige Fläche war. Der Fuchs war verschwunden. Wir werden uns wieder sehen, dachte er. Sehr bald schon. Irgendwo da draußen, im Wald. Und dann wird ein Schuss fallen und du wirst tot sein.