Zeitgeschichteausstellung

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Transkript:

Quelle: Lentia-Verlag.at Themenführungen durch die Zeitgeschichteausstellung 1938 1945 2016 Beginnend mit 12.März, dem Jahrestages des Anschlusses Österreichs an das Deutsche Reich, werden in der Zeitgeschichteausstellung 1938 1945 in regelmäßigen Abständen und jeweils von 18:00 bis 19:30 Uhr, ab April an jedem ersten Mittwoch im Monat, Themenführungen angeboten. Während dieser Geschichtestunde erfahren sie von Konzernhistoriker Leonhard Woldan interessante Details zu markanten Ereignissen, menschlichen Schicksalen und der Systematik der Zwangsarbeit am Standort Linz der Reichswerke Hermann Göring AG Berlin. Inhaltliche Details zu den anstehenden Themenführungen finden Sie in Kürze auf der Homepage www.voestalpine.com/zeitgeschichte, dem voestalpine Intranet und in ihrer Wandzeitung.

12. März 12. März : Der 12.März 1938 und seine weitreichenden Folgen im Hinblick auf die NS-Zwangsarbeit am Standort Linz Beinahe auf den Tag genau 2 Monate nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wurde in der Ortschaft St.Peter-Zizlau der Spatenstich der Hermann Göring Werke gefeiert. Zehntausende Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter waren in der Folge bei Aufbau und Betrieb einer der größten Rüstungsbetriebe des Deutschen Reiches im Einsatz. Analog dazu wurde Linz zur Führerstadt ernannt. Riesige Infrastruktur- und Wohnbauprogramme veranlassten die Arbeitsämter des NS-Regimes, immer größere Zahlen an Arbeitskräften für Linz einzuplanen.

19. März 19. März : Von Anwerbebüro bis Greifkommando : Die Phasen der Rekrutierung zur Zwangsarbeit Schon 1938 existierten seitens des NS-Regimes Pläne für umfangreiche Werbekampagnen in ganz Europa. Ausländische Arbeitskräfte sollten vor allem in Baugewerbe und Industrie zum Einsatz kommen. Mit Kriegsbeginn setzte man zunehmend auf Zwangsrekrutierungen. Im Auftrag der Arbeitsämter veranstalten Greifkommandos, bestehend aus Einheiten der Wehrmacht und SS, regelrechte Menschenjagden.

8. April 8. April : Die Hierarchie der NS-Zwangsarbeit und die damit verbundene Diskriminierung der betroffenen Menschen Nach den Kriterien der NS-Rassenideologie wurde von Seiten des NS-Regimes eine Hierarchie der NS-Zwangsarbeit erstellt. Der Grad der Diskriminierung der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter richtete sich nach der jeweiligen Position in dieser Rangordnung. Am hierarchischen Ende standen die Arbeitskräfte aus dem europäischen Teil der Sowjetunion, die so genannten Ostarbeiter.

6. Mai 6. Mai : Die Befreiung von Linz am 5. Mai 1945 und ihre Bedeutung für die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in den Linzer Hermann Göring Werken Im Rahmen der Befreiung von Linz durch US-Truppen am 5. Mai 1945 wurden die Hermann Göring Werke unter die Kontrolle der Besatzungsmächte gestellt. Für einige Gruppen der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter bedeutete dies vorerst ein Ende der Unterdrückung und Repression. Gemeinsam mit zehntausenden Heimatvertriebenen warteten sie als Displaced Persons in den Lagern auf die Rückführung in ihre Heimatländer. Unmittelbar nach Kriegsende waren in Linz bis zu 350.000 Personen wohnhaft. Durch die katastrophale Versorgungslage wuchs in der Linzer Bevölkerung die Missgunst gegen die Ausländer. Vorurteile und Diskriminierungen waren die Folge.

3. Juni 3. Juni : Der Einfluss der NS-Propaganda auf den Arbeitseinsatz der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter Nicht nur die Anwerbeaktionen für den Arbeitseinsatz im Deutschen Reich sondern auch der Arbeitsalltag in den Linzer Hermann Göring Werken war stark von der Propaganda des NS-Regimes geprägt. In Aussendungen des Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz Fritz Sauckel versprach man exzellente Verdienstmöglichkeiten und zeigte Bilder von fröhlichen Arbeiterinnen und Arbeitern im Betrieb, bei Betriebssport, Ausflügen und dem fröhlichen Miteinander mit den deutschen Arbeitskameraden. In der Realität wurden diese Versprechen nicht eingehalten. Die regelmäßig erscheinenden Werkszeitungen der Hermann Göring Werke schürten die Missgunst gegenüber Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern, unterstellten ihnen Sabotage sowie die bewusste Verlangsamung der Arbeit.

1. Juli 1. Juli : Die Reglementierung des Arbeitseinsatzes im Hinblick auf Unterbringung und medizinische Versorgung der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter Bis weit über 1945 hinaus behielt Linz den Beinamen Barackenstadt. In den Barackenlagern in und um Linz war auch ein Großteil der zwischen 1938 und 1945 in den Linzer Hermann Göring Werken eingesetzten Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter untergebracht. Überbelegung, fehlende Sanitäreinrichtungen und schlechte Verpflegung führte bei vielen der Betroffenen zu körperlichen Schäden. Die Behandlung dieser Erkrankungen bzw. die Qualität der medizinischen Versorgung war abhängig von der hierarchischen Position sowie von den behandelnden Betriebsärzten.

5. August 5. August : Das Arbeitserziehungslager Schörgenhub als Ort der Willkür und Unterdrückung Bei Verfehlungen am Arbeitsplatz konnten Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter von der Betriebsleitung in ein Arbeitserziehungslager der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) eingewiesen werden. Während der 6-8 wöchigen Haft wurde man durch körperliche Gewalt und Strafarbeiten zur Arbeit erzogen. Im Linzer Stadtteil Schörgenhub entstand 1943 das einzige Arbeitserziehungslager im Gau Oberdonau. Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus den Hermann Göring Werken sprechen in ihren Erinnerungen von einem KZ der Gestapo.

2. September 2. September : Zwangsarbeiterinnen in den Linzer Hermann Göring Werken Durch die Gesetze zur Reinhaltung des deutschen Blutes war der sexuelle Kontakt von Zwangsarbeiterinnen und inländischen Männern untersagt. Trotz dieser Regelung sah sich die Gauleitung von Oberdonau ab 1942 mit einer Vielzahl schwangerer Arbeiterinnen aus Polen und der Sowjetunion konfrontiert. Anfänglich wurden diese in ihre Heimatländer zurückgeschickt, später ordneten die Betriebe und Arbeitsämter in vielen Fällen eine Zwangsabtreibung bis zum 5., teilweise bis zum 7. Schwangerschaftsmonat an. Viele Kinder, die diese Maßnahmen überlebten, wurden den Müttern bald nach der Geburt abgenommen und in Säuglingsheime der NSV (Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt) gebracht.

7. Oktober 7. Oktober : Vom Wander- zum Zwangsarbeiter: Italiener in Oberösterreich 1900 1945 Schon 1938 existierten seitens des NS-Regimes Pläne für umfangreiche Werbekampagnen in ganz Europa. Ausländische Arbeitskräfte sollten vor allem im Baugewerbe und in der Industrie zum Einsatz kommen. Mit Kriegsbeginn setzte man zunehmend auf Zwangsrekrutierungen. Im Auftrag der Arbeitsämter veranstalten Greifkommandos, bestehend aus Einheiten der Wehrmacht und SS, regelrechte Menschenjagden.

4. November 4. November : Der Einsatz von KZ-Häftlingen in der Linzer Rüstungsindustrie Nach zähen Verhandlungen zwischen den Hermann Göring Werken und der SS begann ab Ende 1942 der Einsatz von KZ-Häftlingen, vorerst in der Verwertung der Hochofenschlacke. Am Werksgelände wurde zunächst das Außenlager Linz I errichtet, mit Fortdauer des Krieges und der Ausweitung des Einsatzes der Häftlinge auf die Rüstungsproduktion baute man das Wohnlager 54 zum Außenlager Linz III um, einem der größten Außenlager des KZ Mauthausen in Österreich.

2. Dezember 2. Dezember : Das Schicksal der Ostarbeiter während und nach ihrem Arbeitseinsatz in Linz Die Gruppe der Ostarbeiter, bestand aus Russen, Weißrussen und Ukrainern aus dem europäischen Teil der damaligen Sowjetunion. Diese standen hierarchisch am Ende der Skala der zivilen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter und waren am meisten von der Willkür und Unterdrückung durch die Betriebsleitung und das Wachpersonal betroffen. Bei kleinsten Verfehlungen drohte die Einweisung in ein Arbeitserziehungslager oder KZ. Nach der Rückkehr in ihre Heimat wurden die ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern als Kollaborateure und Verräter dargestellt. Die Folgen waren die Einweisung in Arbeitslager sowie eine jahrzehntelange Ausgrenzung dieser Menschen.

13. Jänner 2016 13. Jänner 2016: Der Begriff Zwangsarbeit im Wandel der Zeit Zwangsarbeit ist kein Phänomen aus der Zeit des Nationalsozialismus, das Ausmaß der NS-Zwangsarbeit ist aber in Ausprägung und Umfang einzigartig. Bereits im Ersten Weltkrieg mussten beispielsweise Zivilisten aus Polen Zwangsarbeit im Deutschen Reich leisten. Mit den Polen-Erlassen wurde 1940 erstmals eine gesetzliche Grundlage für den Arbeitseinsatz geschaffen. Es folgten ähnliche Regelungen für andere Nationalitäten. Durch das Rechtsüberleitungsgesetz wurde die Reichsverordnung über ausländische Arbeitskräfte nach 1945 ins österreichische Recht transformiert und regelte bis in die späten 1970-er Jahre die Beschäftigung von Gastarbeitern.