Nutz: Lyrikinterpretation Hoffmannswaldau als Beispiel Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau: Vergänglichkeit der Schönheit (1695) Es wird der bleiche Tod mit seiner kalten Hand Dir endlich mit der Zeit um deine Brüste streichen. Der liebliche Korall der Lippen wird verbleichen; Der Schultern warmer Schnee wird werden kalter Sand. Der Augen süßer Blitz, die Kräfte deiner Hand, Für welchen solches fällt, die werden zeitlich weichen. Das Haar, das izund kann des Goldes Glanz erreichen, Tilgt endlich Tag und Jahr als ein gemeines Band. Der wohlgesetzte Fuß, die lieblichen Gebärden, Die werden teils zu Staub, teils nichts und nichtig werden. Dann opfert keiner mehr der Gottheit deiner Pracht. Hans Baldung Grien: Der Tod und das Mädchen (1520/25) Dies und noch mehr als dies muss endlich untergehen. Dein Herze kann allein zu aller Zeit bestehen, Dieweil es die Natur aus Diamant gemacht
Nutz: Lyrikinterpretation Problemfeld 1: Deutungsmuster Schülerarbeit (Ausschnitt) In dem Barockgedicht Vergänglichkeit der Schönheit [...] beschreibt ein Sprecher den körperlichen Zerfall eines Menschen und erklärt schließlich die Sinnhaftigkeit des Prozesses. In den ersten beiden Strophen wird besagter Prozess im Detail ausgeführt, dabei nennt der Sprecher diverse Körperpartien und erläutert verschiedene Verfallsformen eben jener. In der dritten Strophe fährt der Sprecher vorerst fort, leitet aber mit dem letzten Vers zu dem Gedanken über, dass die beschriebene Person nach dem Verlust ihrer Schönheit für einen Gott ihren Wert verliert. Zu der letzten Strophe schließlich sagt der Sprecher, dass das Herz jener Person aus Diamant sei und zeitlos alleine bestehen kann. Nach dem ersten Lesen fällt es [...] nicht schwer, das Gedicht der Epoche des Barocks und damit dem 17. Jahrhundert (1620 1700) exakt zuzuordnen. Viele Details in der Struktur des gesamten Gedichts, sowie in Wortwahl und auf inhaltlicher Ebene, auf die ich im Folgenden eingehen werde sprechen eindeutig dafür. Außerdem liegt die Vermutung nahe, dass sich der Autor in Bezug auf den Zentralbegriff des Barock, Vanitas, hier für die Behandlung des Memento-Mori- Aspekts entschieden hat, also der bewussten Zurückhaltung von Genüssen im Leben um nach dem Tod in einer besseren Welt wiedergeboren zu werden (Transzendenz). [...] www.didaktikdeutsch.de/lehre/ws0809/lyrik%20datei3.pdf Deutungshypothese Aufbau Verfallsformen Wertverlust Herz aus Diamant Herz ist unvergänglich Epocheneinordnung Thematik Vanitas Botschaft Jenseitsorientierung
Nutz: Lyrikinterpretation Problemfeld 2: Formanalyse Schülerarbeit (Ausschnitt) Das Gedicht ist anhand der Anzahl von Strophen und Versen sehr leicht als Sonnet zu identifizieren. Es setzt sich aus zwei Quartetten und den beiden folgenden Terzetten zusammen und fügt sich somit zu einem Sonnet Auch das Metrum ist sehr typisch für die Gedichte des Barocks. Aus den jambischen Hexametern jeweils mit Diärese, also einer Zäsur bzw. einem Einschnitt nach der dritten Hebung, ergibt sich die spezielle Versform des Alexandriners (12- bzw. 13-silbig), der gerade im Barock sehr beliebt war. Außerdem spielt die Reimform eine große Rolle im strukturellen Bereich, da mit den hier verwendeten umarmenden Reimen in den Quartetten bzw. Paarreimen und umarmender Reim in den Terzetten eine poetische Ordnung und Zusammenhang erzeugt wird. Im Detail reimt sich das Sonnet folgendermaßen: abba abba ccd eed. Analog dazu funktionieren die Versenden, die männlich Hand, Sand (V.1, 4), oder weiblich streichen, weichen (V.2, 6) ausfallen, und das Gedicht damit rhythmisch wirken lassen. In der Wortwahl beschränkt Hoffmann von Hoffmannswaldau sich auf die barocktypischen Wortfelder der Vergänglichkeit bzw. des Todes und der Schönheit, die er hier geschickt kombiniert, um mit den zahlreichen Autoren gleichzuziehen, die sich mit Memento-Mori auseinandergesetzt haben. [...] www.didaktikdeutsch.de/lehre/ws0809/lyrik%20datei3.pdf Sonett Metrum Reimschema Kadenzen Wortwahl
Nutz: Lyrikinterpretation Problemfelder Problemfeld 3: Kontextuierung Schülerarbeit (Ausschnitt) Nach der Betrachtung dieser beiden Lebensmodelle oder Lebensauffassungen greift das lyrische Ich nochmals die ursprünglich romantische Lebensauffassung auf. Doch dies ist geprägt von einer tiefen Resignation und Hilflosigkeit angesichts der Unumsetzbarkeit der romantischen Ideale. [...] Es liegt in der ganzen Haltung des lyrischen Ich eine tiefe Trauer angesichts der Gesellen, die noch nicht wissen, wie schwer ihre Träume und Sehnsüchte enttäuscht werden sollen. [...] Aus dieser Resignation und Hoffnungslosigkeit hinaus führt dieses Gedicht jedoch schließlich zu einem Gebet des lyrischen Ich. [...] Und so lautet die Bitte des lyrischen Ich: ach Gott, führ uns liebreich zu dir! (V. 30) Die Liebe darf nicht fehlen, jedoch braucht es auch eine Richtung, ein Ziel. Für Eichendorff liegt das Ziel der Wanderschaft im Himmel, so kann hier das lyrische Ich mit Eichendorff gleichgesetzt werden. Denn Eichendorff war auch selber einmal ein Romantiker, der seine Ideale leben wollte und mit seinen Werken die Welt verändern wollte. Doch nach der Restauration war er, ebenso wie viele andere Romantiker, enttäuscht. Doch er zog sich weder komplett zurück noch verrannte er sich in einem Fanatismus. Eichendorff legte seine Hoffnung auf die zukünftige Welt und vertraute auf die Führung Gottes. Sprechhaltung des lyrischen Ich Resignation und Trauer romantische Ideale sind in der Realität nicht umsetzbar Gebet biografischer Bezug 1: Religiosität biographischer Bezug 2: Enttäuschung nach der Restauration
Nutz: Lyrikinterpretation Erschließungsaspekte Gedichte inhaltlich-thematisch erschließen Wirklichkeitsbereiche thematische lyrische Genres: Naturlyrik Liebeslyrik, Politische Lyrik Weltanschauliche Lyrik Text Thematik Gedanklicher Kern Problemgehalt Motive Situationen, Grunderfahrungen Handlungsweisen Bildbereiche Natur: belebt, unbelebt Kultur Technik Alltag
Nutz: Lyrikinterpretation Erschließungsaspekte Sprechsituation, Sprecherrolle und Sprechhaltung Sprechsituation Adressatenbezug Autor Welt- und Menschenbild zeitbedingte Erfahrungen, Erlebnisse Sprecherrolle Lyrisches Ich Standpunkt Perspektive Sprechhaltung Gefühlsausdruck Klage Kritik Belehrung...
Nutz: Lyrikinterpretation Erschließungsaspekte Formen und Wandel der Bildlichkeit untersuchen Sprachliche Ausdrucksweisen Vergleich Personifikation Metapher Symbol Chiffre Bildlichkeit Bildelemente Wirklichkeitsbereiche Ebenen, Hierarchien Semantische Bezüge Wirklichkeitsbezug Empfindungen Sinneswahrnehmungen Ideen, Denkmuster Aufbau, Komposition Reihung Entfaltung, Klimax Kreisbewegung Opposition
Nutz: Lyrikinterpretation Ergänzende Materialien (Bildmaterial) Stationen des Lebens: Das Stufenalter der Frau Bilderbogen v. F. Leiber. Verlag May Söhne Frankfurt a. M. Um 1900. http://www.dhm.de/ausstellungen/lebensstationen/1_178.htm
Nutz: Lyrikinterpretation Ergänzende Materialien (Bildmaterial) Stationen des Lebens: Das Stufenalter der Frau Germanisches Nationalmuseum Nürnberg. Flugblatt um 1840. http://www.bildindex.de/obj00025033.html# home
Nutz: Lyrikinterpretation Ergänzende Materialien (Bildmaterial) Stationen des Lebens: Das Stufenalter der Frau Bilderbogen v. F. Leiber. Verlag May Frankfurt. Um 1900. http://www.dhm.de/ausstellungen/lebensstationen/1_177.htm
Nutz: Lyrikinterpretation Bildimpulse zum Problemhorizont Liebe aus zwei Saiten eine Stimme kam ihre Liebe plötzlich abhanden Camille Claudel,Walzer (1893) Edward Hopper: Room in New York (1932)
Nutz: Lyrikinterpretation Entdeckendes Lernen in deutsch.kompetent Erfahrungs- und Lebensweltbezug: Über Gedichte sprechen (1) Stefan Dörsing: Liebestext Die Welt schaut für mich manchmal aus, als wär das n Blick durch beschlagene Fensterscheiben, und das einzige, was mich dann manchmal daran erinnert, dass ich lebe ist Adrenalin - und du - Duuu, ja nur Du, denn wenn ich an dich denke, dann zeigst du mir, wie ich meine beschlagenen Fensterscheiben öffnen kann um mir ne klare Sicht der Dinge zu verschaffen, und wenn ich an dich denke, dann zeigst du mir, wie ich die frische Morgenluft im tiefsten Winter durch meine Lungenflügel strömen lassen und genießen kann, [...]
Nutz: Lyrikinterpretation Unterrichtsplanung: Frauenbilder Frauenbilder: Bildimpulse Heinrich Heine Du bist wie eine Blume So hold und schön und rein...
Nutz: Lyrikinterpretation Unterrichtsplanung: Eros und Ästhetik Weimarer Klassizismus: Arbeit mit Bildern J.H.W. Tischbein: Goethe in seiner Wohnung am Corso in Rom Juno Ludovisi: Museo Nazionale in Rom