Terrestrische Navigation
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- Jens Hausler
- vor 9 Jahren
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1 Terrestrische Navigation Wesentlicher Bestandteil der Navigation ist die Bestimmung des Schiffsortes und des Kurses. Wird das Auffinden einer angegebenen Position bzw. der eigene Schiffsort mittels Landmarken, Schifffahrtszeichen, schwimmender Seezeichen, der Beschaffenheit des Meeresboden oder mit Hilfe des allgemein eingeführten Koordinatensystems bestimmt, dann nennt man diese Art der Navigation terrestrische Navigation. Die Navigation mittels technischer Geräte, Global Positioning System (GPS), Loran C oder Radar wird technische Navigation genannt. Angaben über die Merkmale der Schifffahrtszeichen findet man in den Leuchtfeuerverzeichnissen bzw. in der Admirality List of Lights (britisches Leuchtfeuerverzeichnis), auszugsweise in den Seekarten, in der Karte 1/INT 1 des BSH sowie hinsichtlich der schwimmenden Schifffahrtszeichen in der Anlage I zur SeeSchStrO. 1. Nautische Veröffentlichungen 1.1 Leuchtfeuerverzeichnis In den Leuchtfeuerverzeichnissen bzw. in der Admirality List of Lights findet man eine umfangreiche Beschreibung der Leuchtfeuer, Feuerschiffe und Großtonnen hinsichtlich der Farbe, der Bauart und des Bauwerkes, der Auffälligkeiten und Besonderheiten sowie deren geographische Lage. Ferner erhält man Angaben über die Kennung des Feuers (wobei die Verdunkelungen in Klammern gesetzt sind), Wiederkehr, Sektoren, Nenntragweite und Höhe des Feuers über Wasser. Als Höhe des Feuers gilt im allgemeine die Höhe der Lichtquelle. Sie ist in Gewässern mit Gezeiten als Höhe über das mittlere Hochwasser und in gezeitenlosen Gewässern als Höhe über den mittleren Wasserstand angegeben. Befeuerte Tonnen die kleiner als 8 m hoch sind, sind nicht erfasst. Darüber hinaus findet man eine Tabelle zur Ermittlung des Abstandes eines Feuers in der Kimm (Sichtweite) in Abhängigkeit der Augeshöhe. 1.2 Nautischer Warn- und Nachrichtendienst Um die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs auf den Seeschifffahrtsstraßen, auf der Hohen See oder den Hoheitsgewässern anderer Staaten zu erhalten, wurde der nautische Warn- und Nachrichtendienst eingerichtet. Mit der Durchführung dieses Dienstes sind verschiedene Behörden beauftragt, die zu diesem Zweck die Nachrichten für Seefahrer (NfS), die Bekanntmachungen für Seefahrer (BfS) und die Nautischen Warnnachrichten (NWN) herausgeben. Michael Hüsken 1
2 1.3 Nachrichten für Seefahrer Die Nachrichten für Seefahrer (NfS) erscheinen einmal wöchentlich in Heftform, für die deutsche Küste auch im Internet, und werden vom BSH in deutscher und englischer Sprache herausgegeben. Sie enthalten wichtige Maßnahmen, Ereignisse und Veränderungen auf den Seeschifffahrtsstraßen, auf der Hohen See und den Hoheitsgewässern anderer Staaten im europäischen und angrenzenden Bereich und dienen in erster Linie der Berichtigung von Seekarten, Seehandbüchern sowie des Leuchtfeuerverzeichnisses. Sie sind für die sichere Schiffsführung unerlässlich. Das britische Gegenstück sind die Notices to Mariners. 1.4 Bekanntmachungen für Seefahrer Die Bekanntmachungen für Seefahrer (BfS) sind für die Sportschifffahrt besonders wichtig und werden von der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes und für die kommunalen Häfen von den Hafenverwaltungen herausgegeben und veröffentlicht. Sie werden an den amtlichen Aushangstellen der Wasser- und Schifffahrtsämter, Hafenverwaltungen, Dienststellen der WSP, Schleusen und Yachthäfen. die sich im Bereich des betreffendes Seegebietes befinden zur Kenntnis gebracht und enthalten Angaben über wichtige Maßnahmen und Ereignisse auf den Seeschifffahrtsstraßen und der ausschließlichen Wirtschaftszone (Festlandsockel) der Bundesrepublik Deutschland, also umfassende Informationen über alles, was auf den Revieren und in Küstengewässern der Bundesrepublik Deutschland an Gefahren und Änderungen beachtet werden muss. Besonders häufige Nachrichten sind: Änderungen an der Befeuerung, der Betonnung und den Landmarken, veränderte Wassertiefen, Wracke und Schifffahrtshindernisse sowie Sperr- und Verbotsgebiete mit der entsprechenden Begrenzung. 1.5 Nautische Warnnachrichten Nautische Warnnachrichten (NWN) sind wichtige Gefahrenmeldungen oder sonstige besonders dringende Nachrichten, die von den Verkehrszentralen und der Seewarndienstzentrale Cuxhaven für das gesamte deutsche Warngebiet herausgegeben und über Funk verbreitet werden. Die Weiterleitung über Funk erfolgt im Funkfernschreibverfahren auf 518 khz (NAVTEX), für den deutschen Bereich in der Nordsee über Netherlands Coast Guard (IJmuiden) und in der Ostsee über Stockholm/Gislövshammar Radio. Außerdem strahlen die Rundfunksender Deutschlandfunk und NDR 4 auf MW diese Warnnachrichten und auch andere regional begrenzte Nachrichten, die insbesondere für die Sportschifffahrt von Wichtigkeit sein können, aus (Sperr- oder Verbotsgebiete). Michael Hüsken 2
3 Jeder, der von einer bisher noch unbekannten Gefahr oder Behinderung der Schifffahrt Kenntnis erhält (z.b. treibender Container, vertriebene Schifffahrtszeichen, verloschene Tonne) muss dies auf dem schnellsten Wege direkt oder über eine Verkehrszentrale oder Küstenfunkstelle der Seewarndienstzentrale mitteilen. Die UKW-Kanäle der Verkehrszentralen sind in den Seekarten eingetragen. Der Zusatz vital weist auf eine lebensbedrohende Gefahr hin (militärische Übungen). Damit die Sportschifffahrt diese vitalen nautischen Warnnachrichten auf jeden Fall, auch ohne Funkgerät an Bord, erhält, erfolgt in der Zeit vom bis zusätzlich eine Aussendung dieser Nachrichten über ausgewählte private und öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten. 1.6 Seehandbücher Die Seehandbücher enthalten eine ausführliche Beschreibung der Küsten, Fahrwasser, Häfen und Ankerplätze sowie Ratschläge für deren Ansteuerung, Angaben über das Klima und Wetter, Strömungen und Gezeiten. Angaben über Brückensignale sind ebenfalls enthalten. Seehandbücher und Seekarten bilden ein geschlossenes Informationssystem, sind aufeinander abgestimmt und sollten stets gemeinsam benutzt werden. Die Grobgliederung der Seehandbücher des BSH beinhaltet: Teil A Teil B Teil C SCHIFFFAHRTSANGELEGENHEITEN Regelung und Sicherung der Schifffahrt nach den Vorschriften des jeweiligen Landes NATURVERHÄLTNISSE Wetter, Klima, Gezeiten und Strömungen KÜSTENKUNDE UND VERHALTENSWEISEN örtliche Gezeiten und Strömungen, Ansteuerung der Häfen, Durchfahren der Fahrwasser, Wahl des Schifffahrtsweges 1.7 Hafenhandbücher Hafenhandbücher werden vom Deutschen Seglerverband, der Kreuzer-Abteilung und vom Deutschen Motoryachtverband herausgegeben. Auch hier erhält man Informationen über Schifffahrtsangelegenheiten, Häfen, Ankerplätze, Naturverhältnisse und Brückensignale. 1.8 Seekarten Ozeankarten Seekarten enthalten die für die sichere Durchführung einer Fahrt erforderlichen Angaben, wie z.b. Bezugssystem, Bezugsbreite, Projektion, Berichtigungsstand, Missweisung und Tiefenangaben. Sie sind für die Bestimmung des Kurses und des Schiffsortes erforderlich, gehören zu den wichtigsten Hilfsmitteln der terrestrischen Navigation und haben je nach Verwendungszweck verschiedene Maßstäbe: Übersichtskarten 1 : und kleiner 1 : und kleiner Segelkarten 1 : und kleiner Küstenkarten 1 : und kleiner Pläne 1 : und größer Michael Hüsken 3
4 Bei der Ansteuerung einer Küste muss die Seekarte mit dem größtmöglichen Maßstab verwendet werden, denn nur in diesen Karten sind alle Schifffahrtszeichen und weitere für die Navigation wichtige Informationen, z.b. Sperr- und Verbotsgebiete, eingetragen. Darüber hinaus sind auch nur in diesen Seekarten Angaben über Brückensignale enthalten. Die Tiefenangaben in Seekarten beziehen sich auf das Kartennull (KN). Das Kartennull ist die Bezugsfläche für die Tiefenangaben in einer Seekarte. Es ist nicht national und international einheitlich festgelegt, so dass sich Unterschiede zwischen den einzelnen nationalen Küsten und Ländern ergeben. In der Ostsee entspricht das KN dem mittleren Wasserstand, in der Nordsee ist das KN gleich dem örtlichen mittleren Springniedrigwasser. Im Englischen Kanal ist das KN gleich dem örtlichen niedrigstmöglichen Niedrigwasser, das sich aus den französischen und britischen Unterlagen zur Berechnung der Gezeiten ergibt. Die Seekarten müssen auf den neuesten Stand berichtigt sein. Am Berichtigungsstempel des BSH oder einer amtlichen Seekartenberichtigungsstelle unten links auf der Seekarte kann man erkennen bis zu welchem Zeitpunkt eine deutsche Seekarte amtlich berichtigt ist. Berichtigung einer deutschen Seekarte: Vom BSH berichtigt bis N.f.S.-Ausgabe 34/1999 Britische Seekarten werden mit folgendem Berichtigungsstempel auf der Rückseite der Seekarte amtlich berichtigt: Corrected up to N.T.M berichtigt bis zur Mitteilung Nr der Admirality Notices to Mariners (N.T.M.) in 1998 Typisch für eine Seekarte sind neben den Zahlen für die Tiefenangaben (in Meter oder Dezimeter) die vielen Zeichen und Abkürzungen, die in der Karte 1/INT 1 des BSH zusammengestellt sind Seekartenprojektion Seekarten sind nach dem Mercatorprinzip erstellt, wodurch drei Kriterien erfüllt sind: Die Loxodrome und damit die Kurslinie wird als Gerade eingetragen. Der Winkel der Kurslinie muss über alle Breitengrade gleich sein (Winkeltreue). Damit weicht das Maßstabsverhältnis von dem angegebenen Maßstab nördlich und südlich der Bezugsbreite (Mittelbreite) ab. Distanzen können mit dem Zirkel direkt der Seekarte entnommen werden (rechter oder linker Kartenrand). Michael Hüsken 4
5 1.8.2 Bezugssystem Die Erde wird geographisch in 360 durch den Nord- und Südpol verlaufende Längengrade (Meridiane) und vom Äquator ausgehend in je 90 parallel laufende nördliche und südliche Breitengrade aufgeteilt. Als Bezugsmeridian ist der Meridian von Greenwich mit der geographischen Länge Null Grad festgelegt. Darum heißt der Bezugsmeridian auch Nullmeridian. Von hier aus wird die Längenzählung nach Osten und Westen vorgenommen. Dadurch ergeben sich 180 Ost-Längengrade und 180 West-Längengrade. Als Bezugsbreitenkreis ist der Äquator festgelegt. Allen Seekarten liegt dieses Gradnetz zugrunde. Wäre die Erde eine ideale Kugel, dann hätten der Äquator und die Meridiane den gleichen Umfang. Da die Erde an den Polen aber abgeflacht ist und sich als Ellipsoid darstellt, ist der Umfang des Äquators größer als der Umfang der Meridiane. Dieser Mangel wird behoben, in dem man Bezugssysteme zugrunde legt, die den Umfang des Äquators oder den Umfang der Meridiane dahingehend korrigieren, dass sich wieder ein idealer Referenzkreis oder ein ideales Referenzellipsoid ergibt. Diese Bezugssysteme sind länderspezifisch erstellt und werden als Kartendatum bezeichnet. Darum ergeben sich Differenzen zwischen den einzelnen Bezugssystemen, die in einer Größenordnung von 0,1 bis 1 Kabellänge (kbl), also 20 bis 200 m liegen können. Örtlich können größere Unterschiede auftreten. Es gibt in unseren Regionen zwei gebräuchliche Bezugssysteme: European Datum aus 1950: ED 50 World Geodetic System aus 1984: WGS 84 Das ED 50 ist ein speziell auf Europa zugeschnittenes Bezugssystem, wobei das WGS 84 ein globales Bezugssystem darstellt. Mit diesem System erfolgt mittels eines Referenzellipsoids weltweit eine optimale Anpassung an die reale Form des gesamten Erdkörpers. Obwohl schrittweise eine Umstellung der deutschen Seekarten auf das Referenzellipsoid WGS 84 bis zum Jahre 2000 erfolgen soll, können andere Länder weiterhin ihre speziellen Bezugssysteme verwenden. In solchen Fällen muss eine Umrechnung von dem einen in das andere Bezugssystem erfolgen. Die GPS-Navigation verwendet ausschließlich das WGS 84. Darum werden in zunehmenden Maße Seekarten, die nicht das WGS 84 zugrunde legen, mit entsprechenden Korrekturhinweisen versehen. Diese Korrekturhinweise befinden sich am Kartenrand unter dem Kartentitel Missweisung Das Gradnetz der Erde bezieht sich auf den geographischen Nord- und Südpol. Der Magnetkompass richtet sich aber entlang der erdmagnetischen Feldlinien auf den magnetischen Nord- und Südpol aus. Die Lage des magnetische Nord- und Südpols stimmt nicht mit dem geographischen Nord- und Südpol überein. Zudem ändert sich die Lage der magnetischen Pole über einen längeren Zeitraum. Diese Diskrepanz findet in der Seekarte in Form der Missweisungsrose Berücksichtigung. Aus der Missweisungsrose muss die für ein bestimmtes Jahr angegebene Missweisung mit der angegebenen jährlichen Änderung auf das aktuelle Jahr (Jahr der Benutzung) berichtigt werden. Missw ,5º (W), jährl. Änderung +0,1º (E) 1.9 Karten für Sonderzwecke Neben den Seekarten werden noch weitere Karten herausgegeben, die im Bereich der terrestrischen Navigation Verwendung finden, z.b. Großkreiskarten, Leerkarten, Übungskarten, Plotting Sheets oder Sportbootkarten. Sportbootkarten werden nach dem Druck weder vom BSH noch von den Seekartenvertriebsstellen berichtigt. Darum müssen sie vom Nutzer unter Zuhilfenahme der NfS auf den aktuellen Stand berichtigt werden. Michael Hüsken 5
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