top Technik Unser Motorenvergleich ging unentschieden aus. Beim Verbrauch schnitt der Vierzylinder eindeutig besser ab. In den sechs Teillast-Betriebspunkten verbraucht er nur 260 g/kwh (ein sehr guter Wert). Der große 6-Zylinder-Motor schluckt da- PRAXIS- TEST Valtra ist mit vier Zylindern in die 140- bis 150-PS-Klasse vorgedrungen. Dass der Schlepper eine echte Alternative zum Sechszylinder ist, zeigt unser Doppeltest. Valtra M 150 4-Zylinder Nenn- Höchstge- Leer- zul. Gesamt- Basis- Preis d. M-Baureihe leistung Getriebe schwindigkeit gewicht gewicht preis Testversion 120 150 PS 150 PS 36/36 Gänge 40 km/h 5 636 kg 10 000 kg 78 500 t 81 090 t Das Duell: 4 gegen 6 Zylinder Zylinder Ein 150-PS-Schlepper mit nur vier Zylindern, das wäre vor einigen Jahren undenkbar gewesen. Doch nachdem die 100- und 120-PS-Grenze in den letzten Jahren überschritten wurde, stieß Valtra jetzt sogar in die 140-bis 150-PS-Liga vor. Verbesserte Motorentechnik und die höhere Effizienz der hoch aufgeladenen Vierzylinder sprechen für die Entwicklung. Gleichzeitig wird die Forderung der Landwirte nach immer leichteren und kompakteren Traktoren mit hoher Leistung erfüllt. Wir wollten wissen, ob der Vierzylinder dem traditionellen Sechszlyinder das Wasser reichen kann. Gemeinsam mit den Kollegen von der englischen Fachzeitschrift Farmers Weekly und der holländischen Boerderij haben wir deshalb einen Valtra- Doppeltest durchgeführt. Der M 150 mit vier und der T 150 mit sechs Zylindern sind zum Vergleich bei der britischen Schlepper-Prüfstelle in Silsoe angetreten. Beide Traktoren sind, abgesehen vom Motor, weitgehend baugleich. Das gilt für 74 top agrar 11/2004 die Kabine, das Getriebe und das Schlepperheck inklusive Hydraulik. Der T150, dessen Baureihe bis 210 PS reicht, hat allerdings stärkere Endantriebe und einen längeren Radstand. Die Nennleistung der Testkandidaten liegt bei 150 PS (M 150) und 155 PS (T150). Allerdings kann man davon etwa fünf Pferdestärken abziehen, weil Valtra die ISO-Angabe verwendet. Die ISO-Norm 14 396 gibt die Leistung nur für den nackten, ausgebauten Motor an (ohne Motorlüfter). Eine Besonderheit bei Valtra ist die Anordnung des Motors. Er befindet sich direkt über der Vorderachse, um die Gewichtsverteilung beim Einsatz von schweren Heckgeräten zu verbessern. Aufgrund der Bauweise ist die Haube sehr lang und wuchtig. Das gilt auch für den kürzeren Vierzylinder, der sich rein optisch kaum vom großen Bruder unterscheidet. Durch die Bauweise wird Platz zwischen Motor und Kabine verschenkt. Bei den älteren Modellen wurde er für den Einbau der Batterie genutzt. Doch inzwischen ist die Batterie unter den rechten Kabinenaufstieg gewandert. Ein weiteres Merkmal der Valtra- Traktoren ist die geräumige Kabine, die den Einbau einer Rückfahreinrichtung ermöglicht. Wahlweise ist auch eine Kabinenfederung lieferbar. Mit der luftgefederten Vorderachse und in 50 km/h-version war nur der größere Testschlepper ausgestattet. Der Mehrpreis liegt bei etwa 5 220 E und das Mehrgewicht bei 300 kg. Einen kleinen Vorteil hatte unser Vier- Zylinderschlepper, der mit 480 Betriebsstunden recht gut eingefahren war. Dagegen kam der T 150 frisch vom Montageband. Motor: sparsamer 4-Zylinder
14 bzw. 16 % Differenz. Bei den üblichen Verlusten im Getriebe beträgt der Unterschied normalerweise etwa 12 %. Realistisch wäre somit eine Nennleistung der Motoren von ca. 140 bis 145 PS. Kabine: kaum Unterschiede Valtra T 150 6-Zylinder Nenn- Höchstge- Leer- zul. Gesamt- Basis- Preis d. T-Baureihe leistung Getriebe schwindigkeit gewicht gewicht preis Testversion 125 210 PS 155 PS 36/36 Gänge 50 km/h 6 213 kg 11 000 kg 76 500 t 83 600 t gegen 17 g/kwh mehr. Das sind immerhin knapp 6 % Unterschied. Dagegen hat der Sechszylinder die bessere Motorcharakteristik. 39 % Drehmomentanstieg und ein Konstantleistungsbereich von 39 % sind sehr gute Ergebnisse. Außerdem steigt die Leistung bei sinkender Drehzahl auf über 100 kw an. Das entspricht einer Überleistung von 4 kw. Hier präsentierte sich der Vierzylinder etwas verhaltener. Er bot weniger als 1 kw Überleistung und einen geringen Konstantleistungsbereich von 9 %. Völlig ausreichend ist dagegen der Drehmomentanstieg von 30 %. Während der Praxiseinsätze haben wir außerdem einen Unterschied im Ansprechverhalten der Motoren entdeckt. Der M 150 hängt sehr nervös am Fußgas, so dass die Maschine z. B. beim Rangieren nur schlecht zu steuern ist. Hier präsentierte sich der Sechszylinder ausgeglichener. Überrascht waren wir, dass beide Testkandidaten an der Zapfwelle gleich viel leisteten, obwohl Valtra beim 6-Zylinder-Modell etwa 4 kw mehr Nennleistung angibt. Außerdem offenbarte sich erneut, welche geringe Aussagekraft die ISO-Angaben in den Prospekten haben. Zwischen den an der Zapfwelle gemessenen Werten und den ISO-Prospektangaben liegen Übersicht 1: Die Schlepper in der Punktwertung M 150 T 150 4-Zylinder 6-Zylinder Motorcharakteristik/Verbrauch 3,5 4,0 Kabinenkomfort/-ergonomie 3,5 3,5 Geräuschpegel 3,0 3,5 Getriebe-Schaltbarkeit 3,0 3,0 Gänge Hauptarbeitsbereich 4,0 4,0 Kupplungen (Fahrkupplung, Wendeschaltung, Lastschaltung) 3,5 4,0 Hubkraft/EHR-Bedienung 3,5 3,5 Hydraulik (Leistung/Bedienung) 4,5 4,5 Zapfwelle 2,5 2,5 Allrad/Differenzialsperre 3,5 3,5 Lenkung, Wendekreis 4,0 3,0 Bremsen 3,0 3,0 Fahreigenschaften (Feld/Straße) 3,5 4,5 Wartung 4,5 4,5 Verarbeitung 3,5 3,5 Gesamteindruck/Charakter 3,0 3,5 Gewichtete Punktsumme 3,5 3,6 Bewertung: von 1,0 Punkte = sehr schlecht bis 5,0 Punkte = sehr gut Zwischen den baugleichen Kabinen gibt es kaum Unterschiede. Auffallend sind das große Platzangebot und der einfach zu drehende Sitz. Gefallen haben uns außerdem die guten Einstiege auf beiden Kabinenseiten. Die Trittstufen sollten allerdings besser gegen Verschmutzung geschützt werden. Rund um den Sitz gibt es auf dem Kabinenboden sehr viel Platz. Andere Ablagemöglichkeiten sind dagegen dünn gesät. In unserem 6-Zylinder-Testschlepper konnten zwei Beifahrer Platz nehmen. Allerdings ist der auf Wunsch lieferbare Notsitz vor dem linken Kotflügel nicht sonderlich komfortabel. Eine Rückenlehne und ein Griff zum Festhalten fehlen. Der zweite Beifahrersitz hinter dem Fahrer ist nur schlecht zugänglich. Er stieß beim Vier-Zylinder-Schlepper außerdem ständig gegen den Fahrersitz. Weitere Negativpunkte sind der etwas unpraktische Verschluss des Heckfensters und das kleine Rennlenkrad. Es lässt sich nicht nur schlecht bedienen, sondern versperrt in bestimmten Positionen auch die Sicht auf das Armaturenbrett. Die Hebel und Schalter auf der rechten Bedienkonsole sind verstreut angebracht. Negativ fiel uns aber vor allem der Handgas- Drehregler auf. Er sitzt weit außen auf der Konsole und lässt sich deutlich schlechter dosieren als ein herkömmlicher Schieberegler. Befestigungspunkte für Monitore oder Bedienterminals sind in der Kabine nicht vorhanden. Dafür gibt es mehrere 12-V-Stromanschlüsse. Kommen wir zu den Unterschieden bei den Fahrerkabinen: Objektiv und subjektiv ist der 6-Zylinder- Schlepper leiser und angenehmer. Bei den Messungen wurden im Durchschnitt 75 db(a) ermittelt. Der 4- Zylinder-Traktor liegt rund 1 db(a) höher. Sein Sound ist außerdem harscher als beim sonoren Sechszylinder. Extrem laut werden beide Valtra-Traktoren bei geöffnetem Heckfenster. Stötop agrar 11/2004 75
top Technik Der Wendeschalthebel ist gleichzeitig auch Handbremse. Mit dem roten Knopf werden Getriebe- Programmierungen vorgenommen. Die Valtra-Kabine ist bei beiden Schleppern baugleich. Sie bietet viel Platz und ist relativ gut verarbeitet. Der Geräuschpegel liegt im Durchschnitt der Leistungsklasse. Die Hebel und Schalter auf der rechten Konsole sind ziemlich verstreut angebracht, aber gut erreichbar. Fotos: Pearce, Höner Der Arbeitsplatz ist großzügig und bietet genügend Platz für eine Rückfahreinrichtung. Nur der Beifahrersitz ist unkomfortabel. rend ist außerdem die relativ laute Lüftung. Die Sichtverhältnisse sind bei beiden Schleppern recht gut. Überrascht waren wir, dass die Haube beim kompakteren 4-Zylinder-Schlepper größer ist und die Sicht etwas stärker einschränkt. Getriebe/Schaltung: nur drei Lastschaltstufen Die unterschiedliche Höchstgeschwindigkeit der Schlepper wirkt sich auf die Zahl der Gänge im Hauptarbeitsbereich aus. Die 40-km/h-Variante des M 150 bietet zwischen 4 und 12 km/h stolze 12 Gänge. Bei der 50 km/h Ausführung sind es zwei weniger, aber immer noch genug. Viele Möglichkeiten hat der Fahrer im unteren Geschwindigkeitsbereich durch die serienmäßige Kriechgang Gruppe. Geschaltet werden die Gänge und Gruppen mit zwei Schalthebeln, die sich relativ gut bedienen lassen. Wer nicht mit der Fußkupplung arbeiten will, kann die Kupplungs-Druckschalter an den 76 top agrar 11/2004 Hebeln nutzen. Die Lastschaltung lässt sich an drei verschiedenen Stellen bedienen: jeweils auf den Schalthebeln und auf der Armlehne. Auf der Armlehne ist die Platzierung und Kennzeichnung allerdings nicht eindeutig. Mit nur drei Stufen stößt die Lastschaltung bei stark wechselnden Bedingungen an ihre Grenzen. Außerdem sind die Geschwindigkeitssprünge mit ca. 25 % relativ groß. Entschädigt wird der Fahrer durch einen sehr weichen und dosierten Stufenwechsel. Außerdem leistet die Automatik sehr gute Arbeit. In Stellung I schaltet sie abhängig von der Last und der Stellung des Gaspedals. In Auto II kann der Fahrer Drehzahlen einprogrammieren, bei denen das Getriebe rauf- oder runterschaltet. Frei wählbar sind auch die Geschwindigkeiten, mit denen die Wendeschaltung die Fahrtrichtung wechselt. Der Wechsel erfolgt sehr weich. Gut gefiel uns auch der Wendeschalthebel mit integrierter Neutralstellung und Handbremse. Mit der Wendeschaltung kann man den Schlepper sehr viel dosierter als mit der etwas ruppigen Fahrkupplung anfahren: Einfach die Fahrtrichtung vorwählen und Gasgeben. Beim Anhalten hilft das Auto- Traction-System. Damit kuppelt der Schlepper automatisch aus, wenn man auf die Bremse tritt und die Geschwindigkeit unterhalb von 10 km/h oder die Motordrehzahl unter 1000 U/min liegt. Auf abschüssigen Straßen kann der Schlepper allerdings ungewollt auskuppeln, wenn er die beiden Grenzwerte unterschreitet. Hubwerk/EHR: stark im Heben Bei den Hubkräften glänzten unsere beiden Valtras mit durchgehend mehr als 7 000 dan. Für Überraschung sorgte die etwas geringere Hubkraft und abfallende Hubkraftkurve beim 6-Zylinder. Bei den baugleichen Hubwerken wären identische Ergebnisse zu erwarten gewesen. Die EHR lässt sich einfach bedienen und ist sofort logisch. Leider sind die Bedienelemente auf drei Orte verteilt. Außerdem sitzt der Tiefenregler auf der Außenseite der Armlehne und ist entgegen der Logik skaliert. Die Funktionsrichtung wurde inzwichen geändert. Für die
übrigen Einstellungen der EHR hätten wir uns stufenlose Drehregler gewünscht. Hydraulik: sehr komfortabel Erwartungsgemäß gab es bei der Hydraulik keine Unterschiede zwischen den Kontrahenten. Beide arbeiten mit dem gleichen Konstantstrom-System, das wie ein Load-Sensing-System funktioniert. Leistung und Durchflussmenge sind durchschnittlich. Bei normalem Ölstand können 20 l und bei höherem Füllstand bis zu 40 l entnommen werden. Sehr gut gefiel uns die Bedienung der vier serienmäßigen Steuerventile. Der Durchfluss und die Zeitsteuerung der elektrohydraulisch betätigten Ventile lassen sich jeweils unabhängig für beide Richtungen einstellen. Die Leiste mit den Einstellknöpfen ist gut gekennzeichnet und sofort logisch zu bedienen. Die Bedienung von drei Steuerventilen kann der Fahrer wahlweise auf die Armlehne legen. Der kleine Kreuzhebel ist gut bedienbar. Es besteht aber die Gefahr, dass er unbeabsichtigt betätigt wird. Übersicht 2: Vier- contra Sechszylinder Motor Zylinder/Turbo 4/turbo 6/turbo Nennleistung kw/ps 110/150 114/155 Hubraum cm 3 4 400 6 600 Motor (Zapfwellenmessungen) Nenndrehzahl U/min 2 200 2 200 Leistung bei Nenndrehzahl kw 95,7 95,5 Höchstleistung kw 96,3 100,9 Drehmomentanstieg % 30 39 Überleistung kw 0,6 5,4 Konstantleistungsbereich U/min 9 % 39 % Spezifischer Kraftstoffverbrauch bei Nenndrehzahl g/kwh 276 280 bei Höchstleistung g/kwh 266 240 Sechs Teillast-Betriebspkte. g/kwh 260 277 Kraftstofftank Inhalt l 330 330 Gewichte mit 560 kg Frontballast vorne kg 3 436 3 852 hinten kg 2 759 2 921 gesamt kg 6 195 6 773 Leistungsgewicht kg/kw 50 55 Geräuschpegel bei geschlossener Kabine maximaler Pegel db(a) 76 77 minimaler Pegel db(a) 75 73 Durchschnitt db(a) 76 75 Hydraulik maximaler Ölstrom l/min 83,6 84,0 maximale Leistung kw 23,0 19,5 Hubwerk hinten Hubkraft - unten dan 7 726 7 390 - Mitte dan 7 299 6 942 - oben dan 7 209 6 789 durchgehende Hubkraft dan 7 411 7 040 Abmessungen Länge cm 490 515 Breite cm 234 234 Höhe am Auspuff cm 293 297 Höhe an der Kabine cm 300 303 Radstand cm 256 275 Bereifung vorne 16.9 R 28 16.9 R 28 hinten 20.8 R 38 20.8 R 38 Wendekreis ohne Allrad m 10,3 12,6 mit Allrad m 10,9 13,3 top agrar 11/2004 77
top Technik Das Hubwerk der beiden Schlepper glänzte mit hohen Hubkräften. Einfach lassen sich die Kühler reinigen. Der Wartungsaufwand ist insgesamt gering. Zapfwelle: T 150 hält Zapfwellen-Drehzahl besser Serienmäßig bietet Valtra nur zwei Zapfwellengeschwindigkeiten. Wahlweise wird eine Wegzapfwelle und die 540 E- Ausführung angeboten. Das volle Programm mit 540/540 E/1 000 und 1 000 E ist aber nicht erhältlich. Die Normdrehzahl von 540 U/min wird bei 1874 und die von 1000 U/min bei 2 000 Motorumdrehungen erreicht. Der M 150 arbeitet dann etwas unterhalb seines geringen Konstant-Leistungsbereichs. Dagegen liegt das T-Modell genau in der Mitte der Konstantleistung. Er kann somit die 1 000 U/min bei schweren Zapfwellenarbeiten besser einhalten. Die Automatik schaltet die Zapfwelle über das Hubwerk zwar ab, aber nicht wieder ein. Außerdem lässt sich der Schaltpunkt nicht einstellen. Über einen unauffälligen Kippschalter wird die Zapfwelle ein- und ausgeschaltet. Wir hätten uns den Schalter auf der Armlehne gewünscht. Die Zapfwelle läuft moduliert an. Die Außenbedienung auf beiden Kotflügeln ist serienmäßig. Der Hebel für den Geschwindigkeitswechsel lässt sich gut bedienen. Allrad und Differenzialsperre: gute Automatik Der Allradantrieb wird bei beiden Schleppern automatisch aktiviert, sobald der Fahrer auf die Bremse tritt. Die Elektronik kann die Vorderräder außerdem zuschalten, wenn die Fahrtrichtung gewechselt wird oder der Schlepper anfährt. Dadurch wird das Durchdrehen der Hinterräder vermindert. Sperre und Allrad werden über Kippschalter aktiviert. Die Automatik-Position ist nicht gekennzeichnet. Im Automatik-Modus schaltet das System über das Hubwerk und die Einzelradbremse ein und aus. Allerdings arbeitet der Allradantrieb nur im Automatik-Modus, wenn sich auch die Differenzialsperre im Auto-Betrieb befindet. Lenkung, Wendekreis: wendiger 4-Zylinder Trotz 50 km/h Höchstgeschwindigkeit lässt sich der T150 auf der Straße besser und sicherer lenken. Hier machen sich der lange Radstand und das höhere Gewicht bemerkbar. Die gefederte Vorderachse hat ebenfalls einen positiven Einfluss. Der Vierzylinder verhält sich auf der Straße nervöser. Ansonsten arbeitet die Lenkung bei beiden Schleppern gut und direkt. Störend empfanden wir die 4,5 Umdrehungen, die von einem zum anderen Anschlag notwendig sind. Erschwerend kommt das kleine Lenkrad hinzu. Die schlechtere Straßenlage gleicht der Vierzylinder durch seine Wendigkeit aus. Der Wendekreis ist um ca. 2,5 m geringer als beim langen Sechszylinder. Ein wichtiger Pluspunkt für Betriebe, die einen wendigen Hof- und Grünlandschlepper suchen. Die Bremsen leisten bei beiden Schleppern gute Arbeit. Allerdings muss man kräftiger aufs Pedal treten. Die Handbremse am Wendeschalthebel hat Vor- und Nachteile. Zu den Pluspunkten zählen die gute Erreich- und Bedienbar- 78 top agrar 11/2004
In der nächsten top agrar-ausgabe Traktorentest: Fünf mal 160 PS im Vergleich Schleppertechnik vom Feinsten gibt es in unserer nächsten top agrar-ausgabe. Die fünf Traktoren aus der 160-PS- Klasse bieten alles, was an Technik, Elektronik und Komfort derzeit verfügbar ist. Angefangen vom stufenlosen Antrieb über gefederte Vorderachsen und Kabinen bis zu kompletten Vorgewende-Management-Systemen. Case (CVX 1190) und John Deere (6920 AutoPowr) glänzten mit der einfachen Bedienung ihrer Getriebe. Der Fendt Vario 817 präsentierte sich hervorragend auf der Straße und auf dem Prüfstand. Erstmalig im Vergleichstest standen außerdem die stufenlosen Traktoren von Deutz-Fahr und MF. Der MF 7490 verfügt über das bewährte Vario-Getriebe von Agco. Das ZF- Getriebe im Deutz TTV 1160 ist bereits aus den 6020er John Deere-Traktoren bekannt. Die Bedienkonzepte der beiden Schlepper sind allerdings völlig neu. Lesen Sie mehr darüber, wie unsere fünf Testkandidaten auf dem Prüfstand und in der Praxis abgeschnitten haben. keit und der frei gewordene Platz auf dem Kabinenboden. Man kann damit am Hang allerdings nicht dosiert anfahren. Um Fehlbedienungen zu vermeiden, greift die Bremse erst unterhalb von 3 km/h. Werkseitig ist der Wert zwischen 2 und 6 km/h programmierbar. Beim Ausrollen hält der Schlepper butterweich an, wenn die Handbremse betätigt wird. Fahreigenschaften: 6-Zylinder läuft stabiler In der 140-PS-Klasse zählen die beiden Schlepper zu den Leichtgewichten. Der Vierzylinder kommt ohne Frontballast auf 5 635 kg. Der größere Sechszylinder mit Vorderachsfederung auf 6 213 kg. Auf der Vorderachse ruhen etwa 56 % des Leergewichts. Mit seinem längeren Radstand (plus 20 cm) und dem etwas höheren Gewicht liegt der T 150 eindeutig besser auf der Straße. Auch auf dem Feld profitiert er davon. Dennoch kam der M 150 mit dem 5-Schar-Volldrehpflug auf dem schweren Lehmboden genauso gut zurecht. Wartung: wenig Aufwand Gut schnitten die Valtras bei der Wartung ab. Die Intervalle sind mit 500 Stunden (Motoröl) und 1000 Stunden (Getriebe) sehr lang. Nur sechs Schmiernippel müssen regelmäßig mit Fett versorgt werden. Die Vorderachsen und die Allradantriebe sind wartungsfrei. Die Seitenteile der Haube lassen sich einfach an- und abbauen. Die Haupthaube wird in einem Stück nach oben geschwenkt. Die vier Kühler können leicht ausgeschwenkt und gereinigt werden. Die Batterie befindet sich unter dem rechten Aufstieg und ist dort relativ gut erreichbar. Der Werkzeugkasten ist abnehmbar, könnte allerdings etwas größer sein. Außerdem befindet er sich auf der rechten Seite des Schleppers. Darüber hinaus gab es nur wenige Punktabzüge bei der Wartung: Zur Kühlwasserkontrolle muss die Haube geöffnet werden. Der Luftfilter ist noch mit einer Schraube gesichert und liegt versteckt. Hier gibt es inzwischen modernere Lösungen. Sehr hoch ist der Kabinenfilter angebracht. R. Lenge Die Entscheidung: 4- oder 6-Zylinder? Mit dem vierzylindrigen M 150 ist Valtra erfolgreich in die Klasse bis 150 PS vorgedrungen. Der Schlepper bringt annähernd die Leistung seines großen Bruders und ist trotzdem wendiger und vor allem sparsamer. Die Gewichtseinsparung von ca. 250 kg ist allerdings nur gering. Dennoch ist der Schlepper eine interessante Alternative als Hof-, Grünland- und Allround-Maschine. Beim T 150 weiß man, was man hat. Durch den langen Radstand und das höhere Gewicht macht der Schlepper eine bessere Figur auf dem Feld und auf der Straße. Hier hat allerdings auch die gefederte Vorderachse geholfen. Eindeutig überlegen ist die Motorcharakteristik. Der hohe Drehmomentanstieg und der große Konstantleistungsbereich helfen bei Zugarbeiten. Ackerbauern, die einen schweren Zugschlepper suchen, sollten sich daher für den 6-Zylinder entscheiden. Auch preislich ist er interessant, weil ihn Valtra derzeit ca. 2 000 E günstiger als den M 150 anbietet. top agrar 11/2004 79