Migration, Integration, Superdiversität

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Transkript:

Migration, Integration, Superdiversität Wie verändert sich unsere Gesellschaft durch Flucht und Migration? Jens Schneider Universität t Osnabrück

Menschen mit Migrationshintergrund (Mikrozensus) Frankfurt am Main Augsburg Nürnberg Stuttgart München Düsseldorf Köln Dortmund Hannover Hamburg Berlin 2007 42% 40% 38% 37% 35% 32% 31% 31% 30% 26% 24% 2011 45% 41% 38% 38% 36% 35% 34% 31% 33% 28% 26% http://www.bpb.de/gesellschaft/migration/newsletter/208209/grossstaedte-sind-zuwanderungsmagneten, Juni 2015 (bearbeitet)

Supervielfalt = mehr Herkünfte, mehr ethnisch-kulturelle Vielfalt, aber auch neue Lebensentwürfe mehr Überschneidungen/Verschränkungen(Aufenthaltsstatus, binationale Partnerschaften, subkulturelle Gemeinsamkeiten u.v.m.) Kategorien Migrationshintergrund und ethnische Zugehörigkeit verlieren zunehmend an Bedeutung! Vielfalt wächst von unten auf = Ergebnis von Sedimentierung älterer Immigration, nicht von aktueller Zuwanderung/Flucht zweite und dritte Generation!

Was heißt Integration? Die Gesellschaft ist kein Ganzes, in das man sich integrieren kann Ethnische Gruppen (oder Migrantengruppen ) sind keine homogenen Einheiten, deren Integration gelingen oder scheitern kann fundamental: Unterscheidung erste und zweite Generation! Stattdessen: Zugang / Eingebunden-Sein in spezifische soziale Organisationen z.b. Schule, Arbeitsplatz, Wohnumfeld ist zentraler Aspekt der Sozialisation und gilt für alle Menschen unabhängig vom ethnischen oder Migrationshintergrund Definition: Teilhabe und Zugehörigkeit Integration in Superdiversität = Akzeptanz von Vielfalt als Normalfall, aber Andersheit ist relativ = interkulturelle Kompetenzen, überbrückende soziale Beziehungen + Praxen Wer findet Vielfalt gut? wichtigster Einflussfaktor: praktische Erfahrung! Wer verfügt bereits über die Kompetenzen und sozialen Beziehungen? Beispiel: gemischte interethnische Freundeskreise

Türk. zweite Generation und Vergleichsgruppe: interethnische Freundeskreise zweite Generation Vergleichsgruppe Türk. zweite Generation und Vergleichsgruppe: interethnische Freundeskreise Die drei besten Freunde anderer ethnischer Hintergrund als der eigene? Vergleichsgruppe 58,4 26,4 13,9 1,2 Studis Alle türkische G2 Vergleichsgruppe 36,2 82,6 24,7 27,2 11,9 13,0 4,3 0,0 keine eine/r zwei alle drei türkische G2 10,0 46,7 30,0 13,3 0% 20% 40% 60% 80% 100%

nationale Identifikation lokale Identifikation Identifikation mit Stadtteil

Bezug zum Stadtteil Index Figure aus 4: Identifikation, Degree of involvement Wohlfühlen, with Kontakt one's neighbourhood zu Nachbarn, Verantwortungsgefühl (4-item index) Turkish G2 5.5 32.8 61.7 Linz Vienna Frankfurt Berlin SSYU G2 Comp. Group Turkish G2 SSYU G2 Comp. Group Turkish G2 SSYU G2 Comp. Group Turkish G2 SSYU G2 7.9 9.2 9.2 3.9 12.3 8.7 14.3 12.6 7.8 10.9 28.7 42.4 32.8 29.9 31.2 26.2 28.6 39.7 26.5 24.7 63.4 48.4 58 66.2 56.5 65.1 57.1 47.7 65.7 64.4 Comp. Group 11 30.6 58.4 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% low medium high Die neuen Einheimischen...? Frankfurt Berlin türk. G2 ohne Mh türk. G2 ohne Mh sind in dieser Stadt aufgewachsen 92% 83% 97% 91% leben im Stadtteil ihrer Jugend 74% 36% 80% 63% Eltern leben im selben Stadtteil 44% 19% 56% 24% TIES 2008

Soziale Mobilität (türk. 2. Generation in Berlin) TIES 2008 Arbeiterviertel (nach Wahrnehmung der Respond.) >50% türk. Einwohnerschaft (nach Wahrnehmung der Respond.) keine türk. Einwohner (nach Wahrnehmung der Respond.) Wohnung = sehr gute Qualität (Beurteilung durch Interviewer) häufigste Wohnbezirke wohnt bei den Eltern 65% 19% 0% 48% Kreuzberg, Neukölln eigener Haushalt 50% 13% 7% 59% Kreuzberg, Schöneberg, Tempelhof Hoher Anteil an Einfamilienhaus-Eigentümern unter den Eltern (25%) und kleine Eigentumswohnungen (= Single-Haushalte) unter den Befragten (35%) Generation Mix : = Menschen(mit und ohne Migrationshintergrund) mit interethnischen Freundeskreisen Vielfalt als unhinterfragte Normalität kulturelleunterschiedespielenvorallemkontextuellbzw. situationsgebunden eine Rolle gemeinsam: Verinnerlichung der Werte der modernen Stadtgesellschaft Gleichberechtigung der Geschlechter religiöser Pluralismus Freiheit der sexuellen Orientierung Demokratie

Aussage: Frauen sollten nicht außer Haus arbeiten, solange kleine Kinder in der Familie sind TIES-Daten für die Niederlande Progressive 70% Progressive 51% Konservative Von denen, die nichtmit der Aussage einverstanden sind: TIES-Daten für die Niederlande 86% identifizieren sich stark als Muslime

Von denen, die nichtmit der Aussage einverstanden sind: TIES-Daten für die Niederlande 30% dieser Frauen tragen ein Kopftuch Von denen, die nichtmit der Aussage einverstanden sind: TIES-Daten für die Niederlande 28% dieser Männer gehen regelmäßig in die Moschee

Türkische zweite Generation (mit Eltern mit geringer Bildung): Nicht einverstanden mit: Frauen mit kleinen Kindern sollten nicht arbeiten Belgien Frankreich Deutschland Niederlande Österreich Schweiz Schweden 6% 69% 38% 56% gering gebildet hoch gebildet Zu niedrige Bildungsabschlüsse vs. Hochschule TürkeistämmigezweiteGeneration: Höchster Abschluss oder aktuelles Bildungsniveau (nur Respondenten mit gering gebildeten Eltern) max. Mittlerer Schulabschluss Hochschule Österreich 32% 15% Belgien 34% 18% Frankreich 16% 36% Deutschland 33% 5% Niederlande 26% 27% Schweden 9% 29% Schweiz 13% 15% TIES 2008

Türk. 2 Generation: Zugang zu qualifizierten Jobs (mit Eltern mit geringer Bildung) Berlin 8% Amsterdam 21% Stockholm 22% TIES 2008 Problemgruppen: sehr konservativ religiöse Muslime und Xenophobe ohne Migrationshintergrund Stockholm Amsterdam Zürich Brüssel Wien Berlin

Formen der Religiosität in der türk. 2. Generation streng gläubig * (= Ramadan, Helal, Gebete, Moschee) sozial ** (= Ramadan, Helal) privat *** (= gläubig, aber wenig Praxis) identitär (= Muslim ja, aber nicht religiös) Berlin Frankfurt Wien Amsterdam 24% 30% 19% nicht muslimisch 20% 11% 8% 10% * Ramadan, Helal essen: immer ; Gebete: 5x täglich ; Moscheebesuch: min. einmal pro Woche TIES 2008 ** Ramadan, Helal essen: die meiste Zeit ; Gebete: täglich oder weniger ; Moscheebesuch: max. 1-2x pro Monat *** Ramadan, Helal essen: abhängig von Situation ; Gebete: max. 1x pro Woche ; Moscheebesuch: nur Feiertage 7% 5% 25% 14% 31% 47% 50% 40% 11% 10% 14% 10% 16% Einflussfaktoren strukturelle Teilhabe: Bildung, Arbeit, Wohnen Zugehörigkeit negativ: Diskriminierung! interethnische Kontakte und Freundschaften vor allem Schule, Arbeit und Stadtteil! Nachholbedarfe in der(bisherigen) Mehrheitsgesellschaft Flüchtlingshilfe = Hilfe in beide Richtungen,

Einwanderungsgesellschaft I zunehmende Vielfalt... Rheinische Post, Düsseldorf, 27. Oktober 2014, B8

Einwanderungsgesellschaft II Remaking the mainstream... Rheinische Post, Düsseldorf, 27. Oktober 2014, B8 Remaking the mainstream... Betin Güneş Gründer und Dirigent des Kölner Symphonieorchesters http://farben-der-gesellschaft.de

Remaking the mainstream... Ayhan Aktaş Züchter von alten deutschen Apfelsorten im Ammerland http://farben-der-gesellschaft.de Remaking the mainstream... Rana Tokmak Deutsche Jugendmeisterin Rhythmische Sportgymnastik Tänzerin beim Jugendstaatstheater Dortmund http://farben-der-gesellschaft.de

Oder beides, ineinander, miteinander...

Das türkische Boot auf der Gay Pride-Parade in Amsterdam 2012 Integration 2.0 Demographische Entwicklung ist irreversibel! Akzeptanz und Gestaltungswillen Lernen von erfahrenen Einwanderungsländern: superdiverse Gesellschaften funktionieren sehr gut vollestrukturelleteilhabeistvoraussetzungfürintegration, nichtdie Belohnung dafür langer Atem, ruhige Hand: Integration ist Frage von Generationen Integration betrifft alle, sie ist keine Herausforderung speziell für Einwanderer und deren Kinder Aber auch: Arrival Cities = Hubs für Zugang und Teilhabe!

Integration 2.0 Demographische Entwicklung ist irreversibel! Akzeptanz und Gestaltungswillen Lernen von erfahrenen Einwanderungsländern: superdiverse Gesellschaften funktionieren sehr gut vollestrukturelleteilhabeistvoraussetzungfürintegration, nichtdie Belohnung dafür langer Atem, ruhige Hand: Integration ist Frage von Generationen Integration betrifft alle, sie ist keine Herausforderung speziell für Einwanderer und deren Kinder Aber auch: Arrival Cities = Hubs für Zugang und Teilhabe! 1965