CO 2 -Emissionsrechtehandel 01.07.2011
Agenda I. Hintergrund des Emissionshandels II. Cap & Trade III. Baseline & Credit IV. Ein kurzes Praxisbeispiel Seite 2
I. Hintergrund des Emissionshandels Das Kyoto-Protokoll Der Emissionshandel geht auf die Mechanismen und Reduktionsziele des Kyoto- Protokolls zurück. Stand der Ratifikation des Kyoto-Protokolls (2009): Die Menge des weltweit ausgestoßenen CO2s wird im Wesentlichen über zwei Mechanismen des Kyoto-Protokolls gesteuert: Emissionshandel ( Cap & Trade für Industrieländer) Projektbezogene Mechanismen ( Baseline & Credit für Industrieländer (JI) und Entwicklungsländer (CDM))
I. Hintergrund des Emissionshandels Im Zuge des Cap & Trade Mechanismus werden Emissionsrechte an die teilnehmenden Länder vergeben. Dies sind die sogenannten AAUs (Assigned Amount Units), die von der UN vergeben werden. Innerhalb der EU werden diese Emissionszertifikate als EUAs (EU Allowances) bezeichnet. Über die Baseline & Credit Mechanismen können Emissionsgutschriften durch eine nachgewiesene Senkung in einem anderen Land erworben werden. Diese können dann im Emissionshandel entweder genutzt oder gehandelt werden. Dabei handelt es sich bei JI-Projekten um ERUs (Emission-Reduction Unit) und um CERs (Certified Emission Reduction) bei CDM-Projekten. Hinzu kommen auf dem freiwilligen Markt noch die VERs (Verified Emission Reduction), die abseits von den Abgabeverpflichtungen gehandelt werden.
II.Cap&Trade dercap Der Cap, also die Obergrenze der Emissionen und damit die zugeteilte Zertifikatsmenge wird wie folgt bestimmt: Emissionsbudget 2008 2012 für Deutschland für alle Treibhausgase: 974 t Nicht-Co2: 127 t CO2: 847 t Transport, Haushalte & Sonstige: 348 t Energie & Industrie: 499 t Nicht-EH: 46 t Emissionshandel: 452 t Quelle: BMU Inventarbericht Bisher erfolgt die Zuteilung nach den nationalen Allokationsplänen. Diese sollen jedoch in der dritten Emissionshandelsphase (2013-2020) abgeschafft und durch eine EU-weite Gesamtobergrenze ersetzt werden. Zudem sollen in Phase 3 die Zertifikate nicht wie bisher kostenlos verteilt werden, sondern verstärkt versteigert werden (von 20% in 2013 bis 100% in 2025). Auch erfolgt die Zuteilung dann nicht mehr basiert auf den historischen Anlagenwerten (Grandfathering), sondern auf Basis der besten verfügbaren Technologie.
II.Cap&Trade dercap Vom Emissionshandel betroffen sind folgende Industriezweige: Energieumwandlung und umformung (Feuerungsanlagen mit Feuerwärmeleistung > 20MW (Strom, Dampf, Wärme), Mineralölraffinerien, Kokereien, ) Eisenmetallerzeugung und verarbeitung (z.b. Anlagen zur Herstellung und Schmelzen von Stahl, ) Mineralverarbeitende Industrie (z.b. Zement, Ziegeleien, Glas, ) Sonstige Industriezweige (Zellstoff, chemische Industrie, ) Ab 2012 kommt der Luftverkehr hinzu weitere Anwendungsbereiche sind geplant Carbon Leakage: Eine Ausnahme sind vom sog. Carbon Leakage betroffene Unternehmen. Carbon Leakage beschreibt den Effekt, dass ein wesentlicher Anstieg der Produktionskosten durch Vermeidungsmaßnahmen in Land A direkt zu einer Produktions- und damit auch Emissionssteigerung in Land B in gleichem Umfang führt. Die betroffenen Unternehmen sind auf einer von der EU Kommission erstellten Liste aufgeführt. Diese kann jederzeit von der EU-Kommission angepasst werden.
II. Wie funktioniert Cap& Trade Trade bedeutet, dass Emissionsrechte frei gehandelt werden dürfen. Wenn also z.b. der Preis für ein Zertifikat, dass zum Ausstoß einer Tonne CO2 berechtigt höher ist, als einen Filter in eine Produktionsanlage einzubauen, der eine Tonne CO2 vermeidet, dann kann ein Land dies tun und dafür eines seiner Zertifikate verkaufen. Dieser Allokationsmechanismus soll sicherstellen, dass Vermeidungsmaßnahmen dort getätigt werden, wo sie am effizientesten sind. Minderungskosten pro Tonne CO2 Reduktionsverpflichtung Kosten der Vermeidung pro Tonne CO2 Land A Zertifikatspreis Kauf von Zertifikaten Emissionsminderungen
III.Baseline&Credit-JI Von JI-Projekten spricht man, wenn eine Emissionsreduktionsmaßnahme von einer Annex-B Staat in einem anderen Annex-B Staat durchgeführt wird. Annex-B bezeichnet im wesentlichen die großen Industrienationen. Deutschland Deutschland & Polen führen gemeinsam JI- Projekt in Polen durch Polen Gibt anteilig ERUs an Wichtig: Daraus resultiert keine Veränderung der erlaubten CO2-Menge, da vormals Polen zugeteilte EUAs in ERUs umgewandelt und an Deutschland gegeben werden!
III.Baseline&Credit-CDM Von CDM-Projekten spricht man, wenn eine Emissionsreduktionsmaßnahme von einem Annex-B Staat in einem Annex-A Staat durchgeführt wird. Darin werden im wesentlichen Entwicklungsländer erfasst. Deutschland investiert in Aufforstungsmaßnahme in Äthiopien Deutschland Äthiopien Bekommt CER- Gutschrift UN (UNFCCC) Auflage: Das Kyoto-Protokoll fordert, dass CDM-Projekte einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung des Gastlandes leisten!
III. Baseline& Credit Sowohl CDM- als auch JI-Projekte basieren auf der Idee des Baseline & Credit: Baseline bezeichnet die Idee, dass die Emissionsminderung, die ein Projekt erreicht auf Basis einer geschätzten Fortführung des Istzustands (Baseline-Emissionen) berechnet wird. Emissionen Projektstart Baseline-Emissionen Emissionen mit Projekt t Credit heisst, dass die erfolgte Emissionsminderung angerechnet werden kann (in Form von ERUs oder CERs) und entweder verkauft oder mit den eigenen Emissionen verrechnet werden kann. Ein Wirtschaftsteilnehmer kann jedoch in Deutschland max. 22% seiner gesamten Emissionen mit ERUs und CERs decken.
IV. Ein Praxisbeispiel Als Beispiel soll ein Steinkohlekraftwerk angeführt werden: Dem Kraftwerk werden durch die DEHSt für 2011 nur EUAs für 800.000 t CO2- Ausstoß zugeteilt. 2010 verursachte das Kraftwerk jedoch 1.500.000t CO2 Ein neuer Filter in einem Schornstein kann den Ausstoß 2011 auf 1.200.000 t reduzieren. Dieser ist günstiger als EUA für die besagte Minderungsmenge zu den derzeitigen Marktpreisen. Damit muss der Kraftwerksbetreiber jedoch (bis April 2012) immer noch CO2 Zertifikate weitere 400.000 t organisieren. Dies kann entweder durch Zukauf an der EEX (oder einer anderen Handelsbörse) erfolgen oder durch die Durchführung von Projekten, mit denen er Emissionsgutschriften erhalten kann. Kann er bis April 2012 nicht für die vollständige Menge seines CO2-Ausstoßes Zertifikate abgeben, so muss er eine Strafe entrichten (derzeit 100 /t).