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Transkript:

A8 Die Zeit 1918 1932 20.1.1918 Weserhochwasser! 1918 Das Fürstentum Schaumburg-Lippe wird Freistaat im Deutschen Reich. Wilhelm Heidorn (Nr.113 *1871) ist das erste Mardorfer SPD-Parteimitglied (in Nienburg/Weser). Müller Wilhelm Meier (Nr.75 *1860) betreibt einen ersten kleinen Ausschank am 1.Landungssteg Weißer Berg (später Betrieb in Nr.116 Badestraße/Ladenstraße?). Es gibt schon einen allgemeinen Badebetrieb am Weißen Berg. Baden am Weißen Berg Sommer 1918 Bahlsen-Arend-Plan 1918 (Bebauung am Weißen Berg / Ansicht und Plan) 106

1918 Es wird der Verein Familienbad Weißer Berg gegründet. Architekt Carl Arend plant (siehe oben) am Weißen Berg auf dem Bahlsen-Gelände ein Kinderheim, Strand, Spielplätze, Gasthaus, Bootshaus, Freibad und Badeanstalt, Aussichtsturm, Findlingspark und ein Wochenendgebiet. Vielleicht ist ein Grund für fehlende Umsetzung der Tod (1919) von Bahlsen. 1921 übernimmt die Hannöversche Bank, 1922 die Deutsche Bank das Gelände. Herbst 1918 Spanische Grippe (noch im Krieg / bis 1920) entwickelt sich zur größten Pandemie der Neuzeit. 1/3 der Weltbevölkerung ist infiziert und bis zu 50 Mio. Todesopfer sind zu beklagen. Große Brassenbestände im Steinhuder Meer. 11.11.1918 Waffenstillstand an den Fronten des I. Weltkrieges. Nov.1918 23 Mardorfer sind im Felde geblieben (gefallen). Dadurch werden auch erste dramatische Besitzerwechsel auf den Hofstellen ausgelöst. Kriegstote 1914-1918: J.Beeck,in84 F.Blanke,53 H.Blanke,88 H.Brase,3 H.Feldmann,41/29 W.Förthmann,12 H.Gerberding,84 W.Gerberding,84 H.Heidorn,6 W.Heidorn,6 H.Heidorn,20 F.Kahle,7 F.Kahle,74 F.Kahle,77 H.Koberg,25 F.Meier,94 H.Meier,94 W.Nortmeier,14 H.Nülle,67 F.Ohlhagen,89 H.Struckmann,21 W.Thürnau,18 H.Thürnau,70. Nach der November-Revolution (Arbeiter- und Soldatenräte) entsteht in Deutschland die Weimarer Republik. Sie hat bis 1933 (Hitler Reichskanzler und Auflösung Reichstag und Parteien) Bestand. 30.11.1918 Frauenwahlrecht in Deutschland. Köhlerhütte in den Häfern (stand noch nach 1945 am westl. Rand der Staatsforst) Nach 1918 erreicht die Christliche Wissenschaft Mardorf (1.Kirche Christi aus Hannover). Die Religionsgemeinschaft hat Zulauf aus vielen Familien. Deren Verbundenheit nach Hannover hält bis in die 1970er Jahre. Mardorf wird zum Familienbad Hannovers. Es entstehen Hotels, Pensionen und Wochenendhäuser, aber auch Erholungsheime für Fabrikarbeiter und Kleinbürger. Ein Heinrich Hofmann*23.1.1904 (damals wohnhaft in Mardorf) wird in Hannover wegen Totschlags verurteilt. 1919 Reichstagswahl die SPD erreicht in unserer Gegend überall Mehrheiten. Friedrich Ebert wird Reichspräsident (bis 1925). Schwarz-rotgold werden die neuen Nationalfarben in der Weimarer Republik und nebenstehendes Wappen gilt bis 1935. Das aktive Wahlrecht mit 20 Jahren wird eingeführt. Kreistagswahlen in Neustadt a. Rbge (und Gemeindewahlen in Mardorf?). Wasser im Steinhuder ist wieder normal trüb (Unterwasserpflanzenrückgang). 28.6.1919 Versailler Vertrag besiegelt die deutsche Kriegsschuld! Um 1920 Lehrer in Mardorf sind: Herr Buschhorn Nr.50 und Heinrich Dannenberg (*1898 Kirchdorf oo Marie Nülle Nr.22 / noch bis 1954 im Amt alle Kinder werden ebenfalls Lehrer!). Wird die Hofstelle Nr.108 mit Haus des Hsl., Landwirts und Schusters W.Feldmann (Nr.56/ oo Stadtländer Nr.88?/ an der Rehburger Chaussee begründet. 1931 Abbauerstelle Herms, später Oberdanner und Meier. 1920 Gründung des Berufsseglerverbandes Steinhude. 107

1920 Dominalverteilungsvertrag über das Steinhuder Meer, das bis dahin im Alleineigentum des Fürsten in Bückeburg war. Es wird in 2 ideelle Hälften zwischen dem Fürstenhaus Schaumburg- Lippe und dem Freistaat Schaumburg-Lippe aufgeteilt. Großer verheerender Brand im Toten Moor östlich von Mardorf. Ida Thürnau (Gastwirtin Nr.18) beantragt Konzession für eine Zweigstelle am Meer. Landwirt Heinrich Nordmeyer bekommt keine Erlaubnis. Der Hannoversche Gastwirt (aus Linden / Calenberger Neustadt) Ludwig Brümann (*25.3.1871 Ludjen ) errichtet auf einer Pachtfläche (Heideland von H.Langhorst Nr.2) für den Inflationspreis von 30.000 M) eine Übernachtungsmöglichkeit und Kochgelegenheit für Wandervögel gegen Erstattung der Selbstkosten. Das Wasser wird aus einem eigenen Brunnen für umsonst abgegeben. Er nennt es ein fliegendes Hotel es ist ein Zelt. Es gibt für bis zu 300-350 Personen Mittagstisch, Kaffee und Kuchen. Er lässt auch einige übernachten. Er will darüber hinaus ein WC für 10 Herren und 4 Damen einrichten. Sein Werbeslogan ist: Beste Badegelegenheit. 1923 wird daraus die Blaue Grotte (Nr.111 zunächst immer noch im Zelt / heute Leichte Brise / Söhne: Oskar ab 1923 Nr.144 / Ludwig später Nr.366). 1929 werden eine Veranda und ein Ausschank angebaut. 1931 gibt es dann einen großen Konflikt mit dem Nachbarn im Badehotel (Nr.110). Es kommt ein Verkaufsstand am Strandweg hinzu. Enkel Louis oo Else Brümann führen den Betrieb (ab 1950 Blauer Bock) noch bis 1972 weiter. Dann wird die Kneipe Bei Lucie an der Straße Blauer Bock abgerissen. Juli 1921 Adolf Hitler wird Vorsitzender der NSDAP (bis 1920 noch DAP). 1.7.1921 Wilhelm Carl ( Carl Mardorf ) wird in Mardorf angestellter evang.- lutherischer Lehrer ( 1.Schulstelle der Volksschule durch die Preußische Regierung in Hannover) im Schulverband Mardorf (in Nr.50) und gleichzeitig bestallter Kapellenküster (durch das Preußische Konsistorium Hannover) der Kapellengemeinde Mardorf (in Nr.51). Wilhelm Carl ( Schoelmester Carl ) ist am 24.4.1890 in Emmern bei Hameln geboren und ab 1912 Lehrer in Holtorf. 1917 heiratet er Julie Wölthje (*15.4.1896+5.11.1964). Sie haben mehrere Kinder (Sohn Jochen, jüngste Tochter Eva *28.4.1922 in Mardorf). Er hat verschiedene Anstellungen als Lehrer in Hetzendorf, Bücken und Weende. Er gilt bei den Schülern als gestrenger Lehrer. (Wilhelm Carl und seine Familie) In seiner Mardorfer Zeit ab 1921 nimmt den Künstlernamen Carl Mardorf an und schreibt heimatliche Texte. Er wird später einer der bekanntesten Heideund Heimatdichter sowie Naturfotograf. Er durchwandert viele Orte und Gegenden in Norddeutschland, was ihm den Spitznamen Buschklepper einbringt. Sein 1.Buch von 1933 heißt: Das alte Garagentor. Weitere erschienene Titel: Jochen wandert in die Heimat (1935 mit Lebensbildern aus Mardorf) / Die Lüneburger Heide (~1940 mit vielen Naturaufnahmen) / Der Schäfer von Timmerloh (1950) / Unter Birken und Wacholdern (~1950 Erzählungen und Bilder) / Der Hillige Kamp (1962 wahrscheinlich eine Neuauflage von 1936) / Münchhäuser Schicksalstage (Skizze über den Untergang der Schutz- und Trutzburg Münchhausen bis 1523 Haarberg, Winzlar). Außerdem hat er ca.3000 Fotografien von Norddeutschland (Heidelandschaft und Bauernleben) gemacht; sie sind heute im Museum in Soltau zu sehen. Dazu kommen 6 Monografien und 120 Aufsätze, Erzählungen und Gedichte. Auszugsweise ein Frühlingsgedicht: In meiner Heide wird alles nun wieder wach, schwatzt durch die Wiesen schon leise der Bach. In meiner Heide wird alles nun wieder grün, im Moore will Erika blüh n. In meiner Heide o welch ein süßer Ton! flöten am Dorfteich die Stare schon. In meiner Heide o lasst mich aus der Stadt, damit das Heimweh ein Ende hat! 1926 wird er der 1. Naturschutzbeauftragte für die Lüneburger Heide und Betreuer mehrerer Niedersächsischer Zeitungen. Seine Dienstzeit in Mardorf endet 1927. Er zieht mit Familie nach Hannover. 1937 wird er Lehrer in Wichtenbeck/Uelzen. Nach 1941 ist er dann lange in Soltau. 108

(Wilhelm Carl) 1964 bekommt er den Nds. Verdienstorden. Bis dahin wohnt er im Haus Wulmsried in Wietzedorf. Er zieht mit Frau nach Hameln. 1968 wird ihm das Bundesverdienstkreuz 1.Klasse verliehen. Wilhelm Carl (Mardorf) stirbt am 14.1.1970 in Hollenstedt, begraben ist er aber in Drakenburg bei Nienburg/W. Die Grabsteine von den Eheleuten Carl sind 1995 am Museum in Mardorf aufgestellt worden. In Soltau ist eine Straße nach Wilhelm Carl benannt worden. 1990 ist die Obstbaumallee vom Bungeplatz mit Alter Schule (seiner ehem. Wirkungsstätte) bis zum Heerhof nach ihm benannt worden: Carl-Mardorf-Weg Auf dem Zusatzschild steht: Wilhelm Carl Mardorf (*24.4.1890 +14.1.1970) Lehrer in Mardorf und Heimatdichter. (Gedichte ans Meer: Wilhelm Carl 1940) 16.10.1921 Einweihung des Denkmals für die Opfer des Großen Krieges (später I. Weltkrieg genannt). Auf dem Teil der alten Friedhofsfläche östlich der Kapelle an der Dorfstraße entsteht das steinerne Denkmal, das später Unter die Eichen (Hinterm Dorf) versetzt wird. Die restliche Gräberfläche wird nach 1945 eingeebnet. Notgeld 1921: (im Kreis Stolzenau / ähnlich so auch in Mardorf, Kreis Neustadt a. Rbge.) 1922 Abriss des letzten direkt nach dem 30jährigen Krieg (~1650) gebauten Fachwerk-Bauernhauses mit Ziehbrunnen in Mardorf Nr.2 (Am Brink). Neuer ev.-luth. Pastor (-1933) in Schneeren ist Bernhard Heinrich Jäger (Hannover). Arbeiter August Heidorn (Nr.128) bekommt eine Betriebserlaubnis für einen Ausschank am Meer, wenn er auch eine Abortanlage bereitstellt. 1.Vors. bei Concordia Mardorf ist H.Kahle (Nr.17) bis 1926. 109

24.6.1922 Ermordung von Walter Rathenau (Außenminister) führt zu weiterem Extremismus. Dez.1922 Bis 1923 Josef Stalin wird Generalsekretär der KPdSU und installiert eine verheerende Diktatur in der Sowjetunion und Osteuropa. Über 22 Mio. Menschen zahlen das mit ihrem Leben. Er stirbt 1953. Inflation der Preise: Um 1923 Der 1. große Saal in Mardorf entsteht bei der Gastwirtschaft Thürnau (Nr.18). 1923 Erste automatische Telefon-Fernvermittlung in Deutschland. Landrat in Neustadt a. Rbge. ist G. Lichtenberg Sommer 1923 An der Stelle einer alten Schutzhütte für Steinhuder Torfstecher im Moor (am sogen. Fisklok) wird der Ausschank Moorhütte eröffnet (später Nr.144) von Oskar Brümann (*1901+1976 / arbeitsloser Sohn von Ludwig Brümann Nr.111/366 / oo Gertrud Kuklinski*1911+1988). Den heutigen Namen bekommt das Lokal erst nach dem Bau der Neuen Moorhütte 1930. Ein Verkaufskiosk gehört auch dazu. Das Gästebuch in der Alten Moorhütte wird später zur inoffiziellen Chronik des Nordufers. Zu erreichen ist der Betrieb zunächst nur über den Wasserweg. Um 1934 ist es dann schon ein Sandweg von der alten Meerstraße her durch die Schwarzen Berge. Noch bis 1954 ist Oskar Brühmann Betreiber. Der 1. große Steg wird als Anleger (anstelle des alten Landungssteges von 1918) für die Steinhuder Schiffer am Nordufer am Weißen Berg ins Meer gebaut. Am damals noch einfachen Sandweg ( Meerstraße, Abzweigung Lütjen Mardorf) erbaut auf einem Gemeindegrundstück ein Herr Fesing aus Hannover das kleine Lokal Meeresblick (später Nr.149). 14.7.1923 An diesem guten Sonntag kommen ca. 25.000 Menschen an den Badestrand am Weißen Berg. Hier wird u. a. schon Schaumburger Bier ausgeschenkt. Bei den An- und Abfahrten kommt es zu stundenlangen Wartezeiten. Bei Windstille muss dann sogar gerudert werden. Aug.1923 Gustav Stresemann ist bis November Reichskanzler der Weimarer Republik. 20.11.1923 Neben der Reichsmark wird die Rentenmark zur Zweitwährung damit wird die verheerende Inflation beendet. Zu dieser Zeit entspricht 1 Billion Mark eine 1 mit 12 Nullen dem Wert einer neuen Reichsmark. Wenige Tage vorher muss im Kolonialwarengeschäft Vogeler 1 Pfund Salz mit einem Wäschekorb voll Papiergeld bezahlt werden. Viele haben in der Hoffnung auf Besserung Geld gehortet. Die Rentenmark behält bis 1948 Gültigkeit. 1924 Schützenkönig in Mardorf ist Heinrich Nortmeier (Nr.42 *1869). Das erste Radio wird bei Lehrer Heinr.Dannenberg (Nr.22) aufgestellt. Gründung des Fremdenverkehrsvereins Steinhude. Aug.1924 Im Monat fällt über 160 mm Niederschlag (normal nur 60). 30.11.1924 Einweihung des 2.großen Saales bei Gastwirt Asche (Nr.78). Der Saal bei Gastwirt Thürnau Nr.18 ist kurz zuvor entstanden (~1923). 110

1920er Jahre Friedrich Meier (*1891 Nr.72) wird 2.SPD-Mitglied in Mardorf. Nach 1945 ist er einer der wesentlichen politischen Kräfte im Gemeinderat und im Ort (siehe Schützenausmarsch 1958). Unter den Kindern ist bei öffentlichem Fehlverhalten sein Handstock gefürchtet. Badende am Weißen Berg in den 1920er Jahren Um 1925 gibt es in Mitteleuropa viele Tierkrankheiten, die die schon stark leidende Landwirtschaft zusätzlich treffen: Bei Pferden (Rotz, Wurm, Dämpfigkeit), bei Rindern (Tuberkulose, Lungenseuche, Kolik), bei Schafen (Räude, Wassersucht) und bei Schweinen (Tuberkulose, Rotlauf, Schweineseuche, Trichinen, Finnen). Außerdem treten immer häufiger tierische Schädlinge auf, die die ohnehin schon kargen Mardorfer Äcker heimsuchen: Stockälchen, Frifliege, Hessenfliege, Zikade, Drahtwurm, Mäuse, Krähen, Rübennematode. Die pflanzlichen Schädlinge schaden diesen noch zusätzlich: Getreidebrand, Schneeschimmel, Kornstreifenkrankheit, Mutterkorn, Getreiderost Rübenwurzelbrand Kartoffelkrautfäule, Kartoffelrotz, Kräuselkrankheit, Kartoffelschorf, Kartoffelkrebs. 1.Vors. bei Liedertafel ist H.Wiebking (Nr.104), sein Liedervater ist F.Kahle (Nr.52). 1925 Paul von Hindenburg wird Deutscher Reichspräsident (bis 1934). Mardorf hat 574 Einwohner bei 115 Hausnummern (lt. einer amtl. Hann. Statistik dagegen 535). In Schneeren gibt es schon 865 Einwohner. Der Meeresblick (später Nr.149) wird von Familie Fesing ausgebaut zu einem Hotel mit Pension. Der Kommerzienrat und Lederfabrikant Arnold Seegers aus Steinhude (dort ehem. Schäkerlager +1925) übernimmt von Bahlsen die Fläche am Weißen Berg (ca. 2 km zwischen Erlenweg und Alte Moorhütte). Frühjahr 1925 Er baut anstelle des zum Schein errichteten (um Vorschriften zu umgehen) Stallgebäudes das erste Hotel am Nordufer das Badehotel. Müller Wilhelm Meier (Nr.75 *1860) wird 1.Pächter und Hüttenwirt (Blockhütte mit Ausschank) in der neuen Nr.110 am Weißen Berg. 1927 bekommt das Grundstück die Seegers Witwe Anna geb. Nott (Seegers Erben) und der Advocat Simon. Ewald Busch pachtet eine Teilfläche und baut 1927 die Strandquelle. 1929 schließlich wird die Weißer Berg Gesellschaft m.b.h. aus Hannover Eigentümer der Flächen. Wirt Otto Meier aus Mardorf (Nr.75 *~1885 / ab 1930 in Nr.164) wird nun auch Hotelier und baut zusätzlich einen Schank-Pavillon am Landungssteg. 1930-1940 ist Karl Tensfeld Betreiber (danach Bannseehütte Nr.154). Ihm folgt Richard Fischer mit Familie. Die Tochter muss jeden Tag zu Fuß nach Mardorf zur Schule gehen. Bannsee-Kinder wählen oft die Schneerener Schule. 111

Mardorf Nr.110 Badehotel 1925 1925/1926 Die Gastwirtschaft Moorhütte (Nr.144) wird ausgebaut. 3.1.1926 Weserhochwasser! 1926 Gründung der ehrenamtlichen Strand- und Seewacht am Steinhuder Meer. Die Initiative des Heimatbundes mit Wilhelm Carl (Mardorf) führt auch zu einer Polizeiverordnung des Kreises Neustadt a. Rbge. wegen der Müllprobleme, Störungen und Zerstörungen. Als erste Maßnahme werden in den betreffenden Uferbereichen Abfallbehälter aufgestellt. 1.Vors. bei Concordia ist Wilhelm Ideker (*1894 Nr.91). Wird die Abbauerstelle Nr.109 des Schmieds und Schlossermeisters Alb.Struckmann (Nr.21/ oo Emmi Wiebking Nr.83/ Alberts ) vor der Mühle begründet. Das massive Steilgiebelhaus wird 1923 an Stelle einer der dort noch stehenden Gemeindescheunen gebaut. Später Boslar mit Landmaschinenreparaturen- und handel. (Foto: Nr.109) 13.-15.6.1926 (3 Wochen nach Pfingsten / Sa.-Mo.) Beim Schützenfest der Gemeinde wird August Nülle (*1903 Nr.92) Schützenkönig. Die Kinder feiern ihren König am Dienstag. 20.6.1926 Erste Postautobusverbindung von Mardorf nach Neustadt (1x täglich auch von Rehburg aus über Mardorf). Bekanntester Fahrer der Zeit ist Wilhelm Scheffler, der noch bis 1951 fährt. Die Strecke geht über Schneeren (Reichstraße 6), Aschenkrug, Eilvese und Himmelreich bis Neustadt-Bahnhof. (Foto: Bäckerladen in Mardorf Nr.114) 112

1.7.1926 Die erste Bäckerei mit einem kleinen Cafe öffnet in Mardorf Nr.114 ( Beckers ). Bäckermeister August Gallmeyer (*7.5.1899 Rehburg oo Lina Thürnau aus Winzlar). Seine Schwester ist die Mutter des späteren Bäckers Benno Lohrer in Nr.34. Geselle ist Alexis Zeretzke aus Schlesien. Er pachtet um 1955 die Brot- und Feinbäckerei an der Dreieckstraße. nach ihm führt Familie Jacobs und Jürgensen das Geschäft, das inzwischen aber zur Gaststätte am Dreieck (und seit ein paar Jahren auch wieder Cafe) geworden ist. Meisterbrief Bäckermeister August Gallmeyer (Nr.114) 25.7.1926 Das Hotel Seestern (Mardorf Nr.115 am späteren Weidenbruchsweg) wird vom Gastwirt Conrad Ostermeyer aus Gleidingen mit Restaurant eröffnet. Juli 1926 Im Monat fällt in unserer Gegend über 220 mm sintflutartiger Niederschlag (normal wären 60). Sommer 1926 Schlechter Sommer mit Missernten! Okt.1926 Fischsterben im Meerbach wegen der starken (grünen) Algenblüte aufgrund hoher Nährstoffzufuhr. Gründung des Turn- und Sportvereins (TSV) Mardorf. Dorflehrer Heinrich Dannenberg (*1898 Nr.22 / 1.Vorsitzender bis 1930) mit 10 Männern im Gasthaus Thürnau (Nr.18). 1.öffentliche Turnvorführung mit eigenem Turnwart auf dem Saal von Asche Nr.78. Die fest installierten Ringe und Kletterseile, sowie Barren, Reck und Bodenmatten sind noch bis um 1965 dort in Gebrauch. Anfang 1927 Gründung des Schützenvereins (SV) Mardorf in der Gastwirtschaft Thürnau Nr.18. 1.Vorsitzender wird Friedrich Fritz Heidorn (Nr.64 *14.6.1880 Schneider und Landwirt Foto rechts). Aktive Schützen gab es aber schon lange vorher im Dorf. Schon im ersten Jahr werden deshalb 78 Männer Mitglied. Er bleibt viele Jahre Vorsitzender. Vor 1939 wird dann Otto Heidorn (Nr.20 *7.2.1901 noch für eine kurze Zeit (bis zur vorübergehenden Einstellung des Vereinslebens 1939-1952) sein Nachfolger. Heinrich Aschenbrenner aus Hannover-Linden baut an der heutigen Ladenstraße einen kleinen Kiosk (Laden / Nr.116). 1931 übernimmt H.Fischer (oo Hedwig) das Geschäft. 113

1927 Das für Mardorf zuständige Finanzamt wird Nienburg/Weser. Die Post wird weiterhin über Rehburg nach Mardorf verteilt. Es gibt noch viele Teiche und Seen in Mardorf: Der Röttsee, die Jägerbülte, der Rischpump haben ganzjährig Wasser wie auch der Bannsee noch groß und zusammenhängend ist. Am Nordufer stehen viele Wachholderbüsche (Wachholderweg am Nordufer, ab 1974 Holunderweg). Ostern 1927 Einschulung in die nahe gelegene Neue Schule: (Foto: Henny Meyer*1921 Nr.8 wohnt schräg gegenüber der Schule) 26.-28.6.1927 Das Schützenfest richtet nochmal die Gemeinde aus (immer 3 Wochen nach Pfingsten). Schützenkönig ist Heinrich Hüper (*1905 Nr.142). Die Kinder feiern am Dienstag. Sommer 1927 Baubeginn für das erste Privathaus am Nordufer. Dr. med. Paul Adam aus Hannover errichtet es auf einem Grundstück des Advokaten Simon. Er verkauft es aber nach 1928 weiter an die Eheleute Wehrmann (Luthe / später Nr.121), die dort die Gaststätte Dükerstuben (Nr.118 Foto rechts) einrichten und bis nach 1960 betreiben. An den Dükerstuben entsteht auch der 2.große Steg als Haupt-Anleger für die Auswanderer - Fahrgastschiffe nach Steinhude und zum Wilhelmstein. Außerdem ist hier ein beliebter Sand-Badestrand. Mardorf Nr.144 Alte Moorhütte (Sommer 1927) 114

Dorfstraße / Poggenecke (im Winter 1927) Um 1928 Gaststätte Wehrmann (Mardorf Nr.121) am Warteweg wird eröffnet (~1960 abgerissen). Fritz Wehrmann aus Luthe (*27.4.1887+1957 oo Erna Krackel *1907+1973 / 2 Kinder: Fritz *1934+1955 und Helga oo Achilles Nr.125). 1929 bauen sie die Nr.124 und übernehmen schon 1930 die benachbarte Mardorfer Warte (Nr.119). Der Zahnarzt Dr. Heinrich Rohde aus Hannover baut am Warteweg die Nr.122. Lehrer in Mardorf ist Herr Möller. Mädchenturnen auf dem Brink gegenüber der Schule um 1928 (Foto unten) 115

Um 1928 Der schon länger bestehende und besonders zwischen den Weltkriegen sehr aktive Theaterclub (im TSV Mardorf) hat folgende Mitglieder: Lina Asche (*1912 Nr.88), H.Dankenbring (*1910 Nr.96), Marie Förthmann (Nr.45), H.Hüper (*1905 Nr.142), Berta Kahle (Nr.62), W.Kahle (*1910 Nr.82), Adele Kleine (*1910 Nr.103), Lina Meier, Lina Meyer, Fritz Meyer (*1910 Nr.23), Aug.Nülle (*1903 Nr.39), Aug.Nülle (*1905 Nr.92), Karl Schmidt (Nr.34), H.Stadtländer (Nr.5), Karl Syrup (*1912 Nr.15). 1928 Reichstagswahl die SPD erreicht hier noch die Mehrheit! Der Eiszeitforscher Prof. Dr. Paul Woldstedt (*1888+1973) erkennt erstmalig die Mardorfer und Schneerener Höhenzüge nördlich vom Steinhuder Meer als Teil der Endmoräne, die sich als Höhenzug nach Westen bis ins Emsland fortsetzt. Der abgebildete Findling ist nach ihm benannt. Ein Einbaum aus der Jungsteinzeit wird am Mardorfer Moor gefunden und befindet sich heute auf der Festung Wilhelmstein. Die Kraftpost fährt vom Postamt Wunstorf bis Rehburg. Von hier wird die Post dann vom Rehburger Briefträger weiter nach Mardorf gebracht. Kauf der ersten beiden Scheibenbüchsen für den Schützenverein durch Wilhelm Rusche (*1880 Nr.47). Er stellt auch in mühevoller Kleinarbeit die Munition selbst her. Gründung Verkehrsverbandes Steinhuder Meer (er besteht bis 1934 fast alle Orte rund ums Meer sind Mitglied). Erste Tankstelle in Mardorf Standard bei Heinrich Meier Nr.102 (bis 1954 SPAR-Markt). Mardorf Nr.102 (unter dem großen Baum die Tanksäule von 1928) März 1928 An einem schönen Frühlings-Sonntag kommen über 20.000 Besucher ans Meer. Fast alle mit Booten von Steinhude aus zum Landungssteg am Weißen Berg. Auch die ausgeschenkten Getränke werden über Steinhude mit Booten herangeschafft. 116

Mai 1928 1.Gründung des Fremdenverkehrsvereins Mardorf (Gründer sind nicht bekannt?) Erste touristische Karte: Da liegt Mardorf (Anbindung über Rehburg / Wunstorf, aber schon Rundwanderweg!) Frühsommer 1928 Die Strandgesellschaft Mardorf erhält an den Bultgärten (Nr.119) die Konzession für die Mardorfer Warte. Die Grundstücke wurden schon 1925/6 durch den Wunstorfer Lehrer Fritz Clarck erworben. Die ersten Baupläne hat dann eine Frau Flegel aus Wunstorf. Die Mardorfer Warte (Nr.119 Foto oben links die Badekabinen und der Anleger) 117

Sommer 1928 Am Nordufer entsteht das Privathaus Nr.117 vom Hannoverschen Kaufmann Karl Grönke (oo Luise Harke). 3.-5.6.1928 Erstes Schützenfest des neu gegründeten Schützenvereins und erstmals eine Woche nach Pfingsten. Alle Kosten des Festes belaufen sich auf 648,30 RM. Schützenkönig ist H.Heidorn (*1902 Nr.99). Die Kinder feiern jetzt am Montag. Vor dem großen Fest werden auf dem Kastensberg kleine Scheingefechte mit sogen. Hundepistolen (zur Knallverstärkung im Ofenrohr) ausgetragen. Die Verletzten behandelt dann immer Dr. Rosenthal (Schützenbruder) mit einem hochprozentigen Lebenselixier. 16.6.1928 Schützenverein hat erste Abrechnungsversammlung! Am Ende der Sitzung ist vom Schützenfestüberschuss (50,20 M) noch ein Rest von 95 Pf. 12.8.1928 Einweihung des Badehotels Mardorfer Warte (Nr.119). Der Luther Architekt und Bauunternehmer Fritz Wehrmann (oo Erna / Nr.121) und der Hannoversche Gastwirt Karl Lohrberg richten ab 1930 in dem Fachwerkgebäude 16 Zimmer mit 28 Betten ein. Dazu kommen am Strand 20 Badekabinen. Zusätzlich gibt es einen Verkaufspavillon und Strandhäuser mit Flachdach. Familie Wehrmann wohnt u. a. in den Häusern Nr.120 und 121 (alle am Warteweg). 1.10.1928 Einführung des NSDAP-Parteigaus Süd-Hannover/Braunschweig. Damit gibt es parallel zu den weiterhin bestehenden Landkreisen und Gemeinden nun auch Kreis- und Ortsgruppen. Der (OG) Leiter in Mardorf ist Heinrich Heidorn (Nr.24 *1885). Dez.1928 Schwerer Wintereinbruch entwickelt sich zum Jahrhundert-Winter! 1929 Ausbreitung der Buchenwolllaus vernichtet viele alte Buchenbestände. Febr.1929 Kreistagswahl Neustadt a. Rbge. Der Eisenbahnsekretär Wilhelm Gutmann baut die Nr.123. Das Grundstück Nr.125 (Warteweg) wird durch den Hannoverschen Fabrikanten Günter Wagner (später Nr.211) erworben und 1938 abgetrennt. Verkauft an Dr. Hans Wispler aus Hannover. Nach 1945 erwirbt das große Grundstück Manfred Achilles aus Lengede (oo Helga Wehrmann Nr.121). 6 Wochenendhäuser werden errichtet (Rundweg 1-6). U. a. werden hier eine Segelschule und ein Bootsverleih betrieben. Eröffnung der ersten Filiale der Kreissparkasse Neustadt a. Rbge. in der guten Stube von Heinrich Nortmeier (Nr.14) und dann bei Heinrich Wiebking (Nr.40 bis 1946). Bei beiden schon mit einem kleinen Tresor und flexiblen Öffnungszeiten. Die Temperatur fällt bis auf -38 C und der polare Winter bleibt bis in den April. Die Eisschicht des Steinhuder Meeres ist über 70 cm dick und wird auch von voll beladenen Pferdegespannen nach Steinhude und Wunstorf befahren. 2.3.1929 Letzte Schicht im Steinkohlebergbau in den Rehburger Bergen (Bergwerk Rehburg-Stadt AG). April 1929 Bau des ersten Kleinkaliber- Schießstandes am Mühlenweg in der ehemaligen Lehmkuhle unter den Eichen (mit zwei 100 m Bahnen Kosten 588 RM). 25.-27.5.1929 Schützenfest mit König Heinrich Heita Meier (*~1908 Nr.11). Die Kinder feiern am Montag. Sommer 1929 Der trockene und sonnenreiche Sommer beschert an einem guten Sonntag allein der Mardorfer Warte 400 Autos. Am Weißen Berg ist ein Zeltlager der Sozialistischen Arbeiterjugend Hannover. Sehr niedriger Wasserstand im Steinhuder Meer. Die Waldklause am Weißen Berg (Nr.110) wird von Karl Tensfeld (1930 Badehotel) eröffnet. (Schießstand 1929: Plan der Scheibenanzeige von Hand / Schießen von rechts) Ludwig Brümann eröffnet in der Nähe von Nr.110 einen zusätzlichen Ausschank in der Gaststätte Blaue Grotte (Nr.111). 118

25.10.1929 Schwarzer Freitag mit dem Zusammenbruch der Börse in New York mündet in eine Weltwirtschaftskrise (bis Ende 1930er Jahre). 17.11.1929 Gemeinde- und Kreistagswahlen in der Provinz Hannover. (Karl Tensfeld Waldklause Nr.110 nach 1929) Um 1930 Carl Hanssen (oder Haussen? / oo Herma Droese) aus Hannover baut direkt am Ufer das Haus Nr.129 an der heutigen Rote-Kreuz-Str.38. 1942 übernehmen Otto Bosse und Elise-Charlotte Seebohm aus Stadthagen den gesamten Bereich zwischen Ufer, Weiße Riede und Rote-Kreuz- Str. mit Haus. (Gemeinde-) Feuerwehr Mardorf (noch mit den alten Helmen um 1930 / v.l. W.Thürnau *1903 Nr.18, H.Thürnau *1940 Nr.98, H.Heidorn Nr.?, Albert Struckmann *1902 Nr.109) Dr.Dieter Hanssen aus Ingelheim/Rhein (bei Nr.129 erwähnt) erwirbt das Grundstück Nr.140 am Weißen Berg. Am Bannsee (-weg 11) wird das erste kleine Häuschen (Nr.153) errichtet. Auf einem Grundstück der Gemeinde (1951 an Nr.13 verkauft) baut Familie Heller 1939 ein richtiges Landhaus. 119

Um 1930 Die Strandgesellschaft m.b.h. erwirbt eine Fläche in Lütjen Mardorf um dort die 1. feste Gaststätte Lütjen Mardorf zu bauen. Am Bauplatz wird ein 3 m tiefer Brunnen (Zieh-) entdeckt, der mit Feldsteinen eingefasst ist. Am Grunde liegt noch ein Wasserkrug. Es ist der Rest der um 1620 aufgegebenen Siedlung Lütjen Mardrup. In der späteren Nr.164 (Uferweg 102) eröffnet am Nordufer des Meeres der Wirt Otto Meier aus Mardorf (Nr.110 ~1885 oo Marie Nülle) um 1936 zusätzlich noch eine Pension. Sohn Otto (*21.4.1908 oo Johanna Busch später Nr.181) sowie Tochter Irmgard (oo Baier Nr.138) folgen als Betreiber. Ab 1952 ist der Betrieb verpachtet. Oskar Brühmann errichtet hinter der schon bestehenden Moorhütte eine erste kleine Holzhütte (westlich des heutigen Restaurants). Ab 1948 ist dort die Nr.188. Lehrer in Mardorf: Herr Andermann (H.-Döhren) und Stöcker (Hameln) und erstmalig eine Lehrerin Frau Ackermann. Jungenturnen auf dem Brink gegenüber der Schule: (Foto um 1930) Beginn der Moorkultivierungen im Schneerener und Toten Moor (östlich von Neustadt). Flachsernte im Röttsee und Torfstechen im Hohen Moor 1930 1.Fußball Weltmeisterschaft in Uruguay. Heinrich Brüning wird Reichskanzler (-1932). Gründung der Handballsparte im TSV Mardorf. Heinrich Hüper (*14.4.1905 Nr.142) wird 1.Vorsitzender bis 1932. 120

(Ludwig Brümann Blaue Grotte Weißer Berg Nr.111 1930) 14.-16.6.1930 Schützenfest mit König Wilhelm Wiebking (*1911 Nr.55), 2 weiteren Königen mit Ehrendamen, einer Blaskapelle, der Scheibenabordnung und Reitern (Foto unten). 1930/1931 Erster ( Winter-)Schützenkönig wird August Meyer (*1904 Nr.103). Die Mardorfer wollen auch vom Schützenverein ein Fest im Winter haben. Daneben gibt es schon Winterbälle der anderen Vereine. 121

1931 Wird die Abbauerstelle Nr.112 des Hausschlachters Ernst Freese (bei Nr.4/ oo E.Borcherding, Steinhude/ Freesen - später Nr.226) am Buchenberg begründet. Das Haus wird schon um 1920 gebaut. 1959-1986 ist hier die Poststelle (Ida Freese*1926+1997). Wird die Abbauerstelle Nr.113 des Feldhüters und Nachtwächters W.Heidorn (Nr.20/ oo Nülle Nr.22/19/ Sweens ) an der Rehburger Straße begründet. Das Haus wird schon 1925 gebaut. Später Hormann und Rodenbeck. Wird die Abbauerstelle Nr.126 des Landwirts H.Vogeler (Nr.76/ oo M.Wiebking Nr.104/ Fosslocks wegen der abgelegenen Lage) hinter dem Lindenberg begründet. Das Haus mit Hof wird schon seit 1928 bewirtschaftet. Wird die Abbauerstelle Nr.127 des Nachtwächters (Schließer) und Gemeindedieners W.Meier (Bremerhaven/ oo Lene?, Sachsenhagen/ Slössers ) am Mummrian begründet. Das Haus wird schon 1928 als Putzbau von der Nds. Heimstätte gebaut. Tochter Erna (*1919+1994/ 2.oo P.Michalski - Gemeindebote) langjährig Briefträgerin. Wird die Abbauerstelle Nr.128 des Arbeiters und Landwirts Aug.Heidorn (Nr.64/ oo M.Büsselberg Nr.32/ Snieders-August ) an der Rehburger Straße begründet. Das Haus wird schon 1929 als Putzbau von der Nds. Heimstätte gebaut. Heute Meyer-Bothling. Wird die Abbauerstelle Nr.130 des W.Hormann (Winzlar/ oo L.Heidorn Nr.113/ Hormanns ) an der Rehburger Straße begründet. Das Haus wird schon ~1929 als Putzbau von der Nds. Heimstätte gebaut. Später Rodenbeck und Braunert. Neuer ev.-luth. Pastor in Schneeren ist Walter Erich Georg Deutsch (1933 in Groß-Flöte). Erster Gottesdienst der Neuapostolischen Kirche in Mardorf auf der Diele des Hauses von Familie Kahle Nr.17. Durch Friedrich Ohlhagen (*9.7.1850 Mardorf Nr.16/29 oo Karoline Syrup? / Händler in Loccum) kommen die ersten Gläubigen aus Mardorf zur Kirche in Loccum. Weitere frühe Mitglieder sind Familie Stadtländer Nr.5 und Adelheid Nortmeier Nr.14. 1.Gemeindevorsteher ist Priester Ohlhagen. Mardorf bildet später mit Loccum eine von 19 Gemeinden im Bezirk Minden der Gebietskirche Nordrhein-Westfalen. Oskar Brümann (Nr.144) erhält die Genehmigung für einen Verkaufsstand am heutigen Strandweg. Karl Tensfeld (1929 bei Nr.110) plant einen Zeltausschank am Bannsee auf einem Grundstück der Realgemeinde (Nr.154). 1936 ist Heinrich Köhler (Nr.144, 1934 bei Nr.222) dort Pächter. Ab 1940 wird daraus Onkel Karls Bannseehütte (...und seine Bannseegeister sowie seine Raststätte an der Eingangspforte zum Nordufer des Steinhuder Meeres / Karl Tensfeld). Der Bannsee hat zu der Zeit noch allein eine Seerosenfläche von 10.000 m². Ihm folgt Herbert Otto. Im heutigen Gosewinkel 2 (Am Nordufer) entsteht die Nr.131. Mardorf erhält die Post über Wunstorf Land. Sommer 1931 Schützenfest? mit König?. 1931/1932 ( Winter-)Schützenkönig ist Friedrich Heidorn (*1917 Nr.64). Mähbinder mit (4)Pferdegespann / Dreschmaschine am Hof 122

Bis 1932 findet in den Wintermonaten (schon seit 1892) in Neustadt die Landwirtschaftliche Winterschule statt. Auch aus Mardorf nehmen viele junge Menschen aus der Landwirtschaft daran teil. 1932 Reichstagswahl die NSDAP erreicht in dieser Gegend jetzt überall die Mehrheit. Der Landkreis Grafschaft Schaumburg (Rinteln) kommt zur Provinz Hannover. Selbstwählfernsprechdienst-Einführung in Deutschland. Heinrich Förthmann (*1906 Nr.45) wird 1.Vors. vom TSV Mardorf (bis 1934). Die Theatersparte wird weiter ausgebaut. Jedes Jahr gibt es eine Maskerade (Ball) und einen Jugendbasar. Das Vereinslokal ist bei Asche (Nr.78). 1. Hauswasser-Versorgungsanlage wird im Dorf durch Albert Struckmann (*1902 Nr.109) installiert. Die Weiße Berg GmbH erwirbt das Grundstück Nr.132 am Weißen Berg. Die Nr. wird nach 1950 neu vergeben (Zum Fuhrenkamp 5). Am Weißen Berg entsteht die Nr.134 von C.Fehle aus Minden und auf dem schon um 1932 erworbenen Grundstück wird 1934 die Nr.135 von Fritz Thiemann aus Minden erbaut. Es folgt die Nr.136, die um 1947 vom Terrazzoleger B.Andrean (Lampe) bewohnt wird. Von der Realgemeinde erwirbt Robert Holz aus Hannover ein Grundstück für die Nr.137 (vor 1970 Lohmeier). Nach 1945 neu vergeben ins Dorf. William Lampe aus Hannover baut das erste kleine Haus auf dem Gelände der Nr.138. Die Firma Tufote errichtet etwas später das Restaurant/Cafe Inselblick mit einem kleinen Campingplatz. Bis 1945 wird Dr.Hohmann erwähnt. Franz Richter erwirbt das Grundstück Nr.139 am Weißen Berg. Nach 1945 neu vergeben im Dorf. Weißer Berg Gesellschaft (u. a. Bahlsen) beauftragt Gartenarchitekten Wilhelm Hübotter (Sohn Peter*1928) aus Hannover mit einem neuen Plan für die Bebauung des Weißen Berges (Abbildung oben) zwischen Karpenpump (Erlenweg) und Alter Moorhütte (bzw. Weißer Berg). Die Bahlsen-Söhne im Sommer am Weißen Berg in Mardorf (Foto 1930er Jahre). Sommer 1932 Schützenfest? Am Weißen Berg ist ein Zeltlager des NS- Reichsbanner mit mehreren Tausend Teilnehmern. Erste Kanuwettbewerbe vor dem Nordufer Mardorf. 22.7.1932 Erlass zur Verbesserung der wasserwirtschaftlichen Verhältnisse in der Meerbachniederung. Geplante Baumaßnahmen ab 1939 unterbleiben aber wegen Kriegsbeginn. Spätherbst 1932 Verheerendes Hochwasser in Norddeutschland! Weihnachten 1932 Das Eis des Steinhuder Meeres ist ca.30 cm dick. 123

Anleger Mardorfer Warte in den 30er Jahren Anleger Weißer Berg in den 30er Jahren 1932/1933 ( Winter-)Schützenkönig ist August Nortmeier (*1905 Nr.42). Anleger Alte Moorhütte in den 30er Jahren Um 1933 Zusätzlicher Lehrer in Mardorf ist Herr Gewecke (SA-Mann aus Hagen). 124

A9 Die Zeit 1933 1945 1933 Neuer evangelisch-lutherischer Pastor für Mardorf und Schneeren: Friedrich Karl Wilhelm August Lunde (*25.6.1903 in Horst als Sohn des Pastors H.F.Karl Lunde / oo Elisabeth / vorher Pastor in Bentheim und bis 1968 hier / +8.11.1976 Bad Nenndorf). Ihm zu Ehren ist um 1995 der Fußweg von der Mardorfer Straße zum Friedhof Pastor-Lunde-Weg benannt worden. Besonders in Erinnerung bleiben werden aber auch seine für damalige Verhältnisse sehr großen Füße Größe 48, mit von hand verlängerten Spitzen. 2009 erhält der Weg ein Erläuterungsschild: Friedrich Karl Wilhelm August Lunde (geb.25.6.1903 Horst+8.11.1976) Ev.Luth. Pastor für Mardorf/Schn. 1933-1968 (Eheleute Lunde Foto um 1955) Eine neue kleine Hofstelle entsteht in Mardorf: Die Niedersächsische Heimstätte baut das erste Haus in Mardorf Nr.141 an der Rehburger Straße. Wilhelm Thürnau (Nr.70 *1908+1978) ist gelernter Zimmermann und Landwirt gründet eine Zimmerei mit Gatter zum Schneiden. Durch die vielen Schuppenanbauten wird er Schuppenwilli genannt. Tochter Ilse oo W.Hahn ( Timmermanns ).? in 1933 ist auch auf dem Lindenberg die Nr.142 entstanden. Der Schneidermeister Heinrich Hüper (*18.4.1905 Nr.87/103 +1985 / oo Dora Feldmann, Schneeren / 3 Töchter / später Rintelmann) übernimmt das Haus von H.Nülle (Nr.44). Er ist auch Kleinlandwirt, Verköppelungsteilnehmer, Gemeindebrandmeister, 1.Vors. TSV und Wiedergründer des Schützenvereins. Der Kriegerverein Mardorf wird gleichgeschaltet und in Reichskriegerbund umbenannt. daraufhin treten viele Mitglieder aus. Albrecht Bretthauer (Steinhude Nr.142) erwirbt die Nr.145 am Weißen Berg. Um 1941 wird hier aber schon der Hannoversche Architekt Wilhelm Hübotter (Nordufer-Planer) erwähnt. An der heutigen Meerstraße 63 entsteht die Nr.146 am Weißen Berg durch Heinrich Stieber aus Hannover. Um 1940 wird der Zahnarzt Dr. O.Mayring und Günther Berlin aus Hannover erwähnt. Anfang 1933 Gau Süd-Hannover-Braunschweig mit Hauptstadt Hannover. Oberpräsident Provinz Hannover ist Viktor Lutze bis 1941. SA und Arbeitsdienst (RAD) werden zum Alltag. Die NSDAP übernimmt endgültig die Macht in Deutschland und damit in Mitteleuropa. Reichsgesetz zur Zentralisierung des Fremdenverkehrs. Es wird der Landesverkehrsverband (LVV) mit freiwilligen Mitgliedsvereinen gegründet. Mardorf hat 633 Einwohner bei ca. 145 Hausnummern. Es gibt ca. 70 kleinere landwirtschaftliche Betriebe im Vollerwerb und die 27 Bauern. 30.1.1933 Adolf Hitler wird Reichskanzler und am 1.8.1934 Führer (später des Großdeutschen Reiches bis zu seinem Selbstmord am 30.4.1945). 5.3.1933 Reichstags-Wahlen in Neustadt a. Rbge. erbringen erste große Mehrheiten für die extremen Parteien: NSDAP 13.851 Stimmen, KPD 1.157, SPD 4.359, DNVP 1.677, DVP 162 und DHP (Deutsche Hannoversche Partei) 383. 12.3.1933 Gemeinde- und Kreistagstagswahlen im Gau Südhannover. Bürgermeister in Mardorf, Gemeindevorsteher und Standesbeamter bleibt vorerst F.Meyer (Nr.23 *1887) und 1.Beigeordneter H.Niemeyer (Nr.37 *1885). Landrat in Neustadt a. Rbge. wird Johannes Specht bis 1945. SA-Kreisführer Neustadt ist Rahlfs. 125

4.4.1933 Großdemonstration der SS und SA in Mardorf: (Leine Zeitung 5.4.33) So etwas hat Mardorf noch nicht gesehen! hieß es, als in den Spätnachmittagsstunden des Sonntags die schmucken Braunhemden der SA-Formationen unseres Kreises unter Vorantritt der SS-Kapelle und des Trommler- und Pfeiferkorps durch die Straßen unserer Ortschaft marschierten. Ganz Mardorf war in diesem Augenblick auf den Beinen, um Zeuge zu sein von diesem herrlichen und musterhaften Bilde, welches unsere braunen Jungen uns boten. Auf dem Schulhofe endete der wunderbare Zug. Nach einer kernigen Ansprache des Führers Rahlfs-Neustadt und einem Konzert der SS-Kapelle fand die Nachmittagsveranstaltung ihr Ende. Um 8 Uhr begann der deutsche Abend im Saale des Gastwirts August Asche, der von der hiesigen SA- Mannschaft gut vorbereitet war. Für Bekränzung und Blumenschmuck hatte die hiesige Frauenabteilung Sorge getragen. SA-Mann Schlüsselburg eröffnete die abendliche Veranstaltung. Nach ihm sprach Lehrer Gewecke-Hagen in ganz begeisterten Worten zu den versammelten Mardorfern und forderte alle auf, mitzuwirken in dieser großen deutschen Volksgemeinschaft, in der Gemeinnutz vor Eigennutz zu gelten habe. Alsdann würde auch das große Opfer der Millionen, derer das deutsche Volk am Volkstrauertage gedacht habe, nicht vergebens gebracht sein. Treffend wies er auf unsern großen Führer Adolf Hitler hin und wünschte, unter ihm wieder zu werden ein einig Volk von Brüdern. Seine Worte zündeten in allen Herzen und so sang dann die Versammlung die erste Strophe des Deutschlandliedes und das Horst-Wessel-Lied. Im Anschluß daran trugen die Schulkinder unter Leitung ihrer Lehrer Gedichte und Lieder vor. Die Pausen wurden ausgefüllt von Darbietungen der SS-Kapelle. Zum Schluß gelangte eine humoristische Szene: Wir halten fest und treu zusammen! zur Aufführung. Die Spieler, welche nur drei Tage Zeit zum Ueben hatten, zeigten, daß mit Aufwendung aller Energie auch in kürzester Zeit ein guter Erfolg möglich ist! Die Zuhörer spendeten für alle Darbietungen reichsten Beifall. Sodann blieb man noch gemütlich beieinander. Uns Mardorfern wird dieser Tag unvergesslich sein! 12.-14.6.1933 Schützenfest (wieder ohne Winterkönig) mit König Wilhelm Heidorn (*1903 Nr.113/170). Juni 1933 Im Monat fällt über 160 mm Niederschlag (normal 60). Sommersonnenwendfeier der NS-Frauenschaft Schneeren/ Mardorf in alten Trachten. 13.9.1933 Reichsnährstandsgesetz (RNST siehe Schild oben) macht neben einem Kreis- auch einen Ortsbauernführer nötig. In Mardorf sind es u. a. Heinrich Förthmann (Nr.12 *~1873 und Otto Struckmann (Nr.21 *1900). Das rechte Emaille-Schild ist am jeweiligen Haus angebracht. 1933/34 Die neue Reichs-Autobahn 2 zwischen Ruhrgebiet und Berlin soll in einem ersten Entwurf nördlich von Mardorf (etwa Vehrenheide Golfplatz Kohlenberg Totes Moor) verlaufen (siehe Karte 1890). 1934 Trockenjahr niedrigster jemals bis dahin gemessener Wasserstand im Steinhuder Meer mit 37,41 m ünn. Zwangsmitgliedschaft aller Touristik-Orte (auch Mardorf und Steinhude) im Landesverkehrsverband Hannover. 1.Vors. im TSV Mardorf wird Otto Gerberding (*6.11.1910 Nr.84). Er bleibt es bis zur Einstellung der Aktivitäten Ende 1939. Am heutigen Wasserkampweg 6 entsteht das Haus Nr.143 von Ernst Schlüsselburg aus Hannover. Er ist auch SA-Ortsführer in Mardorf. A.Frommold (Frommhold) aus Hannover erwirbt an der heutigen Meerstraße 61 (Weißer Berg) einen Teil der Nr.147. Ab 1940 wird Dr.jur. Bernhard Sprengel (*1899+1985) Fabrikant für Schokolade und Pralinen in Hannover erwähnt (später Nr.263). Unter der gleichen Hausnummer 147 (aber Meerstraße 51) erwirbt Dr. Wilhelm Blase (*6.1.1902 Lübbecke/Westf. oo Hertha / Ruth Tochter *1970 / später Nr.158) ein Grundstück. Er wird für viele Jahre Jagdpächter in Mardorf und wegen seiner Verdienste im Schützenwesen zum Ehrenoberst des Schützenvereins ernannt. An der heutigen Ladenstraße 3 (Weißer Berg) erwirbt 1934 der Mindener Fabrikant August Hohmeyer die Nr.148. Ab 1941 wird Heinrich Schrader aus Hannover-Herrenhausen genannt. Familie Emil Jannssen (*1881+1955 oo Helene Fesing 1885+1976 Sohn Adalbert*1913) aus Hannover betreibt die Gaststätte und Pension Meeresblick (Nr.149) noch bis nach 1960. 126

1934 Georg Erdmann sen. (Herren-Bekleidungshaus in Hannover) erbaut direkt am Ufer an der heutigen Roten-Kreuz-Str.36 das östl. von Nr.129 gelegene Haus Nr.150. Am heutigen Wasserkampweg 9 entsteht durch Dipl.Ing. Hermann Dörrner und Helmut Koch aus Hannover das Haus Nr.151. 1936 übernimmt es der Hannoversche Postbeamte Willy Wiedenroth (*1896 oo Holdine*1894). Richard Könecke aus Hannover-Misburg erbaut das Haus Nr.152 am Weißen Berg (Erlenweg?). 1936 wird Brunhild Borgmann (*1924 Minden) dort erwähnt. An der Meerstr.(49) baut der Hannoversche (Schuh-)Kaufmann Friedrich Görtz die Nr.158. 15.1.1934 Das Preußische Feuerlöschgesetz tritt in Kraft: Auch in Mardorf ist bis dahin der Brandschutz Privatsache und liegt bei den Einwohnern, die sich gegenseitig helfen müssen und selbst für ihre Sicherheit verantwortlich sind. Die Gemeinde Mardorf hat natürlich auch schon vorher ihren Teil mit einer kleinen Pflichtwehr, Wehrführer (F.Ohlhagen Nr.89 *1904), Gerät und Material beigetragen. Mit dem Gesetz wird aber die Stellung der Feuerwehr in der Gesellschaft neu geregelt. So wird die Wehr aus dem reinen Vereinswesen herausgehoben und unter den Schutz des Staates gestellt. Gleichzeitig werden die Brandschützer in die Amts-Hierarchie des Ortes eingegliedert. Bei den Aufgaben erweitert das Gesetz auch das Spektrum der Aufgaben. Neben der reinen Löschaufgabe kommt nun auch die allgemeine Not- und Katastrophenhilfe hinzu. 26.8.1934 Um die Hilfe im Mardorf weiterhin sicher zu stellen, gründet sich zwangsweise in der Gastwirtschaft Kahle Nr.7 die Freiwillige Feuerwehr Mardorf. Von den 39 Gründungs-Männern sind u. a. H.Förthmann (12), H.Kahle (17), Otto Heidorn (20), F.Meyer (23), August Struckmann (30), H.Meier (48), W.Syrup (69), W.Kahle (82), F.Ohlhagen (89), W.Nortmeier (91), Albert Struckmann (109) und H.Hüper (142) noch lange nach dem Krieg aktiv. 17.9.1934 Es gehören der neuen Feuerwehr schon 45 Männer an. Friedrich Ohlhagen (Nr.89 *1904) wird Gemeindebrandmeister (bis 1945) und F.Wiebking (Nr.83 *~1896) sein Stellvertreter (bis 1945). 26.-28.5.1934 Schützenfest mit König Friedrich Meier (*1912 Nr.35). 23.7.1934 Großes Unwetter über Mardorf. Das Regenwasser steht 1 m hoch auf der Dorfstraße. Am Mühlenberg (Haubarg) können die herunterschießenden Wassermassen nur durch einschlagen einer Hauswand wieder herausgelassen werden. 1934/35 Rekordbestand von Kaulbarsch im Steinhuder Meer. 127 Führerschein 1935 ausgestellt (F.Meyer Nr.23)

1935 Schrittweise Einführung der Deutschen Volksschrift (-1941) als Schulausgangsschrift eine Weiterentwicklung des Sütterlin. Stilllegung der Steinhuder Meerbahnstrecke Stadt Rehburg-Uchte wegen mangelnder Rentabilität. Großes Brassensterben im Steinhuder Meer. Wilhelm Krecke aus Hannover baut am Weißen Berg? die Nr.155 und Friedrich Ahrend aus Hannover die Nr.156. Am Erlenweg (11) entsteht durch Franz oo Else Roever (*1904 Hannover) die Nr.157. Auch ihre Kinder wohnen hier später. Der Polizeibeamte Willy Dietmann (*1904 oo Brunhilde / Sohn Gerd*1944) erbaut die Nr.159 (Wasserkampweg 13). Polsterer und Sattler Leo Oesterwinter (*2.7.1911+1975 / Emilie*29.8.1911 Schadberg) baut am Wasserkamp(weg 16) die Nr.160. Fritz und Elise Hildebrand bauen am Weißen Berg An den Eichen (am heutigen Wasserkampweg 3) die Nr.161. Bau der kleinen Kneipe Goldige Freiheit (Büchner) am Weißen Berg (später Nr.176 / Sperberweg 13). Eröffnung der kleinen Kneipe Dünenschänke am Weißen Berg (später entsteht dort am Kiefernweg das Strandhotel Nr.326). Baubeginn der Gaststätte Waldschänke (später Nr.366 am Pferdeweg) durch Ludwig (Ludschen) Brühmann (*11.5.1899+1973) und Helene (Leni / *27.9.1904+1993). Ihre 2 Söhne: Ludwig jun. (oo Else in Nr.111 Blaue Grotte ) und Oskar (oo Gertrud in Nr.144, 188 Moorhütten ).Der Betrieb der kleinen Kneipe läuft bis 1975. Landjahr Lehrgänge am Nordufer Mardorf. Gastwirt Ostermeyer im Seestern (Nr.115) verpachtet seine Gaststätte an den Kreis Neustadt als NS-Landjahr-Heim. Es gibt viele negative Vorkommnisse über Brutalitäten an den Jugendlichen. Hofgebäude und Gastwirtschaft mit Pension Mardorf Nr.18 (Haus 1835 neu gebaut / Laterne / Rechnung von 1932) 15.-17.6.1935 Schützenfest mit König Gustav Vogeler (*1912 Nr.93). 1936 Regierungspräsident in Hannover ist Rudolf Diels bis 1942. Inbetriebnahme des nahe gelegenen Fliegerhorstes Wunstorf (Bau ab 1934 / 1935 Militär). Ein Kampfgeschwader mit Ju52 und ab 1937 mit He111 -Bombern wird hierher verlegt. Das Telefon-Ortsnetz Schneeren mit Mardorf entsteht. Die Verbindungen kommen noch per Handstöpselung zu Stande. Mardorf hat laut amtl. Statistik 536 Einwohner! 2 Einbäume werden im Bannsee und bei Lütjen Mardorf (Nr.164) gefunden leider sind sie im II.Weltkrieg verbrannt. Großes Brassensterben im Steinhuder Meer. 128

1936 Das Badehotel Weißer Berg (Nr.110) hat zu der Zeit: Gastzimmer, Klubzimmer, großen Garten, Saal, Verkaufspavillon direkt am Strand, 103 Tische, 426 Stühle, 9 Fremdenzimmer mit 18 Betten, Saisonkräfte: 1 Köchin, 1 Kellner, 1 Zimmermädchen, 1Aufwaschmädchen, 1 Hausmädchen (ständig beschäftigt). Die neue Gaststätte Kahle von 1936 an der Dorfstraße (das Gebäude steht noch) Reichsfremdenverkehrsverband (RFVV) mit LFVV (Niedersachsen - Weserbergland) und aller Fremdenverkehrsgemeinden als Pflichtmitglieder. Mardorf zahlt zu dieser Zeit für Gemeinschaftswerbung an Steinhude 200 RM. Seestern (Nr.115 / Landjahrheim) wird jetzt HJ-Heim für die Marine-HJ und den BDM. Eine erste Holzbaracke (Nr.133) des Kanuverbandes Kreis Weser-Ems (45 Vereine im DKV) entsteht auf dem heutigen Gelände am Mardorfer Nordufer. Schon ab 1931 werden einzelne Parzellen (1.877 m² für 305 RM/Jahr) als Pachtfläche von der Realgemeinde erworben. Am 18.8.1935 kommen noch mal 1.200 m² hinzu. Jetzt beträgt die jährl. Pacht 485 RM. Walter Heidmann aus Bielefeld wohnt in der Nr.162 (von Dr.Fricke erbaut Dr.Fricke-Weg 8). Die Nr.163 wird gebaut am Weißen Berg? (von?). Evtl. ist es die Strandgaststätte bei Lütjen Mardorf, die im März 1936 errichtet wird und seit 1969 Nr.662 Fischerstübchen ist. 6.-8.6.1936 Zum Schützenfest werden 3 Brüder Könige: Fritz Dankenbring (*1923 Nr.63) Jugendkönig im Gewehrschießen, Bruder Willi (*1926) Kinderkönig und Helmut mit 7 Jahren König im Lederballschmeißen. Der Ball wird dabei 5x durch einen 30m entfernten Reifen geworfen. Schützenkönig ist Friedrich Heidorn (*1917 Nr.64). Sommer 1936 Heinrich Niemeyer (Nr.37 *1885 / bis 1936 noch 1.Beigeordneter) wird als Bürgermeister und Standesbeamter (bis 1946) in Mardorf eingesetzt. Gemeindevorsteher wird Fritz Wehrmann (Nr.119 Warte ). Vorgänger F:Meyer (Nr.23 *1887) muss nach mehr als 22 Jahren zurücktreten. Die Verwaltung der Realgemeindeflächen geht zwangsweise an die politische Gemeinde. Deren Vorsitzender wird Heinrich Niemeyer (Nr.37 *1885), der Bürgermeister. 1.12.1936 Gesetz über die Hitler-Jugend (HJ ab 15.Lebensjahr). Ab 10. bis 14. Lebensjahr werden nun die Jungen im Jungvolk (DJ / Pimpfe ) und die Mädchen im Bund Deutscher Mädel (BDM / Jungmädel) zusammengefasst und uniformiert. Ab 25.3.1939 ist es eine Zwangsmitgliedschaft. Mit dem 18.Geburtstag gibt es für die Jungen den Wechsel in die SA (Sturmabteilung), die 17 bis 21 jährigen Mädel sind im BDM-Werk Glaube und Schönheit organisiert. Anfang 1937 Der Jahresanfang ist sehr kalt! 1937 Eröffnung des Rehburger Heimatmuseums in der Form eines Dreiständerbürgerhauses (Architekt Ernst Meßwarb). Die Postagentur Mardorf erhält eine neue Adresse:??? Heinrich Harmening, Händler aus Hannover-Linden baut am Weißen Berg? die Nr.165. 129

1937 Gebietsausschuß Steinhuder Meer im LFVV Niedersachsen-Weserbergland mit allen umliegenden Gemeinden als Mitglied. Fritz Wehrmann baut am Nordufer eingeschossige Wochenendhäuser mit Flachdach, aus Holz. Architekt Flügel baut für Gartenarchitekt W.Hübotter Strandhäuser. Erste Siedler sind Familie Hübotter, Zahnarzt Dr. Mayring, Dr. Frombold(Frommold), Schokoladenfabrikant Bernhard Sprengel. Dr. (med.prakt.arzt) Winfried Fricke aus Hannover baut das heute noch stehende Holzblockhaus (Nr.166 Foto rechts) am Nordufer auf einem schon 1931 erworbenen Grundstück (Dr.Fricke-Weg 8). Landwirt Wilhelm Meyer (von Nr.26) oo Erna Langhorst (Nr.2 Nr.227) bauen sich am Nordufer die Nr.167 (Dr.Fricke-Weg?). 22.-24.5.1937 Schützenfest mit König Ernst Freese (*1920 Nr.112). Sommer 1937 Das Gemeinde-Grundstück (heute: Auf dem Lindenberg 10) wird vom Händler Wilhelm Heidorn (*1903 Nr.113 / oo Herta Hofrage / Sohn) erworben und erhält als letzte vergebene Hausnummer vor dem Krieg die Nr.170! Das schöne (noch heute vorh.) Klinkerhaus wird erst um 1955 gebaut. Das Marine HJ-Heim im Seestern hat schon viele Boote u. a. einen Ausbildungskutter. Leiter ist der Hannoversche Tischler Friedrich Klaproth (seit 1931 auch Betreiber des Hotels). Herbst 1937 Der Schützenverein Mardorf beteiligt sich erstmals am Erntefest der Gemeinde mit einem Unkostenbeitrag von 19,85 RM. Um 1938 Fam. Dumont /später Nr.278) aus Lemgo baut am Weißen Berg? ein Wochenendhaus (Nr.168). Am Fillerberg (1954 Nr.186 - Auf dem Mummrian 29) entsteht ein kleines Haus (Gustav Peters*1913 in Kattenvenne/Iburg+gef.1944 oo Marie Stadtländer*1915 / 2 K.: Horst und Edith). Im Gastgeberverzeichnis des Landesfremdenverkehrsverbandes Niedersachsen-Weserbergland, Hannover stehen 2 Mardorf Gästebetten-Anbieter: Badehotel (Weißer Berg) mit 22 (2,50 Mark in der Saison ohne Bad) und Otto Meier (Lütjen Mardorf) mit 10 (1,50 M. pro Nacht, Frühstück je 1 Mark). Bad Rehburg hat gleichzeitig 112 Betten. Im amtlichen Telefonbuch sind für das Ortsnetz Schneeren (üb. Neustadt a.rbge.) unter den gesamten 23 Rufnummern (alle 2-stellig) für Mardorf vermerkt: Wählvermittlung und Fernamt Wunstorf / Zeitangabe 03 Asche, August, Gastwirt, Mardorf [üb. Wunstorf] Nr.78 23 Badehotel Weißer Berg Hotel, Pension, Weißer Berg [P. Mardorf üb. Wunstorf] 16 Bürgermeister Mardorf [üb Wunstorf] Nr.37 07 Gend.-Einzelposten Schneeren 25 Lunde, Pastor 26 Mardorfer Warte, Hotel u. Strandrestaurant am Steinhuder Meer, Inh. Architekt Fritz Wehrmann, Luthe (Tel. Wunstorf 215), Mardorf [üb. Wunstorf] 24 Meier, Müllerei u. Güternahverkehr, Mardorf [üb. Wunstorf] Nr.94 21 Meyer, Gebr., Kraftverkehr, Mardorf [üb. Wunstorf] 22 Anfang 1938 Bürgermeister Ernst Meßwarb in Rehburg tritt mit 65. Jahren ab, dafür kommt NSDAP-Mann Seppl Günther an die Stadtspitze. In Mardorf geht zunächst alles etwas langsamer und zurückhaltender. Der Bürgermeisterposten ist mit Heinrich Niemeyer Nr.37 zwar schon 1936 neubzw. umbesetzt worden, aber die NS-Führungspositionen im Dorf kommen erst nach und nach zur Geltung. Wichtigster NS-Mann vor Ort ist der Lehrer Heinrich Dannenberg Nr.22. Er wird unterstützt vom Ortsgruppenleiter NSDAP (rechts sein Ärmelabzeichen), dem Kirchkötner Heinrich Heidorn Nr.24 und dem Ortsbauernführer. Weiter gibt es eine NS-Ortsgruppe der Pimpfe, Hitlerjugend, Bund Deutscher Mädchen, Frauenschaft, Reichsarbeitsdienst. 130

1938 Beginn eines großen Eichensterbens in Mitteleuropa. Mardorf hat 628 Einwohner. Die Übernachtszahl der Beherbergungsbetriebe übersteigt 865 pro Jahr! Das auffällige Haus auf der Düne (Nr.169 / heute Ecke Holunderweg 25/Uferweg blauer Anstrich) wird gebaut. Es beherbergt auch eine Seglergemeinschaft. Nach 1945 wohnen hier Frau Meyer (Nr.175) und später Franziska Fuhrmann (*24.5.1905 / oo Landgrebe). Sie sind über Jahrzehnte im Gemeinderat und der Ortspolitik aktiv. Werbung für das Steinhuder Meer 1938 Anfang 1938 Erste Nordbachverlegung (Karte rechts unten) von westlich des Meerbachtrichters weiter nach Norden (s. a. 1957). Hans-Werner Bosse (Nr.129 / Zigarrenkistenund Holzfabrikant) aus Stadthagen baut in Mardorf ein Betriebserholungsheim an der Rote-Kreuz-Str. 1944 wird das Heim für staatl. Zwecke beschlagnahmt. Auf einem Grundstück von Nr.18 entsteht westlich der Kräheninsel direkt am Ufer das idyllisch gelegene Wochenendhaus (Nr.195 / Stiller Winkel ) mit Reetdach von Sievers aus Hannover. Es wird von Valentin Klein (Unternehmer Hannover) übernommen. 1.Vors. bei Concordia Mardorf ist Wilhelm Dankenbring (*1871 Nr.80) bis 1941 (Einstellung). Sein Chorleiter ist von 1937-1939 H.Kleine (Nr.106). Der Schützenverein Mardorf wird Mitglied im Deutschen Schützen-Verband. 8.1.1838 Briefträger auch für Mardorf ist Dietrich Rode jun. Dessen Familie baut große Postagentur in Rehburg (Gebäude an der Hauptstraße noch heute). 11.-13.6.1938 Schützenfest mit König Gustav Vogeler (*1912 Nr.93) als einer der aktivsten Schützen im Ort. Sommer 1938 Im HJ-Heim (Seestern Nr.115) sind jetzt laufend ca. 50 Schüler untergebracht mit einer eigenen Rettungsstation (DLRG). 1.10.1938 Trennung der 2.Lehrerstelle in der Mardorfer Schule von der Kirche! 10.11.1938 Kristallnacht! Die jüdischen Geschäfte, Einrichtungen und Synagogen werden auch in Rehburg Wunstorf und Neustadt verwüstet ( Reichs-Progrom-Nacht ). Die jüdischen Mitmenschen werden in Konzentrationslager (u. a. Buchenwald) verschleppt und kaum einer überlebt die Zeit bis 1945. 131

1938/39 Gemeinsame Werbung für das ganze Steinhuder Meer mit 30.000 Prospekten. In Liebenau wird eine Gestapo -Zentrale mit angegliedertem Arbeitserziehungslager eingerichtet. Die Konzentrationslager (KZ) in Norddeutschland entstehen: Neuengamme/Hamburg, Bergen-Belsen und Niederhagen/Paderborn. Daneben gibt es aber in der Nähe auch noch viele kleinere Außenlager, die z. T. zeitlich begrenzt oder nur für ein Projekt den großen KZ angegliedert sind. Im Landeskrankenhaus Wunstorf erleiden erste Patienten die Eutanasie. 1939 Für die noch wenigen Katholiken dieser Gegend ist jetzt das Bistum Hildesheim zuständig. Im Bereich südliche Häfern werden 16 Hügelgräber gezählt und kartiert. Es sind einfache Gräber, ohne Eichensärge oder besondere Steineinfassungen; nur zentrale Holzhohlräume. Erst jetzt wird beim TSV Mardorf eine Fußballsparte gegründet. Dank des Schießwartlehrgangs von Heinrich Rusche (Nr.47) 1938 kann der Schützenverein jetzt am Kreismeisterschaftsschiessen teilnehmen. Die Genossenschaftliche Treuhand Gesellschaft Hannover übernimmt die Windmühle Nr.75. 1940 wird W.Meier (*1886 Nr.94) dort Müllermeister. 1.4.1939 Die Poststelle I in Neustadt wird eingerichtet Mardorf bleibt aber weiterhin Post Rehburg. 17.5.1939 Mardorf hat 639 Einwohner (lt. einer amtl. Statistik in Hannover nur 514). Die Zahl in Schneeren geht dagegen zurück auf 781. Zuständiges Amtsgericht ist Neustadt a. Rbge. und Finanzamt Nienburg/Weser. 3.-5.6.1939 Letztes Friedens-Schützenfest (eine Woche nach Pfingsten; Kinderfest am Montag) in Mardorf mit dem 3maligen Schützenkönig August Nortmeier (*1905 Nr.42). Alle Festlichkeiten und der Schießsport im Ort kommen zum erliegen ( der Verein ruht ), da keine rechte Feierstimmung mehr aufkommen will. 1.Sept.1939 Der Zweite Weltkrieg (bis 8.5.1945) beginnt mit dem Angriff auf Polen. Die Gestellungsbefehle erreichen zuerst die Jahrgänge 1894-1899. In der allgemeinen Euphorie melden sich viele freiwillig. Andere kommen zunächst zum Reichsarbeitsdienst. 3./4.9.1939 Erstes englisches Flugzeug (evtl. Hawker Hurricane Foto rechts) über Mardorf gesichtet. Danach gibt es immer öfter Fliegeralarm und die Luftschutzüberwachung verlangt nachts strenge Verdunklung. Sept.1939 Okt.1939 Das Steinhuder Meer als größtes Gewässer Norddeutschlands vor den Toren Hannovers und Braunschweigs ist auch in der Nacht gut zu erkennen wird zum Sammelplatz für einfliegende alliierte Bomberverbände. In Mardorf wird die Feuermeldestelle bei Bürgermeister Niemeyer Nr.37 eingerichtet. Bei Luftalarm wird eine Handsirene betätigt. Winterbeginn mit geschlossener Schneedecke. Erste polnische Zwangsarbeiter kommen zur Arbeit in der Landwirtschaft nach Mardorf, darunter auch Zivilarbeiter (eigentlich Kriegsgefangene). kommen erste polnische Zwangsarbeiter zur Arbeit in der Landwirtschaft nach Mardorf. Die Lager befinden sich in Rehburg-Stadt, Loccum und Neustadt. Unter anderem werden sie für die Verlegung des Nordbachs und den Bau des später sogen. Polendammes (Foto rechts um 2005) eingesetzt. 300 vorwiegend polnische Zwangsarbeiter und ab 1941 einige Kriegsgefangene sind mit Unterbrechung bis 1945 mit den Baumaßnahmen beschäftigt. Schwerpunktmäßig wird im sehr langen und kalten Winter 1941/42 der Damm südl. des jetzigen Nordbaches zwischen Meerland und Heudamm, bis zur Meerbachbrücke und weiter entlang der Beeke (Meerbach) errichtet. Er dient auch dem Hochwasserschutz für die umliegenden Wiesen. Als Füllsand wird eine ehemalige Sanddüne im Bereich Hegebusch / Hinter dem Lindenberge (der später sogen. Polenkuhle ) abgetragen. 132

Ende 1939 Mit Schmalspur-Elektroloks und Loren wird auf dem Schienenweg der Sand für weitere Dämme bis kurz vor Rehburg transportiert. Einige Arbeitskräfte sind in Mardorf auf dem Saal von Nr.78 bzw. auf Höfen (z. B. Franz? bei Nr.84) untergebracht. Ein Pole wird bei den Bauarbeiten von Aufsehern erschossen. Der Damm überdauert völlig in Takt die Zeit und ist für Wanderer lange beliebte Strecke. Aus Naturschutzgründen ist der Damm seit ca. 2000 gesperrt. Ein paralleler neuzeitlicher millionenteurer Ersatzbau Anfang der 1980er Jahre ist inzwischen wieder im Großen Dreckmoor versunken. Mehrere Aushilfslehrer unterrichten in der Volksschule Mardorf u. a Marie Langer (*1921 bei Nr.7/ oo Robert Dankenbring, später Winningen). Strenger Winter mit viel Schnee! Kälterekorde im Januar mit bis zu -32 C. Bis Febr.1940 bleibt es extrem kalt. Es gibt die ersten Mardorfer Kriegsopfer an der Westfront. Winter 1939/40 Für den kleinen winterlichen Binnenhandel (Lebensmittel gegen Leinen) mit Steinhude nutzen einige Mardorfer auch Schlittschuhe und zum Transport Rodelschlitten. Um schneller über das zugefrorene Eis zu kommen, werden große Leinentücher am Gürtel befestigt und mit beiden Händen zum steuern in den Wind gehalten (die ersten Winter-"Kiter"?). Jan./Febr.1940 Kälteeinbruch mit bis zu -30 C und vielen Schneeverwehungen. Winter 1939/40 am Ortsausgang Mardorf nach Schneeren (links Nr.96) Anfang 1940 Weitere Jahrgänge müssen in den Kriegseinsatz. Verwundete kommen zur Erholung in die Mardorfer Warte. Die Mardorfer Beherbergungsbetriebe haben in dieser Zeit aber trotzdem auch für andere Gäste geöffnet. So haben das Hotel Weißer Berg (Nr.110) 22 und die Mardorfer Warte (Nr.119) über 100 Betten anzubieten! Mit den ersten kleineren deutschen Luftangriffen und Bombardierungen beginnt die Luftschlacht um England mit großen Zerstörungen und führt schließlich zur Gegenoffensive der Alliierten. 11./12.5.1940 beginnt mit dem nächtlichen Angriff auf Mönchengladbach der Bombenkrieg gegen Deutschland : Zunächst aber nur mit britischen Flugzeugen der Royal Air Force RAF (Bomber Command) von England aus und nur in Nachteinsätzen. Neben dem britischen Premierminister Winston Churchill wichtigster Mann ist dabei Air Chief Marshal Arthur Harris. 18./19.5.1940 Um kurz nach Mitternacht trifft ein Bombenangriff in Norddeutschland auch Hannover. Im Turm der Mardorfer Windmühle Nr.75 wird eine Funkleitstelle der Wehrmacht zur Flugabwehr von Hannover installiert. Auf dem Kohlenberg (Nr.1)ist eine Scheinwerfer -Anlage. 133

(Kleiderkarte 1940) 15./16.7.1940 Hannover wird erstmals bei einem Bombenangriff schwer getroffen. 26./27.8.1940 Hannover ist Ziel einer schweren Nachtbombardierung der RAF. Alliierte Luftstreitkräfte (u. a. britische Bomber vom Typ: Avro Lancaster mit 7 Mann- Besatzung, DeHavilland Mosquito mit 2 Mann und 2 Motoren Foto unten links, HP Halifax mit 7 Mann Foto unten Mitte, Short Stirling mit 7-8 Mann Foto unten rechts) / ab 17.8.1942 auch amerikanische B-17 mit bis zu 10 Besatzungsmitgliedern) verwechseln öfter das Steinhuder Meer mit dem Maschsee in Hannover, das damals ein häufiges Ziel ist. Sie entladen ihre tödliche Fracht also über dem Gebiet im und rund ums Meer. Auch die großen angrenzenden Moore erhalten ihren Teil fehlgeleiteter Bombenfracht. Um die gegnerischen Flugzeuge irre zu führen, werden auf dem Steinhuder Meer für Tarnzwecke 800 Radarstörungsflöße installiert. Sommer 1940 Am Nachthimmel kann man sehen wie Hannover nach verheerenden Bombenangriffen brennt. Die sogenannten Tannen- oder Christbäume (rot und grüne Zielmarkierungs- Leuchtbomben die langsam an kleinen Fallschirmen zu Boden gleiten) zeigen den Bomben-Flugzeugen den Weg. 7.9.1940 Beginn des Blitz (konzentrierte Bomberangriffe auf England) bis 16.5.1941. 16.12.1940 Die RAF beginnt mit verheerenden Area Bombing (Flächenbombardierungen) über Deutschland. 1940/1941 Schwarzschlachten, Buttern und Handeln sichern das Überleben auf dem Lande. Dazu kommen Versuche selbst Tabak anzubauen und Schnaps zu brennen. Aber darüber hinaus wird alles immer knapper und dann auch zunehmend rationiert. Der Wirtschaftsplan Mardorf führt zum ersten Bebauungsplan am Weißer Berg (1941) und Freigabe des 3,5 km langen Uferabschnitts zwischen Mardorfer Warte und Hotel Weißer Berg. Es gelten nun auch in Mardorf die NS-Bauvorschriften u. a.:... der Eigenart des Landschaftsbildes und des Baumbestandes einzuordnen... Außenwände in Fachwerk- oder Blockbauweise... Sprossenfenster... Dach aus Rohr oder Stroh / in Waldgebieten braune bzw. bodenständige Ziegel... Parzellengröße 1.500 m²... Hecke- oder Holzzäune... keine Werbe- und Firmenschilder... kein Stacheldraht... 134

Anfang 1941 Langer und sehr kalter Winter! Polizeiverordnung zur Regelung der Bebauung des Geländes am Weißen Berg am Steinhuder Meer sowie Platzordnung für Zeltlagerplätze. Dazu kommt ein weiterer W.Hübotter-Plan zur Gestaltung und Bebauung des Nordufers zwischen Mardorfer Warte und Weißem Berg. Dauerwohnungen z. B. im Bereich Erlengrund (1943 Nr.182) und Wasserkamp entstehen. 1941 Einführung der Deutschen Normalschrift. Sie bleibt bis 1952 schulische Ausgangsschrift. Oberpräsident der Provinz Hannover ist Hartmann Lauterbacher bis 1945. Beginn des Ernte-Kindergartens Mardorf mit Ida Meier (*1922 Nr.94) im alten Haus von Nülle Nr.1 (östl. von Nr.47). Schon aus dieser Zeit stammt der begriff Tante Ida. Einstellung der Betreuung mit 1945, da jetzt einfach zu viele Kinder im Ort sind. Junge Mädchen aus Polen und der Ukraine werden vereinzelt auch auf Mardorfer Bauernhöfe zwangsverpflichtet, um bei der täglichen Arbeit zu helfen. Die als 16-jähriges Mädchen aus der Ukraine auf den Hof Nr.37 deportierte Nadja Samnius muss aufgrund von internationalen Verträgen schon im April 1945 in ihre Heimat zurückkehren. Dennoch denkt sie in Dankbarkeit an diese Zeit und hält mit ihrer Familie weiterhin Kontakt zum Hof Niemeyer in Mardorf. Einige französische Kriegsgefangene werden (ab Mai 1940) in Mardorf anstelle der Kriegsdienst leistenden Männer zur landwirtschaftlichen und gemeindlichen Hilfe eingesetzt und auf dem Saal von Nr.18 einquartiert. Die russischen Kriegsgefangenen haben (ab Mitte 1941) bei der Unterbringung in auswärtigen Behelfsbaracken nicht soviel Glück. 10./11.2.1941 Hannover ist Ziel einer schweren Nachtbombardierung der RAF. 23./24.3.1941 Hannover ist Ziel einer schweren Nachtbombardierung der RAF. 15./16.5.1941 Hannover ist Ziel einer schweren Nachtbombardierung der RAF. 15./16.6.1941 Hannover ist Ziel einer schweren Nachtbombardierung der RAF. 22.6.1941 Deutscher ( Achsenmächte ) Angriff ( Barbarossa ) auf die Sowjetunion! Sommer 1941 ist sehr verregnet und ein Großteil der Ernte auch in Mardorf geht verloren. 19./20. u. 25./26.7.1941 Hannover ist Ziel von schweren Nachtbombardierungen der RAF. 12./13.8.1941 Hannover ist Ziel einer schweren Nachtbombardierung der RAF. 7.12.1941 Überfall (des deutschen Verbündeten) Japan auf den US-Stützpunkt Pearl Harbor (Hawaii) führt am 8.12. zum Kriegseintritt der USA (11.12. Deutsche Kriegserklärung), die bis dahin die Alliierten in Europa nur mit Kriegsmaterial unterstützt hatten. 135

1941/42 Der strenge Winter ist von Dez. bis Febr. extrem kalt und schneereich Mardorf ist längere Zeit von der Außenwelt abgeschnitten. 1942 Das Konzentrationslager Arbeitsdorf/Wolfsburg entsteht. Regierungspräsident in Hannover ist Dr.Binding. 26./27.1.1942 Hannover ist Ziel einer schweren Nachtbombardierung der RAF. Alliierte Jagdbomber (auffällig ist die Lockheed P38 Lightning Foto rechts) werden bei Kämpfen mit der deutschen Luftwaffe gesichtet. Febr./März 1942 Viel Schnee und Temperaturen bis -20 C. 31.3.1942 Als letzte verbliebene jüdische Familie in Rehburg-Stadt werden Max oo Emmy Goldschmidt über das Sammellager Ahlem weiter nach Warschau deportiert. Sie überleben den Holocaust nicht. 4.5.1942 Maria Sabat (*19.12.1909 in Sarny bei Lemberg/Lwow/Lwiw in Galizien im strittigen Grenzgebiet zwischen Polen und der Ukraine) kommt nach der deutschen Besetzung mit einem 4-tägigen Bahntransport nach Deutschland und wird ab 8.5. auf einem Spargelhof in Liebenau eingesetzt (siehe Arbeitskarte rechts). Ab 5.8.1942 wird sie der Hofstelle Nr.8 in Mardorf zugewiesen. Vom griechisch-katholischem Pfarramt wird ihr im gleichen Jahr ein Geburtschein als Volksdeutsche (Vater war in der österr.- ungar.armee, Mutter eine geborene Wolf) ausgestellt. Daraufhin erhält sie ein Arbeitsbuch (Abbildung rechts unten). Ihr muss es wohl trotz der schweren Arbeit relativ gut gegangen sein, denn sie will nach Ende des Krieges nicht in ihre inzwischen sowjetische Heimat zurückkehren. Sie bekommt 1961 eine unbefristete Arbeitserlaubnis, erhält später Rente und wird am 9.5.1977 schließlich eingebürgert. Sie verstirbt am 22.5.1987 in einem Seniorenheim in Rehburg. 4.7.1942 Der Luftkrieg über Deutschland wird jetzt von der 8th US-Air Force unter GenMaj Carl A. Spaatz in Zusammenarbeit mit der RAF gesteuert (1944 folgt ihm LtGen James H. Doolittle). 7.7.1942 beginnt die Schlacht um Stalingrad. Insgesamt 650.000 Menschen verlieren in diesem Kessel bis 2.2.1943 ihr Leben. Viele der 6.Deutschen Armee gehen in russische Gefangenschaft, aus der bis 1956 nur die wenigsten zurückkehren. Für die Ostfront ist es auch der Wendepunkt. Der Krieg bewegt sich jetzt vollends Richtung Deutschland. 18.9.1942 Die Deutsche Luftschutzraum-Ordnung gewährt nur Deutschen den Zutritt zum rettenden Bunker! Dez.1942 Der Brief eines in Stalingrad eingeschlossenen deutschen Soldaten (Gottfried Mäder*1920) an seine verwitwete Mutter in Mardorf (Nr.63) vom 29.12.1942. Mit Bleistift geschrieben und erst nach seinem frühen Tod im Januar 1943 in die ferne Heimat gelangt. (Der Schreiber hatte eine gute Schulbildung, aber wegen der schlechten Ernährung und extremen Kälte an der Front ergeben sich viele Rechtschreibfehler und zum Schluss wirkt alles auch etwas zerfahren ): 136

(Brief) Meine Lieben! Mein liebes sorgendes Mütterlein, heute abend komme wieder zu, u. sende dir die aller recht herzlichsten Grüße. Sitze wiedermal an dem kleinen Tischchen, das kleine Tischchen, das mir so manchesmal als Unterlage diente, wenn ich an meine liebe Mutter schrieb. U. so tut der kleine Tisch es auch heute wieder. Wärend ich jetzt an meine liebe Mutter schreibe, hoffe ich, das ich wärend der Zeit nicht gestört werde u. mögte doch auch hoffen dass Du meine liebe Mutter, wie auch Onkel u. Fml. Dankenbring noch alle gesund und munter seit. Das ich von mir mit Gottes-Hilfe gesundheitlich auch noch sagen darf. Wie habt Ihr den Weihnachten verlebt? War der kleine Fritz zu Weihnachten noch da? Hoffentlich! Wie war den im Algemeinen die Stimmung zu Weihnachten in Mardorf? Was für n Weihnachten wir in Stalingrad gehabt haben, glaub ich, brauch ich wohl nicht zu erwähnen. Vielleicht habt Ihr auf n Heiligabend Radio gehört, wenn ja, dan wisst Ihr es ja. Heiligabend stand ich auf Posten, schönes Gefühl, u. dan keine Post, rein gar nichts hatten wir zu Weihnachten, im Gegenteil. Wir haben nur ein Wunsch, mögten doch Päkchen s ankommen, damit man sich doch mal wieder satt essen kann, aber wir wollen alles in Gottes Händen legen, möge Er geben das wir hier aus n Kessel bald erlöst werden aber mache Dir liebe Mutter keine Sorgen. Wir lassen den Kopf nicht hängen, u. das bringt ja schließlich auch nichts ein. Wir müssen es alles in Gottes Handen, der wird uns uns schon führen denk ich. U. nun meine liebe Mutter schließe ich für heute wieder mein Schreiben, u. wünsche Dir meine liebe Mutter, wie auch Onkel u. Fml. Dankenbring ins neue Jahr alles Gute, möge Gott Euch Liebe ins neue Jahr Zufriedenheit u. Frieden schenken. Diese zwei Wünsche, wünsch ich Euch Lieben, von ganzen herzen: Euer Gottfried Gute Nacht. Anfang 1943 Bereits am 6.2.1943 beeilt sich der Leutnant und Resteinheitsführer des Pz.Grd.Regt.26 über die Feldpost an die Mutter zu schreiben:...dass der O gefr. August (Taufname) Mäder am Heldenkampf in der Festung Stalingrad teilgenommen und den heroischen Endkampf gegen eine erdrückende Übermacht mitgekämpft hat. Das wirkliche Schicksal klärt sich für die Mutter aber erst Jahre später. 1943 Regierungspräsident in Hannover ist Paul Kanstein. Der inzwischen Reichskriegerbund genannte ehemalige Kriegerverein Mardorf wird mangels Mitgliedern aufgelöst. Der letzte Mardorfer Nachtwächter Slösser Willi stirbt. Wilhelm Meier (*um 1880 in Bremerhaven / Abbauer in Mardorf Nr.127). (Foto mit dem Kuhhorn = Signalhorn) Seit ca. 1910 Amts- und Gemeindediener, Schließer ( Slösser ) in Mardorf bis 1943. (oo Lene? aus Sachsenhagen / 2 Töchter). An früheren Silvesterabenden ist er gewöhnlich mit seiner Frau, die vorsorglich eine Torfkarre mitführt, von Haus zu Haus gegangen und beide singen nach einem kräftigen tuuten mit n hörn (Signalhorn = im Mardorfer Wappen verewigt) den traditionellen Neujahrsglückwunsch: Oh wie laufen doch die Jahre, wie verschwindet doch die Zeit...!. Bei Jungverheirateten: Ik wünsk jük n nyt joor un n lütjen jung mit kruusen (swarten) hoor! Für seine treuen Dienste im vergangenen Jahr erhält er jedes Mal zum Dank n kloorn un ne knapwost. Um Mitternacht muss seine Frau ihn dann oft beherzt auf die Karre packen, um die Runde fortzusetzen. 3.2.1943 Der Hof Mardorf Nr.67 (H.Nülle, damals noch zw. Nr.78 und 82) brennt nach einem Luftangriff mit Brand u. Phosphorbomben, der wohl Hannover treffen sollte, ab. Bei diesem irrtümlichen Brandbomben-abwurf mit insgesamt 150 Stück werden auch noch weitere Wirtschaftsgebäude getroffen (Nr.11 Garagen und Nr.102 Scheune). Menschen kommen nicht zu Schaden. Ab Juni 1943 fliegt die US Air Force jetzt auch am Tage großangelegte Bombenangriffe auf Deutschland. Die RAF kommt weiterhin nachts. Auch kleinere Jagdbomberverbände (Foto rechts: z. B. Republic P47 Thunderbolt ) werden über Mardorf gesichtet. 24./25.7.1943 Hamburg erlebt nach einem schweren Nachtangriff, einem am Tage und einer weiteren Nachtbombardierung am 27. mit dem Unternehmen Gomorrha einen vernichtenden Feuersturm. 26.7.1943 Hannover ist ebenfalls Ziel eines ersten schweren amerikanischen Bombardements am Tage. 21.8.1943 Hitzerekord mit +38 C! 137

22./23. u. 27./28.9.1943 Hannover ist Ziel von schweren Nachtbombardierungen der RAF. (Foto: Nach einer Brandbombe 1943 Französische Kriegsgefangene beim Aufräumen vor den Garagen von Nr.11) 8./9.10.1943 Hannover wird durch nächtliche Bombenangriffe stark zerstört. Selbst in Mardorf sind Detonationen, Feuer und Rauch zu spüren. Nachdem schon Kinder aus Hamburg nach Mardorf verschickt worden sind, kommen nun auch Flüchtlinge aus Hannover dazu. 18./19.10.1943 Ein alliierter Bomber (vom Typ Liberator englische Version der amerikanischen Consolidated B-24 mit 12 Mann Besatzung Foto rechts) stürzt nach Beschuss beim Anflug auf Hannover nördl. von Mardorf über dem Buchholz ab. Ein Besatzungsmitglied (von vier? Gefundenen) überlebt und wird nach Wunstorf (Fliegerhorst) zur Internierung gebracht. (B17-Bomber im Anflug - Fotos: Ray Dankenbring St.Louis, MO, USA) (typische Kondensstreifen) 138

Ab 1943 Unterbringung von ausgebombten Städtern in Wochenendhäusern und Herbergen in Mardorf. Erste Flüchtlinge aus Westdeutschland (Raum Aachen) sind dabei. 1943/1944 Jugendliche (auch unter 15 Jahren) und Greise (über 65) aus Mardorf werden vor allem zum Ende des Krieges als Flakhelfer in Hannover eingesetzt. Über Mardorf wird ein amerikanischer Bomber-Begleitjäger abgeschossen (NorthAmerican-P- 51 Mustang Foto links / auch die Spitfire Foto Mitte links ist öfter über Mardorf zu sehen). Insgesamt 5 deutsche Jäger (4 Messerschmidt Bf109 vom nahen Fliegerhorst Wunstorf Foto Mitte rechts und evtl. auch eine Junkers Ju87 Stuka mit 2 Mann Besatzung Foto rechts) werden bei Luftkämpfen über Mardorf bis Kriegsende zum Absturz gebracht. 1944 Die immer größer werdenden menschlichen zivilen und militärischen Verluste an allen Fronten fordern auch viele Mardorfer Opfer. Postleitzahl für Raum Mardorf (Hannover) 20. Anfang 1944 Durch Zusammenlegung der Ämter ist jetzt der Bürgermeister (H.Niemeyer, Nr.37), Vorsteher der Gemeinde und gleichzeitig Vorsitzender der Realgemeinde Mardorf. 11.1.1944 Aus einem alliierten Verband auf dem Weg nach Halberstadt wird ein Bomber (wahrscheinlich eine englische Avro Lancaster Foto rechts) von der Flak abgeschossen und stürzt nördl. von Mardorf in die Buchholz-Forst. Von der achtköpfigen Besatzung kann sich einer mit dem Fallschirm retten, versteckt sich bei Nr.86, wird angezeigt und als Gefangener nach Wunstorf zum Fliegerhorst gebracht. 30.1.1944 Hannover ist Ziel eines schweren Bombenangriffs. März 1944 (Vermutlich am 9.3.) Ein amerikanischer Großbomber (Boeing B-17 Flying Fortress Foto rechts unten) muss beim Anflug auf Nienburg, Hannover, Braunschweig im Winzlarer Streitbruch notlanden. Die Besatzung versucht sich in den schwimmenden Wiesen zu verstecken, muss sich aber schließlich ergeben und kommt nach Wunstorf (Fliegerhorst). 28./29.5.1944 (Pfingsten) Mitten im Krieg kommen Tausende Erholung suchende Menschen ans Steinhuder Meer, insbesondere zur Mardorfer Warte und an den Weißen Berg. 6.6.1944 Landung der Alliierten an der Küste der Normandie ( Overlord )! 12.6.1944 Fliegende Bomben ( Wunderwaffen ) werden jetzt als Vergeltungswaffen gegen England eingesetzt. Die V1 fliegt bis 29.3.1945 und die V2 von Sept.1944-27.3.1945. 18.6.1944 Hannover ist Ziel eines schweren Bombenangriffs. Mitte 1944 Sept.1944 Musterung für die Jahrgänge 1927/28: Die 17jährigen Jugendlichen hätten eigentlich zunächst den 6monatigen Reichsarbeitsdienst (RAD) leisten müssen. Wegen der hohen Kriegsverluste geht es nun aber gleich als Rekrut in die verkürzte Wehrausbildung und dann gleich an die Front. Sie glauben noch an den Endsieg und sehnen den Einsatz herbei. Viele ideologisch verführte Jugendliche melden sich darüber hinaus freiwillig und oft auch zur Waffen-SS. Ihre Ausbildung findet in den Dörfern und in der Nähe von Nienburg statt. Propaganda-Offensive des III.Reichs: Die Untergrundbewegung Werwolf findet allerdings keinen Anklang in der deutschen Zivilbevölkerung. 18.10.1944 Der Volkssturm aus älteren Männern über 60 Jahre und Jugendlichen der Jahrgänge 1926/27 soll jetzt den unaufhaltsamen Vormarsch der Amerikaner, Briten und Kanadier aufhalten. Auf dem Brink in Mardorf werden Wehrübungen durch aktive (oft versehrte) Offiziere abgehalten. 22.10.1944 Hannover ist Ziel eines schweren Bombenangriffs. 4.11.1944 Hannover ist Ziel eines schweren Bombenangriffs. 12./13.12.1944 Hannover ist Ziel eines nächtlichen schweren Bombenangriffs. 139

Anfang Jan.1945 Musterung für die Jahrgänge 1928/29: Die ehemaligen Jungvolkkinder im Alter von 15-17 Jahren müssen für 6 Wochen in das Ausbildungslager Eystrup-Hämelheide. Dort sind in 4 Kompanien ca. 400 Jungen untergebracht. Wegen der nahenden Front von Westen wird die Ausbildung auf 3 Wochen verkürzt. Am Mittwoch (4.4.) gerade wieder zu Hause wartet aber schon der Gestellungsbefehl (ein harmloses einfaches Blatt Papier) für Montag (9.4.) in Hannover- Bothfeld. Zum Glück kommen die Ereignisse dazwischen! 5./6.1.1945 Hannover ist Ziel eines nächtlichen schweren Bombenangriffs. 3.2.1945 Berlin erlebt den 300. Bombenangriff aus der Luft. Dresden bekommt noch eine ganze Angriffswelle mit vielen Toten ab (13.-15.3.1945). 3./14. u. 17.3.1945 Hannover ist Ziel mehrerer schwerer Bombenangriffe durch alliierte Flugzeuge. Das nördliche Stadtgebiet wird hart getroffen. Die Luftangriffe enden, aber Hannover ist zu 80 % (vor allem im Zentrum) zerstört. April 1945 Der Bombenkrieg aus der Luft hat in Deutschland schätzungsweise einer halben Million Zivilisten das Leben gekostet. Aus dem Nahrungsmittellager Bokeloh erhält Mardorf keine Lieferung mehr. 4.4.1945 (Mittwoch) Minden ist schon zum größten Teil von britischen Truppen besetzt. Über den Weser- Elbe-Kanal (Mittellandkanal) führt hier noch eine wichtige intakte Brücke. 5.4.1945 (Donnerstag) Englische und Kanadische Streitkräfte (8th UK-Army Corps / 6th UK-Airborne Div. / 1st Canadian-Airborne Bat. (Canadian 1st Army) / 11th UK Tank Div.) nähern sich zuerst nördlich von Minden der Weser. Sie setzen mit Faltsturmbooten über und legen eine Pontonbrücke über die Weser bei Petershagen (sie trägt 40 Tonnen Zeitungsfoto rechts mit Cromwell-Panzer ). Die Brücke bei Heisterholz (9 Tonnen tragend) wird nicht zerstört. Dort und bei Wietersheim können kleine Brückenköpfe gebildet werden und so können sie mit ihren Truppen jetzt schnell weiter Richtung Hannover vorrücken. Weiter nördlich Richtung Nienburg sprengen deutsche Sprengkommandos die Weserbrücke zwischen Leese und Stolzenau, in der Stadt Nienburg (um 11 Uhr). 5.4.1945 In Steyerberg werden am gleichen Tag auf dem Bahnhof noch sechs V1 und V2 Raketen gesprengt. Z. T. Jugendliche des SS-Pz.Gren.Ausb.u.Ers.Btl.12 (mit Kommandeur HSturmFhr. Peinemann) leisten dann auf der rechten Weserseite hartnäckigen Widerstand. Der anglo-kanadische Angriffsschwerpunkt liegt bei Stolzenau. Dort verteidigt lediglich die 1.Batt. des RAD-Flak- Reg.531. Trotzdem kann das 8.Bat. der Rifle Brigade mit Schlauchbooten übersetzen und einen ersten kleinen Brückenkopf (Gut Vorwerk) bilden. Das Corps of Royal Engineers baut danach eine Kriegsbrücke. 6.4.1945 (Freitag) Im Morgengrauen führen junge SS-Soldaten einen Gegenschlag, der ab Mittag auf britische Elite Einheiten trifft. Sie halten sie auf und zwingen die Alliierten am 7.4. 17 km weiter südlich bei Petershagen über die abgebildete Kriegsbrücke (Zeitungsfoto oben) überzusetzen. Ebenfalls am 6.4. rückt zwischen Weser-Elbe-Kanal (Mittellandkanal) und Deister entlang der R65 (B65) die 84th US-Infantry-Div. (US 9th Army) weiter Richtung Hannover vor. Sie treffen bei Kolenfeld und Dedensen (schwere Flak-Stellung) auf die deutsche Kampfgruppe Wiking der 5.SS-Pz.Div. (Waffen SS mit gepanzerten SPW, Sd.Kfz.251 und Panther-Panzer), Einheiten des Volkssturms und bei Wunstorf auf die lokale Fliegerhorstverteidigung. Die Leinebrücken bei Schloß Ricklingen, Bordenau (bleibt intakt), Luthe sind besonders vom 7.-9.4. schwer umkämpft. Die vorrückenden Alliierten erleiden durch Gegenangriffe herbe Verluste. Der Vormarsch kann aber allenfalls nur verzögert werden. Weiter nördlich erreicht abends das 12th Devonshire Reg. Raderhorst und Wiedensahl und die 159.Brig. mit 2 Inf.Bat. und einem Pz. und Pz.Aufkl.Bat. rückt gegen Loccum vor. 140

7.4.1945 Von zwei Seiten treffen somit die Alliierten vor Loccum auf die 5.SS-Kompanie, die bis in die Nacht Widerstand leistet und sich dann nach Rehburg absetzt. (Samstag) Am Morgen rücken über Steinhude / Großenheidorn britisch-kanadische Stoßtrupps weiter nach Norden vor und besetzen ohne Gegenwehr den Fliegerhorst Wunstorf, wo sich noch am gleichen Tag die RAF in den fast unbeschädigten Anlagen einrichtet. In Neustadt werden 24 junge britische Fallschirmjäger (7th Bat., Light Infantry of the Airborne Forces) beim vorschnellen Passieren der Löwenbrücke über die Leine durch Hand-Zündung einer Fliegerbombe zerfetzt und viele weitere verwundet. Das englischen Jagdflugzeug Typhoon / Tempest (Foto rechts) kommt bei den letzten Kämpfen an der Weser zum Einsatz. Dagegen hält sporadisch nochmal ein deutscher Stuka. Die Kampfhandlungen dauern im Raum Nienburg/W. auch wegen der gesprengten Weserbrücken von der Nacht 7./8.4. bis zum 9.4. an, wobei die Stadt Nienburg als offene Stadt kampflos übergeben wird. Leese wird aber wegen des erbitterten SS-Widerstandes besonders stark zerstört. Die deutsche Resttruppe zieht sich nach Nordosten zurück. 141

8.4.1945 (Sonntag) Die Rehburger Einwohner erreichen am Morgen, dass die 5.SS-Kompanie ihre neuen Panzerabwehrstellungen (Panzerfäuste mit 30 m Reichweite) weiter nördlich des Friedhofs einrichten. Britische und kanadische Truppen (3rd Royal Tank Rgt. and 23rd Hussars of the 29th Armd.Bde. mit Major-General George Roberts, 11th Armd.Div., 8 Corps, 21st Army Group) und später auch mit Field Marshal Bernhard Montgomery rücken von Loccum kommend in Rehburg ein. Sie haben englische Churchill (Foto oben links) und Cromwell / Comet (Foto oben Mitte / Original-Foto vom 8.4.1945) Panzer. Der Spitzenpanzer (ein Comet ) des 2.Bat. der Fife and Forfar rattert durch die Hauptstraße Rehburgs und am Ortsausgang nach Husum wird der Kompaniechef Major E.Loram von einer vorschnellen Karabinerkugel tödlich getroffen. Es gibt ein kurzes Feuergefecht und Flammenwerfer (auch mit Churchill-Crocodile Panzern) verbrennen die Landschaft. Danach ziehen sich die Truppen in den Ort zurück. Ein nachfolgendes Infanterie Bat. des Herefordshire Rgt. nimmt 15 abgekämpfte z. T. 17jährige SS-Soldaten gefangen (großes Foto unten mit noch brennenden Bäumen und Jeep). Am Morgen des 9.4. werden diese von Mitgliedern des Cheshire Inf.Bat. im Wilden Moor (500 m nordöstl. des Krähenberges, Rehburg) erschossen. (Original-Foto vom 8.4.1945 Imperial War Museum of London) 8.4.1945 Die britische 29.Panzer-Brigade bricht später aber doch noch durch und gerät in Husum in ein schweres Gefecht. 142

Die 5.SS-Kompanie und das Marine Bat. aus Nienburg (2.Mar.Inf.Div.) verteidigt das Dorf bis zum Abend. Am 9.4. bewegen sich die alliierten Truppen Richtung Linsburg. Auch hier sind viele Tote, brennende Häuser und Ruinen (Flammenwerfer) das Resultat des sinnlosen Endkampfes. 8.4.1945 Der alliierte Kampfverband mit dem 1.Bat. des Cheshire Reg. an der Spitze der 159.Brigade wendet noch am Morgen seine Stoßrichtung in Richtung Mardorf und erreicht kurz darauf über die Rehburger Chaussee den Ortskern. Die Bewohner der zuerst passierten Häuser wissen nicht, wie sie sich am besten verhalten sollen, denn in Mardorf halten sich noch versprengte deutsche Soldaten auf. Die nationalsozialistischen Ortsgrößen sind auch noch im Amt und die heranrückenden Truppen sind durch die Rehburger Vorfälle in höchster Anspannung und haben zudem die Aktion Werwolf im Kopf, wodurch sie noch immer Hinterhalte der Zivilbevölkerung erwarten. Aber Großmütter mit Lebenserfahrung nehmen kurzerhand ein weißes Tischtuch und schütteln es unverdächtig vor der Haustür aus. So sind alle auf der sicheren Seite und die anglo-kanadischen Verbände können zügig weiter vorrücken. Da unter den durchfahrenden Panzern auch Sherman (amerikanischer Bauart Foto rechts) sind und z. T. noch den weißem Stern tragen, meinen wohl einige Mardorfer, dass es sich um amerikanische Streitkräfte handeln müsse. Montgomery persönlich durchquert im Laufe des Tages Mardorf. Er bewegt sich mit den alliierten Hauptkampftruppen hinter der sich schnell verändernden Frontlinie her. In Mardorf geht der 2.Weltkrieg zu Ende. Die meisten Einwohner haben sich mit Habseligkeiten auf Leiterwagengespannen in Richtung Ohlhagen Moor in Sicherheit gebracht. Es kommt zum Glück nur zu vereinzelter deutscher Gegenwehr versprengter Soldaten. Mindestens ein deutscher Deserteur wird bei diesen letzten sinnlosen Kämpfen nordwestlich von Mardorf von eigenen Truppenteilen erschossen. In der Lehmkuhle hat sich ein deutscher Offizier hinter einer Karre verschanzt und will mit einer Panzerfaust (Einschlag in einem Strommasten bei Nr.5) allein die heranrückenden Engländer aufhalten. Mit einem Kopfschuss ist er zumindest in Mardorf das letzte Opfer. Der Vormarsch aber geht schnell weiter. Der Tag, an dem der Krieg zu Ende war (erzählt von Otto Gerberding, Mardorf Nr.84 mit Zeichnung von damals) Ein paar Wochen zuvor im Jahre 1945 hatte es auch unser kleines Dorf erwischt. Ein angeschossener amerikanischer Bomber entlud seine Bombenfracht direkt über uns. Vier Gebäude wurden getroffen, drei davon brannten bis auf die Grundmauern nieder. Gott sei Dank gab es keine Toten. Wir lebten mit der Angst. Jeden Tag und jede Nacht war der Himmel rot von der brennenden Stadt Hannover. Bei Südostwind ging bei uns dann oft ein Aschenregen nieder. Wir Kinder waren auf Deckung suchen gedrillt. Wenn wir Flugzeuge hörten, lagen wir flach auf dem Boden. Mit Hoheitsabzeichen an den Maschinen kannten wir uns aus. Einige Monate vorher wurde einem Freund von mir beim Schlittschuhlaufen auf dem Steinhuder Meer von einem Tiefflieger ein Bein weggeschossen. Einzelne Maschinen griffen auch die Zivilbevölkerung an, es war eine schlimme Zeit. Ich erinnere mich noch genau an die letzten Kriegstage. Vater war wegen seiner Verwundung schon zu Hause und musste den Volkssturm führen. "Wat schall ik den bloos mit düssen opas un krüppeln anfangen, mit 3 jagdflinten sagte Vater. Man hörte schon den Kanonendonner, so nahe war die Front an unserem Dorf. Vater musste mit dem Volkssturm außerhalb unseres Dorfes Panzersperren bauen. Die Strasse wurde aufgerissen und Palisaden eingegraben. Vater sagte: "Soen blöödsin, 'n bund stroo up`r straate helpet genauso feel. Dor ballert dy yn rin und föert den dür." Es half nichts - er musste los mit seinen Opas. Als er ging, sagte er: "Jie blievet hier, ik bin balle wir in'n huuse." Wir beluden inzwischen den Heuwagen mit allem Lebensnotwendigen. Betten, Planen. Verpflegung, Hausrat, Werkzeug und die wichtigsten Dokumente wurden verstaut. Franz, unser polnischer Kriegsgefangener, half mit. Er hielt zu uns. Er hatte es soweit auch immer gut gehabt, war ein Teil der Familie geworden. Meine Eltern hatten schon öfter deswegen Scherereien gehabt. Er saß mit uns am gleichen Tisch. Das war verboten. Franz kümmerte sich immer besonders um mich, er war mein bester Freund. Gegen Morgen kam Vater zurück. Der Geschützlärm war inzwischen bedenklich laut geworden. Einige deutsche Soldaten kamen angelaufen und baten um Zivilkleidung. Mutter suchte alles zusammen, was greifbar war. Sogar die alten Klamotten für die Feldarbeit gingen mit drauf. Wir erfuhren, daß die Panzer noch etwa 20 Kilometer entfernt seien. "Dy Kreisleiter woll mie noch doodschyten" sagte Vater "as ik dy opas naa huuse schicket hef. Hy was aaver dy ierste, dy sik ferkrüümelt het, ik heve siene uniform förhen in'n büsken 'fun." Nun wurde es aber höchste Zeit. Wir spannten zwei Kühe vor den Wagen, die dritte wurde hinten dran gebunden. Oma und ich kamen oben drauf, zwischen die Betten. Vater trieb die Kühe an, es dauerte trotzdem eine Stunde, bis wir außerhalb des Dorfes zwischen einigen hohen Sandhügeln anhielten. Eine Kuh war krank, sie hatte einen ganz dicken Bauch und konnte nur langsam gehen. Hier künt üsk dy granaaten nig dräpen sagte Vater, dy barge sind dor för. Zitternd vor Angst saß ich auf dem Wagen. Mutter machte Essen, Brote und Tee, aber niemand wollte etwas. 143

(Kriegsende) Die Ballerei wurde immer lauter, Geschosse pfiffen über uns hinweg. O god, o god, dy schytet dat ganse dörp in`n klump sagte Mutter mit zitternder Stimme. Wie lange wir dort waren, als es allmählich ruhiger wurde, weiß ich nicht mehr. Es war wohl gegen Abend, als wir aufbrachen. Wir kamen über den Hügel und konnten das Dorf sehen und waren überrascht. Es waren keine zerstörten oder brennenden Häuser zu sehen. Alles schien unversehrt. Überall standen Panzer und Lastwagen herum. Soldaten liefen umher. Jets wültse üsk wol filtsen, meinte Vater, als wir näher kamen, aber es geschah nichts. Man ließ uns ziehen. Ja, man sah uns eher amüsiert zu, als wir mit unserem Zigeunerwagen durch das Dorf zogen. Aber wir waren nicht die einzigen, die zurückkamen. Unser Haus stand noch. Auf dem Hof parkten Lastwagen und an der Ecke stand ein Panzer. Auf dem Pflaster wurde in einer Grube Feuer gemacht und Essen gekocht wohl einige unserer Hühner. Dat sind Kanadier, sagte Vater. Jetzt wurden wir doch noch durchsucht. Ein Soldat verlangte Papiere und bekam von Vater wohl alles, was er wollte. Wir konnten dann unser Haus wieder betreten. Die Zimmer waren zwar durchsucht worden, aber nicht demoliert. Wir hatten alle Türen offen gelassen. Vater verbrannte noch heimlich Kriegsfotos, die den Besatzern nicht in die fallen sollten. Er wurde in seinen sonstigen Aktivitäten überwacht. Ein junger Soldat wich ihm nicht von der Seite. Nach einigen Tagen beruhigte sich die Situation. Ich lief zwischen den Soldaten herum. Es war ganz interessant, was die so alles machten. Einer deutete mir an, dass er Eier haben wolle. Ich ging in den Hühnerstall und holte ihm eines. Dafür bekam ich Bonbons etwas, was wir Kinder damals wohl mit Gold aufgewogen hätten. Richtige süße Bonbons, einzeln in Papier verpackt! Ich holte weitere Eier und bekam mehr Bonbons. Es entwickelte sich spontan ein reger Tauschhandel. Die Sache flog dann auf, als Mutter hinter der Brotkiste mein Bonbonlager entdeckte. Von dem Zeitpunkt an musste ich meinem Geschäftspartner öfter einen Korb geben. Die Soldaten blieben, aber es kam, soweit ich mich erinnern kann zu keinen größeren Komplikationen. Einige Wochen später war plötzlich große Aufregung draußen. Vater kam auf den gelaufen, griff mich, rannte auf Mutter zu und drückte uns in seine Arme. Et is förbie, de krieg is förbie, sagte er. Ich habe das wohl alles nicht richtig begriffen. Ich fragte Vater: Wer het den dän krieg e`wun? Ich bekam keine Antwort. Vater wandte sich ab. Ich sah ihn zum ersten Mal weinen, ich wusste damals noch nicht warum. 8.4.1945 In Schneeren trifft der alliierte Kampfverband auf die 1.SS-Kompanie. Ein einziges MG verursacht erneute Verluste. Nachdem dieser Widerstand gebrochen ist, führt der weitere Vorstoß ohne größere Zwischenfälle über Eilvese, Himmelreich, Empede, Mariesee bis nach Mandelsloh (Nachmittag). Alle Brücken über die Leine bei Mariensee-Basse, Mandelsloh- Helstorf (Original-Foto rechts: Imperial War Museum of London), Niedernstöcken- Esperke, Schwarmstedt und Bothmer sind vorher gesprengt worden. 8./9.4.1945 Einer der letzten großangelegten Bomberangriffe trifft den Hamburger Hafen. 15.4.1945 Der Vormarsch der Alliierten (British Canadian 21st Army Group) geht über Rethem/Aller weiter bis unter anderem das Konzentrationslager Bergen-Belsen befreit werden kann. 26.4.1945 Bei Torgau treffen amerikanische und sowjetische Truppen an der Elbe zusammen! 30.4.1945 Hitler begeht im Berliner Führerbunker Selbstmord. Großadmiral Karl Dönitz wird testamentarisch ernanntes deutsches Staatsoberhaupt. 8.Mai 1945 Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel unterzeichnet im sowjetischen Hauptquartier in Berlin- Karlshorst die bedingungslose Kapitulation aller deutschen Streitkräfte und damit des Großdeutschen Reiches! 144

Ab Mai 1945 wird in Bad Rehburg das britische Rot-Kreuz- Hospital Montgomery in den Kuranlagen eingerichtet (noch bis 1949 in Betrieb). Jack Smith (rechts im Bild, später Nr.106) und Ben? bei ihrer Ankunft in Mardorf. Ihre Einheit soll ein Camp (Lager, Unterkünfte, Lazarett etc.) am Nordufer zu errichten. Die britischen Streitkräfte nehmen Quartier in vielen der größeren Gebäude in Mardorf: In Lütjen Mardorf (Nr.164) und der Mardorfer Warte (Nr.119) ist jeweils ein Offizierscasino untergebracht. Unterkünfte sind auch vorübergehend in den beiden Schulen (Nr.50 und 97). Dafür muss der Schulunterricht für ein halbes Jahr auf den Saal von Thürnau Nr.18 verlegt werden. In Mardorf wird von der brit. Militärverwaltung der bisherige Bürgermeister Heinrich Niemeyer (Nr.37 *1885) wieder eingesetzt und zudem Standesbeamter. Er ist auch der erste Gemeindedirektor nach englischem Vorbild. Es wird auch ein Verwaltungsausschuss bestimmt, der die kommenden Wahlen vorbereiten soll die neue Gemeindeverfassung hält sich ebenfalls eng an angelsächsisches Recht. Im Badehotel (Nr.110 Betreiber ist zu der Zeit Richard Fischer) wird das Mary Knoll Catholic Retreat Centre untergebracht. Bis zu 30 Soldaten pro Woche werden hier behandelt und können sich erholen. Besonders beliebt ist fischen, baden, Boot fahren und die excellente Küche. Es gibt eine eigene kleine Kapelle mit Father Foley of Plymouth (Sen.Cath.Chaplain), 30 Corps und welfare officer to the centre Miss J.T.Mullen of Cambridge (Member of the Cath.Women s League). (Original-Fotos: Imperial War Museum of London: Mardorf Nr.110 Badehotel Bild unten von der Meerstraße her Bild oben der östlich gelegene Stall) 145

Die Mardorfer Kriegstoten von 1939 bis nach 1945 (Mit Hausnummern / auch gefallene Angehörige von Ostflüchtlingen, die in Mardorf nach 1945 lebten) Alfons, Paul? Asche, August 78 Asche, Erwin 88 Bittner, Franz 195 Brase, Heinrich 3 Brase, Karl 3 Dankenbring, Wilhelm 63 Dinter, Herbert 12 Eiselt, Kurt 17 Fischer, Otto 31 Förthmann, Heinrich 45 Förthmann, Wilhelm 32 Franke, Alfred 195 Gallmeyer, August 114 Grages, Hermann 164 Heidorn, Friedrich 64 Heidorn, Friedrich 68 Heidorn, Heinrich 24 Heidorn, Wilhelm 128 Herrmann, Paul 127 Hilbig, Alfred 196 Hoffmann, Wilhelm 137 Kahle, Heinrich 77 Kahle, Wilhelm 74 Koberg, Wilhelm 65 Krause, Alfred 185 Kroner, Josef 219 Kühn, Max? Meier, Friedrich 35 Meier, Heinrich 94 Meier, Karl 94 Meier, Wilhelm 57 Nortmeier, Friedrich 19 Nortmeier, Wilhelm 14 Nülle, Heinrich 44 Ohlhagen, Heinrich 16 Peters, Gustav 186 Polarski, Georg 165 Röhrmund, Ernst 107 Rusche, Wilhelm 47 Schlombs, Josef 50 Schmidt, Heinrich 34 Schmidt, Wilhelm 127 Schulz, Kurt Mdf.? Seeger, Heinrich 26 Stadtländer, Heinrich 69 Stadtländer, Wilhelm 69 Struckmann, Heinrich 21 Struckmann, Otto 21 Thiele, Heinrich 31 Thiele Wilhelm 46 Vogeler, Wilhelm 93 Wolter, Leonhard 29 146