Menschen mit Autismus

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Transkript:

Christine Preißmann Menschen mit Autismus Krankheit als zusätzliche Herausforderung Herford, 4. März 2015

Dr. med. Christine Preißmann Ärztin für Allgemeinmedizin, Psychotherapie Teilzeittätigkeit in Suchtabteilung Betroffen vom Asperger-Syndrom Öffentlichkeitsarbeit: Vorträge, Publikationen Kontakt: Ch.Preissmann@gmx.de Herford, 4. März 2015 Christine Preißmann 2

Gliederung Einführung Problematik und derzeitige Situation Arztbesuche Vorsorgemaßnahmen Klinikbehandlung Krisenintervention Ausblick Herford, 4. März 2015 Christine Preißmann 3

Autismus und Medizin Problematik Kommunikationsschwierigkeiten Probleme beim Umgang mit fremden Menschen, Hilflosigkeit und Angst Andere Schmerz- und Körperwahrnehmung Schwierigkeiten, sich anfassen zu lassen Uneindeutige Informationen werden nicht verstanden Großes Bedürfnis nach Vorhersehbarkeit und Informationen Herford, 4. März 2015 Christine Preißmann 4

Autismus und Medizin Problematik Verhaltensauffälligkeiten, die man nicht einordnen kann, die Angst machen Fehleinschätzung des betroffenen Menschen ( böse, geistig behindert etc.) Zu wenig Personal für die Betreuung Zu wenig Zeit Keine Kenntnisse über den Autismus Kein Interesse, sich damit zu beschäftigen Keine Zusammenarbeit mit Bezugspersonen gewünscht (Eltern, Therapeuten, Betreuern etc.) Herford, 4. März 2015 Christine Preißmann 5

Psychoedukation: Gesundheit Informationen über Autismus allgemein Hilfe dabei, mit den eigenen Auffälligkeiten möglichst gut umgehen zu lernen Informationen über und Anleitung zu gesundem Lebensstil (Sport, Ernährung etc.) Sexualaufklärung Anleitung zur persönlichen Hygiene Zugang zur Frauengesundheit (Monatshygiene, Verhütung, gynäkologische Untersuchungen etc.) Herford, 4. März 2015 Christine Preißmann 6

Arztbesuche Ärzte Patienten ausreden lassen, auch wenn es länger dauert, Gesprächspausen zulassen Detaillierte Informationen geben, eindeutige Sprache, keine Redewendungen etc. Auch banale Einzelheiten erfragen, die selbstverständlich erscheinen Eventuell veränderte Schmerz- oder Körperwahrnehmung berücksichtigen Herford, 4. März 2015 Christine Preißmann 7

Arztbesuche Patienten Arzt über bestehenden Autismus informieren Ggf. Randtermine bevorzugen Auf Wartezeit schon vorher einstellen, dennoch pünktlich sein, Lektüre mitnehmen Wichtige Informationen evtl. aufschreiben Nachfragen bei Nichtverstehen Evtl. Begleitung durch Familie, Bekannte, Therapeuten bei schwierigen Terminen Herford, 4. März 2015 Christine Preißmann 8

Klinikbehandlung Problematisch sind: enge Nähe zu Mitpatienten; Flexibilität notwendig (v.a. Tagesstruktur); fehlende Information über Maßnahmen Wenig Kenntnisse über Autismus beim Personal; Verhaltensauffälligkeiten machen Angst Eltern werden gedrängt, mit in der Klinik zu bleiben, um die Versorgung zu gewährleisten Alternativ: medikamentöse Ruhigstellung Wichtig: Informationen für medizinisches Personal über Autismus, um Ängste abzubauen Evtl. Fachkrankenhäuser für Menschen mit Autismus Herford, 4. März 2015 Christine Preißmann 9

Forderung an Politik und Gesetzgebung Hoher ökonomischer Druck im Gesundheitswesen, deshalb nur geringe Bereitschaft, sich mit herausfordernden Patienten zu beschäftigen Anreize sind notwendig, die diese Arbeit auch angemessen honorieren Abrechnungssysteme müssen überarbeitet werden, um ausreichend Zeit und Personal auch für diese Patienten zu gewährleisten Herford, 4. März 2015 Christine Preißmann 10

Das Wichtigste sind die Rahmenbedingungen Menschen mit Autismus sind wie Salzwasserfische, die gezwungen werden, im Süßwasser zu leben. Es geht uns gut, wenn man uns in die richtige Umgebung setzt. Wenn die Person mit Autismus und die Umwelt nicht zusammenpassen, wirken wir nicht selten behindert. Passen sie dagegen zusammen, dann können auch wir sehr erfolgreich werden. (Baron-Cohen 2006, 245) Herford, 4. März 2015 Christine Preißmann 11

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Dr. Christine Preißmann E-Mail: Ch.Preissmann@gmx.de Über Fragen und Anregungen freue ich mich. Herford, 4. März 2015 Christine Preißmann 12