INFORMATIONSSCHRIFT zur Teilnahme an einer

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Transkript:

Inhaltsverzeichnis: 1. Einleitung 2. Zur Teilnahme an einer klinischen Studie INFORMATIONSSCHRIFT zur Teilnahme an einer klinischen Studie 3. Welche unterschiedlichen Studien gibt es? 4. Wie sind klinische Studien aufgebaut? 5. Wie werden Patienten innerhalb einer Studie geschützt? 6. Können Sie eine Studienteilnahme trotz Ihrer Vorherigen Einwilligung jederzeit abbrechen? Berliner Leberring e.v. Hilfe für Leberkranke Beratungsstelle für Hepatitis-Betroffene c/o Charité Campus Benjamin Franklin Hindenburgdamm 30 12203 Berlin-Steglitz, Haus III, 1. OG re. Tel./Fax 030 83 22 67 75 kontakt@berliner-leberring.de www.berliner-leberring.de 7. Kann jeder Erkrankte an einer Studie teilnehmen? Welche Auswahlkriterien gibt es? 8. Welche Vor- und Nachteile für die Teilnahme gibt es? 9. Fragen, die Sie in Ihrer Entscheidungsfindung unterstützen können

1. Einleitung: Vielleicht interessieren Sie sich für die Teilnahme an einer klinischen Studie, oder Sie haben bereits von Ihrem Arzt eine Teilnahme angeboten bekommen und sind sich noch nicht so recht darüber im Klaren, wie Sie sich entscheiden sollen. Die nachfolgenden Informationen sind dazu gedacht, Ihnen die Zielsetzung von klinischen Studien, deren Aufbau und Ablauf sowie Ihre Rechte und Pflichten als teilnehmender Patient grundsätzlich zu erklären und Sie ggf. in Ihrer Entscheidungsfindung zu unterstützen. 2. Zur Teilnahme an einer klinischen Studie Die Zahl der von chronischen Lebererkrankungen betroffenen Patienten ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Entsprechend groß ist das Interesse der Medizin, die Heilungschancen von Erkrankten ständig zu verbessern. So haben sich z.b. die Heilungschancen für Hepatitis-C-Patienten durch kontinuierliche Verbesserung der Interferontherapien, unter anderem durch die Kombination mit Ribavirin oder der Weiterentwicklung zu PegInterferon, von 20 % auf über 65 % gesteigert. Dies ist z.b. das Ergebnis sorgfältig durchgeführter Studien, bei denen die Studienteilnehmer deutlich früher als die Nichtstudienpatienten die wesentlich erfolgversprechendere Kombinationstherapie erhalten haben. Um die bereits vorhandenen Therapien zu verbessern oder neue Therapien zu entwickeln, ist es notwendig Forschungsprogramme durchzuführen, an denen Patienten teilnehmen. Die Studien sind so geplant, dass sie mögliche Vorteile der Betroffenen auf ein Maximum erhöhen und Risiken auf ein Minimum reduzieren. Gleichzeitig müssen bedeutsame Forschungsfragen beantwortet werden können. Klinische Studien stellen heute den einzigen sicheren Weg dar, die Heilungschancen für chronisch Lebererkrankte und auch für zukünftige Patienten zu verbessern.

3. Welche unterschiedlichen Studien gibt es? Die meisten Studien werden durchgeführt, um die Wirksamkeit einer neuen medizinischen Therapie für eine Patientengruppe zu ermitteln. Neben den Studien, bei denen es um die Zulassung eines neuen Medikamentes geht, gibt es auch solche mit Medikamenten, die bereits bei anderen Erkrankungen erfolgreich eingesetzt wurden. Auch werden Veränderungen im Therapieschema überprüft, wie z.b. die Therapiedauer, Dosierung oder unterschiedliche Kombinationen mit einem weiteren wirksamen Begleitmedikament. Andere Studien vergleichen mehrere mögliche Behandlungen. In der Regel wird dabei die beste für eine Krankheitssituation zur Verfügung stehende Standard-Therapie mit einem neuen, wirksameren Medikament verglichen. Lassen Sie sich von Ihrem zuständigen Arzt erklären, an welcher Studie Sie teilnehmen können. Es wird keinem Patienten eine Behandlung vorenthalten, von der bewiesen ist, dass sie wirksam ist. Damit sich Studienresultate als eindeutig und unvoreingenommen erweisen, werden die Patienten häufig nach dem Zufallsprinzip, einer (Randomisierung), den verschiedenen Behandlungsgruppen zugeteilt. In einer Doppelblind-Studie wird innerhalb der Studienzentrale entschieden, welche Behandlung dem Patienten zukommt, und weder dem behandelnden Arzt noch dem Patienten ist bekannt, welche Behandlung der Studienteilnehmer bekommt. In anderen, offenen Studien wissen Arzt und Patient, welche Therapie dieser erhält. Wichtig zu wissen ist, dass jede Therapiemöglichkeit innerhalb einer Studie wirksam ist und dass für Sie daraus keine Nachteile entstehen. Die Ergebnisse der verschiedenen Versuchsgruppen werden regelmäßig überwacht. Falls eine Behandlungsmethode nicht den erwarteten Erfolg vorweist, wird sie sofort eingestellt. Sollte sich eine Methode einer anderen Studie als deutlich überlegen zeigen, werden diese neuen Erkenntnisse allen Patienten zur Verfügung gestellt. Während der gesamten Dauer der Studie wird Ihr Hausarzt über alle Ergebnisse auf dem Laufenden gehalten.

4. Wie sind klinische Studien aufgebaut? Klinische Studien sind komplex und in ihrer Durchführung sehr aufwendig. Allgemein lassen sich klinische Studien in verschiedene Phasen einteilen, die aufeinander aufbauen. Damit sichergestellt wird, dass neue Behandlungsmethoden möglichst wirksam und gefahrlos sind, geht einer Anwendung am Menschen eine langfristige und sorgfältige Testung im Labor (Grundlagenforschung) voraus. Erst anschließend wird die Art der Therapie, die optimale Dosis der neuen Behandlungsmethode und deren Wirkung untersucht. Hierbei werden insbesondere die Nebenwirkungen sorgfältig registriert und überwacht. Darüber hinaus wird die neue Therapie mit bereits bestehenden und eingesetzten anderen Behandlungsmethoden verglichen, um sicherzustellen, dass die neue Methode für die Patienten tatsächlich größere Vorteile (z.b. besseres Ansprechen auf die Erkrankung oder geringere Nebenwirkungen) als die bereits eingesetzten Behandlungsmethoden hat. Erst wenn sich die neue Behandlungsmethode den bisher bekannten tatsächlich als ebenbürtig bzw. überlegen zeigt, wird sie als Standardtherapie anerkannt und allgemein eingesetzt. Bis es soweit ist, vergeht allerdings viel Zeit, denn die Durchführung einer klinischen Studie ist streng geregelt. Die Ziele der Studie müssen sorgfältig definiert sein und international anerkannten Richtlinien entsprechen. Das Vorgehen während der Studie wird in Protokollen festgehalten. Der Prüfplan muss eine detaillierte Anleitung zur Studiendurchführung einschließlich des Nebenwirkungs- Managements enthalten. Der gesamte Prüfplan wird einer Kommission vorgelegt, die über die ethischen Aspekte der Studie berät. Ohne eine positive Entscheidung dieser Kommission darf nicht mit der Studie begonnen werden. Um die Interessen aller an einer Studie beteiligten Gruppierungen berücksichtigen zu können, setzt sich in der Regel eine Ethikkommission aus Medizinern, Patientenvertretern und anderen Personen des öffentlichen Lebens zusammen. Wenn die Zustimmung dieser Kommission vorliegt, müssen noch weitere Behörden informiert werden. Es vergehen mehrere Monate von der Planung bis zum tatsächlichen Beginn der Durchführung mit Patienten.

5. Wie werden Patienten innerhalb einer Studie geschützt? Innerhalb einer Studie gibt es strenge Auflagen, die den Schutz von Patienten gewährleisten. Die Information der Versuchspersonen muss vollständig und verständlich sein. Die Durchführung der Studie muss korrekt erfolgen und die Qualität der Ergebnisse sichergestellt werden. So braucht es beispielsweise bestimmte Räumlichkeiten und Einrichtungen (z.b. Labore), Ausrüstung und entsprechend qualifiziertes Personal. Die Erfassung und Verwaltung der Daten erfolgt durch eine aufwendige EDV. Kontinuierlich müssen statistische Zwischenanalysen erstellt werden. Die Ergebnisse werden anderen Forschern in wissenschaftlichen Zeitschriften zugänglich gemacht und in Konferenzen vorgestellt, um einen raschen Transfer in die Praxis zu ermöglichen. Die Anonymität der Teilnehmer wird dabei selbstverständlich gewährleistet. Darüber hinaus sind Ihr Arzt und alle Mitarbeiter an der Studie an eine Schweigepflicht gebunden. Des Weiteren wird für alle Patienten, die an einer therapeutischen Studie teilnehmen, eine sogenannte Probandenversicherung, also ein umfassender Versicherungsschutz, abgeschlossen. Üblicherweise bezieht sich der Versicherungsschutz auf die Schädigungen bzw. gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die auf die Studienmedikation zurückgehen. Die genauen Versicherungsbedingungen wird Ihnen Ihr Arzt erklären und alles, was Sie dazu wissen müssen, Ihnen in schriftlicher Form überlassen. In einer Studie wird Ihr Gesundheitszustand genau überwacht und dokumentiert. Möglicherweise werden mehr Untersuchungen und Tests ausgeführt als die übliche Routine verlangt. Dies geschieht, um den Verlauf genau zu beobachten und um die in der Studie gestellten wissenschaftlichen Fragen möglichst vollständig beantworten zu können. Der Arzt, der Sie innerhalb der Studie betreut, verpflichtet sich, Sie sorgfältig nach Studienplan zu behandeln und zu überwachen sowie die entsprechenden ethischen und rechtlichen Anforderungen genau zu befolgen.

Als Studienteilnehmer werden Sie aber auch ein Stück weit Verantwortung mittragen. Sie müssen sich an einen Studienplan halten, Untersuchungen durchführen lassen, evtl. Fragebögen ausfüllen. Dadurch, dass Sie sich sorgfältig an die Teilnahmebedingungen halten und kooperieren, unterstützen Sie nicht nur bestmöglich Ihren eigenen Heilungsprozess, sondern übernehmen ebenfalls eine wichtige Rolle für künftige Patienten. 6. Können Sie eine Studienteilnahme trotz Ihrer vorheriger Einwilligung jederzeit abbrechen? Eine Einwilligung zur Teilnahme macht es erforderlich, dass der Patient auf verständliche Weise über Inhalt, Durchführung und Bedeutung der Studie informiert wird. Die Aufklärungsarbeit ist Aufgabe Ihres behandelnden Arztes. Anhand dieser Informationen unterliegt es der freien Entscheidung des Patienten, ob er an der Studie teilnehmen möchte oder nicht. Ob Sie sich für oder gegen eine Teilnahme entscheiden, wird sich auf die Qualität Ihrer weiteren Behandlung und Betreuung nicht negativ auswirken. Die Erklärungen und Informationen über Ihre Teilnahme und den Verlauf der Studie sind nicht nur auf die Anfangsphase beschränkt. Mit der anfänglichen Einwilligung wird Ihre Entscheidungsfreiheit nicht eingeschränkt. Sie haben das Recht, Ihre Teilnahme jederzeit abzubrechen. 7. Kann jeder Erkrankte an einer Studie teilnehmen? Welche Auswahlkriterien gibt es? Bevor Ihr Arzt gemeinsam mit Ihnen entscheidet, ob es für Sie persönlich sinnvoll ist, im Rahmen einer klinischen Studie behandelt zu werden, sollten sorgfältige Untersuchungen durchgeführt werden. Die Aufgabe einer Studie ist es, eine Reihe wichtiger Fragen beantworten zu können. Hierfür können unterschiedliche Kriterien von Bedeutung sein, wie z.b. (Geno-)Typ der Erkrankung, Alter oder Geschlecht des Patienten, Ausmaß oder Dauer der Erkrankung, weitere Nebendiagnosen, der allgemeine Gesundheitszustand (z.b. Blutwerte), oder sonstige Auswahlkriterien. Wenn bestimmte Ausschlusskriterien einer Erkrankung auf Sie zutreffen, können Sie nicht teilnehmen. Nicht jede klinische Studie ist also für alle Patienten mit gleichem Krankheitsbild gleichermaßen geeignet, da jeder individuelle Voraussetzungen mitbringt, die bei der Entscheidung berücksichtigt werden müssen.

8. Welche Vor- und Nachteile für die Teilnahme gibt es? Der für Sie als Patient wichtigste Grund, an einer Studie teilzunehmen, ist sicherlich die Hoffnung auf eine erfolgreiche Behandlung. Dies gilt insbesondere für chronisch erkrankte Patienten, für die noch keine optimale medizinische Therapie vorliegt. Entgegen der allgemeinen Meinung als Versuchskaninchen zu dienen - ergeben sich für Studienpatienten folgende Vorteile: Patienten in klinischen Studien profitieren bereits dann vom neuesten Stand der Wissenschaft, bevor die Erkenntnisse in einem größeren Rahmen zur Verfügung stehen. Teilnehmer an einer klinischen Studie werden besonders umfassend, intensiv und kontinuierlich über Behandlungen und Alternativen informiert. Diese Informationen sind eine unabdingbare Voraussetzung zur Durchführung einer Studie. Alle Patienten einer Studie werden gesundheitlich besonders sorgfältig überwacht und nach Beendigung der Studie weiter medizinisch begleitet. Klinische Forschung erweitert und vertieft allgemein die Erkenntnisse für die Behandlung zukünftiger Patienten. Erkenntnisse klinischer Forschung werden international ausgetauscht. Als Patient nutzen Sie dadurch das weltweit vorhandene, neueste Fachwissen. Insofern bedeutet Ihre Teilnahme an einer Studie einen Solidaritätsakt. So wie Sie selbst von den Erfahrungen früherer Studienteilnehmer und dem damit gewonnenen Fachwissen profitieren, werden nachfolgend Erkrankte von Ihren Erfahrungen profitieren. Im Rahmen einer Behandlung können, auch außerhalb einer klinischen Studie, Nebenwirkungen oder andere Probleme auftreten. Diese hängen von der therapeutischen Maßnahme und dem individuellen Gesundheitszustand der Patienten ab. Die meisten zu erwartenden Nebenwirkungen sind vorübergehend und klingen nach Beendigung der Behandlung wieder ab.

Zur genauen Beurteilung Ihres Gesundheitszustandes und des Studienverlaufs kann es sein, dass für Patienten häufiger Arztbesuche und Untersuchungen notwendig sind und dies zu einem erhöhten Zeitaufwand für Sie führt. Bei einer klinischen Studie ist es wichtig, dass alle Teilnehmer, die der gleichen Untersuchungsgruppe angehören, auch den gleichen Bedingungen ausgesetzt sind, damit die Ergebnisse vergleichbar sind. Dies erfordert also auch die sorgfältige Einhaltung des Studienplanes durch den Patienten und evtl. ein erhöhtes Maß an Kontrolluntersuchungen. Es mag sein, dass das neue Medikament sich als nicht so wirksam wie erwartet zeigt oder zu unsicher erscheint, so dass Ihre Gesundheit sich während der Therapie nicht verbessert. Sollte sich tatsächlich herausstellen, dass die Therapie nicht zu Ihrem Besten ist, wird Ihr Arzt umgehend geeignetere Therapiemöglichkeiten mit Ihnen besprechen. 9. Fragen, die Sie in Ihrer Entscheidungsfindung unterstützen können Es ist in Ihrem Interesse, Ihre Behandlungsalternativen mit fachlich kompetenten Ärzten zu diskutieren, Ihren Fach- oder Hausarzt mit eingeschlossen. Ebenfalls sinnvoll ist es, Ihre nächsten Angehörigen bzw. Bezugspersonen in die Entscheidung mit einzubeziehen. Nicht nur kann Sie deren Meinung in Ihrer Entscheidung für oder gegen eine Teilnahme stärken, auch sind Ihre Bezugspersonen selbst durch Ihre Teilnahme (Zeitablauf für die Therapie und natürlich Ihren Heilungsverlauf) mit betroffen. Nehmen Sie sich Zeit, Ihre Fragen zu stellen und diskutieren Sie, was Sie für wichtig halten. Es ist empfehlenswert, solche Gespräche zu planen und die Fragen schriftlich festzuhalten. Es gibt keine dummen Fragen. Im Gegenteil ist es für Sie sinnvoll, Unklarheiten zu beseitigen. Sprechen Sie alle Ihre Bedenken an. Vielleicht wünschen Sie die Begleitung einer Vertrauensperson, dies kann oftmals äußerst hilfreich sein. Sie haben auch jederzeit die Möglichkeit, eine Zweitmeinung oder eine zusätzliche Beratung einzuholen.

Für Sie selbst ist es wichtig, die Informationen über Ihren Therapieweg und Auswirkungen einer Studienteilnahme zu erhalten und von Ihrer eigenen Entscheidung überzeugt zu sein. Hier sind einige Fragen, die Ihnen helfen können, Ihre persönliche Entscheidung zu treffen: Wer führt diese Studie durch? Welches Ziel hat die Studie? Wer überwacht die Studie, wer hat sie bewilligt? Welche Behandlungen werden in der Studie geprüft? Mit welchen Nebenwirkungen (körperliche und psychische) ist ggf. zu rechnen? Welche Alternativen zu der neuen Behandlung gibt es? Welche Untersuchungen muss ich in Kauf nehmen? Muss ich mit (einem) Krankenhausaufenthalt(en) rechnen? Was geschieht mit mir, wenn ich auf die neue Behandlung nicht anspreche? Wie lange dauert die Studie? Wie viel Zeit muss ich z.b. für zusätzliche Untersuchungen investieren? Wie werde ich in meinem Alltag durch die Studienmaßnahmen beeinträchtigt? Welche Nachsorgeuntersuchungen werden folgen? Wie werden die Studiendaten und die Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen (Anonymität der Teilnehmer) überwacht? Was geschieht mit den Daten? Wohin gelangen die Informationen? Habe ich eine bestimmte Kontaktperson, einen festen Ansprechpartner? Falls Sie noch mehr über Studien für chronisch Leberkranke erfahren möchten, können Sie sich auch auf unserer Homepage und den Internetseiten der Deutschen Leberhilfe e.v. (www.leberhilfe.org) oder des Kompetenznetzes Hepatitis (www.kompetenznetz-hepatitis.de) informieren.

Der Berliner Leberring e.v. bietet Ihnen Hilfe und Unterstützung an damit Sie die Therapie bis zum Ende durchhalten. In unserem Büro stehen Ihnen die Berater/-Innen zu Einzelgesprächen und in der Gruppe mit Rat und Tat zur Verfügung. Auf Wunsch begleiten wir Sie zu den Arztgesprächen oder zu den Untersuchungen. Zur Zeit sind wir jeden Dienstag (vormittags) zusätzlich in der Leberambulanz im Charité-Campus Benjamin Franklin für Sie da. Wir kümmern uns um Sie reden Sie mit uns.