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1 MATERIAL: Mit dem Handy um die Welt GLOBAL CURRICULUM Fach Geographie Klasse/ Alter Klasse Key Concept Globalisierung und weltweite Verflechtungen SchülerInnenanzahl 1 Klasse Thema (Curriculum) Gütererzeugung in gewerblichen und industriellen Betrieben und die Erde als Lebens- und Wirtschaftsraum des Menschen (BMUKK 2000, S. 3f) Ziele Die Schüler/innen setzen sich kritisch mit dem Lebenszyklus des Handys auseinander. Die Schüler/innen kennen die globalen Zusammenhänge in der Handyproduktion und der Entsorgung. Die Schüler/innen kennen die Akteur/innen der Handybranche und können deren Interessen begründen. zusätzl. Fächer/Sonstiges Physik, Chemie, Englisch, Informatik VerfasserIn Susanne Paschke Zeit Inhalte Methoden Materialien/ Quellen 2-3 UE Der Lebenszyklus eines Handys wird aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet, dabei spielen die Arbeitsbedingungen, der Konsum und die Auswirkungen auf die Umwelt eine tragende Rolle. Arbeitsblätter, stumme Weltkarte (A4), Atlas

2 Mit einem Handy um die Welt Methode: Inhalte: Der Lebenszyklus eines Handys wird aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet, dabei spielen die Arbeitsbedingungen, der Konsum und die Auswirkungen auf die Umwelt eine tragende Rolle. Materialien: Arbeitsblätter, stumme Weltkarte (A4), Atlas Dauer: 2-3 Unterrichtsstunden Durchführung: Die Sequenz beginnt mit einem. Die Themen der vier Expert/innen-Gruppen sind Rohstoffgewinnung, Produktion, Handynutzung und Entsorgung. In der ersten Arbeitsphase sitzen die Expert/innen in gemischten Gruppen und lesen sich ihren Text durch. Nach einigen Minuten gehen alle Expert/innen eines Themas zusammen an einen Tisch und diskutieren die Hauptaussage und eventuelle Unklarheiten. In einer dritten Phase kommt die erste Runde wieder zusammen und jede/r Expert/in erklärt den anderen Gruppenmitgliedern, worum es im Text gegangen ist. Im Plenum kann darüber diskutiert werden. Anschließend kann die Weltkarte in ähnlicher Weise vervollständigt werden: Silber Aluminium Coltan Zinn Kupfer Gold Rohstoff Halbfabrikat Fertigprodukt Abb.1: Der Weg des Handys um die Welt, ein Beispiel 1 1 D-Maps (2007): Erdkarte zentrierte Ausrichtung Europa Afrika Nr.6. Online-Dokument: ( ).

3 Rohstoffe und ihre Gewinnung Handys werden heutzutage immer kleiner, verbrauchen also insgesamt weniger Ressourcen. Doch werden stattdessen immer öfter seltene Rohstoffe darin verbaut. Insgesamt benötigt man für die Herstellung eines Handys mehr als 60 verschiedene Stoffe. Die größten natürlichen Vorkommen dieser Rohstoffe und Metalle finden sich vor allem in den Ländern des globalen Südens. Kupfer aus Chile (verwendet für die Leiterplatte, Kabel, Stecker und Batterien) Gold aus Südafrika (verwendet für die Platine, Kontakte und Anschlüsse) Zinn aus Indonesien (verwendet als Verbindungselement) Coltan aus dem Kongo und Ruanda (verwendet für die Platine) Silber aus Russland (verwendet für die Platine und die Tatstatur) Cobalt aus dem Kongo und Sambia (Teilstoff für wiederaufladbare Batterien) In diesen und andern Ländern sind geschätzte 20 Millionen Menschen am Abbau der Rohstoffe beteiligt. 13 Millionen von ihnen arbeiten unter extrem gefährlichen Bedingungen in den Minen 2. Die Gewinnung von Rohstoffen Der Abbau der Rohstoffe ist für Menschen und Umwelt sehr gefährlich. Beim Kupferabbau in Chile zum Beispiel, herrschen katastrophale Arbeitsbedingungen: Die Sicherheitsvorkehrungen sind schlecht und die Arbeitszeiten lang. Weil durch den Bergbau die Böden der umliegenden Felder verunreinigt werden, wird den dort lebenden Menschen die Lebensgrundlage weggenommen 3. In den afrikanischen Cobaltminen arbeiten besonders viele Kinder. Sie verdienen in den Minen umgerechnet zwei bis vier Euro. Die Arbeit in den Goldminen ist hart und gefährlich: Knaben und Männer klettern in 50 Meter tiefe, enge Schächte. Andere durchwühlen die Erde auf der Suche nach Gold mithilfe von giftigem Quecksilber 4. Das Erz Coltan ist selten und die Nachfrage danach steigt immer weiter. Deshalb ist um diesen Rohstoff ein Verteilkampf ausgebrochen. Das größte Vorkommen von Coltan findet man in der Grenzregion zwischen dem Kongo und Ruanda. In dem Gebiet gibt es seit Jahren Bürgerkrieg. Die beiden verfeindeten Gruppen besetzen Minen und lassen illegal nach Coltan graben. Das bringt ihnen Geld für neue Waffen. 2 Erklärung von Bern 2009, ( ) 3 Thaler, K. (2010): Globalisierung verstehen. Menschen - Märkte Politik. Methoden für den Unterricht. Wien: Baobab. S Erklärung von Bern 2009, ( )

4 Die Handy-Produktion Mit einem neuen Handyvertrag wird das alte Handy meist gegen ein neues um 0 Euro ausgetauscht. Doch wie kommt dieser geringe Preis für ein Gerät zustande? Globale Arbeitsteilung Der weltweite Lebenszyklus eines Handys folgt einer klassischen Arbeitsteilung zwischen dem globalen Süden und Norden: Das bedeutet, dass die Rohstoffgewinnung, die Produktion und die Entsorgung zumeist im Süden und die technische Weiterentwicklung in den Industrieländern passiert 5. Produktion in Südostasien Die gewonnenen Rohstoffe werden zur Weiterverarbeitung nach Südostasien transportiert, zumeist nach China. Mehr als die Hälfte aller Handys weltweit werden hier hergestellt. Die großen Markenunternehmen haben ihre Produktion hierher an sogenannte Kontraktfertiger abgegeben. Das ist billig und flexibel. Denn diese Firmen haben wiederum Zulieferer, die Auftragsarbeiten für sie machen. Sie kaufen einfach Produkte zu, wenn sie sie brauchen. Was bei schlechter Auftragslage mit den Arbeiter/innen passiert, braucht sie nicht zu kümmern, sie sind schließlich nicht in ihrem Unternehmen angestellt. Die Standorte dieser Unternehmen liegen oft in Sonderwirtschaftszonen. Das sind Gebiete, die weniger Auflagen haben, was den Schutz der Umwelt und das Arbeitsrecht betrifft. Außerdem herrschen erleichterte Ein- und Ausfuhrbestimmungen vor. Das ist besonders für ausländische Firmen interessant, die hier große Gewinne machen können. Handyherstellung ist Frauensache Die meisten Arbeiter/innen in den Zulieferfirmen sind junge Frauen. Getrieben von dem Wunsch nach einem besseren Leben verlassen sie ihre Dörfer und kommen in die Städte, wo die Handyindustrie angesiedelt ist. Obwohl sich die Sonderwirtschaftszonen in ihrem eigenen Land befinden, brauchen sie dort eine Aufenthaltsgenehmigung. Diese ist häufig an eine Anstellung in einer der Firmen gebunden, was die Frauen abhängig vom Unternehmen macht. In den Firmen werden sie aber nur befristet angestellt, sie bekommen geringe Löhne und müssen viele Überstunden machen. Weil sie so wenig verdienen, müssen die Arbeiter/innen Wohnheimen der Firma leben. Die dortigen hygienischen Bedingungen sind schlecht. Außerdem werden sie ständig von Aufsehern kontrolliert 6. 5 Thaler, K. (2010): Globalisierung verstehen. Menschen - Märkte Politik. Methoden für den Unterricht. Wien: Baobab. S ebd.

5 Zahlen und Fakten rund um das Handy Handynutzung in Österreich In Österreich waren im Jahr 2010 insgesamt 12,3 Millionen SIM-Karten aktiv, das bedeutet umgerechnet, dass jede/r Österreicher/in, vom Baby bis zum Greis, 1,5 SIM-Karten besitzt. Damit haben alle Österreicher/innen mindestens ein Handy, manche sogar zwei. Kein Wunder, denn Österreich ist ein wahres Mobilfunk-Paradies! In keinem anderen europäischen Land ist Telefonieren mit dem Handy so günstig wie in Österreich. Das wird durch die besonders günstigen Flatrates möglich, bei denen die Nutzer tausende Freiminuten, SMS und Megabyte verbrauchen können. Die vier großen Anbieter (A1, T-Mobile, Orange und Drei) liefern sich auf dem österreichischen Markt einen regelrechten Preiskampf. Anders als z. B. in Deutschland, wo sich die Anbieter untereinander absprechen und damit die Preise konstant hoch halten können. In Summe haben die Handybesitzer/innen im Jahr Milliarden Minuten telefoniert und 6,4 Milliarden SMS verschickt 7. Doch durch die rasante technische Weiterentwicklung bleibt es nicht dabei. Die meisten User/innen nutzen über das Handy Internet, schauen fern, machen Fotos und Videos und teilen sie über das Internet mit der ganzen Welt. Dadurch hat das Handy den Lebensstil der Österreicher/innen stark verändert. Es ist ein wichtiges Organisationsinstrument in Beruf und Privatleben geworden, alles kann ganz praktisch von Unterwegs erledigt werden. Wir sind immer und überall online und erreichbar. Handynutzung weltweit Laut einer Statistik der International Telecommunication Union hat die Welt mittlerweile fast sechs Milliarden Handy-Nutzer/innen. Das sind rund 87% der Weltbevölkerung. Die Länder in denen in den letzten Jahren die meisten SIM-Karten verkauft wurden sind China, Indien (zusammen stellen sie 30% der weltweiten Handynutzer) und die USA. Insgesamt gehören 4,5 Milliarden SIM-Karten Menschen, die in den sogenannten Entwicklungsländern leben. 7 RTR-Bericht 2010, S

6 Entsorgung und Recycling Jede Sekunde werden 36 Handys hergestellt. Die Technologie entwickelt sich ständig weiter und den User/innen werden ständig neue Modelle angeboten, obwohl das alte Handy noch voll funktionstüchtig ist. Im Schnitt sind die Handys damit nur 18 Monate in Gebrauch. Viele landen davon im Müll. Andere schlummern in Schubladen. Insgesamt fallen pro Jahr 50 Millionen Tonnen Elektronikmüll in der ganzen Welt an, Tendenz steigend. Österreich produzierte 2007 allein 61,5 Millionen Kilogramm Elektromüll 8. Verschifft und verschrottet Ganz Europa ist mit der steigenden Flut an Elektroschrott überfordert. Es gibt zwar Gesetze, die die Entsorgung und das Recyceln von Elektroschrott regeln, dennoch wird nur die Hälfte des Mülls ordentlich entsorgt. Das hat den Grund, weil die ordentliche Entsorgung doppelt so teuer ist, wie die illegale Verschiffung 9. Viele europäische Länder exportieren ihr Müllproblem deshalb und zwar nach Südostasien und Westafrika 10. Gefährliche Arbeitsplätze Der Elektroschrott wird auf wilden Deponien gelagert. Dort nehmen Arbeiter/innen die alten Geräte auf offener Straße oder in Hinterhöfen auseinander, um Metalle und Kunststoffe zurückzugewinnen. Häufig arbeiten in der Entsorgung von Elektromüll Kinder und Jugendliche. Sie verbrennen die Kabelisolationen, um das Kupfer freizulegen, oder erhitzen die Leiterplatten über offenem Feuern, um Gold zu gewinnen. Dabei entstehen für die Arbeiter/innen gefährliche Dämpfe, die sie dauernd einatmen 11. Da die Deponien oft auch der Wohnort der Arbeiter/innen sind, sind sie rund um die Uhr den giftigen Chemikalien ausgesetzt. Handys wertvoller Müll Dabei enthält Elektronikschrott dutzende Stoffe, die sehr wertvoll sind und wiederverwendet werden können: Aus 1 Tonne Handys können z. B. 330 g Gold und 120 kg Kupfer gewonnen werden. Alte Handys sind damit eine riesige Rohstoffquelle, die richtig entsorgt Menschen und Umwelt schützt. Deshalb ist es wichtig, alte und kaputte Elektrogeräte wie z.b. Handys fachgerecht zu recyceln. 8 Thaler, K. (2010): Globalisierung verstehen. Menschen - Märkte Politik. Methoden für den Unterricht. Wien: Baobab. S ebd. 10 Erklärung von Bern 2009, ( ) 11 ebd.

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