Die 2000-Watt-Gesellschaft G. Togni 1 Die 2000-Watt-Gesellschaft Giuseppina Togni Dipl. Phys. ETH Präsidentin S.A.F.E. Schw. Agentur für Energieeffizienz Zürich, Schweiz
2 Die 2000-Watt-Gesellschaft G. Togni 6. Internationales Branchenseminar für Frauen Meran 08
Die 2000-Watt-Gesellschaft G. Togni 3 Die 2000-Watt-Gesellschaft 1. Einleitung Im 1998, also vor genau 10 Jahren, lancierte die ETH (Eidgenossische Technische Hochschule Zürich) die Strategie Nachhaltigkeit. Die 2000-Watt-Gesellschaft stellt das erste und nach wie vor wichtigste Projekt dieser Strategie. Mit der 2000-Watt-Gesellschaft wird gemeinsam mit Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit gezeigt, dass ein Land wie die Schweiz mit einem Drittel seiner heutigen Energienutzung auskommen kann. Doch der Weg in die Niedrigenergiegesellschaft wird schwierig sein und Jahrzehnte beanspruchen ein Grund mehr, ihn frühzeitig einzuschlagen. 2. Die Vision 17 500 Kilowattstunden pro Jahr braucht der Mensch im globalen Mittel. Dies entspricht einer kontinuierlichen Leistung von 2000 Watt. In der Schweiz sind es heute dreimal mehr, also 6000 Watt pro Person. Nur Bruchteile davon brauchen die Menschen im Durchschnitt in einigen asiatischen und afrikanischen Ländern. Abbildung 1: Durchschnittlicher Energiebedarf pro Person Die Vision der 2000-Watt-Gesellschaft ermöglicht einen Ausgleich zwischen Industrieund Entwicklungsländern und ermöglicht damit allen Menschen einen guten Lebensstandard. Durch den Einsatz von neusten, hoch effizienten Technologien und einem dichten Netzwerk von erfahrenen Partnern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik soll diese Vision Schritt für Schritt realisiert werden. 3. Die fossilen Energien Das globale Reservoir an fossilen Energien, insbesondere Erdöl, leert sich zunehmend rascher. Schon bald rücken die nur schwierig abbaubaren Vorkommen ins Blickfeld. Die Ausschöpfung dieser Reserven führt zu tatsächlichen oder vermeintlichen Verknappungen, die wiederum wirtschaftliche Verwerfungen oder gar kriegerische Auseinandersetzungen zur Folge haben. Es ist offenkundig: Wir leben auf Kosten kommender Generationen. Dies gilt auch für die CO2-Problematik. In den letzten 125 Jahren hat sich die Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre um 35 Prozent erhöht. Eine Neuorientierung ist dringend notwendig. Die Vision der 2000-Watt-Gesellschaft sieht eine kontinuierliche Absenkung des Energiebedarfs auf 2000 Watt vor. Dieses Ziel soll so rasch wie möglich erreicht werden. Bis ins Jahr 2050 kann sich der Anteil an fossilen Energien von heute 3000 Watt auf 1500 Watt pro Person halbieren. Der weit gefasste Zeithorizont hat triftige Gründe: Der Wandel bedingt eine rigorose Anpassung der Infrastruktur und eine intelligente Lebensweise, sonst bleibt die 2000-Watt-Gesellschaft eine Vision.
4 Die 2000-Watt-Gesellschaft G. Togni 6. Internationales Branchenseminar für Frauen Meran 08 4. Die wichtigsten Aktionsfelder - Erhöhung der Material- und Energieeffizienz. - Substitution von fossilen durch erneuerbare Energieträger und Reduktion der CO2- Intensität der übrigen Nutzung fossiler Energien. - Neue Lebens- und Unternehmensformen Stichwort: nutzen statt besitzen - Professionalisierung in der Planung und Investition sowie im Betrieb von Bauten und Anlagen. 5. Die 2000-Watt-Gesellschaft ist möglich - Zwei Drittel weniger Energieverbrauch ist möglich. - Die Umsetzung der 2000-Watt-Gesellschaft ist möglich, braucht aber Zeit. - Die Politik ist gefordert, Massnahmen zur Erreichung des Ziels umzusetzen.
Die 2000-Watt-Gesellschaft G. Togni 5 5.1. Unser Energieverbrauch ist rund dreimal zu hoch Der Energieverbrauch der Bewohner und Bewohnerinnen in Europa ist mit 6000 Watt pro Person zu hoch. Ziel einer an der Nachhaltigkeit orientierten Politik und Lebensweise muss es deshalb sein, den Energieverbrauch um den Faktor 3 zu senken auf 2000 Watt pro Person. Dass dies möglich ist, belegen viele wissenschaftliche Untersuchungen. Diesen Studien sind folgende Punkte gemeinsam: Ein jährlicher Energieverbrauch von 17 500 Kilowattstunden, entsprechend 2000 Watt, respektive Emissionen von einer Tonne CO2-Äquivalenten, jeweils pro Person, ist mit heute marktfähigen Technologien machbar. 5.2. 2000-Watt-Gesellschaft mit heutiger Best-Geräte-Technologie umsetzbar Nicht von heute auf morgen, weil die Umsetzung Zeit braucht die Fristen messen sich in Jahrzehnten. Trotz der unterschiedlichen Einschätzung der Potenziale empfehlen alle Untersuchungen, die Effizienz in der Energienutzung um das zwei- bis 20-fache zu verbessern und gleichzeitig den Restbedarf mit erneuerbaren Energien zu decken. Voraussetzung ist allerdings eine rigorose Anpassung von Bauten und Anlagen, von Fahrzeugen und Einrichtungen sowie ein sparsamer Einsatz von Ressourcen. 5.3. Mehr Energieeffizienz und erneuerbare Energien Gefordert ist hier insbesondere die Politik. In der Schweiz hat sich 2002 der Bundesrat in seiner Strategie zur nachhaltigen Entwicklung entschieden, das Szenario der 2000-Watt- Gesellschaft zu verfolgen. Diesen Worten müssen nun wirksame energie- und klimapolitische Taten folgen. Die schweizerischen Umweltorganisationen haben konkret aufgezeigt, was kurz- und mittelfristig zu tun ist, damit das 2000-Watt-Ziel bis 2050 erreicht wird. Diesem Wegweiser in die 2000-Watt-Gesellschaft und dem darauf aufbauenden Klima- Masterplan gilt es jetzt entschlossen zu folgen. 6. Quellen und weitere Informationen 1. www.novatlantis.ch Die 2000-Watt-Gesellschaft ist ein Projekt von Novatlantis. Novatlantis setzt die neusten Erkenntnisse und Resultate aus der Forschung im ETH Bereich für eine nachhaltige Entwicklung von Ballungsräumen um. Sie zeigt an praktischen Beispielen auf, wie eine nachhaltige Zukunft aussehen kann. Gemeinsam mit Forschern und Wissenschaftlern des ETH Bereichs initiiert sie transdisziplinäre Projekte. In Zusammenarbeit mit Behörden und Unternehmen werden Projekte realisiert, die gesellschaftliche und technische Aspekte der Nachhaltigkeit berücksichtigen. 2. www.energiestiftung.ch Die schweizerische Energiestiftung SES wurde 1976 gegründet und engagiert sich seither für eine intelligente, umwelt- und menschengerechte Energiepolitik. Diese orientiert sich an der 2000-Watt-Gesellschaft. Die SES setzt sich für den effizienten Einsatz von Energie und die Förderung und Nutzung erneuerbarer Energiequellen ein. Die SES zeigt Wege auf, wie sich die Schweiz aus der verhängnisvollen Abhängigkeit einer fossil-atomaren Energieversorgung lösen kann. 3. www.energieeffizienz.ch Die schweizerische Agentur für Energieeffizienz S.A.F.E. ist ein Verein, mit dem Zweck, die Elektrizitätseffizienz in der Schweiz zu fördern. Im S.A.F.E.-Team arbeiten kompetente und engagierte Persönlichkeiten aus den Bereichen Energie, Umwelt, Kommunikation und Marketing zusammen. S.A.F.E. hat einen Leistungsauftrag des Programms EnergieSchweiz und trägt mit ihren Projekten dazu bei, die gesetzlichen Vorgaben umzusetzen.