Bildgestaltung mit der Blende

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Transkript:

Bildgestaltung mit der Blende Alle Digitalkameras (gleichgültig ob Kompakt-, Bridge- oder Spiegelreflexkameras) aber auch Analogkameras arbeiten in der Regel mit der sog. Offenblendenmessmethode, d.h. bei maximal hellem Sucherbild (Monitorbild) wird die Entfernung gemessen und am Objektiv eingestellt. Dies hat den Vorteil, dass der Fotograf immer ein sehr helles Sucherbild hat und das Motiv gut beurteilen kann auch wenn mal weniger Licht vorhanden ist. In dieser Einstellung wird aber auch die Belichtungszeit gemessen und damit Blende und Verschlusszeit eingestellt / festgelegt. Leider hat diese Methode auch Nachteile insbesondere für die gezielte Bildgestaltung im Wechselspiel mit Schärfe und Unschärfe, denn das Bild das der Fotograf im Sucher (Monitor) gesehen hat, stimmt mit dem fotografierten (fertigen) Bild nicht immer überein. Verantwortlich ist hierfür die genannte Offenblendenmessmethode. Beispiel: Bei sehr hellem Licht wird eine Person fotografiert, die in einiger Entfernung zum Hintergrund steht. Im Sucher (Monitor) der Kamera ist dieser Hintergrund relativ unscharf zu sehen. Bei der späteren Kontrolle des Bildes am Computermonitor wird man staunen, dass der Hintergrund doch relativ scharf abgebildet ist und das Hauptmotiv (Person) mehr oder weniger störend umgibt, im Gegensatz zu dem Bild das der Fotograf beim Fotografieren im Sucher (Monitor) gesehen hatte. Hierfür verantwortlich ist die Automatik (Programmautomatik) der Kamera, die bei der Aufnahme im Moment des Auslösens die Objektivblende auf einen kleinen Wert (z.b. Blende 16) geschlossen hat, wovon der Fotograf gar nichts mitbekam. Steht die Einstellung der Kamera auf P (Programmautomatik) so wird die Blende und Belichtungszeit nach einer vorgegebenen Steuerkurve geregelt (je nach Kamera und Hersteller unterschiedlich, siehe Grafik). Bei wenig Licht wird die Blende geöffnet (kleine Blendenzahl z.b. 2,8) und die Belichtungszeit auf einen längeren Wert (z.b. 1/30 Sekunde) heruntergeregelt. Bei viel Licht wird kontinuierlich die Blende geschlossen (z.b. auf Blende 16) und die Belichtungszeit ebenfalls kontinuierlich kürzer eingestellt (z.b. auf 1/1000 Sekunde). Beim Fotografieren hat der Fotograf das Bild in Sucher / Monitor bei offener Blende gesehen und die Aufnahme aber bei geschlossener Blende fotografiert, so entsteht die Diskrepanz zwischen Sucherbild und fertiger Aufnahme. 10.06.2010 Bildgestaltung_mit_der_Blende.doc...BE... 1

Zur Erklärung: Bei offener Blende (im nachfolgenden Beispiel Blende 2) ergibt sich eine kleine Tiefenschärfe (auch Schärfentiefe genannt), es wird also nur das Objekt scharf erscheinen auf das die Kamera scharf eingestellt hat. Vorder- und Hintergrund werden mehr oder weniger unscharf abgebildet. Bei mittlerer Blende (z.b. Blende 8) wird nicht nur das Objekt scharf erscheinen auf das die Kamera scharf eingestellt hat, sondern auch weitere Objekte die sich etwas vor und etwas hinter dem Hauptmotiv befinden. Bei geschlossener Blende (z.b. Blende 16 oder 22) ergibt sich eine sehr große Tiefenschärfe, sodass sowohl der Vordergrund, der Mittelgrund und auch der Hintergrund scharf abgebildet wird (siehe nachfolgende Beispiele). Hier die Blendenlamellen eines Objektivs Links offene Blende (z.b. Blende 2,8), rechts geschlossene Blende (z.b. Blende 22) 10.06.2010 Bildgestaltung_mit_der_Blende.doc...BE... 2

Objektive mit einer Festbrennweite (z.b. ein Normalobjektiv mit 50 mm KB Brennweite) haben noch eine sog. Tiefenschärfescala. Hier kann der Fotograf ablesen bei welcher Blende welche Tiefenschärfe erzielt wird. In diesem Beispiel ist es die Blende 8 was bei der Einstellung auf 3 Meter eine Tiefenschärfe von ca. 2,5 bis 4 Meter ergibt. Zoomobjektive (heute oft mit sehr großem Brennweitenbereichen) fehlt diese Tiefenschärfescala. Hier muss der Fotograf auf eigene Erfahrungen zurückgreifen, will er das Motiv mit der Tiefenschärfe gestalten (Vorder- und / oder Hintergrund je nach Wunsch scharf oder unscharf). An nachfolgenden Beispielen sei die Wirkungsweise der Blendeneinstellung dargestellt. Das Beispielmotiv besteht aus Vordergrund (Blumen) Mittelgrund (Figur) und Hintergrund (grüner Busch). Die Schärfe wurde bei allen nachfolgenden Beispielen auf die Blumen im roten Kreis eingestellt. Die Kamera wurde auf Zeitautomatik gestellt (A) und die Blende auf den angegebenen Wert verändert (siehe Bildausschnitte mit den entsprechenden Blendenangaben auf den nächsten Seiten). 10.06.2010 Bildgestaltung_mit_der_Blende.doc...BE... 3

Blende 5,6 (Mittel und Hintergrund sehr unscharf) Blende 8 (Mittel und Hintergrund geringfügig schärfer) 10.06.2010 Bildgestaltung_mit_der_Blende.doc...BE... 4

Blende 11 (Mittel und Hintergrund etwas schärfer) Blende 16 (Mittel und Hintergrund noch etwas schärfer) 10.06.2010 Bildgestaltung_mit_der_Blende.doc...BE... 5

Blende 22 (Mittel und Hintergrund fast scharf) Erkenntnis: Will der Fotograf seine Bilder gut mit Schärfen- und Unschärfezonen gestalten, darf er sich NICHT auf die Automatik (z.b. Programmautomatik - P) der Kamera verlassen, sondern er muss aktiv die nach seiner Meinung richtige Blende einstellen. Die einfachste Möglichkeit ist hier die Einstellung auf >>Zeitautomatik<< - >>A<<. Hierbei wird manuell eine Blendeneinstellung vorgewählt, dann regelt die Kamera automatisch die dazu passende Verschlußzeit. Soll also der Vorder- / Hintergrund unscharf erscheinen, so ist die Blende zu öffnen (z.b. auf Blende 2,8). Soll dagegen der Vorder- / Hintergrund (mehr oder weniger) scharf abgebildet werden, so ist die Blende zu schließen (z.b. auf Blende 22). Hinweise: Mit Weitwinkelobjektiven gelingt es nur den Hintergrund sehr unscharf abzubilden, wenn das Hauptmotiv auf das scharf eingestellt wird sehr nahe und der Hintergrund sehr weit entfernt ist. Eine bessere Bildgestaltung mit der Vorder- / Hintergrundunschärfe gelingt erst mit leichten, besser aber mit längerbrennweitigen Teleobjektiven. Einige Kameras, bzw. Objektive gestatten es mit einer sog. Tiefenschärfenkontrolltaste das Bild im Sucher (Monitor) bei der eff. eingestellten Blende zu kontrollieren, also das Bild so zu sehen wie es später tatsächlich ist. Leider ist dies aber auch nur eine recht ungenaue Angelegenheit, da sowohl im Durchsichtssucher, als auch auf den relativ kleinen Monitoren nur sehr ungenau dargestellt bzw. kontrolliert werden kann. Genau sieht man es erst später auf dem Computermonitor. 10.06.2010 Bildgestaltung_mit_der_Blende.doc...BE... 6

Unterschiede bei verschiedenen Chipgrößen Die beste Bildgestaltungsmöglichkeiten mit der Schärfe / Unschärfe bieten Digitalkameras mit Vollformatchip / Sensor. Aber auch Digitalkameras mit APS-C Chip / Sensor (2/3 KB Größe) oder dem Four Third / Micro Four Third (½ KB Größe) Kameras bieten noch ganz gut diese Möglichkeit. Dagegen sind Digitalkameras mit noch kleinerem Chip (meist Kompaktkameras aber auch einige BridgeKameras - je nach Brennweitenbereich des Objektivs) fast immer ungeeignet. Hinweis: Je kleiner der Kamerachip, desto weitwinkligere Objektive müssen eingesetzt werden, was dann eine größere Tiefenschärfe ergibt und so nur bedingt einsetzbar sind um mit Schärfe und Unschärfe die Bilder zu gestalten. ================================================================= Bildbeispiele Vordergrund unscharf - Hintergrund scharf Vordergrund scharf - Hintergrund unscharf 10.06.2010 Bildgestaltung_mit_der_Blende.doc...BE... 7

Vordergrund scharf - Hintergrund unscharf Vordergrund unscharf, / Vorder- und Hintergrund unscharf - Mittelgrund scharf Mittelgrund scharf, Hintergrund unscharf 10.06.2010 Bildgestaltung_mit_der_Blende.doc...BE... 8

Vorder- und Hintergrund scharf Vordergrund scharf, Hintergrund unscharf 10.06.2010 Bildgestaltung_mit_der_Blende.doc...BE... 9

Wichtige Informationen zum Thema Digitale Fotografie und Bildbearbeitung sind zu finden auf der Homepage des Foto- und Filmclubs Ketsch e.v.: www.ffc-ketsch.de www.ffc-ketsch.de/tip.htm Bruno Erni Kirchbergstr. 8 D-69245 Bammental Tel.: 06223 / 40 877 email: bruno.erni@bme-foto.de 10.06.2010 Bildgestaltung_mit_der_Blende.doc...BE... 10