DGS Solarthermie Abendvortrag



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Transkript:

DGS Solarthermie Abendvortrag Referent: Oskar Wolf

Anforderungen und Umweltverträglichkeit Referent: Oskar Wolf

Oskar K. L. Wolf Maschinenbautechniker (RDF) und Fachwirt für dezentrale Energietechnik Seit 1996 Berufserfahrung in der Solarbranche Beratung, Projektabwicklung, Qualitätssicherung, Weiterbildung und Gutachtertätigkeit Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS), Landesverband Franken e.v. Vorsitzender Arbeitskreis RAL GZ 966 Ausführung im Verein zur Gütesicherung von Solarenergieanlagen e.v. Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) Landesverband Franken e.v.

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Einen großen Anteil an dem optimalen Betrieb einer Solarthermieanlage hält die richtige Mischung der Solarflüssigkeit. Natürlich ist darauf zu achten, daß das Gemisch nicht einfrieren kann. Zu große Anteile des Frostschutzes können aber den Wärmetransport vermindern und so einen höheren Stromverbrauch der Solarpumpe bewirken. Es gibt Fertiggemische mit der richtigen Zusammensetzung. Das Mischverhältnis ist mit entsprechenden Meßgeräten zu überprüfen. Bereits beim Spülen und Abdrücken der Anlage ist ein Fertiggemisch zu verwenden.

Faustformel für den pro Liter Solarflüssigkeiten erhaltenen Energiegewinn : E [Wh/l] = Dichte [g/l] * Wärmekapazität [J/(g K)] * ( TV - TR )/3600 Dabei sind TV: = Vorlauf-Temperatur, TR: = Rücklauf-Temperatur, Dichte: = Dichte der Solarflüssigkeit, Wärmekapazität: = Wärmekapazität der Solarflüssigkeit Typische Werte für [Propylenglykol-Wasser-Additive] Dreistoff-Gemische : Dichten: von 990 bis 1050 g/cm³ Wärmekapazitäten: von 2,5-3,8 J/(g K) Wärmekapazität reines Wasser: 4,2 J/(g K) das ist die Messlatte Propylenglykol / Wasser (50/50 Vol.-%): 3,5 J/(g K) Technische Produkte: Vielstoff-Gemische, bei denen die Additive aber nur wenige Vol.-% ausmachen.

Die Leitsubstanz (= prototypische Substanz) für solare Wärmeträgerfluide Propylenglykol = 1,2-Propandiol = C 3 H 8 O 2 Vorteile: - Gut mit Wasser mischbar - human- und ökotoxikologisch unbedenklich - In Gemischen mit Wasser nicht brennbar - Vernachlässigbare Korrosivität gegen Stahl und Kupfer jedoch nicht gegen Zink-Legierungen!

Nachteile: - auch in wässrigen Gemischen chemisch abbaubar ( oxidierbar ), insbesondere bei Anwesenheit von O 2, Fe(II/III)-Salzen, Cu(II)-Salzen und in Kontakt mit Verzunderungen (i.e. Cu 2 O, Kupfer(I)-oxid) aus Lötstellen (Kupfer- und Messingwerkstoffe!) - Auch in wässrigen Gemischen bei typischen Stagnationstemperaturen thermisch abbaubar -Kohlenstoffquelle für Mikroorganismen und Algen (!) Alternativen: - niedrigschmelzende, synthetische Elektrolyte Ionische Flüssigkeiten (ionic liquids, IL s)

Oxidativer Abbau von Solarfluiden am Beispiel der Leitsubstanz Propylenglykol = 1,2-Propandiol = C 3 H 8 O 2 = ein Diol = zweiwertiger Alkohol ph-wert abhängige RedOx-Chemie: Sauerstoff (O 2 ) + Propylenglykol (C 3 H 8 O 2 ) + Wasser (H 2 O) Aldehyde + Carbonsäuren + ( ) - Aldehyde: Geruchsbildung (meist stechend) - Carbonsäuren: Milchsäure, Oxalsäure, Essigsäure, Ameisensäure -( ): weitere Produkte aus der Reaktion der Stoffe untereinander und mit den Werkstoffen! - Erhöhung der Säurezahl (SZ)! Einfache qualitative und quantitative Bestimmungen möglich

teilweise Abhilfe: - Säureregulatoren - Sauerstoff- Abfang mit zugesetzten chemischen Verbindungen - Abfang von löslichen Metall-Ionen (Komplexbildner) Vermeidbarkeit? - unter den typischen Betriebsbedingungen prinzipiell nicht vermeidbar zeitabhängige Entwicklungen: je länger die Anlage mit einer gegebenen Füllung läuft, desto mehr Oxidationsprodukte häufen sich an auch unter regulären Betriebsbedingungen!

Thermischer Abbau von Solarfluiden am Beispiel der Leitsubstanz Propylenglykol = 1,2-Propandiol = C 3 H 8 O 2 = ein Diol = zweiwertiger Alkohol ph-wert und Temperatur abhängige Polymerisations-Chemie: Propylenglykol (C 3 H 8 O 2 ) + Wasser (H 2 O) + Abbauprodukte Harze + Polymere + Teer - Harze: Effekt 1 Ablagerungen, Korrosionsbeschleunigung - Polymere: Effekt 1- allg. Erhöhung der Viskosität - Teer: Effekt 1 Ablagerungen, Korrosionsbeschleunigung, Zusammenbruch Pumpleistung!

Abhilfe: - Temperaturkontrolle - Vermeidung von Stagnations-Zuständen Vermeidbarkeit? - unter den typischen Betriebsbedingungen (Vorkommen von Stagnationsereignissen!) nur bedingt abzumildern zeitabhängige Entwicklungen: je öfter die Anlage in Stagnation gerät, desto mehr Polymerisationsprodukte häufen sich an in der Praxis also auch unter regulären Betriebsbedingungen

Solarfluide aus der chemischen Forschung Ionische Flüssigkeiten aktuelles Beispiel (2015): Imidazolium Hexacyanodiboranat = [Im] + 2[B 2 (CN) 6 ] 2- = ein bei RT geschmolzenes Salz = eine ionische Flüssigkeit Struktur-Eigenschafts-Beziehungen: Molekül-Kation [Imidazolium-Kation] / anorganisches Anion [Diboranat-Anion] H H C C R N C H + N + CN CN - B - B NC NC CN CN 2- Sdp.: Zers.> 300 C Stabilität in H 2 O: bis 180 C kein Abbau Wärmekapazität: n.b. R 2

Physikochemische Prinzipen: -die Coulomb-Wechselwirkung (Anziehung zwischen positiver und negativer Ladung) findet zwischen voluminösen Molekül-Ionen statt deswegen bei RT flüssiges Salz deswegen kein nennenswerter Eigen-Dampfdruck im thermischen Stabilitätsbereich! - mischbar mit H 2 O, mit molekularen Lösungsmitteln, mit anderen ionischen Flüssigkeiten!

Solarfluide der chemischen Forschung Ionische Flüssigkeiten am aktuellen Beispiel Imidazolium Hexacyanodiboranat = [Im] + 2[B 2 (CN) 6 ] 2- = ein bei RT geschmolzenes Salz = eine ionische Flüssigkeit weder oxidativer Abbau noch thermische Polymerisation - weil: - intrinsische chemische Hydrolyse-Stabilität von Kation und Anion - intrinsische chemische RedOx-Beständigkeit - thermische Stabilität der Reinsubstanz > 300 C (für den Chemiker: beachtlich!) - thermodynamisch sehr gut voraussagbare Mischungseigenschaften - Design von Solarfluiden nach Wunsch ist in Grenzen möglich

Verfügbarkeit: - Gegenwärtig (Stand: 2015/16) noch keine Bulk-Chemikalien - Kosten noch zu hoch (> EUR 2.500 / Tonne Zielkorridor: < EUR 500 1.000 / Tonne) voraussehbare Einschränkungen wegen der Toxizität: - absehbar nicht Trink- oder grundwasserverträglich aufwendigere Rückhaltetechnik nötig - Human- und Ökotoxizität erst in Untersuchung begriffen - positiv: enthält keine Halogene, keine Schwermetalle - positiv: nicht flüchtig, nicht brennbar

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Ich stehe Ihnen für Fragen und Diskussion gerne noch zur Verfügung.