Institut für Tierernährung Direktion: Prof. Dr. Annette Liesegang Raufutter in der Verdauung des Pferdes Institut für Tierernährung Vetsuisse Fakultät Universität Zürich Brigitta Wichert PD Dr. Foto: B.Wichert
Das Verdauungssystem Kopfdarm Magen Dünndarm Dickdarm B. Wichert, Pensionspferdetag 2015 Seite 2
Kopfdarm/Zähne Feine Vermahlung des Futters durch Backenzähne Speichelbildung B. Wichert, Pensionspferdetag 2015 Seite 3
Kopfdarm/Zähne Raufutter Kauschläge bei Heuaufnahme doppelt so viel wie bei Alleinfutter und mehr als doppelt so viele wie bei Hafer Kauen provoziert Speichelbildung Speichel puffert den Magen Foto: B.Strickler, Nationalgestüt Avenches B. Wichert, Pensionspferdetag 2015 Seite 4
Speichelproduktion bei unterschiedlichen Futtern B. Wichert, Pensionspferdetag 2015 Seite 5
Futteraufnahme Raufuttermittel bewirken: Längere Beschäftigung Befriedigen Kaubedürfnis Ausreichend Zahnabrieb Durchfeuchtung Futterbissen und Pufferung Magensäure Gewährleistung optimaler ph-wert für Verdauungsenzyme Dünndarm Sicherung stabiler Fermentationsbedingungen im Dickdarm Stabilisierung Milieu im Verdauungstrakt B. Wichert, Pensionspferdetag 2015 Seite 6
Magen Foto: Anatomie Vetsuisse Fakultät Universität Zürich B. Wichert, Pensionspferdetag 2015 Seite 7
Magen Mikrobielle Aktivität Schleim Magensäure Schleim (Gastrin) Pepsin Bicarbonat Salzsäure Fettsäuren CO 2 Wasserstoff Eiweissbruchstücke Foto: Anatomie Vetsuisse Fakultät Universität Zürich B. Wichert, Pensionspferdetag 2015 Seite 8
Verdauung im Pferdemagen Enzyme aus dem Futter Mikroorganismen (Pars oesophagea) Körpereigene Substrate aus dem Magensaft (Pepsin Fundusdrüsenzone), ph Abbau leicht zugänglicher Kohlenhydrate wie Zucker und Stärke z.t. Abbau von Proteinen Bildung von Milchsäure, kurzkettigen FS, CO 2, CH 4, H 2, NH 3 B. Wichert, Pensionspferdetag 2015 Seite 9
Magen-/Dünndarm Anatomie Zürich B. Wichert, Pensionspferdetag 2015 Seite 10
Magen Raufutterverdauung im Magen KAUM Raufutter enthält kaum leicht lösliche Zucker oder Stärke Enzym: Pepsin Eiweissverdauung KEIN Abbau der Fasern B. Wichert, Pensionspferdetag 2015 Seite 11
Dündarm Raufutterverdauung im Dünndarm Weitere «Eiweissverdauung» und Aufnahme von Aminosäuren Fettverdauung, ABER Raufutter enthält kaum Fett Enzymatische Stärkeverdauung, ABER Raufutter (grasbasiert) enthält kaum Stärke Energiegewinnung aus Raufutter im Dickdarm! B. Wichert, Pensionspferdetag 2015 Seite 12
Dickdarm Anatomie Zürich B. Wichert, Pensionspferdetag 2015 Seite 13
Dickdarm Mikrobielle Verdauung «Fasern» Cellulose, Hemicellulose Pectine Polysaccharide, Oligosaccharide (z.b. Fruktane) Stärke (Proteine) B. Wichert, Pensionspferdetag 2015 Seite 14
Dickdarm Dünndarm Bakterienprotein Bakterien Fermentation Proteinversorgung Pferd Blinddarm Essigsäure Propiosäure Buttersäure Energie Ammoniak Leber Energieversorgung Pferd Harnstoff Urin B. Wichert, Pensionspferdetag 2015 Seite 15
Futteraufnahme Raufutter oder Gras Mindestens! 1kg Heu pro 100kg Körpergewicht/Tag (oder entsprechende Menge Grünfutter bezogen auf Trockensubstanz) Möglichst 12 Stunden Futteraufnahmezeit pro Tag, ABER Überfütterung bei Pferden ohne mindestens mittelgradige sportliche Leistung, Trächtigkeit oder Fohlen bei Fuss B. Wichert, Pensionspferdetag 2015 Seite 16
Futteraufnahme Warum können Pferde meistens nicht mit «typischen» artgerechter Fütterung gehalten werden? Gras und Raufutter zu energiereich Flächen klein, keine Futtersuche notwendig Immer ausreichend Futter vorhanden, keine saisonalen Engpässe Foto: N. Mutter Bei hoher Leistung: wichtiges Kriterium - erwünschte Füllung des Magen-Darm-Traktes Bei hoher Leistung: Raufutter zu wenig energiereich und Zeit für Futteraufnahme evtl. zu gering, um benötigte Energie bereitzustellen B. Wichert, Pensionspferdetag 2015 Seite 17
Zusammenfassung Das Pferd ist ein Dickdarmverdauer und nicht auf die Verdauung grosser Mengen an Stärke vorbereitet. Die Futtergrundlage für ein Pferd muss Raufutter/Gras sein. Die Mindestmenge an Heu für ein Pferd beträgt 1kg Heu pro 100kg Pferd pro Tag. Ein Pferd sollte unter Beachtung seiner sportlichen Leistung und seiner Gesundheit idealerweise 12 Stunden pro Tag mit der Futteraufnahme beschäftigt sein. B. Wichert, Pensionspferdetag 2015 Seite 18
Fragen? Foto: N. Mutter B. Wichert, Pensionspferdetag 2015 Seite 19