Mess- und Beurteilungsmethoden Seen

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Transkript:

Messmethoden Physikalische Parameter Im Rahmen der Akkreditierung als Umweltlabor nach ISO 17025 sind alle Methoden, von der Probenahme über die Probeaufbereitung, Messung und Auswertung der Ergebnisse in Standard-Arbeitsanweisungen detailliert beschrieben. Auf die verwendeten Mess- und Analysemethoden wird deshalb nur kurz eingegangen. An der tiefsten Stelle des Sees werden verschiedene physikalische Parameter in unterschiedlichen Seetiefen erfasst. Der Sauerstoffgehalt, die Temperatur, der ph-wert, die Leitfähigkeit und die Trübung werden mit einer Multi-Parameter-Sonde gemessen. Die Secchi- Tiefe wird ebenfalls direkt auf dem See erfasst. Chemische Parameter An der tiefsten Stelle des Sees werden mit einer Schöpfflasche Proben für die chemischen Untersuchungen aus verschiedenen Seetiefen entnommen und gekühlt zur Analyse ins Labor transportiert. Das Dokument Messprogramm und Parameter gibt Auskunft über Probenahmehäufigkeit und erfasste Parameter. Zooplankton Die Probenahme erfolgt mit vertikalen Netzzügen (Doppelnetz: 95 µm Maschenweite, Netzöffnung je 12 cm Durchmesser) vom Grund des Sees bis zur Oberfläche. Die Probe wird gekühlt ins Labor transportiert, filtriert (80 µm) und der Filterrückstand zur Bestimmung des Trockengewichtes bis zur Gewichtskonstanz getrocknet. Sehr grosse Algenkolonien bleiben ebenfalls im Zooplanktonnetz hängen und können dadurch das Trockengewicht des Zooplanktons verfälschen. Ein Aliquot der Probe wird deshalb unter dem Binokular betrachtet. Werden hohe Dichten von Algen im Verhältnis zum vorhandenen Zooplankton festgestellt, wird der ermittelte Wert für das Trockengewicht verworfen. Der Zürichsee wird von der Wasserversorgung Zürich (WVZ) untersucht. Als Mass für die Zooplanktonbiomasse verwendet die WVZ das Zooplankton-Frischgewicht, das analog dem Algenfrischgewicht bestimmt wird.

Phytoplankton Die Algenmenge im See wurde bis Ende 2002 aufgrund des mittleren Algenfrischgewichtes bestimmt. Gleichzeitig wurde auch die Chlorophyllkonzentration gemessen. Die Chlorophyllkonzentration kann näherungsweise als Mass für die Algenmenge im See verwendet werden. Vergleichsmessungen am Pfäffiker-, Türler- und Hüttnersee bestätigen diesen Befund. Seit 2003 wird als quantitatives Mass für die Algenmenge nur noch die Chlorophyllkonzentration gemessen. Für die Bestimmung des Algenfrischgewichtes werden mit der Schröderflasche jeweils 3 Mischproben aus je nach See unterschiedlichen Wassertiefen entnommen. Nach er Mischung werden 250 ml Probe noch auf dem See mittels Lugol scher Lösung fixiert und bis zur weiteren Analyse kühl und dunkel gelagert. Für die Auszählung der Proben lässt man ein definiertes Probevolumen während 24 Stunden in der Verbundkammer absetzen. Anschliessend wird nach einem vorgegebenen Schema ausgezählt. Aufgrund der jeweiligen Anzahl der verschiedenen Taxa und dem bekannten Zellvolumen der einzelnen Taxa kann das Algenfrischgewicht im See berechnet werden. Die Probe liefert zudem Angaben zur Artenzusammensetzung im See. Zur Bestimmung der Chlorophyllkonzentration (Chlorophyll a) wird ein Teil der unbehandelten Mischprobe filtriert und die Chlorophyllkonzentration nach Extraktion des Filterrückstandes photometrisch bestimmt. Die Chlorophyllkonzentration gibt Auskunft über die Algenmenge im See, nicht aber über die Artenzusammensetzung. Um dennoch einen Überblick über die im See vorhandenen Taxa zu haben, wird seit dem Jahr 2003 ein Teil der Mischprobe unter dem Mikroskop betrachtet und die Häufigkeit der verschiedenen Taxa mittels einer fünfstufigen Skala abgeschätzt. Der Zürichsee wird von der Wasserversorgung Zürich (WVZ) untersucht. Als Mass für die Algenbiomasse verwendete die WVZ das Algenfrischgewicht. Seit 2006 wird zusätzlich auch die Chlorophyllkonzentration im See erfasst. Beurteilung Seen Bei der Beurteilung des Gewässerzustandes stehen die Anforderungen der Gewässerschutzverordnung vom 28. Oktober 1998 (GSchV), Anhang 2 im Vordergrund. Die GSchV stellt jedoch für stehende Gewässer mit Ausnahme der minimalen Sauerstoffkonzentration nur qualitative und keine nummerischen Anforderungen. Für eine besser nachvollziehbare Beurteilung des Seezustandes wurden deshalb die qualitativen Anforderungen präzisiert. Insbesondere der Methodenbeschrieb: Gewässerbewertung - stehende Gewässer: Vorläufige Richtlinie für eine Erstbewertung von natürlich entstandenen Seen nach trophischen Kriterien, LAWA 1998 diente neben der Arbeit von Vollenweider (1982, Synthesis Report OECD, Paris) als wichtige Grundlage zur Präzisierung der Beurteilungsgrössen.

Beurteilungskriterien Als Beurteilungskriterien dienen die Sauerstoffkonzentration, der Gesamtphosphorgehalt sowie der Chlorophyll-Gehalt, respektive das Algenfrischgewicht. Die Beurteilung erfolgt durch den Vergleich des Ist-Zustandes mit dem Zustand, in welchem sich das Gewässer unter unbelasteten, naturnahen Bedingungen befinden würde (Referenzzustand). Referenzzustand Gesamtphosphorgehalt Es ist seit langem bekannt, dass ein Zusammenhang besteht zwischen der biologischen Produktivität eines Sees (Trophie) und der Geometrie des Seebeckens sowie dem potenziell natürlichen Nährstoffeintrag aus dem Einzugsgebiet. Alle drei Trophiestufen des international verwendeten Trophiesystems können unter natürlichen oder naturnahen Bedingungen vorkommen: oligotroph = geringe Produktion, mesotroph = mittlere Produktion, eutroph = hohe Produktion. Aufgrund der Geometrie des Seebeckens oder dem potenziell natürlichen Nährstoffeintrag aus dem Einzugsgebiet lässt sich auf den zu erwartenden Trophiezustand eines Gewässers unter Referenzbedingungen schliessen. Der Referenzzustand ist deshalb für jeden See individuell zu ermitteln. Die erfolgt je nach zu erwartendem Referenzzustand nach unterschiedlichen sschlüsseln. Gemäss Anhang 2 Ziffer 13 GSchV darf der Nährstoffgehalt in stehenden Gewässern höchstens eine mittlere Produktion von Biomasse zulassen. Besondere natürliche Verhältnisse bleiben vorbehalten. In unseren Seen ist Phosphat der wachstumslimitierende Nährstoff. Für natürlicherweise oligo- und mesotrophe Seen wurde ein Zielwert von 0.025 mg P/l festgelegt. Bei dieser mittleren jährlichen Phosphorkonzentration kommt es zu keiner überen Algenproduktion. Natürlicherweise eutrophe Seen sind nährstoffreicher, was eine höhere Algenproduktion im See zulässt. Für natürlicherweise eutrophe Seen haben wir einen Zielwert von 0.040 mg P/l festgelegt. natürlicherweise oligo- und mesotrophe Seen natürlicherweise eutrophe Seen 0-10 µg P tot /l 10-25 µg P tot /l 25-50 µg P tot /l 50-75 µg P tot /l > 75 µg P tot /l sehr 0-20 µg P tot /l 20-40 µg P tot /l 40-60 µg P tot /l 60-80 µg P tot /l > 80 µg P tot /l sehr

Algenfrischgewicht und Chlorophyll Für die Bestimmung des Algenfrischgewichtes werden die Algenarten unter dem Mikroskop gezählt. Jeder Art ist ein spezifisches Volumen und damit Gewicht zugeordnet. Durch Multiplikation mit der gefundenen Anzahl der jeweiligen Art und der anschliessenden Summierung der Teilgewichte erhält man das Algenfrischgewicht. Diese sehr aufwändigen Bestimmungen wurden durch Messungen der Chlorophyllkonzentration ersetzt. Vergleichsmessungen mit Plankton aus verschiedenen Seen zeigen, dass die Chlorophyllkonzentration näherungsweise als Mass für die Algenmenge in einem See verwendet werden kann. Zur Abschätzung der Biomasseproduktion im See wird die mittlere jährliche Chlorophyllkonzentration verwendet. In natürlicherweise oligo- und mesotrophen Seen gilt ein Zielwert von 6 µg Chlorophyll (Chl a/l). Diese mittlere jährliche Chlorophyllkonzentration entspricht einer mittleren Algenproduktion im See. Natürlicherweise eutrophen Seen weisen eine höhere Algenproduktion auf. Für natürlicherweise eutrophe Seen gilt deshalb ein Zielwert von 15 µg Chlorophyll a/l. natürlicherweise oligo- und mesotrophe Seen natürlicherweise eutrophe Seen 0-3 µg Chl a/l 3-6 µg Chl a/l 6-9 µg Chl a/l 9-12 µg Chl a/l > 12 µg Chl a/l sehr 0-7.5 µg Chl a/l 7.5-15 µg Chl a/l 15-25 µg Chl a/l 25-40 :µ Chl a/l > 40 µg Chl a/l sehr

Sauerstoffgehalt Gemäss Anhang 2 Ziffer 13 GSchV darf der Sauerstoffgehalt in stehenden Gewässern zu keiner Zeit und in keiner Seetiefe weniger als 4 mg O 2 /l betragen; er muss zudem ausreichen, damit wenig empfindliche Tiere wie Würmer den Seegrund ganzjährig und in einer möglichst natürlichen Dichte besiedeln können. Besondere natürliche Verhältnisse bleiben vorbehalten. Seen mit geringem bis em Nährstoffgehalt weisen höchstens eine mittlere Biomasseproduktion auf. Durch den Abbau von abgestorbener Biomasse nimmt die Sauerstoffkonzentration im Tiefenwasser ab. Allerdings sollte die Sauerstoffkonzentration in natürlicherweise oligo- und mesotrophen Seen zu keiner Zeit und in keiner Seetiefe unter die Zielanforderung von 4 mg O 2 /l sinken. In natürlicherweise eutrophen Seen sind die Algenproduktion und folglich auch die Sauerstoffzehrung in den tieferen Wasserschichten höher. Ein starker Sauerstoffmangel im Tiefenwasser gegen Ende der Stagnationsphase im Sommer ist daher ein natürliches Phänomen. Tiere und Pflanzen, die in eutrophen Gewässern heimisch sind, passten sich an die dort herrschenden Lebensbedingungen an.