Gesprächstechnik-Grundlagen
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- Philipp Dieter
- vor 10 Jahren
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1 Gesprächstechnik-Grundlagen Grundlagen Gesprächstechniken sind Verhaltensweisen, die einem konstruktiven und fruchtbaren Gesprächsablauf dienen sollen. Weil jede Technik immer nur auf einen Teilausschnitt des komplexen Gesprächsprozesses abzielt, wäre es ein arges Missverständnis, einzelne Techniken als Garanten erfolgreicher Gesprächsführung einzuschätzen. Ohne Bezug zur Gesprächseinstellung können sie ihre aufbauendförderliche Funktion ins schiere Gegenteil verkehren. 12 Techniken Gesprächstechniken können je nach Zielsetzung verschieden eingeteilt und untergliedert werden. Nachfolgend werden 12 für das Gespräch nützliche Techniken aufgeführt. Die besonders wichtigen Techniken der Gesprächsführung werden im nächsten Teil dann in den Einzelheiten besprochen. 1. Sachlich bleiben 2. Verständlich reden 3. Analytisch zuhören 4. Aktiv zuhören 5. Gefühle direkt ansprechen 6. Feedback geben und nehmen 7. Ich-Botschaften senden 8. Eigene Meinungen sagen 9. Absichten/Ziele klären 10. Überzeugend argumentieren 11. Fragen stellen 12. Fair lenken Sachlich bleiben Nicht sich und die eigenen Interessen, sondern die Sache in den Mittelpunkt stellen. Zur Sachlichkeit können folgende Verhaltensweisen beitragen: Ein Thema als gemeinsames Problem formulieren Probleme analysieren 1
2 Verschiedene Lösungsvorschläge sammeln Informationen erbitten Meinungen als persönliche Wertungen kennzeichnen Soll-Ist-Vergleiche vornehmen Konsequenzen in mehreren Dimensionen (finanziell, personell, technologisch, organisatorisch) diskutieren Verständlich reden Mitteilungen werden leichter verstanden, wenn der Sprecher seine Gedanken organisiert und folgerichtig vorbringt. Als Orientierung können die vier Verständlichmacher dienen: Einfache, kurze Sätze mit geläufigen Wörtern verwenden, Fremdwörter und Fachausdrücke notfalls erklären. Den Sachverhalt in sich gegliedert darstellen, logisch aufbauen, einen roten Faden erkennen lassen. Die Mitteilung kurz und bündig halten, sich auf das Wesentliche beschränken. Zusätzliche Anregungen verwenden: Bilder, Vergleiche, Veranschaulichungen. Analytisch zuhören Ein sachlicher Inhalt kann klarer zur Sprache gebracht werden, wenn die Gesprächspartner analytisch und nicht assoziativ zuhören. Analytisch zuhören bedeutet: Sich durch Reizworte nicht vom Gedankengang abbringen lassen. Bei den Äusserungen des Gesprächspartners bleiben und nicht abschweifen. Nüchtern die Stichhaltigkeit der Argumente prüfen, sich nicht gefühlsmässig mitreissen lassen. In den Argumenten nach unausgesprochenen Voraussetzungen und Scheinbegründungen suchen. Aktiv zuhören Das Zuhören in partnerorientierten Gesprächen heisst deshalb aktiv, weil es sich nicht auf ein passives Entgegennehmen von Informationen beschränkt, sondern eine Reihe höchst aktiver Vorgänge beinhaltet: Sich in den anderen hineinversetzen, sich in seine Lage hineindenken und -fühlen. 2
3 Zu erfassen suchen, was er wirklich meint und ausdrucken will (sich also nicht vordergründig an bestimmten Reizworten oder Äusserungen festhaken). Gefühlslage und Stimmungen des anderen zu erspüren suchen. Eigene Wertungen, Ratschläge und spontane Reaktionen zurückhalten oder zeitweise bewusst unterdrücken. Durch Signale dem anderen zu erkennen geben, dass man seinen Äusserungen folgt (Blickkontakt, Hm, Nicken, Zuwendung). Aktives Zuhören ist zu erkennen, wenn ein Empfänger: Aussagen des Senders zusammenfasse und wiederzugeben sucht dessen Gefühlslage direkt erfasst und anspricht; in offenen oder zum Weiterdenken anregenden Fragen am Kern seiner Äusserungen bleibt; Pausen aushalten kann; nonverbale Signale aussendet. Gefühle direkt ansprechen Gefühle werden vor allem aus nicht-sprachlichen Signalen erkannt und entschlüsselt. Körperliche Reaktionen können drei Grundbewegungen annehmen, aus denen sich gleichsinnige Gefühlsregungen ableiten lassen: Zuneigung (Freude, Zutrauen, Sympathie, Zufriedenheit, Hoffnung) Abneigung (Aggression, Antipathie, Abwehrhaltung, Unzufriedenheit) Furcht (Angst, Zweifel, Enttäuschung, Leid, Ausweichen) Im wirtschaftlichen Bereich herrscht weithin eine gewisse Scheu, die Gefühle eines Gesprächspartners direkt anzusprechen. Es erfordert viel Fingerspitzengefühl und Übung, beobachtete Gefühlsregungen treffend zu erkennen und zu formulieren. Feedback geben und nehmen Nach bestimmten Episoden oder Abschnitten sollten Gesprächspartner rückmelden, wie sie die Situation und den anderen momentan erleben. Unumgänglich sind solche Rückmeldungen dann, wenn Missverständnisse oder Konflikte 3
4 auftreten. Im Feedback teilt der eine dem anderen mit, wie er seine Äusserungen verstanden und aufgenommen hat, welche Wünsche er an ihn hat und wie er sich selbst dabei erlebt. Genauso wichtig wie das Geben ist es, solche Rückmeldungen entgegennehmen zu können, ohne verärgert, verstimmt oder abwehrend auf sie zu reagieren. Solche Rückmeldungen kommen besser an, wenn sie Sachverhalte beschreiben statt bewerten; Gefühle direkt statt indirekt formulieren; in der Ich-Form statt der Man-Form formuliert sind; umkehrbar gehalten sind, d. h. was und wie der Vorgesetzte zum Mitarbeiter spricht, könnte jederzeit auch vom Mitarbeiter zum Vorgesetzten geäussert werden; eigene Wünsche vorbringen (was der andere konkret anders machen soll). Ich-Botschaften senden Ein Gesprächspartner wirkt glaubwürdiger, wenn er seinen Überzeugungen und Gefühlen Ausdruck verleiht. Besonders in Konfliktsituationen ist es wichtig, sich zu den eigenen Gefühlen zu bekennen und diese auch offen auszusprechen. Ich-Botschaften sind daran zu erkennen, dass sie in der Ich-Form gehalten sind ( Ich ärgere mich jedesmal, wenn Sie zu spät kommen. Ich wage es nicht, den Vorstand in dieser Angelegenheit aufzusuchen. ) Sie- oder Du-Formulierungen weglassen ( Sie können aber auch nie pünktlich sein! ). auf Man-Aussagen verzichten ( In so einer Angelegenheit kann man doch den Vorstand nicht aufsuchen! ). Im Betrieb geht es um konkrete Entscheidungen und individuelle Persönlichkeiten, nicht um allgemeine Lebensweisheiten. Beobachtungen und Wünsche unmittelbar und direkt ausdrucken (nicht: Ich könnte mir denken, dass Sie die Aufgabe übernehmen sondern: Ich möchte, dass Sie die Aufgabe übernehmen. ). Eigene Meinungen sagen Jeder Vorgesetzte hat eine eigene Meinung. Mancher glaubt aber, sie nicht offen legen zu sollen (z. B. bei Beurteilungen) oder sich hinter Autoritäten (höheren Vorgesetzten, Fachleuten) verschanzen zu müssen. Auch wird der Begriff psychologische Gesprächsführung zu oft so aufgefasst, dass 4
5 der Vorgesetzte sich möglichst seiner eigenen Meinung enthalten solle. Der Glaubwürdigkeit und erfolgreichen Zusammenarbeit aber dient es, wenn der Vorgesetzte den Mut hat, sich auch vor unangenehmen Mitteilungen und persönlichen Stellungnahmen nicht zu drücken; ein Gespür entwickelt, wann seine Meinung erbeten oder gefordert ist, und wann nicht; seine Meinung nicht apodiktisch vorträgt, sondern die Subjektivität seines Standpunktes erkennen lässt (ich meine..., nach meiner Erfahrung Absichten/Ziele klären Gespräche können kürzer und konzentrierter werden, wenn der Vorgesetzte gleich zu Beginn seine Absichten und Zielsetzungen für das Gespräch klar mitteilt. Dabei sollte er seine persönlichen Vorstellungen und Ziele vortragen; die Mehrdeutigkeit von Zielen beachten: Ziele können eine menschliche, technische, finanzielle, organisatorische Seite haben; Zielkonflikte (zwischen den Aspekten und/oder Gesprächspartnern) unumwunden ansprechen. Überzeugend argumentieren Die Überzeugungskraft einer Argumentation erhöht sich, wenn sie an die Vorstellungen, das Bezugssystem die Motive des Zuhörers anknüpft. Die schrittweise Hinführung zu den erforderlichen Konsequenzen erwächst organisch daraus. Empfehlenswertes Vorgehen: Ziele festlegen Erwartungen und Erfahrungen des Mitarbeiters einbeziehen Wege analysieren positive/negative Folgen aufzeigen konkrete Massnahmen festlegen Häufig wird der umgekehrte Weg eingeschlagen: Zuerst wird gesagt, was zu tun sei und erst danach wird versucht, den Zuhörer dazu zu bewegen, dies auch zu tun. Fragen stellen 5
6 Fragen sind ein zentrales Element der Gesprächsführung. Wer fragt, bewegt den Zuhörer zu einer Antwort. Um ausweichende Antworten zu vermeiden, sollte man aber nicht mehrere Fragen gleichzeitig stellen. Man kann zwischen geschlossenen und offenen, direkten und indirekten Fragen unterscheiden: Geschlossene Fragen lassen nur ja oder nein, Zahlen oder Fakten als Antworten zu. ( Haben Sie den Projektbericht abgeschlossen? ) Offene Fragen geben dem Antwortenden die Möglichkeit, aus seiner Sicht Stellung zu nehmen. ( Wie weit sind Sie mit dem Projektbericht? ) Direkte Fragen erkunden unmittelbar, was der Fragende wissen will. ( Was halten Sie vom Vorschlag des Kollegen Meier? ) Indirekte Fragen verfolgen ein anderes Ziel oder eine bestimmte Strategie (Suggestiv-, Fang- und Doppelsinnfragen). z.b.: Halten Sie den Vorschlag des Kollegen Meier nicht auch für zu kostspielig? Für ein Mitarbeitergespräch sind meist die offenen und direkten Fragen vorzuziehen. (Siehe auch Fragetechnik!) Fair lenken Der andere muss erkennen können, was beabsichtigt ist und eine faire Chance haben, eine Alternative vorzuschlagen. Die folgenden Verhaltensweisen heben sich von manipulativen Techniken dadurch ab, dass sie offen und durchsichtig sind. Probleme formulieren und definieren: Wo stehen wir? Worum geht es? Vorschläge zum methodischen Vorgehen machen: Problemanalyseschemata, Protokollführung, Moderation, Zeitraum abstecken usw. Vorschläge zum Inhalt erbitten und selbst machen. Äusserungen konkretisieren: nachfragen, klären, auf die Sache beziehen. Informationen erfragen und geben. Äusserungen phasenweise zusammenfassen, Schlussfolgerungen daraus ziehen. Eine Entscheidung herbeiführen und verbindlich festlegen. Fazit 6
7 Die Gesprächstechniken sind nicht als Rezepte zu begreifen, auf die die Führungskraft nach Gutdünken zurückgreifen kann, um einen Gesprächserfolg zu programmieren. Die Gesprächstechniken sind lediglich Hilfen. Zu einem guten Gespräch gehört aber weit mehr, nämlich sich der vier Einflussfaktoren menschlicher Kommunikation bewusst zu sein, zu beachten und zu gestalten; die eigenen Gesprächseinstellungen zu kennen und gegebenenfalls zu ändern. Erst innerhalb dieser Gesamtkonzeption gewinnen die Gesprächstechniken jenen Platz, an dem sie unentbehrlich sind, ohne jedoch überschätzt zu werden. Die beschriebenen Gesprächstechniken sind als Einheit zu betrachten. Der sinnvolle Gebrauch der einzelnen Techniken hängt von drei Faktoren ab: von der körperlich-seelischen Verfassung der Gesprächspartner. Anregungen und Überforderungen, Erfolg und Misserfolg, Hoffnung und Enttäuschung, Risiko und Angst, Empfindlichkeit und Robustheit usw. beeinflussen das Befinden eines Menschen, was ein jeweils anders geartetes Ansprechen erforderlich macht. von der jeweiligen Sachlage (Aufgabenstellung, Situation Zeitdruck usw.). In einem Problemlösungsgespräch müssen andere Techniken im Vordergrund stehen als in einem Beurteilungsgespräch, und da wieder andere als bei einer Zielvereinbarung. von der momentanen Phase im Gesprächsablauf. Beginn, Mitte und Ende eines Gesprächs erfordern schwerpunktmässig den Einsatz verschiedener Techniken. Obwohl die Gesprächstechniken insgesamt zusammengehören, ist es sinnvoll, einzelne Techniken herauszugreifen und gezielt zu trainieren. 7
Sensibilität und soziales Gespür Echtheit Partnerschaftlichkeit i.s. von Umkehrbarkeit und Wechselseitigkeit Rücksicht & Wohlwollen Glaubwürdigkeit
Gesprächstechniken Gesprächstechniken sind äußerlich beobachtbare Verhaltensweisen, die einem konstruktiven Gesprächsablauf dienen sollen. Weil jede Technik immer nur auf einen Teilausschnitt des hochkomplexen
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