Patienten-Broschüre Die verletzte Schulter Ein Patientenleitfaden zur Behandlung in der Abteilung für Orthopädie, Unfall- und Wirbelsäulenchirurgie der Asklepios Klinik Altona, Hamburg
Das Schultergelenk Sehnenriss in der Rotatorenmanschette Über den Schultergürtel wird der Arm mit dem Rumpf verbunden. Die knöcherne Aufhängung bildet das Schlüsselbein, das über Gelenke mit dem Brustbein und dem Schulterblatt verbunden ist. Das Schulterblatt ist auf dem Brustkorb beweglich und durch kräftige Muskeln mit dem Rumpf verbunden. Sie stellen die muskuläre Aufhängung des Armes dar. Die Gelenkpfanne des eigentlichen Schultergelenkes gehört zum Schulterblatt. Verglichen mit dem Oberarmkopf als Gelenkpartner ist die Pfanne sehr klein. Dies erklärt einerseits den großen Bewegungsumfang des Schultergelenkes, andererseits verdeutlicht es auch die Bedeutung der Bänder, Sehnen und Knopelstrukturen, die um das Gelenk für Stabilität sorgen. Neben den Bändern, die die Gelenkpfanne mit dem Oberarmkopf verbinden, sind hier das knorpelige Labrum und die Sehnen der Rotatorenmanschette besonders wichtig. Das Labrum liegt um die Pfanne herum und vergrößert so deren Fläche. Die Muskeln der Rotatorenmanschette entspringen am Schulterblatt und ihre Sehnen greifen haubenförmig um den Oberamkopf herum. Anhand der beschriebenen Strukturen sollen einige häufige Erkrankungen und Verletzungen der Schulter erläutert werden. Eine ganze Menge weiterer anatomischer Begebenheiten haben keine Erwähnung gefunden und auch das weite Feld der Behandlung von Knochenbrüchen an der Schulter bleibt von unserer Broschüre unberührt. Gerne geben wir Ihnen weiterführende Erklärungen im Rahmen unserer Sprechstunde. Durch Unfälle, aber auch durch den Alterungsprozess kann es zu Rissen in den Sehnen der Rotatorenmanschette kommen, sodass diese sich von ihrem Ansatz am Oberarmkopf ablöst. Folgen sind einerseits Schmerzen, andererseits kann die Funktion der zugehörigen Muskeln ausfallen. Dies bedeutet eine Bewegungseinschränkung der Schulter. Beides sind Gründe, unsere Sprechstunde aufzusuchen. Indem wir erfragen, wie sich Schmerz und Bewegungseinschränkung äußern, kann die Ursache bereits eingegrenzt werden und spezielle klinische Tests geben erste Sicherheit bezüglich der Diagnose, die dann mit einer Bildgebung gesichert wird. Neben dem fast immer erforderlichen Röntgen gehört die Kernspintomographie zu den notwendigen Untersuchungen. Anhand der Bilder kann dann die Therapie geplant werden: eine konservative Therapie mit Schmerzbehandlung und Krankengymnastik oder eine Operation. Zumeist wird dann geplant, die Sehne wieder an ihrem Ansatz am Oberarm zu fixieren. Dies kann im Rahmen einer Gelenkspiegelung aber auch durch eine offene Operation erfolgen. Ist eine Wiederherstellung der Sehnen nicht möglich, kann auch der Einsatz einer sogenannten inversen Prothese sinnvoll sein. Nach einer Operation schließen sich eine Ruhigstellung und eine physiotherapeutische Übungsbehandlung an. Gemeinsam mit Ihnen werden wir in der Sprechstunde das geeignete Behandlungsverfahren auswählen. Schulterhöhe Schlüsselbein Sehne der Rotatorenmanschette Sehnenriss Muskel der Rotatorenmanschette Gelenkpfanne Oberarmkopf Kernspintomographie der Schulter mit Riss einer Sehne der Rotatorenmanschette 2 3
Verrenkung des Schultergelenkes und Instabilität Omarthrose Durch eine Verrenkung (Luxation) der Schulter kann es zur einer Verletzung des Kapsel-Bandapparates kommen, dabei wird am häufigsten die Gelenklippe, das sogenannte Labrum, das in etwa einem Meniskus im Kniegelenk entspricht, vom Gelenkpfannenrand abgeschert. Zusätzlich können auch die Gelenkkapsel, die Sehnen der Rotatorenmanschette und die lange Bicepssehne verletzt werden. Aufgrund dieser Schädigung wird das Gelenk instabil und kann auch ohne erneuten Unfall spontan wieder herausspringen. Durch eine Kernspintomographie können die Verletzungen genau erfasst und entsprechende operative Therapien empfohlen werden. Bei isolierten Verletzungen des Labrums ist eine Refixierung durch Faden-Anker-Systeme mittels einer Gelenkspiegelung gut möglich. Unter Umständen lassen sich auch knöcherne Absprengungen der Gelenkpfanne mit Schrauben auch ohne große Schnitte wieder rekonstruieren. Der Verschleiß des Schultergelenkes, der verschiedene Ursachen haben kann, ist zwar seltener als am Hüft- oder Kniegelenk, kann aber genauso zu einer schmerzhaften Bewegungseinschränkung oder zur Ruheschmerzen führen. Konservative Therapie mit Schmerzmittel und Krankengymnastik kann zu einer Besserung der Symptomatik führen, bei fortgeschrittener Schädigung des Gelenkes und bei älteren Patienten ist aber eine dauerhafte Besserung nur durch Einsetzten eines künstlichen Schultergelenkes möglich. In den letzten 20 Jahren hat die Schulterendoprothetik große Fortschritte gemacht, und in Abhängigkeit von der Veränderung des Knochens, des Knorpels, der Gelenkkapsel und der Sehnen der Rotatorenmanschette stehen verschiedene Systeme zur Verfügung, die eine gute Wiederherstellung der Funktion ermöglichen. Bei der Operation sind größere Zugänge erforderlich, sodass sich ein Krankenhausaufenthalt von etwa einer Woche und mehrwöchige, individuell angepasste Rehabilitation anschließen. Bei ausgedehnten Defekten oder bei chronischer Instabilität sind meistens offene Operationen mit Rekonstruktion des Kapsel-Bandapparates oder sogar Transplantationen von Knochen notwendig und müssen individuell geplant werden. Bild des abgerissenen Labrums (Pfeil) in der Gelenkspiegelung der Schulter und der Zustand nach Versorgung mittels Fadenankern (selbst nicht sichtbar). * Gelenkpfanne Oben: Ersatz des linken Schultergelenkes durch eine Prothese. Die Pfanne aus Kunststoff ist nicht sichtbar im Röntgenbild. Links: Schwerer Verschleiß der linken Schulter 4 5
Kalkschulter Impingement Bei der sog. Kalkschulter handelt sich um Kalkeinlagerungen (Carbonappatit) in den Sehnen der Rotatorenmanschette, die durch unterschiedliche Faktoren ausgelöst werden kann. Die Erkrankung tritt am häufigsten zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auf. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Typisch für diese Erkrankung sind wechselnde Phasen mit vollkommener Schmerzfreiheit bis zur hochakuten Schmerzen, die nicht selten zu Besuchen in den Notfallambulanzen führen. Die konservative Therapie mit Medikamenten oder Spritzen kann die Beschwerden lindern bzw. zur Auflösung der Verkalkungen führen. Bei ausbleibendem Therapieerfolg können die Ablagerungen im Rahmen einer Gelenkspiegelung entfernt werden, und dadurch eine dauerhafte Schmerzfreiheit erreicht werden. Das Schuler-Engpass-Syndrom (Impingement) beinhaltet unterschiedliche Ursachen, die im Endeffekt zu einer Behinderung des Gleitens der Supraspinatussehne unter dem Schulterdach führen. Die häufigsten Ursachen sind hier Formveränderungen des Schulterdaches, die knöchernen Ausziehungen im Bereich des Schulereckgelenkes und eine chronische Entzündung des hier gelegenen Schleimbeutels. Durch die Enge ist die Funktion der Schulter schmerzhaft eingeschränkt und das ständige Reiben der Sehne kann zur Schädigungen bis zum kompletten Reißen der Sehne führen. Lässt sich die Symptomatik mit Medikamenten und Krankengymnastik nicht therapieren, ist eine operative, arthroskopische Therapie angezeigt. Dabei werden die Weichteile (Schleimbeutel) entfernt und die knöchernen Strukturen des Schulterdaches bzw. Schultereckgelenkes geglättet (sog. subakromiale Dekompression). Es schließt sich eine krankengymnastische Übungsbehandlung an. Kalkdepots in der Rotatorenmanschette im Röntgenbild und in der Kernspintomographie 6 7
Behandlungsablauf 1. Kontakt Terminvereinbarung unter (0 40) 18 18-81 16 21 Bitte bringen Sie eine Einweisung, möglichst Röntgenbilder und weitere Untersuchungsergebnisse, sofern Sie diese haben, mit. Im Rahmen einer ersten Untersuchung werden Ihre Beschwerden erörtert, die von Ihnen mitgebrachten Befunde mit Ihnen besprochen und dann ein Plan für die weitere Behandlung vereinbart. Wenn nötig, werden ergänzende Untersuchungen veranlasst. Auch für das Einholen einer Zweitmeinung zu einer schon geplanten Behandlung stehen wir gerne zur Verfügung. Am Ende dieses Untersuchungstermins werden Sie einen Plan für die weitere Behandlung/Untersuchung erhalten. Ihr zuweisender Arzt wird schriftlich über diese Untersuchung und den Behandlungsplan informiert. Falls sich aus dem ersten Kontakt die Notwendigkeit einer Operation ergibt, wird dieser Termin festgelegt. Ebenso soll möglichst schon jetzt die Weiterbehandlung nach der Operation (z. B. Reha-Klinikaufenthalt) besprochen und festgelegt werden. Von unserer Physiotherapie erhalten Sie im Falle einer Gelenkersatzoperation in einer eigenen Broschüre weitere Hinweise, wie Sie sich auf die Operation vorbereiten können. Auch Empfehlungen für die Vorbereitung Ihrer Wohnung und Ratschläge für das Leben mit einem neuen Gelenk finden sich in dieser Broschüre. Die folgenden kurzen Kapitel informieren Sie über den weiteren Ablauf. Vor der Operation In einem weiteren Termin kurz vor dem Operationstag wird die geplante Operation noch einmal besprochen und Ihre schriftliche Einwilligung eingeholt. Eine vollständige Aufnahmeuntersuchung wird durchgeführt. Das Narkoseverfahren wird durch einen Anästhesisten mit Ihnen besprochen. Alle Unterlagen werden noch einmal geprüft, kurzfristige Verhaltensempfehlungen, z. B. das Absetzen oder Ersetzen von Medikamenten, werden mit Ihnen abgestimmt. Der Aufnahme- und Operationszeitpunkt wird noch einmal bestätigt. Im Krankenhaus Am Operationstag werden Sie auf der Tagesstation aufgenommen, Sie erhalten ein Bett. Ihre Unterlagen werden nochmals geprüft. Ein Armband für die eindeutige Indentifikation Ihrer Person wird angelegt, die zu operierende Seite auf der Haut markiert. Sie werden vom Pflegepersonal unterstützt für die direkte Vorbereitung der Operation. Danach werden Sie zur Operation abgeholt und vom Narkoseteam in Empfang genommen. Die Operation wird dann unter der mit Ihnen vereinbarten Betäubung (Vollnarkose oder Regionalanästhesie) durchgeführt. Zur Überwachung werden Sie, bis die akuten Narkosewirkungen abgeklungen sind, im Aufwachraum durch ein Anästhesieteam betreut und dann bei ambulanten Eingriffen zurück auf die Tagesstation gebracht. Bei stationären Eingriffen werden Sie aus dem Aufwachraum auf die für Sie vorgesehene Station gebracht. Auf der Station erhalten Sie die benötigte Hilfe von der Pflege. Operateur und Stationsärzte werden Sie über den Operationsverlauf informieren und Ihre Erholung vom Eingriff nach Kräften unterstützen. Die physiotherapeutische Nachbehandlung wird am Folgetag begonnen. So können Sie sich so weit von der Operation erholen, dass die geplante Entlassung oder Verlegung zur Nachbehandlung (z. B. Reha-Klinik) erfolgen kann. Nach dem Krankenhausaufenthalt Je nach Operation und Beeinträchtigung ist für Sie eine ambulante oder stationäre Nachbehandlung sinnvoll. Hinweise zum Leben mit einem neuen Gelenk, Verhaltenshinweise, empfehlenswerte Betätigung und Sportarten finden Sie in der Broschüre unserer Physiotherapie. Nach abgeschlossener Rehabilitation oder falls Sie zwischenzeitlich noch Fragen haben, können Sie gerne einen Termin in der Ihnen nun schon bekannten Sprechstunde ca. 6 Wochen nach der Operation vereinbaren. Wir wünschen Ihnen trotz Erkrankung und Operation einen angenehmen Aufenthalt in unserer Klinik und alles Gute für Ihre Gesundheit. 8 9
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