Pekings kolossales Konjunkturprogramm

Ähnliche Dokumente
Ein Mammutprojekt. Weltwirtschaft: China und Westeuropa gleichauf. So viel Prozent trugen diese Länder zur Weltwirtschaftsleistung 2010 bei

DIE NEUE SEIDENSTRASSE

Was China mit der Neuen Seidenstraße wirklich will

Die chinesische Investitionsoffensive One Belt, One Road Wirtschaftliche Potenziale für Österreich?

Die Neue Seidenstraße Aufbruch in eine neue Ära

Auf langen Strecken unverzichtbar

Krisensignale aus Fernost

Markterschließung versus Kostensenkung

Aufschwung mit Risiken

Herausforderungen von Häfen und Transportwirtschaft im internationalen Kontext

Hafen Hamburg Jahrespressekonferenz 2017

Geschäftsdarstellung China Zugverbindung. Uwe Leuschner, Senior Vice President BD Eurasia

DIE NEUE SEIDENSTRASSE

Die Containerwelle rollt Zukunftsherausforderungen der Verkehrsträger Schiene, Binnenwasserstraße e und Seehafenhinterlandverkehr

Kapital sucht neue Wachstumsmärkte

DER HAFEN HAMBURG AUF EINEN BLICK

Ausgewählte Leistungsbilanzen (Teil 1)

Auswirkungen der Globalisierung und des Welthandels auf den Hamburger Hafen. Mathias Pahl MarLink Schiffahrtskontor GmbH & Co. KG

Antragsformular für China Visum, Indien Visum und Russland Visum auf

Binnenschifffahrt, Schiffe, Schiffbau (1.1)

Die zweite Reihe rückt vor

Jan Boruszewski, Leiter Marketing & Strategische Projekte duisport-gruppe

Informationen aus dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln

Förderkreis» Rettet die Elbe «ev

Afrika als Chance zur Lösung der weltweiten Krise. WIPRO GmbH

Zurückbesinnen statt weitermachen

Emissionshandel ist Mittel der Wahl

M+E-Industrie wird immer wichtiger

DOBRINDT PRÄSENTIERT BUNDESVERKEHRSWEGEPLAN

Nicht nur nette Nachbarn

Die Neue Seidenstraße

Zur Lage des JadeWeserPorts

Tritt Indien in Chinas Fußstapfen? Indiens demografische Vorzeichen für wirtschaftliche Entwicklung stehen gut weiterlesen

Informationen aus dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln

BRANCHENFORUM ZUKUNFTSMARKT BAHNINDUSTRIE TÜRKEI AUSSENWIRTSCHAFTSCENTER ANKARA WIEN,

M+E-Industrie bleibt Exportbranche Nummer eins

Regionale Kooperation im Rheinland am Beispiel der Häfen: Neuss-Düsseldorf-Krefeld-Köln

Informationen aus dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln

Schwieriges globales Umfeld für Maschinenbau

Hafenband am Mittellandkanal 6 Häfen 1 Management

Die Währungsunion ist krisenfester, als viele denken

China Ein Labor für die Stadt für Morgen?

Die Neue Seidenstraße eine große Vision für das 21. Jahrhundert

Welt-Bruttoinlandsprodukt

EU-Index: Deutsches Schienennetz mager finanziert Pro-Kopf-Vergleich zeigt Investitionsschwäche / Schweiz und Österreich vorn

Trans Eurasia Express ein neues Produkt zwischen Asien und Europa. Transportlösungen. Trans Eurasia Logistics GmbH

Perspektiven für Hamburg. Westerweiterung. EUROGATE Container Terminal Hamburg

Demografie: Der Druck nimmt zu

Der Unterschied zwischen BER und A1

Geringverdiener zahlen die Zeche

Nachhaltige Automobiltransporte Chancen für die Schiene. BLG Automobile

GAZPROM IM OSTEN RUSSLANDS, ERSCHLIESSUNG DER MÄRKTE VON LÄNDERN DER ASIATISCH-PAZIFISCHEN REGION

China als Schwergewicht in der Weltwirtschaft. Wiedergeburt einer Grossmacht

Unabhängigkeit bleibt auf der Agenda

Haupthandelsströme Erdöl

SHIP YOUR CARGO SMARTER THAN EVER. MAKE IT HAPPEN. Hans Nagtegaal Director Containers

Export in Mrd. US-Dollar nicht zuzuordnen 2,2 3,5 4,5 3,7 2,0 9,7 4,3 4,5 6,4 4,4 14,9 12,5 16,8 50,9 43,5

Die Tauern-Pyhrn/Schober-Achse TPSA im künftigen transeuropäischen Kernnetz

Eine Währung sucht ihren Weg

Die geostrategische Bedeutung der Seidenstraßen-Initiative Chinas (OBOR) Thomas Wrießnig

Wenn einer eine Reise tut

VI. 58 / Handelskammer Hamburg

AIIB und Belt and Road Initiative Chancen und Risiken für deutsche Unternehmen

Impressum. Ansprechpartnerin: Alexandra Voss Tel.: /

Herausforderungen einer erfolgreichen. Zusammenarbeit der See- und Binnenhäfen Frank Geerkens, Hafenbotschafter Antwerp Port Authority

Afrika: Viele Probleme, viele Chancen

Der Mittelstand in Groß

European Cargo Logistics GmbH. Entwicklung intermodaler Verkehre durch Innovation und Hafenentwicklung

Seeschifffahrt und Häfen in Norddeutschland*

Titel einfügen. Wachstumsquiz

Transkontinentale Verbindungen

Hausaufgabe 1: Welche aus dem Ausland importierten Waren konsumieren wir? a) Lies den Text und fülle die Wörter in die Lücken.

Transkript:

Informationen aus dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln Neue Seidenstraße 17.10.2016 Lesezeit 4 Min Pekings kolossales Konjunkturprogramm Auf rund 850 Milliarden Dollar beläuft sich das Investitionsvolumen der Neuen Seidenstraße, die unter anderem für eine bessere Anbindung der wirtschaftlich abgehängten Provinzen Chinas sorgen soll. Der massive Ausbau des internationalen Schienen- und Seewegenetzes dient aber auch noch einem weiteren Ziel: Peking möchte mit den geplanten Routen Richtung Westen den grenzüberschreitenden Handel in seine Nachbarländer stärken. In Europa verbindet man mit dem Begriff der Neuen Seidenstraße vor allem neue Bahnverbindungen nach China. Tatsächlich ist dies aber nur ein Teil eines weit größeren Plans, den Peking erstmals 2013 unter dem Titel One Belt, One Road (OBOR) präsentierte: OBOR ist der Versuch, einen komplexen Handelsraum in Eurasien zu schaffen, der China vor allem eines verschaffen soll neue Wachstumschancen. Das Investitionsvolumen von OBOR ist gewaltig: Mit umgerechnet 850 Milliarden Dollar sollen rund 900 Projekte in 64 Ländern finanziert werden. Bislang hat China für das Projekt Neue Seidenstraße mit 30 Ländern Abkommen geschlossen und in mehreren Investitionsfonds rund 60 Milliarden Dollar bereitgestellt. Auch die Asiatische Infrastrukturinvestmentbank mit einem Gründungskapital von 100 Milliarden Dollar ist Teil der OBOR-Initiative (siehe Seiten

4-5). Der Seeweg ist besonders beliebt Der Titel One Belt, One Road ist insofern irreführend, als es schon heute viele Wege Richtung China gibt. Dabei wird das Gros der Waren über den Seeweg transportiert: Mehr als 90 Prozent der Güter, die China nach Europa exportiert, gelangen per Schiff an ihren Bestimmungsort. Grund dafür sind die extrem günstigen Transportkosten: Die Verschiffung eines Großcontainers von China nach Europa kostet derzeit weniger als 2.000 Dollar. Allerdings dauert der Seeweg auch recht lange inklusive Vor- und Nachlauf ist ein Container zwischen China und Europa 30 bis 35 Tage unterwegs. Neue Zugverbindungen sollen die westchinesischen Provinzen an die Welthandelswege anschließen und armen Nachbarländern wie Indien und Pakistan wirtschaftlich zugutekommen. Obwohl viele Reedereien momentan in wirtschaftlichen Schwierigkeiten stecken erst im September ist die koreanische Großreederei Hanjin als erste große Linienreederei in die Insolvenz gegangen, wird das Schiff wohl das Rückgrat des Welthandels bleiben. Aus diesem Grund investiert auch China im Rahmen seiner OBOR-Strategie viel in ausländische Häfen. Der Hafen von Piräus soll zu einem Hauptumschlagplatz ausgebaut werden Einerseits werden bislang wenig genutzte Häfen wie Port Lamu in Kenia ausgebaut, um neue Absatzgebiete logistisch zu erschließen. Andererseits investiert China in die Effizienz der Transportwege auf See. So soll beispielsweise der Hafen von Piräus nahe bei Athen zur logistischen Hauptumschlagbasis für den gesamten Mittelmeerraum

ausgebaut werden. Dies hätte gravierende Auswirkungen auf die Güterverkehrsströme in Europa: Statt über die Nordseehäfen Antwerpen, Rotterdam, Bremerhaven und Hamburg würde ein Großteil der Container aus und nach China dann in Griechenland umgeschlagen. Chinas zweitwichtigster Transportweg ist die Schiene. Schon seit einigen Jahren rollen Güterzüge von der Volksrepublik über Russland Richtung Duisburg. Mit einer Transportdauer von 20 bis 25 Tagen inklusive Vor- und Nachlauf ist der Bahntransport zwar um einiges schneller als der Seeweg allerdings mit Preisen von 4.000 bis 6.000 Dollar pro Container auch zwei- bis dreimal so teuer. Ein Containerschiff ersetzt 300 Züge Damit die Schiene eine echte Alternative zum Seeweg werden kann, fehlt es zudem an Kapazitäten: Um ein Containerschiff zu ersetzen, braucht man bis zu 300 Züge. Gleichwohl will China unter der Überschrift Silk Road Economic Belt (SREB) massiv in den Landverkehr mit seinen Nachbarländern und in deren Wirtschaft investieren (Grafik): Ein großes Projekt im Rahmen von SREB ist der Bau einer Schienenverbindung von Westchina zum pakistanischen Hafen Gwadar.

Ein anderes großes Vorhaben ist der Bau einer Zugverbindung zwischen der südwestchinesischen Provinz Yunnan über Myanmar und Bangladesch bis Kalkutta.

Beide Projekte sollen dafür sorgen, dass die abgelegenen westchinesischen Provinzen an die Welthandelswege angeschlossen werden und die wirtschaftliche Aktivität in armen Nachbarländern wie Indien oder Pakistan angeregt wird. Denn die regionale Vernetzung Chinas ist nur schwach ausgeprägt: Lediglich rund 9 Prozent der chinesischen Warenexporte gehen in die 14 Nachbarländer. Zum Vergleich: In Deutschland beträgt der Anteil der Warenausfuhren, die von den neun Nachbarstaaten eingekauft werden, insgesamt fast 37 Prozent. Die Neue Seidenstraße soll auch ärmeren Chinesen helfen Die OBOR-Initiative soll zudem ein weiteres Problem der chinesischen Gesellschaft lösen: Die Wohlstandsgewinne der vergangenen 20 Jahre sind in China sehr ungleich verteilt. In den Küstenregionen erzielten die chinesischen Haushalte 2014 ein Durchschnittseinkommen zwischen 5.000 und 8.000 Dollar, während die 350 Millionen Einwohner der west- und nordchinesischen Provinzen nur auf rund 3.000 Dollar pro Haushalt kamen. Finden die Menschen künftig aufgrund der besseren Anbindung und Vernetzung an die Nachbarländer auch in diesen Regionen Arbeit und erwirtschaften ein angemessenes Einkommen, müssen irgendwann nicht mehr Millionen chinesischer Wanderarbeiter gen Osten ziehen. IW-Kurzbericht 60/2016 Thomas Puls: One Belt One Road Chinas neue Seidenstraße Kernaussagen in Kürze: Rund 90 Prozent der chinesischen Exporte gelangen per Schiff nach Europa. China investiert in die Häfen von Piräus (Griechenland) und von Port Lamu (Kenia), um dort neue Umschlagbasen für chinesische Waren zu schaffen. Auch das Schienennetz zwischen China und seinen Nachbarländern soll ausgebaut werden so ist eine Verbindung von Westchina zum pakistanischen

Hafen Gwadar geplant.