Kleine Fibel für BIM - Einsteiger.

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1 Kleine Fibel für BIM - Einsteiger

2 Vorwort BIM (Building Information Modeling = digitales (und fachdisziplinübergreifendes) Modell von Bauwerken) ist derzeit in der deutschen Bauwirtschaft in aller Munde. Es ist uns wohl aufgefallen, dass wir einer digitalen Entwicklung hinterherhinken und uns sowohl die europäische, als auch die außereuropäische Bauwirtschaft bereits überholt hat. Nachdem die klassische Einzelvergabe der Gewerke in der privaten Bauwirtschaft immer mehr ins Hintertreffen geraten ist und die Generalunternehmer das Feld übernahmen, bietet nun BIM eine Chance die Qualität der Planung sowie der Ausführung wieder deutlich zu heben. Aber BIM eröffnet weitere Möglichkeiten. Betrachten wir uns die Struktur europäischer Planungsbüros, fällt auf, dass wir in Deutschland im Gegensatz zum Ausland sehr kleinteilig organisiert sind. BIM bietet kleineren Planungsbüros hier die Chance, vernetzt als digitaler Generalplaner zu agieren. Auch für Bauherrn und Projektentwickler wird das Thema immer interessanter, nicht nur weil mit BIM die Projektabwicklung ebenso wie die Bauqualität deutlich gesteigert werden kann. Die Datenbestände aus BIM werden in der künftigen Projektbewirtschaftung eine immer grösser werdende Rolle einnehmen. Einen Verkauf eines Bauvorhabens ohne BIM als digitale Bestandsdokumentation, wird es bald nicht mehr geben. In jedem Fall kommen wir an BIM nicht mehr vorbei und sind gut beraten, uns auf allen Ebenen des Bauens mit dem Thema zu beschäftigen, um die Vor- und Nachteile gegeneinander abzuwägen. Unsere Kleine Fibel für BIM Einsteiger soll dabei helfen. Hamburg, im August 2015 Inhaltsverzeichnis Seite 2 von 11

3 1 Was ist BIM Zweidimensionale Planung Dreidimensionale Planung Die vierte Dimension - Termine Die fünfte Dimension - Kosten Die sechste Dimension Life Cycle Management 7 2 Möglichkeiten mit BIM Ziele von BIM Planungskommunikation mit BIM Durchgängigkeit der Projektinformationen mit BIM Planungsphasen und Bearbeitungstiefen Voraussetzungen für BIM Notwendige organisatorische Maßnahmen für BIM 8 3 Verantwortliche im BIM Prozess Der BIM Manager Der BIM Koordinator Der BIM Fachkoordinator BIM Projekthandbuch BIM Projektabwicklungsplan BIM Katalog Planprüfung mit BIM - der BIM Checker Visualisierung mit BIM - der BIM Viewer 9 4 Nutzen von BIM 9 5 Kosten von BIM 10 6 Ausblick 10 Seite 3 von 11

4 1 Was ist BIM BIM ist eine integrative Arbeitsmethode, die die Planungsergebnisse aller beteiligten Fachdisziplinen strukturiert zusammenfasst und diese wiederum allen zur Verfügung stellt. Dadurch können Planungsprozesse optimiert und Planungsfehler reduziert werden. Dies erfolgt dreidimensional mittels moderner objektorientierter CAD Software. BIM ist keine neue Zaubersoftware, die auf Knopfdruck alles liefert was wir benötigen es ist die Organisation und Struktur unter den Fachbeteiligten, um ein fachgerechtes und synchronisiertes Bauwerk erstellen zu können. Alle CAD-Programme, die sich am Markt behaupten, sind dreidimensional und somit BIM-kompatibel. Lediglich die Qualität der Schnittstelle ist sorgfältig zu bewerten. Eine zusätzliche Software ist für das Checken der CAD-Modelle erforderlich, da dies nunmehr digital erfolgt sozusagen die digitale Planprüfung auf Basis von logischen Prüfroutinen. Mit BIM haben wir ein optimales Werkzeug in der Hand, um das Orchester der Fachbeteiligten optimal zu dirigieren. Alle Fachbeteiligten werden letztlich durch diese integrative Arbeitsweise profitieren, da das Miteinander transparenter und damit auch einfacher wird. Durch die Transparenz des Planungsprozesses insbesondere des Miteinanders steigt die Qualität und die Fehlerquote sinkt das dient letztlich allen Beteiligten. Schauen wir uns kurz die Veränderungen in der Welt des Planens an: 1.1 Zweidimensionale Planung Vor ca. 25 Jahren gab es noch Transparentpapier und Tinte, mit den ein Bauplan erstellt wurde. Die Archive der Bauämter sind noch voll davon. Nach Einzug der Datenverarbeitung haben wir dann digitale Striche auf virtuelles Papier gezeichnet und diese dann geplottet. Seite 4 von 11

5 Die Zweidimensionale Planung wurde immer mehr perfektioniert, bis wir keine Striche mehr gezeichnet haben, sondern bereits vorkonfektionierte Wände, Stützen, Fenster etc. 1.2 Dreidimensionale Planung Der Sprung zur dritten Dimension ließ nicht lange auf sich warten. Heute stehen wir an einem Punkt, wo viele Fachdisziplinen bereits dreidimensional planen, Ihre Arbeitsergebnisse jedoch zweidimensional ausdrucken und weitergeben. Wenn wir die Planungsergebnisse aller Fachplaner digital übereinanderlegen und abgleichen, tun wir dies meistens immer noch zweidimensional. Wir arbeiten also bereits in weiten Teilen dreidimensional wir nutzen diese Arbeit aber letztlich nur zweidimensional. Seite 5 von 11

6 Mit BIM sind wir heute in der Lage, die Planungsergebnisse, digitale Gebäudemodelle der fachbeteiligten Disziplinen dreidimensional ineinanderzuschieben und abzugleichen. Wir nutzen also die Arbeitsergebnisse erstmals wirklich dreidimensional allein dies bedeutet einen wesentlichen Qualitätssprung, der dem späteren Bauwerk letztlich qualitativ zu Gute kommt. 1.3 Die vierte Dimension - Termine Aus dem BIM Modell lässt sich neben einer Bauablaufsimulation auch eine qualifizierte Terminplanung erstellen. Aus dieser Terminplanung ergibt sich mit den Kosten der fünften Dimension ein qualifizierter Mittelabfluss. 1.5 Die fünfte Dimension - Kosten Da im BIM Modell alle Massen und Qualitäten definiert sind, können die Kosten qualifiziert ermittelt werden. Eigentlich kehren wir mit BIM als digitale Unterstützung zu den Wurzeln der Einzelvergabe zurück. Masse x Einheitspreis = Kosten Wenn die Massen und natürlich die Qualitäten (aus denen sich wiederum die Einheitspreise ergeben) bekannt sind, können die Kosten qualifiziert ermittelt werden. In den Zeiten der Generalunternehmer ist diese gute alte Sitte durch Funktionalausschreibungen und Generalunternehmervergaben der privaten Bauvorhaben immer mehr in Vergessenheit geraten. Seite 6 von 11

7 1.6 Die sechste Dimension Life Cycle Management Die Übergabe qualifizierter Daten an den Gebäudebetrieb ist für einen qualifizierten und damit auch einen kosteneffizienten Gebäudebetrieb eine Grundvoraussetzung. Wahrscheinlich gibt es in wenigen Jahren kein Projekt mehr, dass ohne BIM professionell veräußert wird. In Kürze werden die professionellen Anleger auf BIM bestehen. 2 Möglichkeiten mit BIM 2.1 Ziele von BIM Da nicht zwangsläufig alles was möglich ist, auch dem eigenen Projekt wirklich Nutzen bringt, ist es notwendig, die eigenen Erfordernisse in Zieldefinitionen zu fassen. Die Zieldefinition des Projektes ist die Basis für alle Fachbeteiligten und die Grundvoraussetzung, um eine Projektstruktur für ein BIM Projekt für alle Beteiligten festzulegen. 2.2 Planungskommunikation mit BIM Die Kommunikation der Planer erfolgt anhand des digitalen Gebäudemodells auf einem BIM-Server. Hierdurch wird sichergestellt, dass alle Beteiligten zu jeder Zeit auf die aktuellsten Projektdaten zugreifen. Das Versenden von CAD- Dateien per Mail und die damit verbundenen Fehlerquoten gehören der Vergangenheit an. 2.3 Durchgängigkeit der Projektinformationen mit BIM Durch die Zusammenarbeit der Fachbeteiligten auf einem gemeinsamen Datenmodellserver wird die fachübergreifende Durchgängigkeit der Planung sichergestellt. Seite 7 von 11

8 2.4 Planungsphasen und Bearbeitungstiefen LoD 100 LoD 200 LoD 300 LoD 400 LoD 500 Vorplanung - konzeptionelle Darstellung Entwurfsplanung - Dimensionierung maßgeblicher Bauteile Ausführungsplanung Werk- und Montageplanung Dokumentation des ausgeführten Elements *(LoD = Level of Detail Detailierungsgrad) Hinweis: Bei den LoD Spezifikationen handelt es sich um eine Struktur des BIMFOROM um Planungselemente in den einzelnen Planungsphasen einheitlich zu definieren. 2.5 Voraussetzungen für BIM Grundvoraussetzung für BIM sind klare Regeln der Fachbeteiligten, damit diese wie ein Orchester optimal zusammenspielen. 2.6 Notwendige organisatorische Maßnahmen für BIM Um die BIM Methode optimal zu nutzen, ist es erforderlich, dass der Bauherr die Ziele, die erreicht werden sollen in einer Zieldefinition festlegt. Am besten geschieht dies durch ein BIM Handbuch, das für die Planungsbeteiligten bindend festgeschrieben wird. 3 Verantwortliche im BIM Prozess Seite 8 von 11

9 3.1 Der BIM Manager Auf Seiten des Bauherrn ist ein BIM Manager zu installieren, der mit dem Planungsbeginn die BIM Ziele definiert, diese in Anforderungsprofile für die Fachbeteiligten überträgt und die Einhaltung der Ziele überwacht. Idealerweise erfolgt dies im BIM Handbuch. 3.2 Der BIM Koordinator Klassischerweise ist der Architekt der Planungskoordinator gemäß HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure). Somit fällt ihm analog die Rolle des BIM Koordinators zu, der die Planungsergebnisse der Fachbeteiligten koordiniert. 3.3 Der BIM Fachkoordinator Der BIM Fachkoordinator koordiniert das von Ihm zu vertretende Planungsgewerk. 3.4 BIM Projekthandbuch Im BIM Handbuch des Projektes werden die Projektziele durch den AG definiert. Das Handbuch bildet die Grundlage der Planungsbeteiligten, um Ihr Arbeitspensum zu strukturieren. 3.5 BIM Projektabwicklungsplan Der BIM Projektabwicklungsplan wird vom BIM Koordinator erstellt und mit dem BIM Manager abgestimmt. In dem Projektabwicklungsplan sind die grundsätzlichen Anforderungen aus dem BIM Handbuch für die Fachbeteiligten technisch strukturiert umgesetzt. 3.6 BIM Katalog Der BIM Katalog ist quasi der digitale Bauteilkatalog, mit dem die Fachbeteiligten arbeiten. Er entsteht mit fortschreitender Planung. Bei Wiederholungsprojekten kann er bereits bestehen und als Grundlage der Beteiligten definiert werden. 3.7 Planprüfung mit BIM - der BIM Checker Die Planprüfung mit BIM erfolgt durch sogenannte BIM Checker. Auf digitalem Wege können so Prüfroutinen eingesetzt werden, die die Planung auf Widersprüche und Kollisionen hin überprüfen. 3.8 Visualisierung mit BIM - der BIM Viewer Mit dem BIM Viewer können alle Projektbeteiligten das BIM Modell anschauen und durchwandern. Dafür ist kein CAD Programm oder CAD Kenntnisse erforderlich. Somit haben alle Projektbeteiligten die Möglichkeit, auf den digitalen Planungsstand zuzugreifen und das quasi to go. 4 Nutzen von BIM Der Nutzen von BIM steckt in der koordinierten Planung aller Beteiligten. Durch die synchrone Arbeitsweise wird die Qualität des Planungsprozesses gesteigert und die manuelle Fehleranfälligkeit reduziert. Die Nutzung der Projektinformationen wird konzentriert und eine digitale Auswertung möglich. Die Bewirtschaftung des Objektes wird Seite 9 von 11

10 auf qualifiziertes Datenmaterial abgestellt und deutlich optimiert. Die Revisionsunterlagen, die in den tiefen Kellern langsam vermodern, gehören der Vergangenheit an. 5 Kosten von BIM Kein Planer würde heute mehr auf die Idee kommen, vom Bauherrn Mehrkosten zu verlangen, weil er die Planung auf CAD realisiert, statt mit dem Tintenstift auf Pergamentpapier. Analog sind dem Bauherrn für BIM keine Mehrkosten anzulasten. Natürlich ist der Aufwand für eine Umstellung zunächst einmal vorhanden. Aber genauso wie bei der Einführung der CAD Technik werden die Beteiligten den Mehrwert für eine effizientere Arbeitsweise erkennen, davon profitieren und den am Anfang betriebenen Mehraufwand kompensieren. 6 Ausblick Der deutsche Immobilienmarkt ist geprägt von institutionellen Bestandshaltern, die Ihre Immobilien langfristig nutzen und bewirtschaften. Die Kosten der Gebäudenutzung übersteigen die Kosten der Erstellung oft um ein Vielfaches. Mit dem qualifizierten Datenbestand aus dem BIM Modell können diese Kosten langfristig reduziert werden. Der Gebäudemanager der Zukunft wird BIM anwenden können (müssen). Es kann auch davon ausgegangen werden, dass künftig immer weniger Bauwerke verkauft werden können, die kein BIM Modell als Revisionsunterlage mitliefern bzw. die Verkäufer ohne BIM Modell haben mit erheblichen Abschlägen zu rechnen, da die BIM Modelle dann nachträglich erstellt werden müssen. Seite 10 von 11

11 Ihr Kontakt: Ralf Heiligenthal IPB Consult GmbH Zum Teichhaus Radeburg Tel.: ( ) Seite 11 von 11

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