Marktinteraktion: Übersicht



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Marktinteraktion: Übersicht Wilhelm Brandes: Technologisches Wissen und dynamischer Wettbewerb Vorlesung: Advanced Economics of the Environment Dozent: Dr. Frank Thesing Wintersemester 2014/2015: 02.12.2014

Gliederung 1. Autor Prof. Dr. Wilhelm Brandes 2. Entstehung und Verbreitung von Neuerungen 3. Wissen als nur teilweise öffentliches Gut 4. Angebot von Innovationen 5. Nachfrage von Innovationen 6. Fazit 2

1. Autor Prof. Dr. Wilhelm Brandes 1958-1961: Das Studium an der Universität Gießen (Agrarwissenschaften). Er promovierte (1963) und habilitierte (1969) an der Universität Göttingen im Bereich Produktionsökonomik. 1974-1976: Agrarökonom für die Weltbank in Washington (USA), mit Schwerpunkt Agrarprojekte in der Türkei und in Afghanistan. Seine Forschungsaufenthalte: an den Universitäten von Dijon (Frankreich), New-England (Australien), Oxford (England), Southern California (USA) und Minnesota (USA). Verschiedene Vorlesungen auf dem Gebiet der Produktions- und Umweltökonomik. Seine Interessensgebiete: methodische und methodologische Fragen der Produktions-, Investitionsund Entscheidungstheorie sowie der evolutorischen Ökonomik. Quelle: http://www.uni-goettingen.de/de/ prof-em-dr-wilhelm-brandes/19008.html 3

2. Entstehung und Verbreitung von Neuerungen Verwendung des Begriffs Innovation als Synonym für Neuerungen oder auch Wissen Drei Stufen werden zur zeitlichen und funktionalen Analyse des Neuerungsprozesses unterschieden: Invention Innovation Diffusion Vier Ebenen ökonomischer Fragestellung: Unternehmensebene Intra-sektorale Diffusion Diffusionsstudien auf der intersektoralen Diffusionsstudien auf der internationalen Ebene 4

2. Entstehung und Verbreitung von Neuerungen Logistische Funktion y = e at / (1000 + b e at ) : Für a = 1; b = 1 ergibt sich eine rasche Diffusion auf 100% der Population (Kurve a). Den Parameterkonstellationen a = 0,5; b = 1 (a = 0,5; b = 2) entsprechen die Kurven b (und c) mit langsamer (und nur 50% der Population erreichender) Diffusion. Abb. 1 Abb. 2 5

3. Wissen als nur teilweise öffentliches Gut Zwei Arten von Wissen mit unterschiedlichem Grad an Privatheit: Die prinzipiell frei zugänglichen unspezifischen wissenschaftlichen Inputs. Das private, spezifische Wissen des Erfinders oder der Forschungsabteilung. Wenn möglich, werden private Informationen unter Verschluss gehalten. Wissen ist als nur teilweise öffentliches Gut zu bezeichnen. 6

3. Wissen als nur teilweise öffentliches Gut Drei Ebenen wirtschaftlicher Tätigkeit : Der Konsum. Die Grenze des Konsums. Die Innovation. Die sog. Schumpeter-Hypothese: Unternehmen streben erst Innovationen an, wenn sie aus der Einschränkung des Wettbewerbs Monopolgewinne realisieren können. Trotz der gegen diese Hypothese erhobenen Bedenken wird man vermutlich sagen können, dass es so etwas wie einen optimalen Wettbewerbsgrad gibt: kurzfristig ist das die vollkommene Konkurrenz, langfristig aber der eingeschränkte Wettbewerb. 7

4. Angebot von Innovationen 8

Theorie der preisinduzierten Innovation Grundidee der preisinduzierten Innovation nach Hicks (1932): Eine relative Änderung der Preise von Produktionsfaktoren ist ein Ansporn für Inventionen, die darauf ausgerichtet sind, den relativ teurer gewordenen Faktor einzusparen. Darauf aufbauende Theorie: Diejenigen Innovationen sind lukrativ, die den Knappheitsverhältnissen der Produktionsfaktoren auf der Nachfrageseite entsprechen und damit größtmögliche Verwertung ermöglichen. 9

Umweltverträglicher Input Zeitpfad des Neuerungsprozesses auf der Angebotsseite x 1 Vorhandene Technik Ausgangsoptimum Kurzfristiges Optimum Langfristiges Optimum Innovationsmöglichkeitenkurve Chemischer Input x 2 10

Ertrag Zeitpfad des Neuerungsprozesses auf der Angebotsseite Meta-Produktionsfunktion Kurzfristiges Optimum Ausgangsoptimum Langfristiges Optimum Produktionsfunktion Düngeraufwand 11

Kritik an der Theorie 1. IMK ist nicht konvex Irreversibilitäten + Ausbuchtungen 2. Inhomogener Forschungsprozess 3. Unsicherheit unberücksichtigt 12

Angebotsbedingungen Marktpotential (ökonomische Nutzbarmachung von technologischen Opportunitäten) Aneignungsmöglichkeiten (Vorsprung, Patente) Marktvariablen (Eintrittsbarrieren, Elastizitäten u.ä.) Kumuliertheit (von internem Wissen) D.h. es gibt viele noch andere Bedingungen außer den Preis, welche Einfluss auf das Angebot von Innovationen haben. Preissignale stimulieren, sind aber nicht ausschlaggebend 13

5. Nachfrage von Innovationen 14

Nachfragefaktoren Unternehmen unterscheiden sich voneinander. Man unterscheidet harte und weiche Faktoren. Industrieökonomische Untersuchung Marktanalyse des individuellen, einzelbetrieblichen Verhaltens (empirische Diffusionskurven sind heterogen): also von Entscheidungen in einer dynamischen Umgebung (Unsicherheit und Irreversibilität) unter Restriktionen (institutionelle, Preise, verfügbare Technologien) in Abhängigkeit von anderen Konkurrenten 15

Nachfragefaktoren Persönlichkeit (Risikoaversion, Grenzleid, Ausbildungsstand) Motivation (unternehmerische Ungeduld) Alter Größe des Unternehmens (Entdeckungszeitspanne, Evaluationsspanne) Eigenschaften der technischen Neuerungen Stand der bereits realisierten Technik Grad der betrieblichen Gebundenheit der bisher eingesetzten Faktoren (z.b. Maschinen) Verhalten der Konkurrenten auf den Faktor- und Produktmärkten 16

Nachfragefaktoren Empirie: Steigende Diffusionsgeschwindigkeiten bei zunehmender Rentabilität Sinkende Diffusionsgeschwindigkeiten bei steigenden Einführungskosten Stimulus Rentabilität steigert Diffusionsgeschwindigkeit, Übertragung aus der Empirie aber fragwürdig Schlussfolgerung: Die bloße Verfügbarkeit einer Innovation, auch wenn sie rentabel ist, führt nicht automatisch zu schneller Diffusion. 17

6. Fazit Man unterscheidet Invention, Innovation und Diffusion Die Diffusion wird auf vier Ebenen untersucht Die Diffusion erfolgt in S-Kurven Wissen ist ein nur teilweise öffentliches Gut Kurzfristig ist der vollkommene Wettbewerb optimal, langfristig der beschränkte Wettbewerb Der Preis ist sowohl auf Angebots- als auch auf Nachfrageseite nur ein Stimulus aber nicht ausschlaggebend 18

DANKE FÜR EURE AUFMERKSAMKEIT! Quelle: Brandes, W. and et al. (1997). Produktions- und Umweltökonomik, Band 1., S.395-413, Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer.