Statements und Reflexionen von SchülerInnen der Realschule Steinhagen nach der Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz und Birkenau vom 13.- 18.06.2012 Gründe für die Fahrt nach Auschwitz Wir sind nach Auschwitz gefahren, weil es für uns wichtig ist, über unsere Vergangenheit aufgeklärt zu sein. Außerdem wollten wir die Chance nutzen, einen Überlebenden des Holocaust zu treffen. Diese Gelegenheit wird sich in Zukunft nicht mehr häufig bieten. Einige von uns wollten auch noch die polnische Kultur kennenlernen. Für uns ist es wichtig, dass wir das, was dort damals geschehen ist, niemals vergessen. Am meisten hat uns bewegt, an diesem >Ort der Unmenschlichkeit< gewesen zu sein und es in voller Größe gesehen und erlebt zu haben. Es ist wichtig, dass wir die Erinnerungen an diesen Ort wach halten und darauf achten, dass so etwas nicht ein zweites Mal geschieht. Und uns das Ziel zu nehmen, die Welt ein wenig besser zu verlassen als wir sie vorgefunden haben, wie es uns der Zeitzeuge Tadeusz Sobolewicz mit auf den Weg gegeben hat, hat in Auschwitz eine besondere Bedeutung bekommen. Paul Dettling, Paul Blankert, Leon Karklis, Lennart Beimdiek, Lucas Mergelkuhl, Tim Hermbecker, Philipp Siebert Die Erinnerungen wach halten! Warum? Wir denken, man darf die Erinnerungen an die SS-Zeit und die Judenverfolgung (bzw. Ermordung) nicht verdrängen und muss diese Erinnerung wach halten, denn wir sind es den Opfern schuldig, dass sie nicht in Vergessenheit geraten bei dem Leiden, welches sie erleben mussten, nur durch die Erzählungen, Aufklärungen und die Auseinandersetzung mit dem Gesehenen, kann eine Wiederholung vermieden werden. die Beschäftigung mit dieser schrecklichen Zeit und dieser dunklen Geschichte sollte ohne Schuldgefühle, dafür aber mit erhöhter Verantwortung für die Zukunft geschehen. Johanna Vogt und Wiebke Adrian
Freiwilligkeit für eine solche Fahrt Für die Teilnahme an dieser Studienfahrt im Allgemeinen war es sehr wichtig, dass sie auf einer freiwilligen Basis aufgebaut war. Für uns alle war relativ schnell klar, an der erlebnisreichen Fahrt teilzunehmen, um sich die damaligen Geschehnisse aus dem 2. Weltkrieg mal genauer vor Augen führen zu können. Ich persönlich kann auch sagen, dass es für mich nicht leicht gewesen wäre, wenn ich nicht von mir aus den Entschluss dazu gefasst hätte an dieser Fahrt teilzunehmen. Jeder muss für sich selbst wissen, ob man sich mit dem Thema beschäftigen und auseinander setzen will oder ob man die Vergangenheit verdrängt. Außerdem ist es wichtig, nicht zu der Teilnahme gezwungen zu werden, denn sonst wäre das Interesse an dem Thema nicht da und dann ist es schwer sich damit auseinander zu setzen. Im Großen und Ganzen bin ich sehr froh, an der Fahrt teilgenommen zu haben und somit die Ereignisse aus der Zeit des Nationalsozialismus und dem Krieg besser verstehen und verarbeiten zu können. Christine Frick Das Bewegendste an der Studienfahrt war für mich der Besuch im KZ in Auschwitz. Dort haben wir die Schuhe, die Brillen, Bekleidungen und die Haare der Häftlinge gesehen. Wenn man im Geschichtsbuch liest, wie viele Menschen damals umgekommen sind, kann man es sich nicht richtig vorstellen. Doch wenn man dann sieht, wie viele Haare dort liegen, oder wie viele Schuhe dort gesammelt wurden und dies nur ein kleiner Teil von dem ist, was den Häftlingen abgenommen wurde, dann stärkt dies unsere Vorstellungskraft. Obendrein ist es viel emotionaler, weil diese Sachen doch sehr persönlich sind. Insgesamt sehe ich die Studienfahrt für etwas sehr Besonderes in meinem Leben an, da man nicht nur viel sieht und hört, sondern man seinen Horizont auch erweitert. Alev Kayguruz
Begegnung mit einem Zeitzeugen Ein sehr bewegendes Erlebnis war für mich die Begegnung mit dem Zeitzeugen. Wir sind möglicherweise einige von den letzten, die die Geschichte eines Zeitzeugen persönlich hören durften. Mitten in Krakau wurden wir durch einen eher schmalen Gang in einen Veranstaltungsraum geführt. Nach kurzer Zeit betrat ein uns noch unbekannter Mann im Alter von 87 Jahren den Raum. Sein Name war Tadeusz Sobolewicz. Er erzählte uns seine Geschichte, sein Über-Leben in insgesamt 6 Konzentrations- und Arbeitslagern in der Zeit von 1940 1945. Noch nie musste ich so oft schlucken und meine Tränen zurückhalten. Es ist unglaublich, dass er das Geschehene überhaupt überlebt hat. Er hat seine Geschichte so gefühlvoll und mit vielen Emotionen erzählt, dass man geradezu gefesselt war und seine Worte in sich aufgezogen hat. Es war eine Ehre für mich, einen Einblick in sein früheres Leben zu erhalten und daran teilhaben zu dürfen. Außerdem konnte man ihm alle möglichen Fragen stellen, die er dementsprechend beantwortete. Für mich war es ein einmaliges Erlebnis, was ich so schnell nicht vergessen werde. Alessa Emich Es war wichtig Wir finden es wichtig einmal persönlich in Auschwitz gewesen zu sein. Es ist wichtig, da es ein Teil unserer Vergangenheit ist, an die wir uns immer wieder erinnern sollten, damit sich so etwas nicht mehr wiederholt. Das, was dort passiert ist, haben wir durch einen Zeitzeugen und durch Besuche in den beiden Konzentrationslagern nähergebracht bekommen. Es war sehr interessant, eindrucksvoll und wir haben viele neue Erfahrungen gemacht. Wir hatten großes Glück, denn der Zeitzeuge sagte, dass es nicht mehr lange möglich sei, mit diesem Personenkreis zu sprechen. Viele Schüler sollten diese einmalige Chance nutzen und diesen Ort besuchen, denn kein einziger von uns bereut diese Fahrt. Markus Nissen, Luisa Fleischhauer Die Ausstellung Bilder im Kopf von Mariana Kołodzieja Mariana Kołodzieja war ein begnadeter Künstler, diese Gabe verhalf ihm, das KZ zu überleben. Er war vom ersten Tag der Existenz des KZ in Auschwitz (Birkenau) ein Häftling und überlebte bis zum Schluss. In dieser sehr bewegenden Ausstellung sah man häufig die Zahl 432, seine Häftlingsnummer.
Mit dem Malen wollte der Künstler seine Erlebnisse verarbeiten, denn er fing erst damit an, nachdem ein Schlaganfall seine berufliche Karriere als Bühnenbildner in Danzig beendet hatte und er sich dazu entschloss, der Nachwelt ein Zeugnis zu hinterlassen. Die Bilder zeigen viele Symbole und auch viele Situationen, die der Künstler erlebt hat. Jedoch sollte man diese Ausstellung nicht besuchen, wenn man mit der Geschichte des Konzentrationslagers nicht vertraut ist. Den Sinn der Bilder versteht man erst, wenn man sich vorher mit dem Leben im KZ beschäftigt hat und weiß, was dort ungefähr passiert ist. Die meisten Bilder sind schwarz-weiß gehalten und sollen die Kälte in dem KZ zeigen. Es werden wenige Gesichter gezeigt, nur Totenköpfe oder Monster mit drei Köpfen, welche die unmenschlichen SS-Wärter zeigen sollen. Die Galerie ist so ausgiebig, voller Details und war in der Zeit von 90 Minuten kaum zu bewältigen. Die Bilder erzählen die Geschichte von Mariana Kołodzieja und seine Erlebnisse, man kann sich richtig reinversetzen und viele Emotionen in und durch die Bilder spüren. Ich bin sehr froh, dass ich diese Ausstellung besucht habe, da diese auch freiwillig war. Kristina Barkov Zwei Gesichter: Die Zahl 432 ersetzt seine Identität Schindlers Fabrik als Museum Wir fanden die Ausstellung in der historischen Emaillewarenfabrik von Oskar Schindler ziemlich interessant. Man sollte sich auf jeden Fall die Zeit nehmen, dieses Museum zu besichtigen. Schindlers Büro zu sehen ist ein Erlebnis, das man nicht vergisst. Die Ausstellung lief unter dem Titel: > Krakau - die Okkupationszeit 1939-1945<. In dem Museum erfährt man jede Menge über jüdisches Leben in Krakau vor 1939 und dann die Zeit der Nazi-Herrschaft in Krakow, die Entstehung des Ghettos und des späteren Konzentrationslagers Płazow. Natürlich gibt es auch Informationen über jene 1000 Juden, die für Schindler gearbeitet haben. Das Museum versucht die Atmosphäre nachzubauen, die damals in Krakau herrschte und versucht die Situation der Juden, als sie verfolgt und ausgebeutet wurden, erfahrbar zu machen. Mal ging man über einen weichen Boden, der darstellen sollte, dass die Juden keinen festen Boden unter den Füßen hatten, dann lief man über einen mit Hakenkreuzen gefliesten Flur oder stand plötzlich in einer von Menschen überfüllten, nachgebauten Ghettowohnung. Außerdem sind in der Ausstellung irre Dinge ausgestellt, wie zum Beispiel eine Zigarrentasche aus Menschenleder. Man konnte Briefe über die Situation der einzelnen Opfer lesen. Interessante Zeitungsartikel und Fotos, aber auch Plakate und Poster aus der NS-Zeit waren in der Ausstellung vorhanden. Das Museum ist auf jeden Fall empfehlenswert. Das Reinschauen hat sich gelohnt. Kevin Kuß und Adrian Wedman
Nicht vergessen - die Erinnerung wachhalten Ich bin der Meinung, man sollte die Ereignisse der nationalsozialistischen Geschichte wach halten. Es ist wichtig, dass Menschen späterer Generationen darüber aufgeklärt werden, was die Deutschen den Juden damals angetan haben. Sie wurden qualvoll getötet - meistens durch die Vergasung in den extra dafür gebauten sogenannten Gaskammern. Davor mussten sie Tage, Monate manchmal sogar Jahre unter unzumutbaren Bedingungen arbeiten und leben. Der Grund dieser Verfolgung und Ausrottung der Juden war, dass sie nicht dem Bild eines Deutschen entsprachen. Das rassistische Bild eines damaligen Deutschen kann man sich so vorstellen: blondes Haar, blaue Augen und den gleichen Glauben und dieselbe Ideologie. Die Juden haben einer anderen Religion angehört und deshalb wurden sie durch die Nationalsozialisten zu Untermenschen erklärt. Um bei Ihnen die Akzeptanz für die Deportationen zu erhöhen, wurde ihnen eine Umsiedlung ins Paradies vorgespielt. Es wurde ein System von Lügen aufgebaut. Sarah Koske Das Gefühl des Wieder-Erkennens Oft sieht man in Filmen Orte und Dinge über Auschwitz, mit denen man vor unserer Studienfahrt nicht viel anfangen konnte. Jetzt ist das anders. Man erkennt Gebäude und Gebilde, wie zum Beispiel das Eingangstor in Birkenau sofort wieder. Schon beim ersten Anblick dieses Tores weiß man jetzt, was es zu bedeuten hat. Ich finde es ist ein erschreckendes Gefühl, dort zu stehen, wo diese Menschen standen; zu sehen, was diese Menschen sahen - das ist unbeschreiblich und unbegreiflich. Das ist etwas anderes, als wenn man solche Dinge nur in Büchern oder in Filmen zu sehen bekommt. Ich bin sehr froh mitgefahren zu sein und auf diesem Wege Erfahrungen wie diese machen zu dürfen. Ich kann mir nun in Ansätzten vorstellen, wie die Leute sich fühlten, als sie unschuldig ins KZ eingeliefert wurden. Doch ich denke auch, dass wir niemals voll und ganz verstehen können, was damals passiert ist. Wir können nur versuchen, es zu begreifen. Und das ist meiner Meinung nach unsere Pflicht. Es ist unmöglich durch Erzählungen, Bilder oder Unterricht, so zu fühlen und zu lernen, wie wir es konnten. Die Reise war eine einzigartige Chance und ich bin froh, sie ergriffen zu haben und nun so fühlen zu können. Lena Hibler
Jeder sollte die Welt ein wenig besser verlassen, als er sie vorgefunden hat! Wenn ich nun an Auschwitz denke, an die Vergangenheit Deutschlands und die damalige NS-Zeit, dann denke ich an diesen Satz von Tadeusz Sobolewicz, den er uns mit auf den Weg gegeben hat. Nachdem er uns als Zeitzeuge von seinem Leben, insbesondere seinem Leben im KZ, erzählt hat, finde ich diesen Auftrag sehr wichtig. Ich denke man kann sich im Leben Ziele setzen, die auf dieser Aussage basieren. Würde jeder von uns sich diesen Satz zu Herzen nehmen, so könnten wir auch andere Menschen damit bereichern. Die Fahrt nach Auschwitz war prägend. Prägend fürs ganze Leben, wie ich finde. Die vielen Eindrücke, die Ausmaße, waren traurig und sehr schwer zu verstehen. Einige Fragen springen mir persönlich dann immer in den Kopf. Wie unmenschlich können Menschen sein? Warum lassen sich Menschen unter falscher politischer Führung so beeinflussen? Ist nicht jedem Menschen Freiheit gewährt? Je mehr ich darüber nachdenke, desto weniger verstehe ich diese Grausamkeit und desto mehr Mitleid empfinde ich für die Menschen, die etwas so Schlimmes erleben mussten. Milena Stürz