Schweizer Segelflugverband Flight Safety Workshop 28. Januar 2012
Safety briefings
Warum wiederholen sich Unfälle mit bekannten Unfallursachen?
- Wir haben eine gründliche fliegerische und theoretische Ausbildung hinter uns. - Wir haben in der Ausbildung gelernt, wie man sich im normalen Flugbetrieb und auch in speziellen Situationen verhält. - Wir kennen die menschlichen Probleme Aber unser Erinnerungsvermögen ist offensichtlich bescheiden
Safety ist ein gut bearbeitetes Thema Unfälle werden auf ihre Ursachen untersucht Es werden Verbesserungen umgesetzt Die Informationsmöglichkeiten sind sehr gut BAZL BFU AeCS Segelflugverband Internet Safety Seminare Sicherheitsbeauftragte Fly-Top
Aber es gilt das HOL-prinzip (Ausser bei einem Checkflug) Wie BRINGEN wir Safety zum Segelflugpiloten?
Wie rufen wir bereits Gelerntes immer wieder in Erinnerung und passen unsere Flugtechnik unseren Fähigkeiten an
Mein Vorschlag: Safety-Briefings
Ziele Sensibilisierung der Briefing-Teilnehmer für ein aktuelles Safety-Thema Kurzinformation der Teilnehmer am Briefing vor dem Flugbetrieb über ein Safety-Thema. Zeit etwa 3 Minuten. Jeder Flugdienstleiter soll mit den beiliegenden Unterlagen dieses Briefing durchführen können.
Safety-Briefing Themen Sicherheitsrelevante Themen Administrative Themen
Sicherheitsrelevante Themen Windenstart Departure-Briefing Beenden der Vrille Minimalgeschwindigkeit in der Kurve Optimale Sitzposition Flarmwarnungen Segelfliegen zusammen mit Gleitschirmen
Administrative Themen Kontrollflüge Wer ist Kommandant Die Versicherung der Gruppenflugzeuge Kontrollflüge Die Führung des Flugbuches Die Gültigkeit des Segelfliegerausweises
Durchführung des Safety-Briefings Das Thema soll durch den Flugdienstleiter oder einen Segelflugpiloten präsentiert werden. Der Tagesfluglehrer soll ihn bei den Vorbereitungen unterstützen. Die abgegebenen Unterlagen sollen genügen Damit die Aufmerksamkeit der Zuhörer gewährleistet ist, sollen in der Regel 3 Minuten nicht überschritten werden
Noch nicht bearbeitete Themen Der Flugzeugschlepp Die Einteilung des Endanfluges Die Einteilung des Endanfluges mit Wölbklappen-Segelflugzeugen Das Departure-Briefing im Flugzeugschlepp Das Approachbriefing Die Berechnung des Gleitweges Die Beladung des Segelflugzeuges Der Schwerpunkt Verhalten bei Gewittern Gefahren beim Durchgang einer Kaltfront Die Föhnvolte Verhalten bei Unfällen Der Einsatz des Notsenders Der Rücktransport Die Luftraumbeobachtung Die Luftraumstruktur über unserem Flugplatz Der DABS Kabel
Noch nicht bearbeitet sind Themen im Leistungsflug Beiträge dazu sind sehr willkommen!
FLARM-Warnungen Ziel: Optimale Ausnützung der FLARM-Warnungen und Anzeigen Vorgehen bei einer FLARM-Warnung Sofort volle Konzentration auf den Luftraum Scanning der durch das FLARM gemeldeten Warnregion Wenn kein Segelflugzeug gesichtet wird kleine Steuerbewegungen ausführen um den gegenseitigen Sichtkontakt zu erleichtern. Abrupte Ausweichbewegungen erst einleiten wenn Kollisionsgefahr mit dem oder den anderen gesichteten Segelflugzeugen besteht. Das FLARM zeigt nur ein Flugzeug an. Sofort nach einer Sichtung nach weiteren Flugzeugen suchen Empfehlung Ausrüstung aller Flugzeuge mit FLARM verlangen Flarmanzeige im optimalen Blickfeld des Piloten montieren
Die optimale Sitzposition Ziel: Keine Probleme mit dem Steuern des Flugzeuges wegen einer ungünstigen Sitzposition. Gute Sicht für eine optimale Luftraumüberwachung. Prüfen der Sitzposition Bei der Vorflugkontrolle des Segelflugzeuges mit dem angelegten Fallschirm einsteigen und die Sitzposition überprüfen: Der Knüppel muss ohne Verrenkungen in alle extremen Steuerausschläge bewegt werden können. Auch das Seitensteuer muss voll ausgetreten werden können. Die Sitzhöhe muss für eine korrekte Luftraumüberwachung optimal sein. Einstellen der Sitzposition Zuerst die mechanische Sitzverstellung ausnützen Nur feste, wenig elastische Kissen verwenden Keine aufblasbaren Kissen verwenden. Wenn sie undicht werden oder platzen ist die Sitzposition sofort zu weit hinten und die Steuerung ist eingeschränkt. Bleikissen Bleikissen dürfen sich nicht verschieben können. Sie können den Steuerknüppel blockieren wenn sie nach vorne rutschen. Zuerst die flugzeugseitig vorgesehenen Bleigewichte montieren.
Das Schleppen mit Ecolight-Flugzeugen Ziel: Der Segelflieger kennt die Probleme,die beim Schlepp mit einem Ecolight-Schleppflugzeug berücksichtigt werden müssen. Definition Ecolight Leichtes Motorflugzeug mit maximal 472 kg Startgewicht. Es gelten vereinfachte Zulassungsbedingungen. Allgemeines Ein Ecolight-Schleppflugzeug zieht wegen der geringeren Leistung (100 PS) langsamer an, vor allem auf einer Graspiste,hebt aber früher ab. Der Steigflug ist vergleichbar mit einem Motorflugzeug mit 180 PS. Beim Start muss der Ecolightpilot nach dem Abheben zuerst auf die Schleppgeschwindigkeit beschleunigen bevor er in den Steigflug übergehen darf. Die Steiggeschwindigkeit beträgt mit einem Ecolightschlepper 100 bis 110 km/h, mit einem normalen Schleppflugzeug 120 bis 130 km. Wegen dem geringeren Gewicht ist der Downwash (Zeichnung) kleiner und deshalb steigt der Ecolightschlepper nur wenig schlechter als ein normaler Schlepper mit 180 bis 230 PS.
Der Ecolightschlepper ist anfälliger auf Turbulenzen. Der Flugbetrieb ist deshalb bei turbulentem Wetter eingeschränkt. Die Anforderungen an den Schlepp-Piloten sind höher. Der Segelflugzeugpilot muss sich auf die korrekte Schleppfluglage konzentrieren. Bei Turbulenz ist der Schlepp für den Segelflieger anspruchsvoller. Bei einem Seilriss hat der Segelflugpilot einen geringeren Spielraum wegen der geringeren Schleppgeschwindigkeit. Die Gefahr der Unterschreitung der Mindestgeschwindigkeit ist grösser. Ecolightschlepper sind einfacher und leichter gebaut und nicht so robust wie ein Motorflugzeug. Es muss deshalb vermehrt mit technischen Ausfällen gerechnet werden. Der Benzinverbrauch ist weniger als die Hälfte eines Motorflugzeuges.
Segelfliegen zusammen mit Gleitschirmen Ziel: Vermeiden von kritischen Situationen und Zusammenstössen beim Fliegen im Aufwind zusammen mit Gleitschirmen Rechtliches: Segelflugzeuge und Gleitschirme sind rechtlich gleichgestellt. Es gelten die normalen Ausweichregeln Generelle Empfehlung des Segelflugverbandes Der Segelflieger hält einen wesentlich grösseren horizontalen und vertikalen Abstand zu den Gleitschirmen ein. Gleitschirme sollen nur mit grossem Abstand unterflogen werden. Im Hangflug lassen die Segelflieger den Gleitschirmen den Vortritt. Dies auch dann, wenn der Gleitschirm auf Grund der Hangflugregeln ausweichen müsste. Die gültigen und verbindlichen Regeln, welche beim Kreisen in der Termik gelten, werden von allen beteiligten Gleitschirm- und Segelflugpiloten eingehalten. Diverse Feststellungen Gleitschirme sind nur beschränkt steuerbar Gleitschirme können Segelflugzeuge schlechter sehen als umgekehrt Ein Gleitschirmpilot hat Schwierigkeiten, einen Aufwindschlauch zu verlassen, wenn Segelflugzeuge um ihn herum kreisen. Wegen der schlechteren Steuerbarkeit und der wesentlich tieferen Geschwindigkeit reicht die verfügbare Zeit für den Gleitschirmpiloten kaum aus, im Hangflug die Vortrittsregelungen gegenüber einem Segelflugzeug einzuhalten. Segelflugzeuge überlassen den Gleitschirmen am Hang den Vortritt. Empfehlung Vor dem Briefing nach Gleitschirmpiloten fragen die ihre eigene Erfahrungen beitragen können
Das Einziehfahrwerk Ziel: Korrekter Umgang mit dem Einziehfahrwerk, keine Bauchlandungen Fahrwerk einfahren Das Fahrwerk erst nach dem Klinken einziehen. Die Klinke ist bei einzelnen Segelflugzeugtypen am Fahrwerk angebracht und das Schleppseil wird beim Einziehen eingeklemmt. Fahrwerk ausfahren Beim Einflug in den Abbauraum das Fahrwerk ausfahren. Das Fahrwerk im Abbauraum nicht mehr einfahren. Der Leistungsverlust ist unwesentlich aber die Gefahr, dass es dann vergessen wird ist gross. Kontrolle des Fahrwerks im Anflug Ueberprüfen der Fahrwerkposition auch auf Grund der Beschriftung. Ein Segelflugzeug ohne korrekte Beschriftung ist nicht flugbereit. Wenn man das Fahrwerk nicht mehr ausfahren oder nicht richtig verriegeln kann. Im Gras auf dem Bauch landen. Mit möglichst wenig Bremsklappeneinsatz landen. Die Aufsetzgeschwindigkeit wird geringer und es können grössere Beschädigungen vermieden werden. Fahrwerkwarnungen Sie sind eine gute Hilfe. Technische Probleme und Ausfälle sind aber häufig und man darf sich deshalb nicht darauf verlassen. Checkliste Die Checks konsequent anwenden!
Die Bestimmung des Kommandanten Ziel: Klarheit über die Verantwortlichkeit an Bord von mehrplätzigen Flugzeugen Verantwortung für den Flug Verantwortlich ist der Kommandant des Luftfahrzeuges Wer ist Kommandant Der einzige Pilot an Bord ist Kommandant Bezeichnung durch die Besatzung oder den Halter (muss auf der Startliste ersichtlich sein) Ohne vorherige Bezeichnung: Der ranghöchste Pilot (Lizenzstufe) Der rangälteste Pilot (Lizenzerwerb) Kein Kriterium für die Bestimmung des Kommandanten ist: der Sitzplatz die Steuerführung die Flugstundenzahl Beispiel 2 Piloten führen zusammen einen Segelflug durch. Pilot Müller ist 58 Jahre alt und hat seinen Ausweis seit 6 Jahren und 275 Flugstd. Er lädt den jüngeren Piloten Frei zu einem Segelflug ein. Frei hat den Ausweis seit 8 Jahren und 130 Flugstunden. Frei sitzt hinten und fliegt nie selbst. Es herrscht nur wenig Flugbetrieb und es wurde vereinbart, die Startliste erst nach der Landung zu führen. Wer ist Kommandant und damit verantwortlich wenn zum Beispiel bei der Landung das Fahrwerk nicht ausgefahren wird? Frei ist verantwortlich. Er besitzt den Segelfliegerausweis seit 8 Jahren, Müller erst seit 6 Jahren.
Der Kontrollflug Ziel: Korrekte Interpretation des Begriffes Kontrollflug Definition Kontrollflug Anlässlich eines Kontrollfluges beweist der Segelflugpilot, dass er in der Lage ist, alle Flugmanöver korrekt und sicher durchzuführen und dass er die Flugeigenschaften des Segelflugzeuges kennt. Programm des Checkfluges Normalerweise legt die Segelfluggruppe das Checkflugprogramm für das betreffende Jahr fest. Wenn kein Programm vorgegeben ist soll der Segelflieger selbst ein für ihn optimales Programm festlegen und mit dem Checkfluglehrer besprechen. Durchführung Kontrollflüge müssen mit einem Segelfluglehrer durchgeführt werden. Dieser muss mit dem betreffenden Segelflugzeugmuster vertraut sein und auf spezielle Eigenschaften und Probleme hinweisen können. Nicht bestandener Kontrollflug Besteht ein Pilot den Kontrollflug nicht sind weitere Trainingsflüge durchzuführen. In diesem Fall soll ein Trainingsprogramm festgelegt werden. Bis zum Bestehen des Kontrollfluges darf der Segelflieger keine Tätigkeit ausführen für die der Kontrollflug gefordert wird.
Die Gültigkeit des Ausweises für Segelflieger Ziel: Kenntnis der geltenden Erneuerungsbedingungen für Segelflieger Erneuerungsbedingungen des BAZL (Gemäss RFP und Mitteilungen des BAZL) Gültiger Segelflugausweis (Ablaufdatum beachten) 12 Flugstunden und 12 Landungen in den letzten 24 Monaten 6 Flugstunden und 6 Landungen in den letzten 12 Monaten Motorflugstunden können bis zur Hälfte angerechnet werden Bei einer Flugerfahrung von über 350 h (daran können bis zu 175 h Motorflug angerechnet werden) reduzieren sich die Flugleistungen auf die Hälfte. Ab 60 Jahren aktuelles Arztattest. (Nicht älter als 2 Jahre) Aktuelles Flugtraining erfüllt In der vorgesehenen Startart müssen in den letzten 12 Monaten 3 Flüge ausgeführt worden sein oder ein bestandener Kontrollflug Für den Start im Flugzeugschlepp mit der Schwerpunktkupplung müssen 5 Schleppstarts in den letzten 6 Monaten nachgewiesen werden oder ein Kontrollflug in den letzten 3 Monaten Arztattest Piloten über 60 Jahre müssen ein aktuelles Arztattest haben. (Nicht älter als 2 Jahre)
Die Einweisung auf das zu fliegende Segelflugzeug muss abgeschlossen und im Flugbuch eingetragen sein. Der Pilot muss mit der Führung des betreffenden Segelflugzeuges vertraut sein und dessen Ausrüstung und Flugeigenschaften kennen. Passagierflüge 6 Flüge in den letzten 6 Monaten oder 3 Flüge in den letzten 3 Monaten Flugzeiten an Bord eines motorisierten Segelflugzeuges müssen im Segelflugbuch eingetragen werden. Abgelaufener Ausweis Wenn der Ausweis abgelaufen ist, gilt der abgelaufene Ausweis als Uebungserlaubnis. Diese Flüge dürfen nur unter Aufsicht eines Segelfluglehrers durchgeführt werden. Es muss immer ein Flugauftrag erteilt werden Zusätzliche Bedingungen der Segelfluggruppe Checkflug für das laufende Jahr bestanden Umschulungsbedingungen erfüllt
Das Beenden einer unabsichtlichen Vrille (Trudeln) Ziel: Rasches und sicheres Beenden einer Vrille Gründe für eine unbeabsichtigte Vrille Schwerpunktlage zu weit hinten Hinterste Sitzposition leichter Piloten Zu langsames Fliegen Grobe Seitensteuerausschläge im Langsamflug Manipulationen zum sicheren Beenden der Vrille Drehrichtung feststellen Gegenseitensteuer gegen die Drehrichtung (Vollen Ausschlag üben) Kurze Pause Knüppel Mittelstellung Warten bis das Flugzeug aufhört zu drehen Seitensteuer Mittelstellung Abfangen Querruder Beim Beenden der Vrille bleibt das Querruder in der Mittelstellung Flughandbuch AFM Die Hinweise im Flughandbuch auf das Beenden der Vrille müssen unbedingt vor dem Flug studiert werden und die korrekte Schwerpunktlage muss überprüft werden.
Die optimale Geschwindigkeit im Hangflug Ziel: Vermeidung von Abschmierunfällen am Hang wegen zu geringer Geschwindigkeit Die Geschwindigkeitspolare Die modernen Segelflugzeuge haben einen flachen Verlauf der Geschwindigkeitspolare im Langsamflug Bei einem Duo-Discus ist das geringste Sinken zwischen 90 und 110 km/h gleich gross. Im Interesse der Flugsicherheit muss am Hang immer eine höhere Geschwindigkeit gewählt werden. Langsames fliegen
Die Safetybriefings entsprechen dem aktuellen Stand der Kenntnisse und werden bei neuen Erkenntnissen angepasst Der momentane Stand entspricht meinen persönlichen Kenntnissen und Erfahrungen Es ist jederzeit möglich, den Irrtum duch eine Behauptung zu ersetzen
Die Safty Briefings werden auf der Homepage des Segelflugverbandes Veröffentlicht Segelflugverband Flight Safety Workshop
Beiträge sind jederzeit herzlich willkommen an: peter@bregg.ch
Ich wünsche euch eine erfolgreiche, erlebnissreiche und sichere Segelflugsaison 2012