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1 Projektarbeit im Rahmen der mündlichen Reife- und Diplomprüfung Fachspezifische Themenstellung im Gegenstand Betriebs- und Volkswirtschaft Titel der Arbeit F r e i z e i t u n f a l l w a s n u n? Verfasserin Angelika Mohr Höhere Bundeslehranstalt für wirtschaftliche Berufe/Leoben Schuljahr 2008/2009

2 Vorwort Inhaltsverzeichnis Teil 1 Versicherungen 1 Versicherungen einst und jetzt GESCHICHTE DER VERSICHERUNGEN VOLKSWIRTSCHAFTLICHE BEDEUTUNG IN DER HEUTIGEN ZEIT 3 2 Das Versicherungsprinzip FINANZIERUNG DIE HÖHE DER PRÄMIE RISIKODECKUNG MIT- UND RÜCKVERSICHERUNGEN RECHTLICHE HINTERGRÜNDE 4 3 Der Versicherungsmarkt in Österreich DIE VERSICHERUNGSUNTERNEHMEN DAS 3-SÄULEN SYSTEM GESETZLICHE SOZIALVERSICHERUNG PRIVATE VERSICHERUNGEN 6 4 Die Unfallversicherung im Vergleich ALLGEMEINES ZUR UNFALLVERSICHERUNG IM RAHMEN DER SOZIALVERSICHERUNG ALLGEMEINES ZUR PRIVATEN UNFALLVERSICHERUNG 7 Teil 2 Unfallversichert in Österreich 5 Unfallversicherungen UNFALLSTATISTIK BEGRIFF DES UNFALLS UNFALLKOSTEN GESETZLICHE UNFALLVERSICHERUNG PRIVATE UNFALLVERSICHERUNGEN VERSICHERUNGSVERGLEICH PRÄMIENVERGLEICH GLIEDERTAXENVERGLEICH VERGLEICH DER PROGRESSIONEN VERGLEICH DER AUSBEZAHLTEN SUMMEN IM LEISTUNGSFALL LEISTUNGSFAKTORENVERGLEICH GESAMTINTERPRETATION SONSTIGE MÖGLICHKEITEN EINES VERSICHERUNGSSCHUTZES 19

3 5.7.1 ÖAMTC SCHUTZBRIEF ALPENVEREIN KREDITKARTENINSTITUTE FÖRDERER DES ÖSTERREICHISCHEN BERGRETTUNGSDIENSTES UNFALLVORSORGE WIE BIN ICH AM BESTEN GESCHÜTZT? 21 Teil 3 Die Christophorus Flugrettung 6 Die Christophorus Flugrettung GESCHICHTE DER FLUGRETTUNG BEDEUTUNG DER FLUGRETTUNG EINSATZARTEN 28 7 Alltag in Österreich EIN POSITIVES BEISPIEL BEISPIELE MIT WENIGER GUTEM AUSGANG FÜR DEN CFV AKTUELLE PRESSEMELDUNGEN 31 8 Die Organisation der Flugrettung in Österreich RECHTLICHE HINTERGRÜNDE VEREINBARUNGEN ZWISCHEN BUND UND LÄNDERN VEREINBARUNGEN MIT DEM HAUPTVERBAND DER ÖSTERREICHISCHEN SOZIALVERSICHERUNGSTRÄGER ZUR FINANZIERUNG PRIVATEINSÄTZE VERHÄLTNIS CFV UND PATIENT DIE FINANZIERUNG DES CFV VERTRAGSKÜNDIGUNG DURCH DEN ÖAMTC BEURTEILUNG DER NOTWENDIGKEIT VON EINSÄTZEN BEZAHLUNG VON EINSÄTZEN DIE SOZIALVERSICHERER ZUR VERTRAGSKÜNDIGUNG 37 9 Lösungen FONDSMODELL INDIVIDUELLE LÖSUNGEN Zusammenfassung 40 Quellenverzeichnis Anhang

4 Vorwort Freizeitunfall was nun? Ich wünsche keinem von Ihnen, sich diese Frage stellen zu müssen. Aber was, wenn wirklich mal was passiert? Statistiken belegen ganz klar: Die Zahl der Freizeitunfälle ist definitiv am Steigen. Natürlich stehen nach Unfällen jeglicher Art immer die Genesung und Rehabilitation an erster Stelle, dennoch sollte man einen wichtigen Aspekt nicht aus den Augen verlieren: Wie bin ich finanziell abgesichert? Hierbei tut sich dann oft das erste gravierende Problem auf, denn die Unfallversicherung im Rahmen der gesetzlichen Sozialversicherung kann nur im Fall von Arbeitsunfällen oder Ähnlichem belangt werden. Welche Möglichkeiten habe ich sonst, mich gegen das Risiko Freizeitunfall abzusichern? Ein Thema, das mich schon von Anfang an interessierte, nicht nur, weil ich in meiner Freizeit einige Sportarten betreibe, sondern auch, weil ich die Thematik aus einer anderen Perspektive kenne. Durch meine Tätigkeit im Bergrettungsdienst wurde ich schon einige Male Zeugin von Freizeitunternehmungen, die ursprünglich wohl anders geplant gewesen sind. Die Einbeziehung der Christophorus Flugrettung als praktisches Beispiel einer Rettungsorganisation, welche bei Unfällen aller Art wertvolle und wichtige Arbeit leistet, geschieht aus jüngstem aktuellen sowie persönlichem Interesse für die Arbeitsweise und vor allem Organisation der so genannten Gelben Engel. Für das Gelingen der Arbeit bin ich nicht allein verantwortlich: Ich möchte mich persönlich bei Frau Jennifer Eisinger und Herrn Toni Leitinger vom Christophorus Flugrettungsverein (CFV) sowie den Mitarbeitern des Verbandes der Versicherungsunternehmen Österreichs (VVÖ), dem Verein für Konsumentenschutz (VKI) und dem Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger und Herrn August Mandl (Wüstenrot) für die Bereitstellung der Fülle an Informationen und der Hilfe in allen Belangen bedanken. Besonderen Dank möchte ich Herrn Prof. Günter Mußbacher und Frau Prof. Mag. Manuela Obmann-Keszei für ihren Beitrag zum Erfolg dieser Arbeit aussprechen. Ich erkläre hiermit, dass ich die vorliegende Arbeit selbstständig und ohne fremde Hilfe verfasst, andere als die angegebenen Quellen nicht benützt und die den benützten Quellen wörtlich und inhaltlich entnommenen Stellen als solche kenntlich gemacht habe. Tragöß, am 08. April 2009 Angelika Mohr

5 1. T e i l V e r s i c h e r u n g e n Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen. Antoine de Saint-Exupéry aus Ein Lächeln ist das Wesentliche Abb 1 aus Jahresbericht 2007; VVO 1

6 1 Versicherungen einst und jetzt 1.1 Geschichte der Versicherungen Das Bestreben, sein Eigentum, sein Geld oder sonstige wertvolle Vermögensgegenstände durch spezielle Maßnahmen vor finanziellen Schäden zu bewahren, ist schon fast so alt wie die Menschheit selbst. Recherchen von Wissenschaftlern zu Folge hat schon Hammurabi König von Babylonien ungefähr 1700 v. Chr. in seinem Codex Hammurabi derartige Punkte festgehalten. So schreibt er zum Beispiel: "Wird beim Einsturz Eigentum zerstört, so stelle der Baumeister wieder her, was immer zerstört wurde; weil er das Haus nicht fest genug baute, baue er es auf eigene Kosten wieder auf." 1 Auch die Risikoverteilung im Fall von Raubüberfällen auf Karawanen war genauestens definiert. Mehr als 1000 Jahre später kommt es im antiken Rom abermals zu einer bemerkenswerten gesellschaftlichen Leistung: Menschen einfachen Standes schlossen sich zu einer Vereinigung zusammen, um sich gegen das Krankheitsrisiko abzusichern. Mitgliedern wurde damals eine kostenlose ärztliche Behandlung gewährleistet. Das Versicherungsprinzip war geboren und bahnte sich seinen Weg durch die Geschichte. Erstmals urkundlich belegt werden konnten Versicherungsverträge über Seetransporte in Genua im Jahr Im 15. Jahrhundert entstand die Feuerversicherung, gefolgt von der Lebensversicherung Anfang des 18. Jahrhunderts. Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden die ersten größeren Versicherungsunternehmen. Unfall- und Haftpflichtversicherung folgten, noch vor der Krankenversicherung, gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Schließlich entstanden, in unserer Zeit, die Kranken- und die Rechtsschutzversicherung. 1 aus (16.November 2008) 2

7 1.2 Volkswirtschaftliche Bedeutung in der heutigen Zeit Heute begleiten uns Versicherungen tagtäglich: Egal ob beim Autofahren, in der Freizeit oder Arbeit das damalige Versicherungsprinzip ist heutzutage nach wie vor aktuell und hat wohl jeden Einzelnen von uns schon einmal vor erheblichen finanziellen Schäden oder sonstigen Verlusten bewahrt. Volkswirtschaftlich gesehen ist die Versicherung ein wichtiges Dienstleistungsgut, das Sicherheit bereitstellt. Daher wird Versicherungen in der Volkswirtschaft eine Schlüsselrolle zugeschrieben, welche das Risiko von Investitionen mindert und so die Wirtschaft erheblich unterstützt. 2 2 Das Versicherungsprinzip 2.1 Finanzierung Der Versicherer erhält als Gegenleistung für die Übernahme des Risikos Versicherungsbeiträge, so genannte Prämien, vom Versicherungsnehmer. Diese Prämien fließen in einem großen Topf zusammen, aus welchem der Versicherungsnehmer im Falle eines eingetretenen Schadens einen Schadensausgleich erhält. Voraussetzung dafür ist eine genaue Kalkulation des zu versichernden Risikos durch den Versicherer. 2.2 Die Höhe der Prämie Vor Abschluss einer Versicherung wird das zu versichernde Objekt im Hinblick auf Risiko geschätzt. Ebenso wird die Versicherungssumme, die normalerweise dem Wert des zu versichernden Objektes entspricht, festgelegt. Es ist wichtig etwaige Wertminderung oder -erhöhung der zuständigen Versicherungsanstalt zu melden. Wird ein Versicherungsobjekt unterversichert, d.h. der Wert des Objektes ist höher als die Versicherungssumme, so erhält man im Schadensfall auch nur eine anteilige Entschädigung. 2 vlg. Kontinuität und Wandel des Versicherungsrechts; Egon Lorenz, Manfred Wandt; Veröffentlicht von Verlag Versicherungswirtschaft,

8 Zum Beispiel: Unfallversicherung: Vereinbarte Versicherungssumme ,- Unfall mit 50%-iger Invalidität ,- (=50% Versicherungsleistung) 2.3 Risikodeckung Je größer das Kollektiv also die Gemeinschaft der Versicherungsnehmer, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Schadensfall auftritt, und umso genauer kann das Risiko auch kalkuliert werden. Ebenso wird auch das Risiko, dass der Topf nicht genug Gelder zur Verfügung haben sollte, kleiner sowie die Prämie für jeden Einzelnen proportional billiger. 2.4 Mit- und Rückversicherungen Um vollen Deckungsschutz in allen Fällen zu gewähren, sind Versicherungsgesellschaften auch rückversichert. Sie bilden gemeinsam mit anderen Versicherungen Gefahrengemeinschaften. Manche Großschäden würden das wirtschaftliche Bestehen von Versicherern ernsthaft gefährden, darum haben sich grundsätzlich zwei Varianten zur Verteilung größerer Risiken gebildet: die Rückversicherung und die Mitversicherung. 2.5 Rechtliche Hintergründe Rechtliche Grundlagen zur Versicherungswirtschaft kann man in zwei Gruppen einteilen: Allgemeine Bestimmungen Allgemeines Bürgerliches Gesetzbuch (ABGB) Unternehmensgesetzbuch (UGB) Konsumentenschutzgesetz (KSchG) etc. Besondere Bestimmungen Versicherungsaufsichtsgesetz Versicherungsvertragsgesetz 4

9 Allgemeine Versicherungsbedingungen Klauseln Verordnungen Erlässe Einzelverträge In einem Versicherungsvertrag haben aber immer die besonderen Bestimmungen Vorrang. 3 Der Versicherungsmarkt in Österreich 3.1 Die Versicherungsunternehmen Der Versicherungsmarkt in Österreich beschäftigt derzeit etwa Personen, die im Jahr 2007 im direkten inländischen Geschäft nach vorläufigen Zahlen ein Prämienvolumen von insgesamt 15,874 Milliarden - um 1,8 Prozent mehr als 2006 erwirtschafteten. Der Österreichische Versicherungsmarkt zählt zu den größten Investoren des Landes und leistet maßgeblichen Anteil an der Alters-, Gesundheits-, Eigentumssowie der betriebswirtschaftlichen Vorsorge. Derzeit verzeichnet der VVÖ Verband der Versicherungsunternehmen Österreichs - 86 Mitglieder, davon sind 71 in Österreich niedergelassen Das 3-Säulen System Das österreichische 3-Säulen System zur Versicherung besteht aus der gesetzlichen, der betrieblichen und der privaten Vorsorge. Zur gesetzlichen Vorsorge kann man die Krankenversicherung, die Pensionsversicherung, die Unfallversicherung und die Arbeitslosenversicherung im Rahmen der Sozialversicherung zählen. Betriebliche Vorsorge wird durch Abfertigungsrückdeckungsversicherung, Abfertigung NEU, Zukunftsversicherung für Dienstnehmer, Pensionskassen und Firmenpensionen getragen. 3 lt. Zahlen des VVO Verband der Versicherungsunternehmen Österreichs (Stand November 2008) 5

10 Privat hat jeder die Möglichkeit, individuell vorzusorgen. Das kann durch Kapitalversicherungen, Rentenversicherungen, Risikoversicherungen, Unfallversicherungen oder Krankenversicherungen sein. Die Unterschiede zwischen der gesetzlichen und privaten Versicherung werden im nächsten Punkt erläutert. 3.3 Gesetzliche Sozialversicherung Private Versicherungen Gesetzliche Sozialversicherung Beitragsabhängige Vorschreibung (nach Gehalt/Lohn) Genormte Leistungen Leistungen für die Masse Privatversicherung Risikoabhängige Vorschreibung (zb.: Alter, Freizeitgestaltung ) Leistungen von Vertrag abhängig nicht jeder/jedes Risiko ist privat versichert bzw. kann privat versichert werden 4 Die Unfallversicherung im Vergleich 4.1 Allgemeines zur Unfallversicherung im Rahmen der Sozialversicherung 1955 wurde in Österreich das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz beschlossen und trat mit 1956 in Kraft. Die österreichische Sozialversicherung ist eine Pflichtversicherung d.h. bei Vorliegen einer Erwerbstätigkeit entsteht die Versicherungspflicht, die Versicherungsschutz bietet. Geregelt ist die Versicherung der Dienstnehmer für den Fall einer Erkrankung, der Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit und der Mutterschaft, eines Arbeitsunfalls, der Invalidität bzw. Berufsunfähigkeit, des Alters, des Todes und der Arbeitslosigkeit, bei öffentlich-rechtlichen Versicherungsanstalten. Die Mittelaufbringung erfolgt durch die Versicherten selbst bzw. durch den Dienstnehmer zusätzlich durch den Dienstgeberanteil, der vom Arbeitgeber abgeführt werden muss. Im Fall, dass diese Mittel nicht zur Deckung der Versicherungsleistungen genügen, leistet der Staat aus allgemeinen Steuermitteln einen Zuschuss im Form der Ausfallshaftung. 6

11 Außer der Unfallversicherung umfasst die Sozialversicherung (im engeren Sinn) auch noch die Krankenversicherung, die Pensionsversicherung und die Arbeitslosenversicherung. Die gesetzliche Unfallversicherung bietet Schutz vor den Folgen von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten. Die AUVA (Allgemeine Unfallversicherungsanstalt) ist mit 4 Millionen Versicherten der größte österreichische Unfallversicherungsträger. Die gesetzliche Unfallversicherung deckt jedoch nur Arbeits- und Wegeunfälle sowie Berufserkrankungen und Unfälle bei der Ausbildung. Arbeitsunfall wird folgendermaßen definiert: 175. (1) Arbeitsunfälle sind Unfälle, die sich im örtlichen, zeitlichen und ursächlichen Zusammenhang mit der die Versicherung begründenden Beschäftigung ereignen. (2) Arbeitsunfälle sind auch Unfälle, die sich ereignen: 1. auf einem mit der Beschäftigung nach Abs. 1 zusammenhängenden Weg zur oder von der Arbeits- oder Ausbildungsstätte; hat der Versicherte wegen der Entfernung seines ständigen Aufenthaltsortes von der Arbeits- oder Ausbildungsstätte auf dieser oder in ihrer Nähe eine Unterkunft, so wird die Versicherung des Weges von oder nach dem ständigen Aufenthaltsort nicht ausgeschlossen Allgemeines zur privaten Unfallversicherung Die Versicherungswirtschaft ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in unserem Land und hat einen erheblichen Anteil an der gesamten Volkswirtschaft inne Beschäftigte erwirtschaften, mit mehr als 42 Millionen versicherten Risiken, jährlich 13 Milliarden an Prämieneinnahmen, von denen neun Milliarden an Versicherungsfälle gehen. Außerdem fungiert der Versicherer heutzutage auch immer öfter als Anbieter unterschiedlichster Produkte und Dienstleistungen. Vertragsversicherungen spielen eine bedeutende Rolle in vielerlei Hinsicht. Sowohl jeder Einzelne als auch Wirtschaftsbetriebe, sei es ein Kleinunternehmer oder ein 4 lt. ASVG 175 7

12 internationaler Konzern, geben die Aufgaben der finanziellen Vorsorge für den Schadensfall in den meisten Fällen an Versicherer ab. Moderne Wirtschaftsprozesse wären ohne Versicherung undenkbar. Hier denke ich besonders an Kredit- oder Leasinggeschäfte, die ohne den vorherigen Abschluss einer Lebens-, Unfall- oder Sachversicherung wohl nur schwer oder gar nicht möglich wären, ebenso wie Import-/Export-Geschäfte, die auf eine umfassende Transportversicherung aufbauen. Personenversicherungen wie Kranken-, Unfall- und Lebensversicherung spielen ebenso eine nicht minder bedeutende Rolle. Jeder sehnt sich wohl nach der bestmöglichen und höchstmöglichen Versicherung, doch ist ein umfassender Versicherungsschutz für jede Eventualität nicht möglich. Der Versicherungsbeitrag muss wirtschaftlich tragbar sein, lautet ein wichtiger Leitsatz der Versicherer. Gerade darum ist es unmöglich, gegen alle Gefahren versichert zu sein, um die Kosten des Versicherungsschutzes relativ in Maßen zu halten. 5 Dennoch gibt es eine immense Vielfältigkeit der versicherbaren Risiken. Darum hat es sich unter den Vertragversicherern als nützlich erwiesen, sie in Versicherungszweige einzugliedern. Jeder Zweig steht für bestimmte, genau definierte Risiken oder Objekte. Allgemein kann man drei große Versicherungszweige nennen: Personenversicherungen Sachversicherungen Vermögensversicherungen Die private Unfallversicherung kann man gemeinsam mit der Lebensversicherung und der Krankenversicherung zu den Personenversicherungen zählen. Die Möglichkeiten, die von diesen Versicherungsformen geboten werden, können als vernünftige Ergänzung zu der gesetzlichen Sozialversicherung gesehen werden. In Teil 2 dieser Arbeit werden Sie umfassende Informationen zur privaten Unfallversicherung sowie alle, für diese Form der Versicherung relevanten Fakten bekommen. 5 vgl. Verband der Versicherungsunternehmen Österreichs; Die Versicherung und ihre einzelnen Sparten;

13 2. T e i l U n f a l l v e r s i c h e r t i n Ö s t e r r e i c h Abb 2 ÖBRD Steiermark 9

14 5 Unfallversicherungen 5.1 Unfallstatistik Abb 3 Anteil der Unfälle an den stationären Spitalsfällen Unfälle passieren tagtäglich und überall: im Beruf, in der Freizeit, beim Heimwerken, bei sportlicher Betätigung oder im Urlaub. Laut Unfallstatistik 2007 verunglückten voriges Jahr in Österreich rund Menschen. Viele der Opfer wurden so schwer verletzt, dass sie später nicht mehr ihrem Beruf nachgehen konnten und damit oft mit finanziellen Problemen zu kämpfen hatten. Fast drei Viertel dieser Unfälle entfallen auf den Heim-, Freizeit- und Sportbereich, und obwohl die Zahl der allgemeinen Unfälle kontinuierlich am sinken ist, nimmt die Zahl der Heim-, Freizeit- und Sportunfälle langsam, aber stetig zu (siehe Tabelle 3). In anderen Worten: Von den gesamten Unfallkosten und den gesamten Kosten der Unfallfolgen wird nur ein Viertel von der gesetzlichen Unfallversicherung getragen. Laut Spitalsdiagnostik enden aber rund ein Zehntel der Unfälle in Invalidität. Mit einer privaten Unfallversicherung kann man den finanziellen Folgen eines Unfalls vorbeugen. Sehr von Bedeutung ist dies vor allen im Bereich Freizeitunfall mit Dauerfolgen, da dieser Sektor im Gegensatz zu Arbeitsunfällen und Berufskrankhei- 10

15 ten nicht von der gesetzlichen Unfallversicherung gedeckt wird und so, neben dem körperlichen Schaden, oft auch die finanzielle Ungewissheit hinzukommt Begriff des Unfalls 1. Unfall ist ein vom Willen des Versicherten unabhängiges Ereignis, das plötzlich von außen mechanisch oder chemisch auf seinen Körper einwirkt und eine körperliche Schädigung oder den Tod nach sich zieht. 2. Als Unfall gelten auch folgende, vom Willen des Versicherten unabhängige Ereignisse: a. Ertrinken b. Verbrennungen, Verbrühungen, Einwirken von Blitzschlag oder elektrischem Strom c. Einatmen von Gasen oder Dämpfen, Einnehmen von giftigen oder ätzenden Stoffen, es sei denn, dass diese Einwirkungen allmählich erfolgen d. Verrenkungen von Gliedern sowie Zerrungen und Zerreißungen von an Gliedmaßen und an der Wirbelsäule befindlichen Muskeln, Sehnen, Bändern und Kapseln. 3. Krankheiten gelten nicht als Unfall, übertragbare Krankheiten auch nicht als Unfallfolgen. Dies gilt nicht für Kinderlähmung, die durch Zeckenbiss übertragene Frühsommer-Meningoencephalitis und Lyme-Borreliose im Rahmen der Bestimmungen des Art. 12 sowie für Wundstarrkrampf und Tollwut, verursacht durch einen Unfall gemäß Pkt Der Versicherungsschutz bezieht sich auch auf Unfälle des Versicherten als Fluggast in motorischen Luftfahrzeugen, welche für die Verwendungsart Personenbeförderung zugelassen sind, mit Ausnahme von Motorseglern und Ultralights. Als Fluggast gilt, wer weder mit dem Betrieb des Luftfahrzeuges in ursächlichem Zusammenhang steht oder Besatzungsmitglied ist noch mittels des Luftfahrzeuges eine berufliche Betätigung ausübt Unfallkosten Bis zur Höhe der vereinbarten Versicherungssumme werden Unfallkosten ersetzt, sofern sie innerhalb von 2 Jahren vom Unfalltag an gerechnet entstehen und soweit 6 (8. Dezember 2008) 7 aus Allgemeine Bedingungen für die Unfallversicherung AUVB 2008 Art.6 11

16 nicht von einem Sozialversicherungsträger Ersatz zu leisten ist oder von einem sonstigen Leistungsträger Ersatz geleistet wurde. Unfallkosten sind: 1. Heilkosten 2. Bergungskosten, die notwendig werden, wenn der Versicherte a. einen Unfall erlitten hat oder in Berg- oder Wassernot geraten ist und verletzt oder unverletzt geborgen werden muss; oder b. durch einen Unfall in Folge von Berg- oder Wassernot den Tod erleidet und seine Bergung erfolgen muss; Bergungskosten sind die nachgewiesenen Kosten des Suchens nach dem Vermissten und seines Transportes bis zur nächsten befahrenen Straße oder/und bis zum dem Unfallort nächstgelegenen Spital. 3. Rückholkosten 4. Pflegekosten 5. Kosmetische Operationen im Zuge der Notwendigkeit nach einem Unfall 6. Begleitkosten im Spital 7. Zahnersatz Gesetzliche Unfallversicherung Unfallversichert ist in Österreich jeder Sozialversicherte, allerdings nur am Weg von und zur Arbeit und am Arbeitsplatz. Daneben gibt es noch große Personengruppen, welche nicht versichert sind, z.b. Hausfrauen oder Kinder, die bei Unfällen nur im Kindergarten, in der Schule oder auf dem Hin- und Rückweg pflichtversichert sind. Bei Berufstätigen deckt die gesetzliche Unfallversicherung im Rahmen der Sozialversicherung ausschließlich die Folgen von Arbeitsunfällen. Eine medizinische Behandlung nach Freizeitunfällen ist zwar aufgrund der gesetzlichen Krankenversicherung gesichert, wer aber infolge eines Freizeitunfalls auf Dauer erwerbsunfähig wird, erhält keine Versehrtenrente. 9 8 aus Allgemeine Bedingungen für die Unfallversicherung AUVB 2008 Art.11 9 vgl. Gut versichert, Verein für Konsumenteinformation,

17 5.5 Private Unfallversicherungen Um die Lücke der gesetzlichen Unfallversicherung zu schließen, kann man eine private Unfallversicherung abschließen. Die Kernleistung dieser Versicherung ist es, eine Geldleistung bei dauernder Invalidität zu erbringen. Die Versicherung kann auch Taggeld, Spitalgeld sowie Unfallkosten, dazu zählen Heil-, Bergungs- und Rückholkosten, umfassen. Allgemein gesagt, könnte man die Unfallversicherung als Kaskoversicherung für den Körper bezeichnen. Private Unfallversicherungen können maßgeschneidert auf den jeweiligen Versicherungsnehmer abgeschlossen werden. Grundsätzlich empfiehlt es sich aber, für die Höhe der Versicherungssumme die Höhe des Jahreseinkommens zu berücksichtigen. So sollte etwa ein 30-jähriger das sechsfache Jahreseinkommen, ein 40-jähriger hingegen cirka das fünffache Jahreseinkommen versichern. Bestimmte Unfälle sind grundsätzlich von der Unfallversicherung ausgenommen, können aber als Zusatzleistung in die Unfallversicherung inkludiert werden, was aber auch die Prämie erheblich erhöht. Dazu zählen vor allem Unfälle nach Extremsportarten wie Paragliden etc., aber auch Unfälle, die in Zuge der Teilnahme an Wettbewerben auf dem Gebiet des nordischen oder alpinen Skisports und ähnlicher Sportarten erfolgten. Unfälle in Folge einer strafbaren Handlung, sowie Unfälle in Folge politischer Unruhen oder von Kriegsereignissen sind ebenfalls vom Versicherungsschutz ausgeschlossen. Unfälle, welche die versicherte Person infolge einer Bewusstseinsstörung oder einer wesentlichen Beeinträchtigung durch Alkohol, Suchtgifte oder Medikamente erleidet, sind genauso nicht versichert, wenn der Unfall unmittelbar mit dieser entstandenen Beeinträchtigung in Verbindung gebracht werden kann Versicherungsvergleich Da die Angebotspalette verschiedenster Unfallversicherungsprodukte in Österreich sehr breit gefächert ist, werden im folgenden drei Unfallversicherungen Allianz, Grazer Wechselseitige (GraWe) und Wüstenrot in Hinblick auf Leistung und Prämie verglichen. Ursprünglich war es meine Absicht, Versicherungsvertreter aller drei Unfallversicherungen mit dem gleichen Fragebogen zu befragen, um so die für den Vergleich notwendigen Daten zu erheben. Österreichs Versicherungsgesellschaften waren, bis auf wenige Ausnahmen, aber leider nicht zu einer Zusammenarbeit bzw. zur Veröffentlichung ihrer unternehmensbezogenen Daten bereit. Die folgenden 10 vgl. Studie Privater Unfallversicherungen; Verein für Konsumenteninformation

18 Daten stammen daher zur Gänze aus einer vom Verein für Konsumentenschutz durchgeführten Erhebung im Juli Um einen aussagekräftigen Vergleich zu erhalten, werden die drei Versicherungsprodukte in fünf verschieden Kriterien verglichen. Prämienvergleich, Gliedertaxenvergleich, Progressionsanalyse sowie ein Vergleich der ausbezahlten Summen im Leistungsfall sind Detailergebnisse, sie fließen im Leistungsfaktorenvergleich zusammen und lassen eine allgemeine Interpretation der Performance eines Versicherungsproduktes zu. Für den Versicherungsvergleich wird ein Modellfall erschaffen (siehe Anhang 1): Die Versicherungssumme wird mit ,- festgelegt Prämienvergleich In erster Linie sind die Versicherungssumme sowie die genaue Definition der Versicherungsleistung für die Gestaltung der Prämie ausschlaggebend. Es ist aber auch in großem Maße wichtig, welchem Beruf der Versicherungsnehmer nachgeht. Gefährliche und risikoreiche Freizeitaktivitäten werden ebenfalls in die Berechung der Prämie miteinbezogen. Der größte Unterschied ergibt sich jedoch durch die Entscheidung zwischen Tarifen mit oder ohne Progression. Neben all diesen berücksichtigten Faktoren konnte eine Komponente leider nicht in den Vergleich miteinbezogen werden, der ansonsten eine nicht unbedeutende Rolle spielt: Rabatte. Die drei Versicherungsgesellschaften berechneten auf Basis des Modellfalls folgende Prämien: Allianz GraWe Wüstenrot Prämie Mann 340,79 260,20 287,26 Prämie Frau 183,57 260,20 287,26 Abb 4: Prämien mit Progression lt. Zahlen des VKI 07/

19 Prämie Mann 350,00 300,00 250,00 200,00 150,00 100,00 50,00 0,00 1 Allianz GraWe Wüstenrot Abb 5: Vergleich Prämie Mann 12 Das Modell der GraWe ist in der Kategorie Prämie Mann das eindeutig billigste Produkt. Prämie Frau 300,00 250,00 200,00 150,00 100,00 Allianz GraWe Wüstenrot 50,00 0,00 1 Abb 6: Vergleich Prämie Frau 13 In der Kategorie Prämie Frau kann die Allianz Versicherung das prämiengünstigste Produkt anbieten Gliedertaxenvergleich Gliedertaxen sind in den Versicherungsbedingungen angeführte Werte, nach denen sich der Grad der Invalidität richtet. Darin sind feste Prozentsätze für den Verlust oder die Gebrauchseinschränkung von Sinnesorganen oder Gliedern angeführt. Sind Sinne oder Glieder nur teilweise beeinträchtigt, wird der Prozentsatz dementsprechend nach unten korrigiert. Der Invaliditätsgrad kann jedoch nie größer als 100% sein. Zwar gibt es in den Musterbedingungen der AUVB 2008 (Allgemeine Bedingungen für die Unfallversicherung) eine Regelung für Gliedertaxen, jedoch 12 lt. Zahlen des VKI 07/ lt. Zahlen des VKI 07/

20 weichen manche Versicherer stark von diesen ab und es kommt zu nicht unwesentlichen Unterschieden in der Höhe der Gliedertaxen. Bei der Berechung des Gliedertaxenfaktors ist es Ziel, die Summe der Gliedertaxe des jeweiligen Versicherers in Vergleich zu der Summe der Gliedertaxe in den Musterbedingungen zu stellen. Versicherer Allianz GraWe Wüstenrot Summe Gliedertaxe Gliedertaxe lt. AUVB Gliedertaxenfaktor 1, , , Abb 7: Gliedertaxenfaktor 14 Jene Versicherungen, die einen Wert über 1 erzielen, bieten eine Mehrleistung gegenüber den Musterbedingungen. Ein Wert von 1 beschreibt, dass der Gliedertaxenfaktor der Versicherungsgesellschaft nicht von den Musterbestimmungen abweicht. Wäre ein Wert unter 1, würde das eine Wenigerleistung bedeuten. In unserem konkreten Fall bedeutet das, dass sich GraWe und Wüstenrot identisch zu den Musterbedingungen verhalten, während Allianz einen besseren Wert aufweisen kann (die genaue Auflistung der Gliedertaxen finden Sie im Anhang 2) Vergleich der Progressionen Progression bedeutet, dass vor allem das Risiko einer hohen Invalidität sehr gut abgesichert ist. Bis zu einem bestimmten Prozentsatz (das sind meist 25% oder 50%) wird die Leistung linear ausbezahlt (d.h. bei 1% Invalidität hat man Anspruch auf 1% Leistung), darüber hinausgehende Invaliditätsgrade werden überproportional ausbezahlt. Es gibt verschiedene Progressionsmodelle. Progression 400% bedeutet z.b. bei 100% Invalidität 400% Leistung. In unserem Fall haben alle drei Versicherungsgesellschaften das 300% Progressionsmodell. 14 lt. Zahlen des VKI 07/

21 Progression Progression 300% Allianz GraWe Wüstenrot linear Invalidität Abb 8: Progressionsvergleich 15 Im Diagramm kann man schwarz eingezeichnet die lineare Entwicklung von Invalidität und Leistung sehen. Die Progressionslinien der drei Versicherungsgesellschaften sind färbig gekennzeichnet. Auffallend bei GraWe ist der zuerst unterproportional steigende Verlauf, der dann sprunghaft ansteigt. Allianz steigt zunächst proportional und dann in stetigem Maße überdurchschnittlich proportional und erbringt bereits bei 91% Invalidität eine Maximalleistung von 300%. Wüstenrot weist keine großen Sprünge auf und beginnt bei 21% Invalidität überproportionale Leistungen zu erbringen. (Eine genaue Aufschlüsselung der Gliedertaxen erhalten Sie im Anhang 3) Vergleich der ausbezahlten Summen im Leistungsfall Allgemein gesehen ist dieses Diagramm der Gliedertaxen (siehe ) wenig aussagekräftig, daher werde ich einzelne Fälle durchrechnen. Die Versicherungssumme ist in allen Fällen mit ,- festgesetzt. Leistung bei Invaliditätsgrad von Versicherer Progression in % 30% 60% 90% 100% Allianz GraWe Wüstenrot linear Abb 9: Vergleich Leistung bei Progression lt. Zahlen des VKI 07/ lt. Zahlen des VKI 07/

22 % 60% 100% 90% 30% 60% 90% 100% 30% 60% 90% 100% 30% Allianz GraWe Wüstenrot linear 60% 90% 100% Abb 10: Vergleich Leistung bei Progression In allen Fällen, das ist in der Grafik sehr gut ersichtlich, erbringt die Allianz Versicherung die größte Versicherungsleistung Leistungsfaktorenvergleich Die bisherigen Kennzahlen waren nur bedingt aussagekräftig, weil sie sich immer nur auf einen Teil der Versicherungsleistung bezogen. Der so genannte Leistungsfaktor jedoch kann eine umfassende Bewertung des einzelnen Versicherungsangebotes ermöglichen. Er beschreibt das Preis-Leistungsverhältnis. In den Leistungsfaktor fließen alle relevanten Komponenten ein und es kommt zu einem Gesamtergebnis. Die zu bezahlende Prämie, der Gliedertaxenfaktor und der gewichtete Progressionsfaktor werden berücksichtigt. Der Progressionsfaktor ist gewichtet weil Unfälle mit niedriger Invalidität statistisch öfter vorkommen, als Unfälle mit hoher Invalidität (0-25% Invalidität mit einem Gewicht von 40%; 26% - 40% Invalidität mit 30%; 41-90% Invalidität mit 25% und % Invalidität mit Gewichtung von 5%). Formel für den Leistungsfaktor: 18

23 Der Leistungsfaktor ergibt daher für die einzelnen Versicherungsprodukte: Versicherer Allianz GraWe Wüstenrot Gliedertaxenfaktor 1, , , Progessionsfaktor 84,05 54,275 69,84 Prämie Mann 340,79 260,2 287,26 LEISTUNGSFAKTOR Mann 0,25 0,21 0,24 Prämie Frau 183,57 260,2 287,26 LEISTUNGSFAKTOR Frau 0,46 0,21 0,24 Abb 11: Leistungsfaktorenberechnung 17 Eindeutiger Sieger sowohl in der Kategorie Mann als auch in der Kategorie Frau ist die Allianz Versicherung. Bemerkenswert hierbei ist, dass sich der Wert in der Kategorie Frau, aufgrund der niedrigen Prämienzahlungen, sehr deutlich von den Ergebnissen anderer Versicherungsprodukte abhebt Gesamtinterpretation Eindeutiger Testsieger meines Versicherungsvergleiches ist das Produkt der Allianz Versicherung, welches im Gliedertaxenvergleich mit dem höchsten Wert, im Progressionsvergleich mit einer stetig steigenden Kurve sowie auch im Leistungsfaktorenvergleich mit dem besten Wert punkten kann. Obwohl das Allianz-Produkt in Hinblick auf Prämie Mann das teuerste ist, zeigt der Leistungsfaktorenvergleich, dass das Produkt im Preis-Leistungsverhältnis die besseren Werte erzielen kann. 5.7 Sonstige Möglichkeiten eines Versicherungsschutzes Vor allem diverse Vereine und Kreditkartengesellschaften bieten ihren Mitgliedern als Zusatzservice die Möglichkeit, sich gegen die Folgen eines Unfalls zu versichern. Im Unterschied zu den Versicherungsgesellschaften, die eine Unfallversicherung als Hauptprodukt anbieten, ist die Leistung jedoch nicht dermaßen umfangreich ÖAMTC Schutzbrief Der Schutzbrief ist in Österreich sowie in allen Reiseländern in Europa, allen außereuropäischen Mittelmeer-Anrainerstaaten, allen Mittelmeer-Inseln sowie auf den Kanaren, Azoren und auf Madeira gültig. 17 lt. Zahlen des VKI 07/

24 Die Leistungen umfassen: 18 Hubschrauberrettung in Österreich bis zu Euro Verlegungstransporte innerhalb Österreichs Krankenrücktransporte aus dem Ausland Krankenbesuche im Ausland Kinderrückholung aus dem Ausland Krankenschutz im Ausland Fahrzeugrückholungsdienst im In- und Ausland Wildschadenhilfe etc Alpenverein Der Alpenverein gewährt Versicherungsschutz für alle seine Mitglieder bei Freizeitunfällen für den Bereich Bergung. Der Deckungsschutz für die Leistungen aus dem Bereich Rückholung, Verlegung und Heilbehandlung gilt bei Freizeit- und Berufsunfällen sowie bei Krankheit. Ebenfalls haben Mitglieder Anspruch auf Haftpflichtversicherung und Rechtsschutzversicherung. Diese Services können weltweit in Anspruch genommen werden. Versicherer für den Alpenverein ist die Uniqa Personenversicherungs AG. Bergungskosten sind die nachgewiesenen Kosten des Suchens nach dem Versicherten und seines Transportes bis zur nächstgelegenen Straße oder bis ins nächstgelegene Spital. Hubschrauberkosten werden nur dann ersetzt, wenn der Einsatz durch eine Rettungsleitstelle angeordnet wurde. Diese Kosten sind bis zu versichert Kreditkarteninstitute Diners Club, MasterCard, American Express, VISA bieten für ihre Mitglieder Unfallversicherungen an. Teilweise ist Versicherungsschutz für die gesamte Familie gegeben, teilweise auch nur für den Karteninhaber. Ebenso variieren die gebotenen Leistungen stark bzw. sind an unterschiedliche Rahmenbedingungen geknüpft. So sehen zum Beispiel alle Kreditkarteninstitute eine Reiseversicherung nur vor, wenn die Reisekosten zum überwiegenden Teil mit Kreditkarte bezahlt wurden. 18 vlg. ÖAMTC Schutzbrief Stand

25 Im Allgemeinen kann man sagen, dass Reiseschutzversicherung, Hubschrauberrettung, Invalidität in Folge eines Unfalles, Spitalsaufenthalt in Folge eines Unfalls, Heimtransport bzw. Überstellung im Großen und Ganzen bei jedem der vier Kreditinstitute versichert bzw. inkludiert sind. Auf Anspruch auf diese Leistungen ist man zum einen als bloßer Besitzer einer Kreditkarte befähigt, zum anderen sind aber auch zusätzliche Beiträge zu leisten oder der Versicherungsschutz ist an Bezahlung mit der Kreditkarte geknüpft Förderer des Österreichischen Bergrettungsdienstes Ab einem jährlichen Förderbeitrag von 22,- werden für Förderer des Bergrettungsdienstes im Fall von Einsätzen und Unfällen die finanziellen Kosten getragen, d.s. Kosten der Suche und des Hubschraubereinsatzes. Das Limit der Gesamtsumme liegt bei Unfallvorsorge wie bin ich am besten geschützt? Allgemein gesagt, müssen Sie natürlich selbst entscheiden, welche Art von Risiko Sie in Ihrem Leben versichern möchten, doch sollten Sie immer darauf bedacht sein, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu trennen sowie die jeweiligen Versicherungsmöglichkeiten genau auf die eigenen Bedürfnisse abzustimmen. Wie aus meiner Arbeit ersichtlich gibt es eine sehr große Auswahl an Möglichkeiten eine Unfallvorsorge zu treffen. Da ich mich im Rahmen dieser Arbeit sehr intensiv mit dem Thema Unfallversicherung auseinander setzte, möchte ich hier einige Tipps geben, wie man sich am effizientesten gegen Unfälle jeglicher Art versichern kann: Abgesehen vom einfachsten Weg, sich bei einer Versicherungsgesellschaft gegen das Risiko Freizeitunfall zu versichern, kann man auch durch erwähnte Mitgliedschaft bei diversen Vereinen (Autofahrerclubs, Sport- oder sonstigen Vereinen) sowie als Zusatzleistung zur Kreditkarte Versicherungsschutz erlangen. Sehr oft ist es jedoch der Fall, dass der Versicherungsnehmer keinen Überblick über all seine Mehrfach-Versicherungen hat. Außerdem vermitteln Versicherungen, die durch die Mitgliedschaft bei derartigen Institutionen entstehen, des Öfteren eine trügerische Sicherheit, da sie meist keinen Rundum-Versicherungsschutz bieten. 19 vgl. Studie Private Unfallversicherungen; Verein für Konsumenteninformation

26 Zum Beispiel leisten Unfallversicherungen mancher Sportvereine nur eine Entschädigung, wenn der Unfall im Rahmen einer Vereinstätigkeit passiert ist. In jedem Fall gilt daher: Die versprochenen Leistungen immer genauestens prüfen, um etwaige böse Überraschungen zu vermeiden. An den Abschluss einer gewöhnlichen Unfallversicherung sollte planvoll und unter der Beachtung vorher festgelegter Eckpunkte, die Sie unbedingt versichert haben wollen, herangegangen werden. Ziel sollte immer die Absicherung für den schlimmstmöglichen Fall sein: Vollinvalidität und Erwerbsunfähigkeit. Die Leistung der Versicherung sollte dabei mögliche Adaptierungsarbeiten der Wohnsituation des Vollinvaliden sowie einen gewissen Ersatz der womöglich nicht ausreichenden Versorgung durch eine staatliche Rente gewährleisten. Familienpakete werden nahezu von allen Versicherern angeboten. Sie sind auch meist günstiger als einzelne Verträge für jedes Familienmitglied. Dennoch sollte man auf etwaige Leistungsabstufungen achten. So erhält bei manchen Versicherern nur der Erstversicherte im Unglücksfall die volle vereinbarte Leistung. Achten Sie unbedingt auf volle Leistung für alle Familienmitglieder. Wie aus dem Versicherungsvergleich ersichtlich, gibt es eine große Vielfalt der am Markt befindlichen Versicherungsprodukte. Leistungsunterschiede sind daher wohl offensichtlich gegeben. Auf der einen Seite Glück für Sie, denn sie erlauben Ihnen eine optimale Anpassung der Versicherung an Ihre Lebenssituation, andererseits jedoch leidet darunter die Übersichtlichkeit und Vergleichbarkeit der Angebote sehr. Nehmen Sie sich die Zeit, sich mehrere Vorschläge von verschiedenen Versicherungsgesellschaften unterbreiten zu lassen und fragen Sie bei etwaigen Unklarheiten sofort nach. Der Abschluss einer Unfallversicherung mit oder ohne Progression sollte ebenfalls genau überdacht werden. Zweifelsohne ist Progression im Falle eines Unfalls mit schweren körperlichen Folgen Gold wert, denn die Versicherungsleistung beginnt ab meist 50 Prozent Invalidität überproportional zum Invaliditätsgrad zu steigen. Andererseits macht sich eine Progressionsvariante im Vergleich zu einer linearen Versicherungsform in den erhöhten Prämienzahlungen deutlich bemerkbar. 22

27 Statistiken zu Folge liegt der Invaliditätsgrad bei neun Zehntel aller Invaliditätsfälle bei weniger als 50 Prozent. Die Progression ist in diesen Fällen also noch nicht anwendbar. In Hinblick auf die Progression sollte also jeder für sich selbst entscheiden und auf jeden Fall einen Preis-Leistungsvergleich des Versicherers einfordern. Auch die Gliedertaxenaufschlüsselung seiner Versicherungsgesellschaft sollte man genau unter die Lupe nehmen. Wie aus dem Versicherungsvergleich ersichtlich, messen unterschiedliche Versicherungsgesellschaften den jeweiligen Verletzungen variierende Invaliditätsgrade zu. Das kann für Personen, deren Berufsausübung vom Geschick bestimmter Körperteile abhängt (z.b.: Chirurg, Uhrmacher), ein Entscheidungskriterium bei der Wahl des Versicherers sein. Es gilt zu beachten: Wie einzelne Versicherer den Verlust bestimmter Körperteile oder Sinnesorgane einstufen, kann sehr entscheidend im Falle einer tatsächlichen Invalidität sein. Wichtig ist es, zwischen Unfallversicherung, Erwerbsunfähigkeitsversicherung und Berufsunfähigkeitsversicherung unterscheiden zu können. Während die Unfallversicherung Leistungen nach Unfällen, ungeachtet der beruflichen Konsequenzen, erbringt, leistet die Berufsunfähigkeitsversicherung nur, wenn es egal aus welchen Gründen auch immer, zur Berufsunfähigkeit in dem derzeitigen Beruf kommt. Hierbei ist ein besonderes Augenmerk auf den Unterschied zur Erwerbsunfähigkeitsversicherung zu legen, welche nur im Falle einer völligen Erwerbsunfähigkeit die Versicherungssumme ausbezahlt. In diesem Fall gilt: genau überlegen, was ist mein Versicherungswunsch, und die Leistungsfälle genauestens prüfen. Ein letzter Tipp zum Abschluss: Ihr Versicherungspartner berät Sie natürlich gerne, teilweise sollte man aber die Möglichkeit einer individuellen Beratung durch einen unabhängigen Makler ebenfalls in Erwägung ziehen. 23

28 3. TEIL D i e C h r i s t o p h o r u s F l u g r e t t u n g a l s B e i s p i e l e i n e r R e t t u n g s o r g a n i s a t i o n Meine Kultur, ein Erbe Gottes, hat jeden für alle Menschen und alle Menschen für jeden einzelnen verantwortlich gemacht. Ein Individuum soll sich für die Rettung der Gemeinschaft opfern, doch dreht es sich hierbei nicht um ein albernes Rechenkunststück. Es geht um die Achtung vor dem Menschen durch ein Individuum hindurch. Tatsächlich besteht die Größe meiner Zivilisation darin, dass hunderte Bergleute sich in ihr dazu verpflichtet fühlen, ihr Leben für die Rettung eines einzelnen verschütteten Bergmannes zu wagen. Sie retten den Menschen. Antoine de Saint-Exupéry aus Flug nach Arras Abb 12: CFV 24

29 6 Die Christophorus Flugrettung 6.1 Geschichte der Flugrettung Auf internationaler Ebene lassen sich die ersten Flugrettungsversuche bereits bis ins vorletzte Jahrhundert zurückverfolgen. Anlässlich der Belagerung von Paris wurden im Jahr 1870 Patienten mit Heißluftballons auf dem Luftweg evakuiert. National gesehen können wir die Bergung eines Schwerverletzten im Ötztaler Schigebiet und dessen anschließenden Transport per Kleinflugzeug in ein Innsbrucker Spital im Jahr 1942 als Anfang der Flugrettung betiteln. Ende der sechziger Jahre konnten in Kalifornien/USA erste Erfolge mit dem System des zivilen Flugrettungsdienstes erzielt werden. Im Juni 1970 setzte Deutschland, mit dem Start zur Errichtung eines flächendeckenden Flugrettungsnetzes in Europa erste Schritte in diese Richtung. Noch einige Jahre sollten vergehen, bis in Österreich auch derartige Bestrebungen realisiert wurden. Von 1954 an wurde die österreichische Flugrettung vom BMI getragen, ihr Ziel war primär jedoch nicht auf die Rettung und Bergung von Patienten ausgelegt, sondern auf den gesetzlichen Auftrag, Ruhe, Ordnung und Sicherheit zu erhalten. Trotzdem wurden in dieser Zeit und den folgenden Jahren viele Rettungsflüge geflogen, um in Not geratenen Mitmenschen zu helfen. Später wurde auch das Österreichische Bundesheer mit Hubschrauberstützpunkten in Aigen/Ennstal, Schwaz/Tirol und Klagenfurt eine wichtige Säule im Flugrettungssystem. In Kooperation mit der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt wurde im Jahr 1981 in Salzburg ein Modellversuch zur Finanzierung einer nationalen Flugrettung gestartet. Zahlreiche private Anbieter, das Bundesheer sowie der ÖAMTC, der einen eigenen Notarzthubschrauber in Dienst stellen wollte, ließen eine Situation entstehen, die man wohl mit gutem Gewissen als Wettlauf um die Rettung in Not geratener Menschen bezeichnen kann vlg. Sie fliegen um Ihr Leben; Joseph Platzer 2003 Eigenverlag J. u. R. Platzer GesnbR 25

30 Getragen wurde dieses System von drei Pfeilern: dem Innenministerium, dem Österreichischem Bundesheer und dem ÖAMTC, finanziert durch den Staat. Noch fast 20 Jahre lang sollte ein solches System in Österreich bestehen. Die ÖAMTC-Flugrettung wurde im Jahr 1993 aus dem ÖAMTC ausgegliedert und dem Christophorus Flugrettungsverein (CFV) übertragen. In der Praxis der Flugrettungseinsätze hat sich dadurch aber nichts geändert. 21 Der CFV ist ein gemeinnütziger und nicht auf Gewinn ausgerichteter Verein, der insbesondere die Schaffung von Einrichtungen zur optimalen notärztlichen Versorgung von Notfallpatienten mit Notarzthubschraubern bezweckt. Aus budgetären Gründen und der Folge von langen Verhandlungen war man sich am 01. Jänner 2001 schließlich einig: Ein Assistenzvertrag zwischen der Republik Österreich und dem ÖAMTC veranlasste die stufenweise Umstellung der einzelnen Stützpunkte des Innenministeriums auf Stützpunkte der ÖAMTC-Flugrettung. Dieser betreibt in Österreich flächendeckend 16 ganzjährige Stützpunkte mit qualitativ hochwertigen Hubschraubern bzw. bestens geschulten Crews und arbeitet zur Erreichung seines Vereinszieles mit dem Österreichischen Roten Kreuz und der Österreichschen Bergrettung zusammen. 22 Nach ständigen Erweiterungen und Modernisierungen seiner Hubschrauberflotte fliegt der Christophorus Flugrettungsverein im Sommer 2006 schließlich seinen Einsatz. Abb 13 Die 17 Christophorus Standorte in Österreich, CFV 21 vg. Schrammel/Welser, Die Kostentragung bei Flugrettungseinsätzen (2007) 22 lt. 2 der Vereinsstatuten 26

31 6.2 Bedeutung der Flugrettung Der rettungstechnische und medizinische Nutzen der Christophorus Flugrettung ist unumstritten, das zeigen langjährige Erfahrungen. Außerdem bestätigen wissenschaftliche Untersuchungen, dass die Überlebensrate z.b. nach Verkehrsunfällen erheblich sinkt, wenn nicht schnellstmöglich eine qualifizierte notärztliche Versorgung einsetzt. Über den volkswirtschaftlichen Nutzen der Flugrettung wurden und werden immer noch teils heftige Diskussionen geführt, obwohl schon alleine aus ethischen Gründen, in einem Staat wie Österreich, kein Rettungsmittel zu viel und schon gar nicht zu teuer sein dürfte. Abgesehen von ihrer ethischen Bedeutung sprechen aber auch viele Fakten für eine effiziente Flugrettung. Zum einen spielt der Faktor Zeit eine entscheidende Rolle. Notarzthubschrauber sind dreimal schneller als jede bodengebundene Einsatzmaßnahme und das wirkt sich auf viele andere Bereiche positiv aus. Die Zeit des Krankenhausaufenthalts, aufgrund der schnelleren Rehabilitationszeit nach einer baldigen notärztlichen Versorgung, wird verringert. Eine raschere Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit und ein höherer Grad der wiedererlangten Berufsfähigkeit des Patienten führen zur Senkung der staatlichen Rentenleistungen und der Unfallversicherungsleistungen. Zum anderen lässt ein höherer Verfügungsgrad der Hubschrauber aufgrund der durchschnittlich kürzeren Einsatzdauer im Vergleich zu einem bodengebundenen Rettungssystem die Personalkosten sinken. Ein flächendeckendes, bodengebundenes Notarztsystem wäre erheblich teurer. 23 Grundsätzlich bleibt zu sagen: Jeder Unfall und jede Erkrankung hat volkswirtschaftliche Konsequenzen. Die Arbeitskraft der Verunfallten geht temporär oder dauerhaft verloren, eine Pflegebedürftigkeit kann unabsehbare finanzielle Folgen haben. Es steht außer Frage, dass die soziodemographische Entwicklung unseres Landes das Engagement für einen Fortbestand der Flugrettung rechtfertigt. Als logische Konsequenz sollte der Flugrettung und ihrer nachhaltigen Finanzierung besondere Aufmerksamkeit zu Teil werden vlg. Sie fliegen um Ihr Leben; Joseph Platzer 2003 Eigenverlag J. u. R. Platzer GesnbR 24 lt. Univ. Prof. Dr. Wolfgang Voelckel, M.Sc. zur Notfallmedizinischen Entwicklung der vergangenen 25 Jahre Visionen für die Zukunft 27

32 6.3 Einsatzarten In Hinsicht der Hilfestellung bei Unfällen mit schwerverletzten Personen oder akut erkrankten Patienten spielt natürlich der Faktor Zeit eine lebensentscheidende Rolle. Jahrelange Erfahrungen der Piloten sowie der gesamten Crew, modernste Technik an Bord sowie ein Qualitätsmanagement mit höchsten Standardanforderungen sind der Schlüssel zum Erfolg bzw. zum oftmaligen Sieg im Wettlauf gegen die Zeit. Ausschließlich die 48 Piloten arbeiten für die Christophorus-Crew im Angestelltenverhältnis. Österreichweit rund 250 freiwillige Flugretter rekrutieren sich aus Mitgliedern diverser Einsatzorganisationen wie beispielsweise Rotes Kreuz oder Bergrettung. Die 285 Flugrettungsärzte sind Spitals- bzw. teilweise auch niedergelassene Ärzte. Grundsätzlich kann man zwischen drei verschiedenen Einsatzarten 25 unterscheiden: Primäreinsätze sind Flüge zur Rettung von Menschen aus unmittelbar drohender Gefahr für ihr Leben oder ihre Gesundheit. Sie stellen den größten Teil der Flugeinsätze dar. Verkehrs-, Arbeits-, Sport- und Freizeitunfälle besonders in entlegenen Gegenden erfordern schnellstmögliche Bereitstellung notfallmedizinischer Versorgung bzw. die Bergung aus dem Gefahrenbereich. Sekundäreinsätze stellen einen nicht unbedeutenden Teil der Einsatzstatistik der Christophorus Flugrettung dar. Das sind Ambulanzflüge zur Überstellung von Patienten in Schwerpunktkliniken. Vor allem durch Schnelligkeit und die schonende Transportweise ist hier der Einsatz des Rettungshubschraubers besonders effizient. Fehleinsätze sind Einsätze, bei denen kein Patientenkontakt besteht bzw. zustande kommt. Meist sind das Flüge, die während dem Flug zum Notfallort von den anwesenden Rettungskräften storniert werden, weil sich die Verletzungen als minder schwerwiegend herausgestellt haben. Auch der Abbruch eines Fluges aufgrund von Wetterbedingungen, die einen Einsatz nicht zulassen, wird als Fehleinsatz gewertet. 25 vgl. Rettende Rotoren Flugrettung in Österreich; Joseph Platzer; 1996 Eigenverlag J. u. R. Platzer Ges.n.b.R. 28

33 48 Piloten, verteilt auf 17 Standorte in ganz Österreich, und über 500 Crew-Mitglieder (Ärzte, Flugrettungssanitäter, Bergretter) starten jährlich zu über Einsätzen und bringen so schnelle Hilfe aus der Luft. Diese Einsätze gliedern sich folgendermaßen: Abb 14: Einsatzgliederung, CFV 7 Alltag in Österreich 7.1 Ein positives Beispiel Sonntag früh, die 17-jährige Melanie schaut mit verschlafenen Augen aus ihrem Zimmerfenster. Eine weiße Pracht bietet sich ihrem Blick. Noch ist es ein wenig dunkel, aber wie schön müsste es am Berg oben sein, bei strahlendem Himmel und knirschendem Neuschnee. Also nichts wie raus, und auf die Piste! Der Bus bringt sie und ihre gesamte Schiausrüstung sicher zum Seilbahnparkplatz. Sie besorgt sich ein Tagesticket und schon geht es mit der Gondel bergauf. In puncto Sicherheit ist Melanie gut ausgerüstet. Skihelm und auch ein Rückenprotektor gehören zu ihrer Ausrüstung. Wer den Genuss kennt, als einer der Ersten über eine frisch präparierte Skipiste zu carven, kann sich ausmalen, wie sich Melanie fühlt. Die ausgezeichnete Skifahrerin 29

34 nutzt die Gunst der Stunde und zieht mit langen Schwüngen eine gleichmäßige Wellenlinie in Richtung Talstation. Doch plötzlich: ein kapitaler Sturz! Wieso, kann sich Melanie heute noch immer nicht genau erklären. Während Kopf und Rücken dank der Sicherheitsausrüstung unversehrt bleiben, verspürt sie einen stechenden Schmerz im linken Knie. An ein Aufstehen ist nicht zu denken, das wird ihr nach dem ersten Versuch rasch klar. Was tun? Rasch fasst sich die junge Frau, greift zum Handy in ihrer Anoraktasche und wählt die Nummer der Rettung. Aufgrund ihrer Schilderungen ist sofort klar: Da helfen nur die Bergrettung und der Rettungshubschrauber. Schnell ist die Hilfe vor Ort und Melanie wird in eine nahe gelegene Klinik geflogen. Das gerissene Kreuzband ist bald operiert und Melanie ist auf dem Weg der Besserung. Die Kosten für den Ersttransport (rund 2.000,-) trägt, dank der Mitgliedschaft von Melanies Eltern beim ÖAMTC, der ÖAMTC-Schutzbrief Beispiele mit weniger gutem Ausgang für den CFV Ein sechsjähriger Bub wird in der Steiermark bei einem Verkehrsunfall aus dem Auto und weit durch die Luft geschleudert. Sofort hebt ein Christophorus- Notarzthubschrauber ab, trifft innerhalb von Minuten am Unfallort ein. Das Kind muss künstlich beatmet werden, überlebt aber aufgrund der raschen Versorgung durch die Crew der Fliegenden Intensivstation. Glück für das Kind, Pech für den ÖAMTC und seine Mitglieder: Die Krankenkasse, welche die Notwendigkeit des Einsatzes im Nachhinein prüft, hat auch noch Monate später keinen Cent für den ihrer Ansicht nach gar nicht notwendigen Flug bezahlt. Auf der B10 bei Parndorf/Bgld. prallt ein junger Lenker im Zuge eines Überholmanövers gegen einen Baum. Den Unfallzeugen und der alarmierten ÖAMTC-Crew bietet sich ein Bild des Grauens. Doch das Unfallopfer hat Glück: Im Krankenhaus werden nur relativ leichte Verletzungen festgestellt. Die Sozialversicherung bezahlt daher für diesen Notarzthubschrauber-Einsatz keinen Cent der Einsatz war, im Nachhinein festgestellt, nicht notwendig gewesen aus autotouring 02/2009 Kostenloser Heli-Transport 27 aus autotouring Februar

35 7.3 Aktuelle Pressemeldungen Fälle wie diese zeigen, dass die Flugrettung für den ÖAMTC derzeit nicht kostendeckend ist. Schon im Jahr 2007 habe man drei Millionen Euro Verlust gemacht, für 2008 rechnet man mit einem Minus von 4,5 Millionen Euro. Zu viel für einen Verein, meint dessen Präsident Werner Kraus und kündigt den 2001 mit der Republik Österreich geschlossenen Vertrag über die Betreibung der Flugrettung an neun von 17 Standorten mit Wirkung Seit Anfang 2007 kommt das Thema Finanzkrise der ÖAMTC-Flugrettung nicht zur Ruhe. Hilferufe der finanziell angeschlagenen Flugrettung bleiben ohne effiziente Antwort der zuständigen Institutionen. Die Bundesländer Burgenland, Niederösterreich, Oberösterreich und Tirol bilden eine Ausnahme, dort gibt es zuminderst mittelfristige finanzielle Zusagen. Forderungen für eine Verlängerung der Verträge sind klar formuliert: Bis 2011 muss die Regierung die Finanzierung auf eine neue Basis stellen. Vorschläge von Seiten des ÖAMTC gäbe es dazu bereits. 8 Die Organisation der Flugrettung in Österreich Hier gebe ich eine Erörterung der Hintergründe der österreichischen Flugrettung in rechtlicher und finanzieller Hinsicht. 8.1 Rechtliche Hintergründe Das Flugrettungswesen in Österreich ist aus verfassungsrechtlicher Sicht in Gesetzgebung und Vollziehung einerseits Gemeindesache, aber auch in Kompetenz der Bundesländer und des Bundes. Die Gemeinden haben laut Gesetz für die Erreichbarkeit der nötigen Hilfe bei Erkrankung und Entbindungen sowie für die Rettungsmittel bei plötzlichen Lebensgefahren, Sorge zu tragen. Gemäß Art.10 Abs 1 Bundesverfassungsgesetz obliegt dem Bund die Gesetzgebung und die Vollziehung in den Angelegenheiten des Gesundheitswesens. Die Angelegenheiten des Hilfs- und Rettungsdienstes sind in Gesetzgebung und Vollziehung gemäß Art.15 Bundesverfassungsgesetz Landessache. Die Landesrettungsgesetze regeln diese Kompetenzen teilweise aber sehr unterschiedlich und nicht ausreichend. Dies führt zu einer mehr oder weniger unübersichtlichen 31

36 Kompetenzlage. Es kann festgestellt werden, dass in neun Bundesländern, neun inhaltlich unterschiedliche Rettungsgesetze entstanden sind bzw. existieren Vereinbarungen zwischen Bund und Ländern Versucht man die landesgesetzlichen Regelungen zu ordnen, ergibt sich für die Flugrettung im Konkreten folgendes Bild: Die Flugrettung durch Notarzthubschrauber kann in den Bundesländern Tirol, Niederösterreich und im Burgenland eindeutig der Landeszuständigkeit zugerechnet werden und es gibt auch Regelungen hinsichtlich der Leistungsvergütungen und Kostenteilungen. Tirol kann die umfassendste Regelung des Flugrettungswesens vorweisen. Auch Salzburg kann zu jenen Ländern gezählt werden, welche die Flugrettung als Landeszuständigkeit, die finanziell zu fördern ist, betrachten. In Kärnten, der Steiermark und in Wien erfährt die Flugrettung keine besondere landesgesetzliche Regelung, sie wird im Hilfs- und Rettungswesen nicht gesondert erwähnt, wird aber auch nicht ausgeschlossen. In Oberösterreich und in Vorarlberg jedoch beziehen sich die landesgesetzlichen Regelungen offenkundig nicht auf Flugrettungseinsätze. Zwischen den Bundesländern Salzburg, Kärnten, Steiermark, Vorarlberg, Oberösterreich, Tirol und Wien einerseits und dem Bund andererseits wurden wiederum Vereinbarungen getroffen, die die Aufgaben der Länder teilweise wieder an den Bund übertragen. So ist der Bund für die Flugeinsatzstelle, den Hubschrauber und die Durchführung des Flugbetriebs zuständig, während die Länder die Aufgabe haben, die Rettungsstelle zu betreiben, Stationierungsvoraussetzungen für den Hubschrauber zu schaffen sowie Flugrettungsärzte, Sanitäter und Bergungsspezialisten bereitzustellen. Die Kostentragung ist ebenfalls in diesem Verhältnis geregelt Vereinbarungen mit dem Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger zur Finanzierung Gemäß 2 der Vereinbarung zwischen dem Christophorus Flugrettungsverein und dem Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger dürfen im Vertrag näher beschriebene Flugtransporte auf Rechnung der Versicherungsträger vom CFV durchgeführt werden sofern sie medizinisch notwendig sind. 28 vgl. Diplomarbeit Die Flugrettung in Österreich; Martin Zirwig, Vgl. Schrammel/Welser Die Kostentragung bei Flugrettungseinsätzen (2007) 32

37 Hubschraubertransporte können nur als akzessorische Leistung zur Krankenbehandlung gesehen werden. Das heißt, dass entweder vor oder nach dem Transport eine Krankenbehandlung erfolgen muss. Die Krankenbehandlung muss ausreichend und zweckmäßig sein, darf aber das Maß des Notwendigen nicht übersteigen. Dieser Grundsatz muss nun auch auf den Transport mit dem Hubschrauber umgelegt werden. Aus diesem Grund übernehmen die SV-Träger zum Beispiel einen Kostenersatz für einen Hubschraubertransport bei einem Schädel-Hirn-Trauma, nicht aber bei einem gebrochenen Finger. Die Feststellung der medizinischen Notwendigkeit obliegt dem Sozialversicherungsträger. Sie wird im Nachhinein anhand der NACA-Grade festgestellt. 30 Dieses System wurde vom National Advisory Committee for Aeronautics ursprünglich im Hinblick auf Unfälle in der Luftfahrt entwickelt. Das achtstufige System bezeichnet die Schwere der Verletzung oder Erkrankung. NACA 0 keine Verletzung oder Krankheit NACA I geringfügige Störung, keine ärztliche z.b. leichte Hautabschürfung Intervention erforderlich NACA II Leichte bis mäßig schwere Störung. z.b. Fraktur eines Fingerknochens Ambulante ärztliche Abklärung, in der Regel aber keine notärztlichen Maßnahmen erforderlich NACA III Mäßige bis schwere, aber nicht z.b. Oberschenkelfraktur lebensbedrohliche Störung. Stationäre Behandlung erforderlich, häufig auch notärztliche Maßnahmen vor Ort NACA IV Schwere Störung, bei der die z.b. schwerer Asthmaanfall kurzfristige Entwicklung einer Lebensbedrohung nicht ausgeschlossen werden kann; in den überwiegenden Fällen ist eine notärztliche Versorgung erforderlich NACA V Akute Lebensgefahr z.b. schwerer Herzinfarkt NACA VI Atem- und/oder Kreislaufstillstand bzw. Reanimation NACA VII Tod In der Regel werden nur Unfälle mit NACA III VI (farblich hinterlegt) bezahlt. 30 lt. SV-Träger Österreich Manfred Fohringer (2009) 33

38 Für medizinisch notwendige Einsätze (also NACA III VI) wird eine Pauschale pro Primäreinsatz bezahlt. Diese Pauschale beträgt standardmäßig 948,27 Euro und in Einzelfällen nach regressfähigen Verkehrsunfällen (d.h. der transportierte Patient war nicht schuld am Unfall) 1.821,97 Euro. Die Sozialversicherung bezahlt für folgende Unfallarten eine Pauschale: Chirurgische Notfälle, gynäkologische Notfälle, internistische Notfälle (z.b. Herzinfarkt), neurologische Notfälle (z.b. Schlaganfall), pädiatrische Notfälle, psychologische Notfälle, Suizid, Arbeitsunfall, Haushaltsunfall und Sport- oder Freizeitunfall (sofern sich diese nicht in alpinem Gelände ereignen). 8.2 Privateinsätze Verhältnis CFV und Patient Grundsätzlich werden den Patienten keine Kosten in Rechnung gestellt. Eine Ausnahme bilden Privateinsätze. Das sind Einsätze nach Sport- und Freizeitunfällen in alpinem Gelände sowie Bergnot hierfür bezahlt die Krankenkasse keine Pauschale. Deshalb werden dem Patienten, oder dessen privater Versicherung, ein Betrag pro Flugminute, ein Fixbetrag für die Bereitschaftsgebühr, die verabreichten Medikamente und das verwendete Material vorgeschrieben. In über 95 Prozent dieser Fälle besitzt der Patient jedoch eine private Unfallversicherung, die in den meisten Fällen die Kosten zurückerstattet. Häufig sind solche Versicherungen auch in den Mitgliedschaften bei diversen Sportvereinen oder Automobilclubs inkludiert. Ansprüche gegenüber privaten Unfallversicherungen werden auf gleichem Wege geltend gemacht wie Ansprüche gegenüber den SV-Trägern. Ebenso unterliegt in diesem Fall die Notwendigkeit des Einsatzes einer Beurteilung im Nachhinein, wobei hier anzumerken ist, dass der größte Teil dieser Einsätze auch im Nachhinein als notwendig betrachtet wird. 8.3 Die Finanzierung des CFV Die Einnahmen des CFV setzen sich unter anderem aus den Mitgliedsbeiträgen der fördernden Mitglieder des Vereins, Subventionen der Bundesländer, Sponsorengeldern, hauptsächlich von den beiden Versicherungen UNIQA und GENERALI, sowie aus Zuschüssen vom ÖAMTC zusammen. Vorschreibungen an Privatversicherungen sowie an die Sozialversicherung stellen ebenfalls eine Einnahmequelle dar, wobei bei letzterer nicht alle Einsatzkosten gedeckt werden. 34

39 Kostendeckend kann der CFV schon des längeren nicht mehr arbeiten, dadurch wird der ÖAMTC und mit ihm seine Mitglieder immer stärker zur finanziellen Pflicht genommen Vertragskündigung durch den ÖAMTC Die vorsorgliche Vertragskündigung zwischen dem ÖAMTC und der Republik Österreich basiert grundsätzlich auf Unstimmigkeiten in der Verrechung von Einsätzen Beurteilung der Notwendigkeit von Einsätzen Im Einsatzfall kann der ÖAMTC nicht entscheiden, den Hubschrauber zu starten oder nicht, sondern wird von einer unabhängigen Leitstelle alarmiert. Die Beurteilung von Seiten der Krankenkassen wird, wie schon oben erklärt, gemäß dem achtstufigen NACA-System durchgeführt. Pauschalen werden in der Praxis nur dann bezahlt, wenn der Patient schwer verletzt ist, das entspricht NACA V oder VI, jedoch nicht tot ist. Die Verrechnung von Einsätzen mit Patienten im Bereich NACA III und IV ist von Fall zu Fall verschieden, jedoch nicht fix gewährleistet. Auch wird eine Pauschale nur dann bezahlt, wenn der Patient tatsächlich durch den Christophorus-Hubschrauber transportiert wurde. Fehlalarmierungen oder leere Flüge werden nicht bezahlt. Für Einsätze, bei denen sich die Verletzungen oder Erkrankungen des Patienten nachträglich als leichter herausstellen, als vor Ort befürchtet, oder bei denen der Patient noch vor Einlieferung ins Spital stirbt, wird von den Krankenkassen nicht bezahlt. Die ex-post (im Nachhinein)-Beurteilung der Notwendigkeit einer Hubschrauberanforderung wird vielfach kritisiert, es wäre wichtiger zu hinterfragen, ob die Entscheidung für die Hubschrauberanforderung im Moment, als sie getroffen wurde, gerechtfertigt war Bezahlung von Einsätzen Aktuellen Zahlen zufolge (Jänner bis November 2008) verzeichneten die Christophorus-Stützpunkte geflogene Einsätze, wobei Sekundärtransporte 31 vgl. Diplomarbeit Die Flugrettung in Österreich Mag. Martin Zirwig

40 nicht in die Berechnung miteinbezogen wurden Alle Einsätze Fehleinsätze 6000 Sozialversicherungseinsätze Privateinsätze 0 Alle Einsätze Abb 15 Gliederung der Einsätze Privateinsätze Von diesen Einsätzen wurden 8,6% nicht bezahlt, weil sie Fehleinsätze waren. Die restlichen Einsätze teilen sich wie folgt auf: 76,5% Sozialversicherungs- Einsätze; 14,9% Privateinsätze. Privateinsätze werden fast zur Gänze bezahlt. Über die Gesamtheit der Einsätze 2008 kann man mit statistischer Wahrscheinlichkeit sagen, dass von Hubschrauberflügen bezahlt werden, d.s. 64,5%. Der Rest wird abgelehnt oder gar nicht vorgeschrieben, da sie nicht bezahlt werden würden alle Einsätze bezahlt nicht bezahlt Abb 16 Gliederung der Einsätze nach ihrer Vergütung Ebenfalls wird beanstandet, dass die Pauschalen, die bezahlt werden, nicht mehr dem aktuellen Stand der Wirtschaftslage entsprechen. Seit 2006 ist die Höhe der Pauschalvergütung unverändert, jedoch gibt es dafür auch keine vertragliche 36

41 Regelung. Der CFV sieht sich mit immer höheren Preisen in Bezug auf Kerosin und Ersatzteilen konfrontiert. Im Vorjahr betrugen die Verluste 3 Millionen Euro, für das Jahr 2008 wird ein Verlust von 4,5 Millionen Euro erwartet. 8.5 Die Sozialversicherer zur Vertragskündigung Die österreichische Flugrettung ist in jedem Fall ein wichtiger Teil der Erstversorgung nach Unfällen (vlg. 6.2). Demnach sollten ihre Anliegen auch oberste Priorität in den Reihen der Sozialversicherer Österreichs finden. Hier eine Stellungnahme der Sozialversicherungsträger Österreichs: Die SV-Träger weisen auf die primäre Zuständigkeit der Länder im Rettungswesen hin. Die Länder müssten demnach genügend Gelder bereitstellen, um die Erhaltung der erforderlichen Rettungsmittel sicherzustellen. Folglich kann sich die Sozialversicherung nur für wirklich medizinisch notwendige Transporte verantwortlich sehen. Die Sozialversicherung darf auf Grund der gesetzlichen Rahmenbedingungen nur einen kleinen Teil der anfallenden Kosten mittragen. In früheren Jahren, als die Sozialversicherungen finanziell noch ausgeglichen bilanzieren konnten, wurden Tarife vereinbart, die weit über der Zuständigkeit gelegen seien. Noch immer seien die Tarife zwischen Rettungsorganisationen und Sozialversicherung weit über dem Level, für den die Sozialversicherungen auf Grund der Gesetzeslage zuständig sind. Deshalb würden auch die Pauschalen für die Flugrettung momentan nicht weiter erhöht werden. Die derzeitige Situation im Bereich der Flugrettung sei für alle Beteiligten unbefriedigend, so auch für die Sozialversicherung. Die Sozialversicherung versuche deshalb aktiv mit den anderen Partizipierenden zusammenzuarbeiten. Von Seiten der Sozialversicherung würden schon mehrere Varianten für ein langfristiges, bedarfsorientiertes, gerechtes und transparentes Flugrettungssystem in Österreich erarbeitet. Entscheiden müssten nun die gesetzlich Zuständigen lt. SV-Träger Österreichs (2009) 37

42 9 Lösungen Nach der vorsorglichen Vertragskündigung von Seiten des CFV hat dieser von dem Verfassungsjuristen Univ.-Prof. Dr. Walter Schrammel und Univ.-Prof. DDr. Heinz Mayer vom Institut für Staats- und Verwaltungsrecht der Universität Wien ein Gutachten erstellen lassen. Dieses schlägt eine bundesweite Lösung vor. 9.1 Fondsmodell Zielführend wäre die Schaffung einer bundesweit einheitlichen Struktur, um dem veralteten Kompetenzdschungel Einhalt zu gebieten. Diese neue Struktur würde den aktuell hochwertigen Flugrettungsbetrieb des CFV aufrecht erhalten können. Am geeignetsten hierfür schiene eine Fondslösung. Ein Österreichischer Flugrettungsfonds würde vermittelnd zwischen Bund, Ländern und Sozialversicherung einerseits, und dem CFV als Betreiber der Flugrettung andererseits treten. Einerseits würde es zu einer einheitlichen Erarbeitung von Einsatz- und Qualitätskriterien kommen und die Schnittstellen der einzelnen Parteien würden definiert werden, andererseits würde dieser Österreichische Flugrettungsfonds die notwendigen Strukturen gewährleisten und eindeutige Zuständigkeiten aufzeigen. All dies könne einen nachhaltigen Beitrag zu einer gesicherten Finanzierung liefern Individuelle Lösungen Freizeitunfall mit Hubschrauberbergung bestimmt keine angenehme Erfahrung! Dennoch sollten Sie über Ihre Situation in diesem Unglücksfall Bescheid wissen. Wie schon erwähnt, kann man zwischen zwei verschiedenen Einsatzarten unterscheiden: Zum einen sind das Sozialversicherungseinsätze, deren Kostentragung von der Sozialversicherung zu erfolgen hat. Sozialversicherungseinsätze sind: Chirurgische Notfälle, gynäkologische Notfälle, internistische Notfälle (z.b. Herzinfarkt), neurologische Notfälle (z.b. Schlaganfall), pädiatrische Notfälle, psychologische Notfälle, Suizid, Arbeitsunfall, Haushaltsunfall und Sport- oder Freizeitunfall (sofern sich diese nicht in alpinem Gelände ereignen). Ungeachtet der derzeit unklaren Finanzierungsfrage dieser Einsätze hat der transportierte Patient in keinem Fall die Einsatzkosten zu tragen. 33 vgl. Christophorus Magazin Dezember

43 Anders bei Sport- und Freizeitunfällen, welche sich in alpinem Gelände ereignen sowie Bergnot. In diesen Fällen wird nicht die Sozialversicherung, sondern der transportierte Patient zur Kassa gebeten. Die Einsatzkosten von ungefähr 2.000,- können aber durch eine private Unfallversicherung bezahlt bzw. refundiert werden. Im Speziellen ist in diesen Fällen auch die Mitgliedschaft bei alpinen Vereinen, Automobilclubs, Sportvereinen usw. sehr zu empfehlen, da diese oftmals eine Absicherung derartiger Risiken inkludieren. Oftmals ist durch Mehrfachversicherungen (z.b. private Unfallversicherung und Mitgliedschaft bei alpinem Verein) eine unklare Zuständigkeitsfrage gegeben. Hierbei sollte man sich aber als erstes an die Versicherung wenden, die eine Hubschrauberbergung in der Polizze inkludiert bzw. nicht ausschließt. Meistens wird dann zwischen den einzelnen Versicherungsgesellschaften Kostenteilung vereinbart. Können Sie keine dieser Instanzen zur Deckung bzw. Refundierung der Transportkosten gewinnen, müssen Sie die entstandenen Kosten selbst tragen, wobei finanziell Bedürftige durch einen Ausgleichsfond des CFV Unterstützung erfahren können. 39

44 10 Zusammenfassung Freizeitunfall was nun? Unfälle passieren. Tagtäglich und überall. Gerade in Österreich, einem sowohl von Sommer- als auch von Wintersport geprägten Land, sind die Mitglieder unzähliger Rettungsorganisationen oft rund um die Uhr im Einsatz, um Verunfallten Hilfe zu leisten. Freiwillig und ehrenamtlich oder aber auch hauptberuflich. Mit Sicherheit und Stolz können wir sagen, dass Österreich ein Rettungssystem mit sehr hohen Qualitätsstandards besitzt, welches innerhalb kürzester Zeit in der Lage ist, kompetente, effiziente und oft lebensrettende Hilfe an den jeweiligen Unfallorten zu erbringen, ungeachtet der Tatsache, ob jemand versichert ist oder nicht. Was zählt und zählen sollte, ist, im Unglücksfall so schnell wie möglich qualitative und qualifizierte Hilfe für jedermann bereitzustellen. Wollen wir den Gedanken weiterspinnen Qualität kostet genauer gesagt, sie kostet sehr viel. Das österreichische Rettungssystem wird hauptsächlich von Ländern und Bund finanziert, doch gibt es, Sie sehen es am jüngsten Beispiel der unklaren Finanzierungsfrage der Flugrettung, einige Unstimmigkeiten in Bezug auf die Bereitschaft, Budgetmittel für das Rettungssystem bereit zu stellen. Bleibt zu hoffen, dass diese Situation zur Zufriedenheit aller teilnehmenden Parteien gelöst werden kann. Während Gespräche zwischen den politisch Verantwortlichen noch keine aussagekräftigen Lösungen zeigten, möchte ich einen Schritt weiter denken: Es sollte nicht nur von staatlichem Interesse sein, für den Unfallsfall bestmöglich für jeden Bürger vorzusorgen. Auch jeder Einzelne sollte sich seiner Rolle im Vorsorgesystem bewusst werden. Das österreichische 3-Säulen System zur Versicherung besteht zum einen aus der gesetzlichen und der betrieblichen, aber auch aus der privaten Vorsorge, die in der Eigenverantwortung liegt. Freizeitunfall Vorsorgen lautet die Empfehlung! Rettung, Hilfestellung und Versorgung sind Grundrechte jedes Einzelnen, doch was danach? Es ist klar, nach einem Unfall sollte primär nur die Genesung zählen, doch ist es von Nöten, auch den Aspekt der finanziellen Absicherung nicht außer Acht zu 40

45 lassen. Es wäre doch schade, sich die Freude an der wiedererlangten Gesundheit durch die Schatten der finanziellen Ungewissheit trüben zu lassen. Es gibt sehr viele Möglichkeiten, private Unfallversicherungen abzuschließen, bzw. auf andere Weise eine Vorsorge für den Fall eines Unfalles zu treffen. Unfallversicherungen können maßgeschneidert auf die jeweiligen Bedürfnisse abgeschlossen werden und sind in allen Preis- sowie Leistungsklassen am Markt vorhanden. Freizeitunfall alles klar! Nun, am Ende meiner Arbeit hoffe ich, Sie wissen, was zu tun ist - das Stichwort lautet: Vorsorge. Unzählige Möglichkeiten lassen die Versicherungslandschaft Österreichs zu einem Labyrinth werden, doch nützen Sie die Chance und nehmen Sie sich Zeit, ihre optimale Vorsorgemöglichkeit zu suchen. Eine private Unfallversicherung oder die Mitgliedschaft in einem Freizeitverein, Automobilclub etc. würden für Sie das Risiko Freizeitunfall absichern. Der kluge Mann baut vor. (Friedrich Schiller) In diesem Sinne wünsche ich Ihnen unfallfreie Freizeitaktivitäten und hoffe, ich konnte mit meiner Arbeit zu Ihrem Wissen über Vorsorgemöglichkeiten und die Rettungsmaßname Notarzthubschrauber im Hinblick auf Freizeitunfall beitragen. Abb 17: Unfallfreie Freizeitaktivitäten 41

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