Dorénaz Champex d Alesse

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Transkript:

4 5 Von Dorénaz nach Gesteine als Zeugen sehr alter Gebirgsketten Quer durch einen tropischen Regenwald und eine Schwemmlandebene des Paläozoikums Pictures / Photos Dorénaz im Karbon (vor etwa 300 Millionen Jahren) ein üppiger Regenwald. Zeichnung von O. Heer (1860) nach M. Burri (1992): «Die Gesteine»

2 Dorénaz Champex d Alesse Ort : Region Martigny, Schweiz Roter Pfad der ViaAlpina Etappen : R107 (30% dieser Etappe) Start : Dorénaz Ziel : Champex d Alesse Für Aufstieg von Dorénaz nach Champex d Alesse existiert eine Seilbahn. Zugang : Dorénaz (mit Bus von Martigny oder zu Fuss von Vernayaz) Karten : swisstopo 272T St-Maurice 1:50'000, Dt-de-Morcles, Nr. 58 Geologischer Atlas 1:25 000 Minimale Höhe : 450m (Dorénaz) Maximale Höhe : 1120m (Champex d Alesse) Gesamtaufstieg : 670m Gesamtdauer : 2h 10min Wegstrecke : 3.7 km Schwierigkeitsgrad : T1 Wandern

3 Geologie von Dorénaz (Halt 4) und (Halt 5) 1. Geologischer Zusammenhang: 2 Gruppen paläozoischer Gesteine (etwa 300 bis 600 Millionen Jahre alte Granite und Gneise, dann eine Wechsellagerung aus Sandsteinen und Konglomeraten (verfestigte Sande und Kiese) und 250 bis 350 Millionen Jahre alte Steinkohle). 2. Vereinfachte geologische Entwicklungsgeschichte (die wichtigsten Ereignisse sind fett gedruckt): A) Paläozoische Gneise und Granite bezeugen ehemalige Gebirgsketten. B) Ein im Karbon entstandener Sedimenttrog mit Schwemmsedimenten (Sandsteine und Konglomerate) und Steinkohle. C) Alpine Deformation während des Tertiärs: Die ehemaligen Sand- und Kiesbänke und die Steinkohle sind vertikal aufgerichtet. D) Ein steiles, durch Eis und Wasser im Quartär gestaltetes Relief.

4 Die verschiedenen Kapitel der Entstehungsgeschichte der Alpen und der Region von Dorénaz Demècre, aufgezeichnet in den geologischen Zeiten. Nach «Das Matterhorn aus Afrika», M. Marthaler (2005) Im Karbon vor etwa 300 Millionen Jahren setzen nach der variskischen Einengung Dehnungsbewegungen ein, die zur Ausbildung von Senken innerhalb der Pangäa führen. Dieser Superkontinent umfasste damals nahezu alle Landmassen. Kiese, Sande und Tone füllen diese Geländesenken allmählich wieder auf. Die Vegetation bestand damals aus üppigen Wäldern, wie dies z. B. das Steinkohlenvorkommen von La Méreune und Collonges beweisen. Nach M. Burri (1992): «Die Gesteine»

5 Halt 4a: Einige typische Gesteine aus der Umgebung von Dorénaz Gneise und Granite bezeugen alte Gebirgsketten Alter: Paläozoikum (vor etwa 540 300 Millionen Jahren) Col du Jorat Graubraune Gneise (aus sehr alten Graniten und deformierten Sedimenten durch Hitze und Druck hervorgegangen) und hellere Granite (aus in der Tiefe auskristallisiertem Magma entstanden): Dieser Aufschluss befindet sich in einem Steinbruch etwa 300 m SE Dorénaz. Foto: M. Schlup Rechts ein Schema welches die Entstehungsgeschichte des Gneises und der zwei Generationen von Granit aufzeigt so wie dies aus der Aufschlusswand interpretiert werden kann. A) Zu Beginn des Paläozoikums kommt es zur Ablagerung von tonig-sandigen Sedimenten. B) Vor etwa 450 Millionen Jahren werden diese Gesteine während der kaledonischen Deformationsphase in Gneis umgewandelt. Ein granitisches Magma dringt in den Gneis ein und kristallisiert aus. C) Vor etwa 350 Millionen Jahren wandelt eine erneute Deformation diesmal im Zusammenhang mit dem variskischen Gebirgsbau die vorhandenen Gesteine wiederum in Gneis um (dunkle Lagen: sedimentärer Ursprung; helle Lagen: granitischer Ursprung) D) Vor etwa 300 Millionen Jahren kommt es zur Platznahme von weiteren Graniten. Sie sind vergleichbar mit jenen des Mont Blanc Massivs. Nach M. Burri (1994): «Les roches»

6 Halt 4b: Wie fliesst ein Fluss eine Wand hoch Sandsteine und Konglomerate weisen auf eine ehemalige Schwemmlandebene hin. Alter: Ende des Paläozoikums, Karbon und Perm (vor etwa 350 250 Millionen Jahren) Col du Jorat 5 cm «Fliessrichtung» Vor 30 Millionen Jahren: Aufstellen der Schichten Vor 300 Millionen Jahren: Sedimentation Diese Gesteine kann man gut an den Kletterfelsen in der Nähe des Kreisverkehrs SE Dorénaz beobachten. Auf der linken Seite und darunter kann man auf den Sandsteinbänken (aus verfestigtem Sand entstanden) «Schrägschichtungen» erkennen, die durch Wasserströmung entstanden sind. Sowohl die Schichtbänke wie auch die Strömungsmarken sind heute infolge der vor etwa 30 Millionen Jahren einsetzenden alpinen Deformation und Verfaltung senkrecht gestellt. Foto: M. Schlup, Zeichnung: M. Burri (1992): «Die Gesteine» Rechts ein Konglomerat (Art natürlicher Beton aus Geröllen und Kies) mit Anteilen alter Granite und Gneise. Dieses Gestein hat sich ursprünglich in einem sehr aufgewühlten Fluss gebildet wahrscheinlich während eines Hochwassers. Die rötliche Färbung weist auf ein warmes Klima hin, welches die Oxidation der Gesteine begünstigt. Foto: M. Schlup.

7 Col du Jorat Gneise und Granite Vor etwa 250 300 Millionen Jahren war die gesamte Region von einem Gewässernetz durchzogen, welches Gerölle, Sande und Schluff mit sich führte. An den Rändern dieser Schwemmlandebenen standen üppige Wälder. Darauf weisen z. B. die in diesen Gesteinen gefundenen Baumstämme hin. Foto: J.M. Faton und Zeichnung: M. Burri.

8 Halt 5: Die ehemaligen Steinkohle-Bergwerke in der Umgebung von Steinkohle als Zeuge für ehemals vorhandene Tropenwälder. Alter: Ende des Paläozoikums, Karbon (vor etwa 350 00 Millionen Jahren) Links: Steinkohle entsteht durch Versenkung und Umwandlung der üppigen Vegetation im Karbon. Foto: P. Gabriele Chemin des Béés, Oppens VD. Im Gebiet um das Rhoneknie sind mehrere heute aufgelassene Bergwerke und Steinbrüche bekannt. Zuletzt aktiv war noch das Steinkohle-Bergwerk La Méreune. Zwischen 1856 und 1953 kann man drei unterschiedliche Abbauphasen unterscheiden. Insgesamt wurden mehr als 162 300 Tonnen Steinkohle aus den Schächten gefördert worden, wobei die Flözmächtigkeit nur wenige Meter beträgt. Nach 1953 wird das Bergwerk aufgegeben Champex d Alesse Dorénaz Links: Gesamtblick auf den einstmals betriebsamen Abbaubereich. Foto: A. Kern, Mediathek Wallis - Martigny, Sammlung Pillet-Martigny in Tissières P. (2003). Rechts ein Schrägluftbild des Gebiets um ; La Méreune und Pierre à Perra waren die wichtigsten Bergwerke. Bild: swisstopo.

9 Steinkohlenbergwerk La Méreune Die Steinkohle wurde seit 1856 ausgebeutet. Das Umfeld des wichtigsten Vorkommens am Plan de La Méreune (1578 m) wird nach und nach eine richtige Industriesiedlung. Hier werden ab 1922 bis zu 750 Arbeiter beschäftigt. Der Abtransport der Steinkohle erfolgt zuerst mit Schlitten und schliesslich mit einer Lorenseilbahn nach Vernayaz. Links: Die Bergmannsiedlung La Méreune in den 1920er Jahren. Rechts: Die Seilbahn quert das Rhonetal (um 1930). Fotos: A. Kern, Mediathek Wallis - Martigny, Sammlung Pillet-Martigny in Tissières P. (2003). Tonschiefersteinbrüche von La Pierre à Perra. Der Steinbruch wird seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ausgebeutet und liegt auf etwa 1100 m Höhe. Der Rohstoff wird untertage aber auch im Tagebau gewonnen. In der Bildmitte schiebt ein Arbeiter eine Lore. Foto: J.-C. Revaz in Tissières, P. (2003).

10 Weitere Informationen Burri, M. (1994): Die Gesteine Erkenne die Natur im Wallis. Editions Pillet, Martigny. Marthaler, M. (2005): Das Matterhorn aus Afrika. Die Entstehung der Alpen in der Erdgeschichte. hep Verlag, Bern. Tissières P. (2003): L'activité minière sur le territoire de la Commune de Dorénaz. dans Annales valaisannes 2003. Sion Weitere Referenzen (generell) Badoux, H. (1971): Dt de Morcles, feuille n 58 de l Atlas géologique de la Suisse 1:25 000, swisstopo. Burri, M. (2008): De quelques paysages géologiques entre St-Maurice et Martigny. Praktische Informationen Unterkünfte in der Gegend von Dorénaz sowie Fahrzeiten der Seilbahn : siehe unter http://www.dorenaz.ch -> guide Dorénaz (Seite französisch) Office du Tourisme : Dorénaz Email: informations(a)dorenaz.ch http://www.dorenaz.ch Telefon : S.O.S. 144 oder 112 - Polizei 117 Letzte Überarbeitung: 19. Juni 2009 (Übersetzung: geotourist@aol.com im Auftrag von swisstopo)