Eine individuelle Lähmungorthese wird ausschließlich für ihren Anwender gefertigt. Körpermaße, Muskelstatus, Besonderheiten im Gangbild usw. sind Beispiele für patientenbezogene Daten, die bei der Anamnese ermittelt werden. Die Vielzahl und die Genauigkeit der erhobenen Daten wirken sich nachhaltig auf die Orthese aus. Im Online-Seminar zur haben wir alle relevanten Schritte dargestellt. Nutzen Sie zum Notieren der Daten das Standard-Versorgungsfomular für Patienten mit Lähmungen. Dieses dient als Grundlage für den Orthesen-Konfigurator und die Kommunikation mit unserem Technischen Support. 1 Körpergewicht und größe Schritt 1/2 Körpergewicht Ermitteln Sie das Körpergewicht. Absehbare Veränderungen sollten berücksichtigt werden (z. B. Gewichtszunahme durch Wachstum). Schritt 2/2 Körpergröße 1/20
Ermitteln Sie die Körpergröße. Absehbare Veränderungen sollten berücksichtigt werden (Wachstum). 2 Aktivität Schritt 1/1 Aktivität Bewerten Sie zusammen mit Ihrem Patienten dessen Aktivitätsgrad und berücksichtigen Sie dabei schon absehbare Veränderungen: 1. Innenbereichsgeher 2. Eingeschränkter Außenbereichsgeher 3. Uneingeschränkter Außenbereichsgeher 4. Uneingeschränkter Außenbereichsgeher mit besonders hohen Ansprüchen 3 Besonderheiten im Gangbild Schritt 1/2 Trendelenburg-Duchenne-Zeichen Prüfen Sie im Einbeinstand die Kompensationsmechanismen nach Trendelenburg und Duchenne. Senkung des Beckens auf der nicht belasteten Seite = positives TrendelenburgZeichen. Neigung des Oberkörpers zur belasteten Seite = positives Duchenne-Zeichen. 2/20
Schritt 2/2 Oberkörpervorneigung Eine Oberkörpervorneigung verschiebt den Körperschwerpunkt nach vorn und hat somit Auswirkungen auf die Orthese. Achten Sie darauf, dass der Patient möglichst aufrecht steht und stellen Sie die Höhe eventuell verwendeter Hilfsmittel entsprechend ein. 4 Gelenkwinkel Schritt 1/3 Varus/Valgus Messen Sie die maximale Instabilität in Varus- oder Valgus-Stellung sowie die korrigierte Stellung. Schritt 2/3 3/20
Genu recurvatum/flexionskontraktur im Knie Messen Sie das maximale Genu Recurvatum oder die Flexionskontraktur im Knie. Messen Sie auch die korrigierte Stellung und achten Sie dabei auf einen physiologischen Kniewinkel. Schritt 3/3 Flexionskontraktur in der Hüfte Wenden Sie den Thomas-Handgriff an, um eine Flexionskontraktur in der Hüfte zu ermitteln. Der Patient liegt auf dem Rücken. Bringen Sie das nicht zu testende Bein mit angewinkeltem Knie in die Hüftbeugung. Legen Sie die andere Hand unter die Lendenwirbel, um die Entlordosierung der Lendenwirbelsäule zu prüfen. Auf der zu testenden Seite wird der Hüftflexionswinkel gemessen. 5 ap-maß Schritt 1/1 4/20
ap-maß auf Kniehöhe Ermitteln Sie das ap-maß mit einem Messschieber. 6 Bewegungsfreiheit im OSG Schritt 1/7 Sprengung des Schuhes Ermitteln Sie die Sprengung (X) des Schuhes (Differenz zwischen Absatzhöhe (A) und Sohlendicke (B) im Ballenbereich). Messen Sie (A) und (B) und wenden Sie die Formel X = A - B an. Übertragen Sie danach die ermittelte Sprengung auf das h-cast. Schritt 2/7 5/20
Bewegungsfreiheit im OSG unter Berücksichtigung der Sprengung des Schuhes Neutral-Null-Stellung Der Bewegungsumfang im OSG wird aus der Neutral-Null-Stellung heraus gemessen. Stellen Sie den Patienten unter Berücksichtigung der Schuhsprengung auf das h-cast. Steht der Patient in seiner individuellen Grundstellung, haben Sie die Neutral-Null-Stellung im OSG ermittelt. Schritt 3/7 Bewegungsfreiheit im OSG unter Berücksichtigung der Sprengung des Schuhes Messen Sie ausgehend von der Neutral-Null-Stellung die Bewegungsfreiheit des oberen Sprunggelenkes in Dorsalextension und Plantarflexion. Schritt 4/7 Beinlängenverkürzung Stellen Sie den Patienten auf das h-cast und ermitteln Sie die effektive Beinlängendifferenz. Kontrollieren Sie das Ergebnis, indem Sie bspw. ein Laser-Lot verwenden. Das Lot sollte vom 7. Halswirbel (C7) durch die Gesäßspalte und die Mitte der Unterstützungsfläche beider Füße fallen. Schritt 5/7 6/20
Bewegungsfreiheit im OSG unter Berücksichtigung des Beinlängenausgleiches und der Sprengung des Schuhes Neutral-Null-Stellung Der Bewegungsumfang im OSG wird aus der Neutral-Null-Stellung heraus gemessen. Stellen Sie den Patienten unter Berücksichtigung des Beinlängenausgleiches und der Schuhsprengung auf das h-cast. Steht der Patient in seiner individuellen Grundstellung, haben Sie die Neutral-NullStellung im OSG ermittelt. Schritt 6/7 Bewegungsfreiheit im OSG unter Berücksichtigung des Beinlängenausgleiches und der Sprengung des Schuhes Messen Sie ausgehend von der Neutral-Null-Stellung die Bewegungsfreiheit des oberen Sprunggelenkes in Dorsalextension und Plantarflexion. Schritt 7/7 7/20
Abrolllinie Die Abrolllinie des Fußes verschiebt sich bspw. durch einen einseitigen Höhenausgleich nach posterior, wodurch sich der Vorfußhebel verkürzt. Achten Sie darauf, dies beim Bau der Orthese auszugleichen. 7 Muskelstatus Fuß Schritt 1/11 Schritt 2/11 Dorsalextension Muskelstatus 5 und 4 Der Patient liegt auf dem Bauch, der Fuß des zu testenden Beines ragt über die Liegenkante. Fixieren Sie mit der einen Hand den Unterschenkel und drücken Sie mit der anderen gegen den 8/20
Fußrücken. Lassen Sie den Patienten den Fuß in die Dorsalextension bringen. Bei voller Kraftentfaltung gegen starken Widerstand ist der Muskelstatus 5. Bei Kraftentfaltung gegen leichten Widerstand ist der Muskelstatus 4. Schritt 3/11 Dorsalextension Muskelstatus 3 Der Patient sitzt, die Unterschenkel hängen über die Liegenkante herab. Fixieren Sie mit einer Hand den Unterschenkel. Lassen Sie den Patienten den Fuß in die Dorsalextension bringen. Bei Kraftentfaltung gegen die Schwerkraft ist der Muskelstatus 3. Schritt 4/11 Dorsalextension Muskelstatus 2 Der Patient liegt auf der Seite des zu testenden Beines. Legen Sie eine Hand unter den Fuß, sodass dieser nicht mehr auf der Liege ruht. Lassen Sie den Patienten den Fuß in die Dorsalextension bringen. Bei Kraftentfaltung ohne Einwirkung der Schwerkraft ist der Muskelstatus 2. Schritt 5/11 9/20
Dorsalextension Muskelstatus 1 und 0 Der Patient liegt auf der Seite des zu testenden Beines. Legen Sie eine Hand unter den Fuß, sodass dieser nicht mehr auf der Liege ruht. Lassen Sie den Patienten den Fuß in die Dorsalextension bringen. Palpieren Sie, ob Muskelaktivität vorhanden ist. Bei sicht-/tastbarer Muskelaktivität mit unvollständigem Bewegungsausmaß ist der Muskelstatus 1. Bei fehlender Kontraktion liegt eine komplette Lähmung vor und der Muskelstatus ist 0. Schritt 6/11 Schritt 7/11 Zehenstand Prüfen Sie, ob der Patient in der Lage ist, das eigene Körpergewicht bis auf die Zehenspitzen (im Einbeinstand) auf dem zu testenden Bein anzuheben. Er darf sich hierbei abstützen bzw. Sie unterstützen ihn. Lassen Sie den Patienten den Vorgang entweder ca. 15 Mal wiederholen oder 10/20
den Zehenstand für ca. 30 Sekunden halten. Nur wenn dies möglich ist, kreuzen Sie Ja an. Schafft der Patient dies nicht, geben Sie Nein an. Schritt 8/11 Plantarflexion Muskelstatus 5 und 4 Der Patient liegt auf dem Bauch, der Fuß des zu testenden Beines ragt über die Liegenkante. Fixieren Sie mit der einen Hand den distalen Unterschenkel. Drücken Sie mit der anderen Hand von unten gegen die Zehen. Lassen Sie den Patienten den Fuß in die Plantarflexion bringen. Bei voller Kraftentfaltung gegen starken Widerstand ist der Muskelstatus 5. Bei Kraftentfaltung gegen leichten Widerstand ist der Muskelstatus 4. Schritt 9/11 Plantarflexion Muskelstatus 3 Der Patient liegt auf dem Bauch, das zu testende Bein ist leicht flektiert. Lassen Sie den Patienten den Fuß in die Plantarflexion bringen. Bei Kraftentfaltung gegen die Schwerkraft ist der Muskelstatus 3. Schritt 10/11 11/20
Plantarflexion Muskelstatus 2 Der Patient liegt auf der Seite des zu testenden Beines. Legen Sie eine Hand unter den Fuß, sodass dieser nicht mehr auf der Liege ruht. Lassen Sie den Patienten den Fuß in die Plantarflexion bringen. Bei Kraftentfaltung ohne Einwirkung der Schwerkraft ist der Muskelstatus 2. Schritt 11/11 Plantarflexion Muskelstatus 1 und 0 Der Patient liegt auf der Seite des zu testenden Beines. Legen Sie eine Hand unter den Fuß, sodass dieser nicht mehr auf der Liege ruht. Lassen Sie den Patienten den Fuß in die Plantarflexion bringen. Palpieren Sie, ob Muskelaktivität vorhanden ist. Bei sicht-/tastbarer Muskelaktivität mit unvollständigem Bewegungsausmaß ist der Muskelstatus 1. Bei fehlender Kontraktion liegt eine komplette Lähmung vor und der Muskelstatus ist 0. 8 Muskelstatus Knie Schritt 1/10 12/20
Schritt 2/10 Knieextension Muskelstatus 5 und 4 Der Patient sitzt, die Unterschenkel hängen über die Liegenkante herab. Fixieren Sie mit einer Hand den Oberschenkel. Drücken Sie mit der anderen Hand oberhalb des Fußes gegen den Unterschenkel. Lassen Sie den Patienten das Knie in die Extension bringen. Bei voller Kraftentfaltung gegen starken Widerstand ist der Muskelstatus 5. Bei Kraftentfaltung gegen leichten Widerstand ist der Muskelstatus 4. Schritt 3/10 Knieextension Muskelstatus 3 Der Patient sitzt, die Unterschenkel hängen über die Liegenkante herab. Fixieren Sie mit einer Hand den Oberschenkel. Lassen Sie den Patienten das Knie in die Extension bringen. Bei Kraftentfaltung gegen die Schwerkraft ist der Muskelstatus 3. 13/20
Schritt 4/10 Knieextension Muskelstatus 2 Der Patient liegt auf der Seite des nicht zu testenden Beines. Unterstützen und heben Sie das oben liegende Bein. Fixieren Sie mit der anderen Hand das Becken. Das zu testende Bein ist leicht flektiert. Lassen Sie den Patienten das Knie in die Extension bringen. Bei Kraftentfaltung ohne Einwirkung der Schwerkraft ist der Muskelstatus 2. Schritt 5/10 Knieextension Muskelstatus 1 und 0 Der Patient liegt auf dem Rücken, das zu testende Bein ist in der Hüfte und im Knie leicht flektiert. Das andere Bein bleibt gestreckt. Lassen Sie den Patienten das Knie in die Extension bringen. Palpieren Sie, ob Muskelaktivität vorhanden ist. Bei sicht-/tastbarer Muskelaktivität mit unvollständigem Bewegungsausmaß ist der Muskelstatus 1. Bei fehlender Kontraktion liegt eine komplette Lähmung vor und der Muskelstatus ist 0. Schritt 6/10 14/20
Schritt 7/10 Knieflexion Muskelstatus 5 und 4 Der Patient liegt auf dem Bauch, der eine Fuß ragt über die Liegenkante hinaus und das zu testende Bein ist flektiert. Fixieren Sie mit einer Hand den Oberschenkel. Drücken Sie mit der anderen Hand gegen den Fuß. Lassen Sie den Patienten das Knie in die Flexion bringen. Bei voller Kraftentfaltung gegen starken Widerstand ist der Muskelstatus 5. Bei Kraftentfaltung gegen leichten Widerstand ist der Muskelstatus 4. Schritt 8/10 Knieflexion Muskelstatus 3 Der Patient liegt auf dem Bauch, der eine Fuß ragt über die Liegenkante hinaus und das zu testende Bein ist flektiert. Fixieren Sie mit einer Hand den Oberschenkel. Lassen Sie den Patienten das Knie in die Flexion bringen. Bei Kraftentfaltung gegen die Schwerkraft ist der 15/20
Muskelstatus 3. Schritt 9/10 Knieflexion Muskelstatus 2 Der Patient liegt auf der Seite des nicht zu testenden Beines, das obere Bein ist leicht, das untere Bein stark flektiert. Unterstützen und heben Sie das oben liegende Bein. Fixieren Sie mit der anderen Hand das Becken. Lassen Sie den Patienten das Knie in die Flexion bringen. Bei Kraftentfaltung ohne Einwirkung der Schwerkraft ist der Muskelstatus 2. Schritt 10/10 Knieflexion Muskelstatus 1 und 0 Der Patient liegt auf dem Bauch, der eine Fuß ragt über die Liegenkante hinaus und das zu testende Bein ist leicht flektiert. Unterstützen Sie mit der einen Hand das flektierte Bein. Lassen Sie den Patienten das Knie in die Flexion bringen. Palpieren Sie mit der freien Hand, ob Muskelaktivität vorhanden ist. Bei sicht-/tastbarer Muskelaktivität mit unvollständigem Bewegungsausmaß ist der Muskelstatus 1. Bei fehlender Kontraktion liegt eine komplette Lähmung vor und der Muskelstatus ist 0. 9 Muskelstatus Hüfte Schritt 1/10 16/20
Schritt 2/10 Hüftflexion Muskelstatus 5 und 4 Der Patient liegt auf dem Rücken, die Beine hängen über die Liegenkante. Fixieren Sie mit der einen Hand das Becken. Drücken Sie mit der anderen Hand knienah gegen das Bein. Lassen Sie den Patienten die Hüfte in die Flexion bringen. Bei voller Kraftentfaltung gegen starken Widerstand ist der Muskelstatus 5. Bei Kraftentfaltung gegen leichten Widerstand ist der Muskelstatus 4. Schritt 3/10 Hüftflexion Muskelstatus 3 Der Patient liegt auf dem Rücken, die Beine hängen über die Liegenkante. Fixieren Sie mit der einen Hand das Becken. Lassen Sie den Patienten die Hüfte in die Flexion bringen. Bei Kraftentfaltung gegen die Schwerkraft ist der Muskelstatus 3. 17/20
Schritt 4/10 Hüftflexion Muskelstatus 2 Der Patient liegt auf der Seite des nicht zu testenden Beines, das zu testende Bein ist in der Hüfte und im Knie leicht flektiert. Unterstützen und heben Sie das oben liegende Bein. Fixieren Sie mit der anderen Hand das Becken. Lassen Sie den Patienten die Hüfte in die Flexion bringen. Bei Kraftentfaltung ohne Einwirkung der Schwerkraft ist der Muskelstatus 2. Schritt 5/10 Hüftflexion Muskelstatus 1 und 0 Der Patient liegt auf dem Rücken, Hüfte und Knie sind leicht flektiert. Unterstützen Sie mit der einen Hand das flektierte Knie. Lassen Sie den Patienten die Hüfte in die Flexion bringen. Palpieren Sie mit der freien Hand, ob Muskelaktivität vorhanden ist. Bei sicht-/tastbarer Muskelaktivität mit unvollständigem Bewegungsausmaß ist der Muskelstatus 1. Bei fehlender Kontraktion liegt eine komplette Lähmung vor und der Muskelstatus ist 0. Schritt 6/10 18/20
Schritt 7/10 Hüftextension Muskelstatus 5 und 4 Der Patient liegt auf dem Bauch, die Füße ragen über die Liege hinaus. Fixieren Sie mit einer Hand das Becken. Drücken Sie mit der anderen Hand gegen den Oberschenkel. Lassen Sie den Patienten die Hüfte in die Extension bringen. Bei voller Kraftentfaltung gegen starken Widerstand ist der Muskelstatus 5. Bei Kraftentfaltung gegen leichten Widerstand ist der Muskelstatus 4. Schritt 8/10 Hüftextension Muskelstatus 3 Der Patient liegt auf dem Bauch, die Füße ragen über die Liege hinaus. Fixieren Sie mit einer Hand das Becken. Lassen Sie den Patienten die Hüfte in die Extension bringen. Bei Kraftentfaltung gegen die Schwerkraft ist der Muskelstatus 3. 19/20
Schritt 9/10 Hüftextension Muskelstatus 2 Der Patient liegt auf der Seite des nicht zu testenden Beines, das obere Bein ist leicht, das untere Bein stark flektiert. Unterstützen und heben Sie das oben liegende Bein. Fixieren Sie mit der anderen Hand das Becken. Lassen Sie den Patienten die Hüfte in die Extension bringen. Bei Kraftentfaltung ohne Einwirkung der Schwerkraft ist der Muskelstatus 2. Schritt 10/10 Hüftextension Muskelstatus 1 und 0 Der Patient liegt auf dem Bauch. Lassen Sie den Patienten die Hüfte in die Extension bringen. Palpieren Sie, ob Muskelaktivität vorhanden ist. Bei sicht-/tastbarer Muskelaktivität mit unvollständigem Bewegungsausmaß ist der Muskelstatus 1. Bei fehlender Kontraktion liegt eine komplette Lähmung vor und der Muskelstatus ist 0. PDF-Download Online-Tutorial 20/20